OPenCOurse 2012: Trends im E-Teaching – der Horizon Report unter der Lupe

Und noch ein zweiter Hinweis von mir: Sehr gerne weise ich auf den nächsten deutschsprachigen Open Course hin, der vom studium digitale der Uni Frankfurt, e-teaching.org, dem Multimedia-Kontor Hamburg sowie Jochen Robes veranstaltet wird.

Am 16. April startet mit dem OpenCourse 2012 (kurz OPCO12) ein neuer deutschsprachiger MOOC (Massive Open Online Course), der sich dem Thema Trends im E-Teaching widmen wird. Der rein im Internet stattfindende Kurs ist offen für alle, die sich für die Entwicklung neuer Lehr-/Lernformen interessieren. Er greift innerhalb von 14 Wochen unter anderem sechs Technologietrends auf, die im Rahmen des 2012 Horizon Report identifiziert wurden: Mobile Apps, Tablet Computing, Game-Based Learning, Learning Analytics, Gesture-Based Computing, Internet of Things.

Ziel des Kurses ist, heute ermittelte technologische Trends in ihrer Wirkung für den Bildungsbereich auf den Prüfstand zu stellen. Die bildungstechnologischen Entwicklungen der letzten 40 Jahre haben gezeigt, dass viele propagierte Konzepte, Technologien und Werkzeuge schnell wieder aus der Diskussion verschwunden sind. Daher sollen auf Basis des Horizon Report in den 14 Wochen durch Diskussionen, Beiträge und Reflexionen im Netz die Fragen erörtert werden: Was kann konkret erwartet werden? Woran kann angeknüpft werden? Wie nachhaltig können die Entwicklungen eingeschätzt werden? Diese und weitere Fragen werden theoretisch und praktisch, konzeptionell und methodisch mit Hilfe des Horizon Report im Rahmen des OpenCourse 2012 diskutiert, wobei die thematisierten Ansätze und Beispiele alle Bildungsbereiche berühren können. (Mehr Informationen)

Hintergrund zum Open Course:

Die Idee eines OpenCourse geht auf ein Konzept zurück, das von den kanadischen E-Learning-Experten Stephen Downes und George Siemens eingeführt wurde und eine Form des vernetzten Lernens im Sinne des Konnektivismus darstellt. Kennzeichnend für einen OpenCourse ist seine offene und dezentrale Infrastruktur: Einführende Papiere und Live-Sessions mit Experten geben Impulse und setzen einen thematischen Fokus. Die Teilnehmenden lesen, kommentieren, stellen Fragen, diskutieren online weiter: In ihrem eigenen Blog, ihrem Facebook-Profil oder Twitter-Kanal. Ihre Lernziele definieren sie dabei selbst. Die Organisatoren des Kurses bieten eine zentrale Anlaufstelle und eine Agenda im Netz, fassen Beiträge, Kommentare und Diskussionen zusammen und verteilen diese über einen Newsletter. Inzwischen wurden vielerorts vor allem im englischsprachigen Raum so genannte MOOCs durchgeführt, Massive Open Online Courses, womit Online-Kurse mit sehr hohen Teilnehmerzahlen bezeichnet werden. Im deutschsprachigen Bereich fand unter dem Titel „Zukunft des Lernens“ 2011 der erste OpenCourse mit ca. 900 Teilnehmenden statt, auf dessen Erfahrungen dieser neue Kurs aufbauen wird.

Ich bin sehr gespannt auf die Erfahrungen, die in diesem Open Course gesammelt werden.

CfP: Young Academics E­‐Learning Research (YAER2012)

Gerne weise ich auf einen Call for Papers hin, der sich speziell auch an Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen richtet:

In this special track we want to bring together new and innovative approaches, applications and experiences related to the research field of Technology Enhanced Learning. Contributions can focus on, but are not limited to, one of the following topics:
- Research in e­‐Learning technologies
- Evaluation studies of various e-­Learning settings
- Empirical studies for usage of new media in Higher EducationE‐Books
- Social Media in e­‐Learning
- E­‐Learning environments
- Mobile Learning
- Game Based Learning
- Digital Natives and learning
- e‐Assessment
- Podcasting for learning (Educasting & Vodcasting)
- Open Educational Resources (OER)
(more Information)

Important dates
Submission of extended abstracts (2 pages): 23 April 2012
Notification of acceptance: 28 May 2012
Camera­‐ready paper submission (8 pages): 31 August 2012
ICL 2012 conference: 26‐28 September 2012

Mehr Informationen finden sich hier im PDF

Kick-Off ‘School-IT’: IT- und Medienkompetenz für Schulen der Euregio Rhein-Waal

Heute war es endlich soweit: das neue Projekt School-IT am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement ist gestartet. Richard Heinen hatte an dieser Stelle schon einmal über die Hauptelemente des Projekts gesprochen:

1) IT-Assistenten
Immer wieder wird betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien um Längen voraus sind. Häufig wird dies aber als Hemmnis für den unterrichtlichen Einsatz gesehen, weil es die Lehrkräfte verunsichert. Wir wollen im Projekt aber das Potential Nutzen, das darin steckt und ausgewählte Jugendlichen bewusst als IT-Assistenten einsetzen, die sowohl ihre Lehrer als auch ihre Mitschüler vor allem bei technischen Fragen zum Einsatz digitaler Medien behilflich sein können. Damit sie diesen Aufgaben gewachsen sind, erhalten die Schüler eine Ausbildung, die auch Aspekte des Jugendmedienschutzes berücksichtigt und die die Schulen in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Unternehmen gestalten.

2) Projektseminare
Eine wichtige Motivation der euregio das Projekt zu unterstützen, ist der Bedarf der Unternehmen in der Region an jungen Nachwuchskräften, die das nötige Rüstzeug mitbringen, in einem von IT durchdrungenen Arbeitsalltag zu bestehen. Daher werden im Projekt “Projektseminare” durchgeführt, in denen ganze Klasse Projektaufgaben bewältigen, die die Lehrer zusammen mit Mitarbeitern aus IT-Unternehmen entwickeln. Die Schüler können dann bei der Bearbeitung auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter bauen.

3) Niederländisch-deutscher Austausch
In einem ersten Schritt arbeiten im Projekt 2 niederländische und 2 deutsche Schulen mit. Schon in der Phase der Projektentwicklung hat sich gezeigt, wie unterschiedliche die Stand der Medienintegration in beiden Ländern ist und wie hoch das Potential ist, voneinander lernen zu können.

4) Bring deinen eigenen Computer mit (BYOD: Bring your own device)
Der letzte Aspekt ist derjenige, der mir persönlich besonders wichtig ist. Wir verzichten im Projekt bewusst auf eine technische Ausstattung der Schüler mit Endgeräten. Projektmaßnahmen beziehen sich auf die Entwicklung einer technischen Infrastruktur, die es den Schüler erlaubt, ihre eigenen Geräte mitzubringen, d.h. die Geräte, über die schon heute verfügen.

(Quelle: Richards Blog)

Nun waren heute morgen alle Projektbeteiligte anwesend und haben begonnen, den Rahmen für eine gemeinsame, länderübergreifende Zusammenarbeit zu erarbeiten. Vor allem in der Diskussion um digitale Medien im Unterricht gab es aus meiner Sicht spannende Unterschiede zwischen den Ländern: Die Niederländer Schulen berichteten von einer selbstverständlichen Integration digitaler Medien in den Unterricht, sei es ein Desktop-PC in jedem Klassenraum, in vom Lehrer Noten oder Fehlzeiten eingetragen werden, sei des das Vorhandensein von whiteboards in vielen Klassenräumen oder die Nutzung von Facebook, durch die Lehrer. 80% der Lehrer seien in seiner Schule bei Facebook angemeldet, berichtete ein niederländischer Lehrer. Sehr beeindruckend aus meiner bisherigen Erfahrung mit digitalen und social media in der Lehrernutzung. Hier gibt es doch einige Unterschiede, und ich bin gespannt, wie sich die Tandems zwischen einer deutschen und einer niederländischen Schule über die Projektlaufzeit entwickeln.

Gefragt habe ich mich, woran es liegt. Sind wir Deutschen wirklich so medienkritisch und sehen immer erst die Gefahren, anstatt uns einfach mal drauf einzulassen? Oder ist es ein systemischer bias, indem digitale Medien sowohl in der Lehrerausbildung als auch in der frühen Schulbildung zu wenig integriert werden? Spannend ist nämlich, dass beide deutschen Schulen berichteten, dass sie in Klasse 5 ein Fach integriert haben, in dem Schülerinnen und Schülern word, excel, powerpoint, aber auch moodle usw. beigebracht werden, die niederländischen Schulen aber antworteten, das hätte man vor 6 Jahren abgeschafft, da es die Schülerinnen und Schüler zumindest bei Eintritt in die weiterführende Schule beherrschen. Dennoch bleibe das Thema des ethischen Umgangs mit Medien, das die Niederländer so schön mit “media wisdom” bezeichnet haben, was aber auch in Richtung kritischer Informations- und Medienkompetenz geht. Ich denke, über das Projekt und vor allem diesen Fokus werde ich sicherlich an dieser Stelle noch öfter berichten. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die spannende Arbeit innerhalb und zwischen den Schulen, die wir mit dem Lehrstuhl und kennisnet auch wissenschaftlich begleiten werden.

Frohe Weihnachten

Wir wünschen allen ein wunderschönes Weihnachtsfest – in Memoriam Loriot, der seiner Zeit auch bezüglich der Geschenkempfehlungen immer einen Schritt voraus war.

Qualifikationsanforderungen für Enterprise 2.0

Für die einen Unternehmen ist Enterprise 2.0 ein alter Hut, für die anderen noch eine Herausforderung. Aber wohl kaum eine Branche kann es sich leisten, diesen Trend zu ignorieren. Eine klare Positionierung auf der Grundlage der Chancen und Risiken ist notwendig, wobei die Grundlagen für diese Bewertung weitgehend fehlen. Auch die Entwicklung von KPIs erweist sich als schwierig, da eine klare Ableitung von Ursache und Wirkung in diesem komplexen Umfeld schwierig ist.  So gibt es abseits der Evangelisten auch eine lebhafte Diskussion darüber, was Enterprise 2.0 überhaupt bringt bzw. an welchen Stellen und mit welchen Zielsetzungen Web 2.0 im Unternehmenskontext genutzt werden soll.  Basiert die Entscheidung für eine strategische Einführung von Web 2.0 in einem Unternehmen daher nicht auf die Überzeugung des Nutzens (“See the light”) ist es entweder das ungute Gefühl, dass die Wettbewerber hier etwas machen, was ihnen einen Vorteil verschaffen würde oder der Druck aus dem Unternehmen, in dem die Web 2.0-Bewegung zahlreiche kaum noch zu kontrollierende Web 2.0-Buschbrände entfacht hat (“Feel the heat”).

Das Ergebnis ist zum einen, dass die oft hohen Erwartungen nicht erfüllt werden oder ein Konflikt zwischen engagierten Web 2.0ern im Unternehmen und grundlegenden Fragen der Datensicherheit und Nutzens für das gesamten Unternehmen. Sicherlich gibt es auch zahlreiche positive Beispiele für den Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen, grundlegende Fragen scheinen aber nach wie vor nicht beantwortet.

Einige dieser Fragen werden im Buch “Web 2.0 – Neue Qualifikationsanforderungen in Unternehmen” untersucht. Dazu gehört beispielsweise die Frage, für welche Unternehmen Web 2.0 geeignet ist. Dabei zeigte sich, dass Web 2.0 eine besondere Relevanz  für die Wirtschaftszweige besitzt, die

(1) eine besondere Nähe zu IT haben,

(2) in hohem Maße mit Forschung und Entwicklung befasst sind,

(3) eine hohe Komplexität in der Produktions- und Dienstleistungsprozessen haben und

(4) wo sich ein hoher Nutzen der Anwendungen zeigt.

Aber nicht nur die Branchen haben Einfluss auf die Bedeutung der Web 2.0-Kompetenzen, sondern auch das Unternehmensprofil. Identifiziert wurden hier Merkmale wie

(1) Internationalität,

(2) Altersstruktur,

(3) Wettbewerbsintensität,

(4) Unternehmenskultur und mit geringem Einfluss die

(5) die Unternehmensgröße.

Im Zentrum der Forschung standen aber die Qualifikationsanforderungen, die im Zusammenhang mit Web 2.0 in Unternehmen stehen. Dabei wird sich nicht auf die Nutzungsebene beschränkt, sondern eine systematische Analyse vorgenommen, die folgende Aspekte umfasst:

(1) Kommunikation im virtuellen Raum

(2) Kooperationsfähigkeit in virtuellen Arbeitswelten

(3) Umgang mit Informationen und Wissen

(4) Datenschutz, rechtliche Aspekte und Vertraulichkeitsanforderungen

(5) Eigenverantwortliches Lernen und parallele Aufgabenbearbeitung sowie

(6) IT-Kompetenzen

Die Ergebnisse stellen dabei nicht nur eine Momentaufnahme dar, sondern prognostizieren auch die Entwicklung der Relevanz dieser Kompetenzfacetten für 2015 und stellen damit eine wichtige Grundlage für die Planung und Umsetzung der Personalentwicklung in diesem Bereich dar.

Quelle:

Berhard Schmidt-Hertha, Helmut Kuwan, Gerd Gidion, Yves Waschbüchen,  Claudia Strobel (Hrsg.): Web 2.0 – Neue Qualifikationsanforderungen in Unternehmen. Bielefeld: W. Bertelsmann

Rezension auch unter http://www.socialnet.de/rezensionen/12664.php