„Open/ing Medienpädagogik“ | Workshop und Aufruf zum Mitmachen

„Open/ing Medienpädagogik“ | Workshop und Aufruf zum Mitmachen

Nächste Woche findet die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) unter dem Motto „Konstitution der Medienpädagogik“ in Wien statt. Das Tagungsprogramm ist online, die drei Tage vor Ort versprechen interessant zu werden. Auf einen interessanten Workshop hoffen auch wir, Sandra Hofhues und ich.

Zur Konstitution der Medienpädagogik passt auch die Frage, wie sich die Medienpädagogik als Disziplin und Profession aufstellt. So wurden wir vor einigen Monaten wir vom Jungen Netzwerk Medienpädagogik (https://www.facebook.com/groups/medipaed/?fref=ts) angefragt, einen Workshop zum Thema „Open/ing Medienpädagogik“ zu gestalten. Der Workshoptitel hat sich dabei im Diskurs mit dem Jungen Netzwerk ergeben, da in den zwei Stunden sowohl konkrete als auch konzeptionelle (vielleicht auch theoretische) Ziele erfolgt werden sollen. Im Vordergrund steht, wie sich die Sektion Medienpädagogik künftig im Netz präsentiert. Ein Sektionsblog ist ein konkreter Vorschlag, der bereits vom Jungen Netzwerk Medienpädagogik unterbreitet wurde. Wir sind sicher, dass es weitere Ideen dazu gibt.

Mitdenken und Mitmachen

Hinter dem Workshop steckt unseres Erachtens „mehr“ als nur eine Diskussion „Blog: ja oder nein?!“, weshalb wir der Einladung gerne nachgekommen sind. Denn das Thema der Öffnung bzw. des Öffnens (nicht nur von Wissenschaft) ist eines, welches mich wie auch Sandra seit über zehn Jahren in unterschiedlichsten Bereichen und Konstellationen beschäftigt.

Um vor Ort in Wien nicht nur über Öffnung zu reden, sondern möglichst fruchtbare Diskussionen anzuregen und auch Personen, die nicht in Wien dabei sein können, eine Beteiligung zu ermöglichen, (er-)öffnen wir den Workshop schon jetzt: Wir laden zu einer Diskussion folgender Fragen auf einem Etherpad und auf Twitter (#OpenMedPäd) ein:

  1. Was ist aus Deiner/Ihrer Perspektive offen („open“) in Bezug auf die Medienpädagogik als Disziplin und Profession?
  2. Wie kann man eine Disziplin/Profession wie die Medienpädagogik Deiner/Ihrer Erfahrung nach öffnen? Wie nicht?
  3. Wofür steht Medienpädagogik als Disziplin und Profession Deiner/Ihrer Ansicht nach heute?
  4. Welche Widersprüche erlebst Du/erleben Sie im Kontext medienpädagogischer Forschung, Lehre und Praxis?

Wir freuen uns auf Deine/Ihre Beteiligung im Vorfeld der Tagung, aber auch vor Ort. Nach dem Workshop fassen wir die Diskussion und Ergebnisse zusammen und machen sie öffentlich zugänglich. Sie werden auch zur Weiterarbeit in der Sektion genutzt.

Spannende Sache, aber Etherpad-Link noch nicht gesehen? Kein Problem, hier der Link: https://edupad.ch/9a7YcAOkuD Danke für die Beteiligung!

Tagungsrückblick | Digitalisierung der Lehre und Lernorte

Tagungsrückblick | Digitalisierung der Lehre und Lernorte

Letzte Woche war ich auf der gemeinsamen ZKI-Herbsttagung und 17. DINI-Jahrestagung zum Thema „Digitalisierung der Lehre“ in Ulm eingeladen. Am Donnerstag standen dann inhaltlich „künftige, virtuelle und reale Lernorte“ im Fokus, denn: Neben all der Digitalisierung lernen wir immer noch in und an der Hochschule, virtuelle Universitäten und neue Lehr-Lernformen haben sich nicht flächendeckend durchgesetzt. Und die Diskussionen über Anwesenheitspflichten macht deutlich, dass digitale Medien nicht die Auflösung von Hochschulen bedeuten, allerdings das Zusammenspiel zwischen Nutzung digitaler Medien (MOOCs, Inverted Classroom uvm.) und Präsenzen ausgelotet wird.

In meinem Eröffnungsvortrag thematisierte ich dementsprechend vor allem den Lernort Hochschule, der sich aus meiner Perspektive zwischen Anachronismus auf der einem Seite und der Offenheit auf der anderen bewegt, vergleicht man die Diskussionen um Digitalisierung/E-Learning in den letzten Jahren: Auf der einen Seite gibt es vielfältige digitale Neuerungen, auf der anderen Seite diskutieren wir immer noch, was bzw. wie viel Anwesenheit eine Vorlesung beispielsweise ausmacht. Im Vortrag habe ich mich vor allem auf die (Lern-)Raumdiskussionen bezogen und mich dafür ausgesprochen, dass es nicht reicht, „nur“ Räume einzurichten, sondern man  sich Gedanken über der Akteure, und Interaktionen sowie die soziale Dimension des Raums machen muss. Insbesondere die Rolle digitaler Medien wird nur marginal diskutiert (ganz beliebt z.B. in der Diskussion um Steckdosenverfügbarkeiten). Die Veränderungen, die sich für Lernorte ergeben, sind aus meiner Perspektive noch nicht wirklich durchdacht, konzeptualisiert man beispielsweise  Medien als Verbindung oder raumkonstituierend. Dieses Verständnis würde es z.B. notwendig machen, dass man ein Re-Framing „innerer“ Bilder von (Lern-)Räumen, Studierenden und Medien vornimmt. Denn: Wir haben immer noch ziemlich klare Vorstellungen darüber, wie Lernräume an Hochschulen aussehen. Und dies schon zu Beginn des Studiums: So sind die Studierenden meiner Vorlesung immer wieder irritiert, wenn sie den runden Vorlesungssaal an der Uni betreten.

Und zuletzt plädierte ich dafür, bei der Gestaltung nicht nur die Studierendenperspektive (Stichwort Lernwanderer) einzunehmen, sondern auch dem (studentischen) Forschungshandeln Raum zu geben. Relevant ist dabei das Überdenken des Zusammenspiels von akademischen und medialen Praktiken, ein Aspekt, der uns gerade auch im FideS Projekt beschäftig. Digitale Medien könnten neue Räume schaffen sowie die Aneignung und Verbindung von Räumen ermöglichen, so dass Enkulturation (auch durch Partizipation) ermöglicht wird. Hochschule kann somit zu einem Lebens-, Lern- und Erkenntnisort werden. Dabei war es mir nochmals wichtig, zu betonen, dass es um ein kann geht: Denn neben all den Gestaltungsabsichten sollten wir die Eigentätigkeit der Studierenden nicht aus dem Blick verlieren, um auch eigene Räume zu gestalten. Gerade diese ist für Dozierende und ‚Gestaltende‘ schwierig, insbesondere, wenn sich Studierende evtl. anders verhalten, als man dies erwartet, sowohl auf dem Campus als auch „in“ den Medien.

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Eine schöne Anekdote dazu bot der Campus der Universität Ulm: Zwar wurden hier Arbeitsmöglichkeiten eingerichtet, verrücken konnte man diese allerdings aufgrund der Sicherung nicht, was in einigen Fällen dazu führte, dass man Stühle nicht zurückschieben und damit faktisch an einigen Stellen kaum nutzen konnte, wie das Bild zeigt. Eine kreative Aneignung in Form von Gestalten und Verrücken war nicht möglich. Sofort musste ich an die Vorträge von Gudrun Bachmann im Projekt Lernräume denken, in denen sie auch die Rolle der Administration in der Gestaltung der Lernräume einging.

Die anderen Beiträge (Abstracts) präsentierten dann theoretische und empirische Perspektiven auf den Lernort Campus (Olaf Eigenbrot), die Rolle digitaler Medien (David Meinhard) sowie die Rolle Virtueller Realität in der Lehre (Alexander Kulik). Gerade der letzte Vortrag machte aus meiner Perspektive deutlich, wo Potenziale von kollaborativem VR liegen, auch wenn ich mich mehr als einmal an das Holodeck erinnert fühlte ;-).

Nach Vorträgen schloss sich ein World-Café an, um das Thema der Lernräume vertiefend und mit unterschiedlichen Perspektiven (Hochschulbibliotheken, E-Learning Centern, Dozierenden) zu diskutieren: Hier merkten wir schnell, dass sich zum einen die Raum-Themen durch die gesamte Hochschule ziehen und zum anderen nicht unabhängig von Fragen wie Lehrentwicklung, Hochschuldidaktik oder  Medienkompetenzen denkbar sind. Denn gerade letztes ist aus meiner Perspektive relevant für die Gestaltung medialer Bildungsräume. Ich bin sicher, das Thema wird mich die nächste Zeit weiter beschäftigen.

Blockchain for education … the „next big thing“?

Blockchain for education ... the "next big thing"?

Es gibt einen neuen Hype, der die Technologiewelt begeistert und – möglicherweise – auch den Bildungsbereich erfassen wird, ohne dass er in den meisten Trendberichten zu aktueller Bildungstechnologie je Erwähnung gefunden hat (Ausnahmen gibt es natürlich immer, siehe hier): Blockchain (Erklärung z.B. hier, hier).

Es zeigt, dass Prognosen in der heutigen Zeit schwierig sind und der Bildungsbereich (mehr und mehr) von technologischen Entwicklungen getrieben ist. Dabei stellt sich zwar auch die Frage der pädagogischen Relevanz, viel entscheidender ist mittlerweile aber die Frage, welche Durchdringung die Technologie (im Bildungsbereich) erreichen wird und welche Aus- und Wechselwirkungen sich dadurch für das System formaler (staatlicher) und non-formaler Bildung (insb. Weiterbildung) ergeben werden. Dabei sind sowohl mögliche Innovationspotenziale gemeint, aber auch mögliche Gefahren und Risiken.

Die Beantwortung dieser Fragen ist angesichts des frühen Entwicklungsstatus schwierig, gleichzeitig werden aktuell, so scheint es, die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Bedeutung von Blockchain ergibt sich dabei vor allem aufgrund der prognostizierten wirtschaftlichen Bedeutung. Vor allem große Banken und IT-Unternehmen, allen voran IBM, beschäftigen sich mit der Technologie und entwickeln mögliche Geschäftsmodelle. Es wäre naiv zu glauben, dass hier altruistische Motive ausschlaggebend sind, um revolutionäre Ideen zu unterstützen. Es geht um die Frage, wie auf mögliche technologiegetriebene Veränderungen in der Finanzwelt, aber auch im Gesundheits-, Energie-, Versicherungs- und auch Bildungsbereich (Branchenbeispiele z.B. hier) reagiert werden kann, um die eigenen Marktposition zu verbessern und für die kommenden Entwicklungen gewappnet zu sein. Dabei ist es zunächst irrelevant, ob die Technologie so bedeutsam ist, dass sich „die Großen“ damit beschäftigen, oder die Technologie so bedeutsam wird, weil sich „die Großen“ damit beschäftigen. Trotz allem ist die Zukunft nicht vorhersehbar und die Feststellung  „Blockchain is clearly more than just hype.“ (Quelle) bewegt sich wohl eher irgendwo zwischen Hoffnung und Fazit.

Für den Bildungsbereich ist Blockchain für die Frage der Dokumentation und Validierung von Kompetenzen/Qualifikationen/Abschlüssen von Bedeutung (siehe hier), also einem Thema, welches von aktueller Relevanz ist (siehe hier). Wie weit die Entwicklungen bereits sind, zeigen folgende Beispiele:

  1. Das MIT Media Lab hat Zertifikate für die Media Lab Community eingeführt und diese mit der Blockchain-Technologie als Plattform verbunden (siehe hier).
  2. Die Holberton School hat in Partnerschaft mit  Bitproof Blockchain eingeführt, um ihre Abschlüsse zugänglich zu machen und nachzuweisen (siehe hier). Auch die University of Nicosia bietet diese Möglichkeit an (siehe hier) und die Open University arbeitet mit APPII an der Entwicklung entsprechender Lösungen (siehe hier).
  3. Die Open Badges Community beschäftigt sich mit der Verbindung von Badges und Blockchain (siehe hier).
  4. Sony Global Education entwickelt eine Bildungsinfrastruktur auf Basis von Blockchain, um (akademische) Abschlüsse zu teilen und nachzuweisen.

Es gibt noch viele weitere Beispiele. Donald Clark hat eine Übersicht über grundlegende Einsatzmöglichkeiten zusammengestellt (siehe hier) und auch Knowledgework gibt eine Übersicht über mögliche Anwendungsfelder und damit verbundene Veränderungen für den Bildungsbereich (siehe hier). Auf den Seiten der Open University gibt es auch einige Anwendungsbeispiele zu sehen (hier).

Am Ende bleiben für mich vor allem viele Fragen. Wird Blockchain (wie erhofft) zur Demokratisierung der Bildung beitragen? Welche Auswirkungen wird die Einführung von Blockchain für das das Bildungssystem haben? Deutet sich hier eine Lösung für die Dokumentation und den Nachweis von Kompetenzen an?  Wer wird die Lösungen anbieten? Wie werden sich solche Systeme finanzieren? Welche Geschäftsmodelle werden (ergänzend) entwickelt? Und warum wird in Deutschland darüber so wenig diskutiert?