Einführung in die Erwachsenenbildung

Einführung in die Erwachsenenbildung

So, nun ist es da: Die Einführung in die Grundlagen, Probleme und Perspektiven der Erwachsenenbildung. Rolf Arnold hatte Ekkehard Nuissl hatte und mich eingeladen, seine erstmals vor fast 30 Jahren (1988) erschienene Einführung zu aktualisieren und zu überarbeiten. Selbst ohne tiefere Betrachtungen der Analyse digitaler Medien (auf welche ich in dem Buch „Lernen und Bildung Erwachsener“ von Horst Siebert näher eingegangen bin) ist das Thema in der Breite auch in einer Einführung kaum zu greifen. Dennoch ist uns ein m.E. aktueller Überblick über die Grundlagen der Erwachsenenbildung gelungen. Dabei werden folgende Themenfelder angesprochen:

  1. Geschichte und gesellschaftliche Voraussetzungen der Erwachsenenbildung
  2. Recht, Institutionen und Finanzierung
  3. Didaktik der Erwachsenenbildung
  4. Die vier Seiten des Bedarfs
  5. Profession – Professionalisierung – Professionalität in der Erwachsenenbildung
  6. Arbeiten und Lernen

Arnold, R., Nuissl, E., & Rohs, M. (2017). Erwachsenenbildung. Eine Einführung in Grundlagen, Probleme und Perspektiven. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Zu beziehen über den lokalen Buchhandel – think global – act local! – zu einem wie ich finde sehr günstigen Preis von 19.80  Euro

 

Ökonomisierung unter dem Deckmantel von Digitalisierung

Ökonomisierung unter dem Deckmantel von Digitalisierung

Ich habe eben neugierig in den neuen Horizon Report 2017 geschaut und mich mehr als gewundert, welches Bild von Universität dort durch die Hintertür technologischer Entwicklungen mehr aus durchscheint:

So heißt es u.a. „Der Campus hat sich zur Brutstätte von Unternehmensgründungen und Erfindungen entwickelt, und so werden Hochschulen zunehmend als Innovationstreiber betrachtet (…) Die Integration von Unternehmertum in das Hochschulstudium erkennt zudem an, dass jede große Idee irgendwo ihren Anfang haben muss und Studierende und Lehrende mit den nötigen Werkzeugen ausgestattet werden können, um echte Innovationen in Gang zu setzen. Um Schritt zu halten, müssen Hochschulen ihre Curricula kritisch überprüfen und ihre Evaluationsmethoden so anpassen, dass Hürden beseitigt werden, die neue Ideen behindern.“ (Hervorhebungen MSR) oder ein wenig später:

„Zunehmender Fokus auf der Messung von Lernprozessen. Dieser Trend kennzeichnet das Interesse an Assessment und der breiten Vielfalt an Methoden und Werkzeugen, die Lehrende für die Evaluation, Messung und Dokumentation von Hochschulreife, Lernfortschritten, Kompetenzentwicklung und anderen lernbezogenen Bedarfen von Studierenden einsetzen. Gesellschaftliche und ökonomische Faktoren geben vor, welche Fähigkeiten in der heutigen Arbeitswelt verlangt werden. Daher müssen Colleges und Universitäten überdenken, wie Kompetenzerwerb und Soft Skills, z.B. Kreativität und Teamarbeit, in einem Studienfach definiert, gemessen und belegt werden können. Die Verbreitung von Datamining-Software und die Entwicklungen in der Online-Lehre, im mobilen Lernen und in Lernmanagementsystemen verbinden sich zu Lernumgebungen, die Learning Analytics und Visualisierungssoftware einsetzen, um Lerndaten multidimensional und übertragbar darzustellen.“ (Hervorhebungen MSR)

Aufatmen könnte man, wenn man dann die Forderung der Verbesserung der Digital- und Medienkompetenz liest … und wird doch gleich wieder ernüchtert, denn Begründung dafür sind einzig „Moderne Arbeitsweisen, die entscheidend für den Erfolg am Arbeitsplatz und darüber hinaus“ seien. Und auch die Gestaltung von Lernräumen wird im Dualismus zwischen Tradition und Innovation gerahmt: „Während die Hochschulen sich von traditionellen, vortragsbasierten Lehrveranstaltungen hin zu Praxisszenarien wenden, werden ihre Unterrichtsräume den Arbeitsplätzen und sozialen Umgebungen der realen Welt immer ähnlicher, die natürliche Interaktionen und interdisziplinäre Problemlösungsansätze unterstützen.“

Und so verwundert es nicht, dass es in der Zusammenfassung von Schlüsseltrends dann auch ganz offen heißt: „(…) Hochschulen tragen eine Verantwortung tiefergehende, aktive Lernerlebnisse und eine praxisbezogene Qualifizierung zu ermöglichen und dabei Technologien sinnvoll zu integrieren.“

Da braucht man sich dann auch nicht mehr auf Humboldt berufen, worauf schon Gabi aufmerksam gemacht hat – hier wird ganz offen ein Modell von Universitäten und Hochschulen  gezeichnet, welches Persönlichkeitsbildung gänzlich der Qualifikation und Ausbildung preis gibt, Ökonomie und Effizienz als Erfolgsfaktoren ausmacht, Studierende fit für den Arbeitsmarkt zu machen – und die Digitalisierung mal als Grund, mal als Mittel dafür ausmacht. Die amerikanische Universität als (vermeintliches) Vorbild. Und das fängt schon bei der Sprache an. An dieser Stelle nur zwei Beispiele: Wir sind laut Horizon Report konfrontiert mit einem zunehmenden „Wissensverschleiß“ und gewarnt: „Bevor dieser Trend an einer Hochschule Wurzeln schlagen kann, müssen Lehrende und Mitarbeitende mit den nötigen Werkzeugen zur Umsetzung neuer Methoden ausgestattet werden“ – und damit werden dahinterliegende Bilder mehr als offensichtlich.

Ich meine, wir müssen hier dringender kritischer hinschauen und in die Diskussion darüber kommen, welche Rolle Hochschulen durch die Hintertür von Digitalisierung zugeschrieben wird und was das letztendlich für Bildungsinstitutionen heißt.

Wissenschaft als Legebatterie?

Wissenschaft als Legebatterie?

Die letzte Forschung und Lehre beschäftigte sich im Standpunkt schon mit der Frage nach dem Sinn von Ziel- und Leistungsvereinbarungen hin (siehe auch Gabis Beitrag hier). Nun las ich gestern Abend den Standpunkt der aktuellen Forschung und Lehre von Jürgen Wertheimer mit dem Titel „Langeweile-Legebatterie“, in dem er in ein ähnliches Horn bläst, mit der „Legebatterie“ auch mit einem prägnanten Bild:

Ich leugne es geradezu, dass dieses System der Universität gutgetan hat und weiter guttun wird. Im Gegenteil, es hat uns verwundbarer, abhängiger, eingeschränkter gemacht. Eingesperrt in ein schier undurchdringliches und unabstellbares Regelwerk aus Evaluationen, Akkreditierenden, Modularisierungen, Normierungen und Standardisierungen hängen wir am Tropf fragwürdiger Rankings und rotieren in einer permanenten Castingshow der Besten, der Sichtbarsten, der Internationalsten. (S. 431)

Er spricht weiter von „Dressieren“, von „Serieneliten“ statt Exzellenz und einem „Clash of Culture“ zwischen „monologischem engen, auf Eindeutigkeit zentriertem Denken auf der einen und einer Lebensweise und Derart auf der anderen Seite, die sich der Vielfälgitkgie, Ambivalenz und Mehrdeutbarkeeit der Wirklichkeit stellt“ (ebd.). Es ist insgesamt ein Plädoyer für mehr Kreativität und Phantasie auch als Grundlage von Wissenschaft.

Ich fühlte mich sofort an zwei Dinge erinnert: Zum einen an einen Text, den ich mit Balthasar zum Thema „Sichtbarkeit“ als Phänomen von Lehrpreisen schrieb (Blogbeitrag), zum anderen an Rolf Schulmeisters immer wieder geäußertes Plädoyer für mehr Kreativität und didaktische Phantasie. Ich meine, hierüber sollten wir immer wieder nachdenken, auch und insbesondere im sog. „Zeitalter der Digitalisierung“, in dem es (zu) oft leider auch um Standardisierung und Effizienz geht.