Science 2.0 – Wissenschaft auf dem Holzweg?

Ich probiere jetzt schon seit geraumer Zeit eine nicht irrelevante Anzahl an Web 2.0-Tools aus, um mich mit Wissenschaftler/innen aus aller Welt zu vernetzen, Informationen über spannenden Publikationen und Projekte zu bekommen und auch um zu sehen, was anderswo diskutiert wird.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion zur Kommentarkultur kann ich nur sagen, dass meine Erfahrungen mit dem Informellen Blog schon ziemlich das treffen, was Schulmeister analysiert hat. Wenig Kommentare, wenig Diskussion, wenig neue Erkenntnisse – ausser vielleicht aus der Selbstreflexion. Im Gegensatz zum Headz-Blog ist mein Anspruch beim informellen Blog schon “wissenschaftlicher”, was immer das ist. Mehr Diskussionen von Publikationen und Vorstellung von Projekte und Konzepten, weniger Befindlichkeiten. Diese “nüchterne” Darstellung und der Fakt, dass wohl ein Grossteil dieser Wissenschafts-Community nicht so viel mit dem Netz anfangen kann, ist wohl auch der Grund für die dürftige Kommunikation. Vielleicht ist es auch einigen zu öffentlich, ich weiss es nicht. Aber dazu wollte ich an anderer Stelle noch mal weiter ausholen.

Punkt zwei wären Research Networks, von denen es mittlerweile auch eine ganze Reihe gibt. Ob Academia, Research Gate, Mendeley, ResearchID, Scholarz und andere. Ich habe mich brav eingetragen, mein Profil gefüllt und Kontakte gesucht. Den einen oder anderen findet man dann auch – aber mit denen ist man auch über mindestens 10 weitere Networks verbunden. Im Verhältnis zum Aufwand bringt es also nichts. Zumindest bisher, wenn man die Hoffnung hegt, das es nur eine Frage der Zeit ist, bis a) genügend Wissenschaftler dort vertreten sind und b) es damit auch notwendig wird, dort vertreten zu sein. Ich will damit nicht sagen, dass die ganze Web 2.0-Sache in der Wissenschaft nichts bringt. Es gibt schon interessante Anwendungen, wie zum Beispiel wikigenes und auch Mendeley und Scholarz und all die anderen Netzwerke könnten sicherlich einen Mehrwert bringen – allein sie tun es nicht.

Und nun kommt also noch ScienceFeed und ich frage mich: Was bringts? Auch wenn ich wirklich an die Potentiale glauben will (siehe Herwig et al. 2009), sagt mir meine Erfahrung, dass wissenschaftlicher Austausch für mich immer noch grösstenteils asynchron über Artikel erfolgt. Ich finde dies auch nicht den schlechtesten Weg, auch wenn ich Schulmeister zustimmen muss, dass es viel zu wenige Rezensionen gibt.

Was lässt sich nun zwischen Kaffee und Kuchen resümieren: Meine Erfahrungen mit Web 2.o stimmen mit dem überein, was hier geschrieben steht: Es bringt wenig. Aber es macht auch Spass und Potentiale sind zu erkennen. Vor allem als Ergänzung zu bestehenden Formen des wissenschaftlichen Diskurses im ad hoc-Austausch und der Informationsdistribution. Mittlerweile habe ich kaum noch Verständnis für Sammelmails nach dem Motto “Ich möchte sie gerne auf meine aktuelle Publikation hinweisen ….” Meine Vermutung ist jedoch, dass Wissenschaftskommunikation im Web 2.0 in der Breite strukturell bedingt eher oberflächlich sein muss. Aufgrund der Tatsache, dass sich die wissenschaftliche Diskussion immer weiter verästelt und man in Spezialbereichen kaum noch eine Hand voll Diskussionspartner findet, macht es wenig Sinn, sich Online zu vernetzen. Man kennt sich ja eh schon und trifft sich alle Nase lang bei Kongressen und Sitzungen. Und ob ich diesen Kollegen nun meine aktuellsten Gedanken gleich auf die Nase binden will … nun ja, zumindest sind Argumente vorstellbar, die dagegen sprechen würden.

Die Entwicklung wird wohl dahingehen, dass sich die Tools spezialisieren um zum einen auf die fachlichen Bedürfnisse einzugehen und zum anderen es wahrscheinlicher zu machen, dass man interessante Ansprechpartner findet. Dies ist auch deutlich bei den Social Networks zu sehen. Und wer es selbst mal ausprobieren will, hier (m)eine Auswahl ….

Reasearch Social Networks

Academia – Spannend finde ich hier vor allem die visuelle Darstellung des Netzwerks. Doch wie ist es eigentlich mit Personen, die keiner Forschungseinrichtung angehören?

Academici -Das erste Netzwerk, in dem ich drin war.

Mendeley – Mehr Literaturverwaltung und -austausch als Netzwerk. Stark frequentiert von Biologen und Informatikern. Hier ein Teil meiner Bibliothek zum informellen Lernen.

Nature Network – Eines der etabliertesten Netzwerke.

ResearcherID – Der Fokus liegt auf der Erfassung von Publikationen, siehe auch hier

Research Gate – Mit ca. 250.000 Nutzern das wohl grösste Netzwerk.

Research.iversity – Spannendes Kollaborations-Tool, dass ich aber noch nicht weiter ausprobiert habe.

Scholarz – Steht ein wenig im eigenen Schatten.

SciLInk – Das habe ich mal nicht probiert.

Lalisio – Nach eigener Auskunft, das “führende Wissensnetzwerk” – sicherlich eine Frage des Blickwinkels.

BiomedExperts – Das ist für mich eine der angesprochenen Spezialisierungen, die es sicherlich in Zukunft mehr geben wird.

OpenWetWare – Ebenfalls ein fachspezifisches Netzwerk für Biologen.

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Web 2.0: Nichts für die Wissenschaft!

Durch einen Tipp von Tobi bin ich auf die Studie von Harley, Diane, Acord, Sophia Krzys, Earl-Novell, Sarah, Lawrence, Shannon, & King, C. Judson gestossen, die sehr interessante Hinweise auch für Web 2.0-Technologien in unterschiedlichen Bereichen der Wissenschafts gibt. Hier einige lose Auszüge, die mir wichtig erscheinen:

Personal websites are ubiquitous, even if used only to post a short bio or C.V. Some scholars also post course lists, working papers, and links to published papers. Blogs, RSS feeds, wikis, Twitter, etc., were not cited as common ways in which scholars broadcast and receive information. Listservs, seminars, and conferences were cited as important for finding out about new developments in a field and for seeking feedback on new ideas.
Graduate students were mentioned by some tenured scholars as essential sources of new information; others lamented that they rarely were. It’s worth noting that scholars are resourceful.

Auch Blogs kommen nicht viel besser weg:

Among most of our interviewees, blogs were simply off the radar as a source of scholarship and are generally viewed as a waste of time because they are not peer reviewed. “You have to have some standards! How in the hell are you going to judge the quality of what’s on a blog?” “…who has the time! There have to be some filters!” There was, however, limited mention of “good” blogs in economics, astrophysics, political science, archaeology, and history (that often serve simply as more sophisticated versions of the subject listserv and are used in much the same way: for finding out about new developments or events in a field and for making general announcements). But again,
the particular scholars we interviewed generally said they do not spend time following them (even those who maintain their own blogs). A number of faculty mentioned reading blogs related to a topic of their research (e.g., a historian consulting a blog about a particular branch of science or a political scientist consulting a well-known economics blog in preparation for an interview with a media outlet). (S. 13)

Als Rat für Nachwuchswissenschaftler geben sie dann auch folgenden, den ich hier auch mal besonders hervorhebe:

The advice given to pre-tenure scholars was quite consistent across all fields: focus on publishing in the right venues and avoid spending too much time on public engagement, committee work, writing op-ed pieces, developing websites, blogging, and other non-traditional forms of electronic dissemination (including courseware). (S. 8.)

Eigentlich sehr deprimierend …. wann schaffen wir eine Veränderung in der Organisation Wissenschaft?
Quelle: Harley, Diane, Acord, Sophia Krzys, Earl-Novell, Sarah, Lawrence, Shannon, & King, C. Judson. (2010). Assessing the Future Landscape of Scholarly Communication: An Exploration of Faculty Values and Needs in Seven Disciplines. UC Berkeley: Center for Studies in Higher Education.

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Rezensionen, Reviews und Rekurse

Seit 2007 schreibe ich regelmässig Rezensionen und daneben schon länger auch Reviews zu Kongress- und Buchbeiträgen. Im Gegensatz zu Reviews, die meistens “blind” sind, stehe ich bei Rezensionen mit meinem Namen. Das hat keine Auswirkungen auf die Mühe, die ich mir gebe und auch nicht auf die Qualität, aber den Effekt, dass die Autoren der Beiträge mit mir in Kontakt treten können. Vor einiger Zeit gab es eine Diskussion zu offenen Reviewverfahren. Ich finde diese Idee prinzipiell gut, möchte aber aus aktuellem Anlass auch auf mögliche Folgen hinweisen, die ich im Zusammenhang mit Rezensionen gesammelt habe.

Ähnlich wie bei Reviews ist es so, dass man Rezensionen nur für Publikationen bzw. Themenbereiche schreiben sollte, in denen man sich auskennt. In meinem Fall sind dies ausschliesslich Publikationen im Kontext informellen Lernens.

Problematisch finde ich sowohl Publikationen, die ich besonders gut finde, als auch diejenigen, die ich (besonders) schlecht finde. Erstere erwecken den Eindruck, dass ich nicht richtig gelesen habe, Letzere ebenfalls. Bei beiden fühle ich mich nicht besonders wohl. Allgemein gilt es natürlich, Positives wie Kritisches zu beleuchten.

Problematisch sind zum anderen Publikationen, bei denen man den/die AutorInnen kennt, mit ihnen zusammengearbeitet hat oder sonstwie verbunden ist. Dies kommt bei speziellen Themenbereichen durchaus häufiger vor – und ist vielleicht auch schwer zu vermeiden. Hier schwebt der Vorwurf der Befangenheit im Raum und positive wie kritische Anmerkungen legt man als Rezensierender mehrmals auf die Goldwaage. Meine Erfahrung ist aber, dass von diesen Personen Kritik sehr positiv bzw. gut aufgenommen wird.

Allgemein habe ich jedoch auf Rezensionen wenig Rückmeldungen, bis ich letzte Woche eine Mail mit der Aufforderung erhalten habe, die Rezension einer Publikatione des Absenders aus dem Netz zu nehmen. Unbegründet, wie ich finde.

Genau hier fängt das Problem mit den Rezensionen bzw. offenen Reviews an. Was ist, wenn Frau oder Herr Prof. schreibt, dass er oder sie mit dieser Rezension so nicht einverstanden ist? Kann man es sich als (junger) Wissenenschaftler leisten, es sich mit der Community zu verscherzen? Ich weiss nicht, wie ich vor 5 oder 10 Jahren darauf reagiert hätte. Heute kann ich damit souverän umgehen, weil ich auch nicht von einer Karriere in der Wissenschaft abhängig bin und die Kritik auch fachlich gut einschätzen kann. Aber diese Beispiel zeigt zumindest mir sehr deutlich die Grenzen offener Reviews und Rezensionen auf.

Ich werde so weiter machen wie bisher, auch wenn mir noch mal deutlich wurde, dass es nicht immer möglich ist, in der Community in einen konstruktiven Diskurs zu führen. Ich habe grosses Verständnis, insbesondere bei Dissertationen, an denen viel Herzblut hängt, wenn man sich falsch behandelt fühlt. Letztendlich geht es mir jedoch darum, nicht nur eine Einschätzung oder Empfehlung für eine Buch zu geben, sondern auch eine Rückmeldung an den Autor oder die Autorin. Die oft einzige Rückmeldung die man auf Publikationen bekommt, sind in der Regel nur Zitationen. Für die Arbeit, die man in Veröffentlichungen steckt, finde ich das zu wenig.

Letztendlich gilt, und das wäre mir noch wichtig anzufügen, dass alle Rückmeldungen, ob Reviews oder Rezensionen, Meinungen sind, subjektive Einschätzungen. Menschen können sich irren oder unterschiedlicher Meinung sein. Aber gerade die daraus entstehenden Spannungen können Lernprozesse anregen. Das ist eine tolle Chance, wie ich finde.

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EduCamp & Wissenschaftszirkus

Nun ist er also vorbei, der erste EduCamp Tag in Hamburg und es geht nun daran, diesen Tag zu verarbeiten. Und ich muss sagen, das fällt mir gar nicht so leicht. Zuerst einmal einen grossen Dank ans Orga-Team: Tolle Arbeit (und für das Glatteis und die dadurch entstandenen blauen Flecke könnt ihr ja nichts ;-) )

Nun aber zum Inhalt. Ich war heute doppelt in Aktion: zum einen auf dem Bildungssofa, zum anderen habe ich mit Tamara, Silvia, Tobias und Alex eine Session zum Thema Bildungsforschung 2.0 angeboten.

Auf dem Bildungssofa unter dem Motto “Medien – Wissenschaft – Generationen” (Ausschreibung hier) hatte ich die Ehre, mit Joachim Wedekind zu sitzen. Es war mein erstes Bildungssofa, so dass ich gespannt war, wohin die Diskussion so laufen würde. Klar war uns beiden nämlich, dass wir den Generationentopf gar nicht erst aufmachen wollen. Leider war der Einstieg nicht so diskursiv, wie ich es mir gewünscht hatte, es hatte eher Podiumsdiskussionscharakter und war in den Antworten von uns auch sehr allgemein bzw. anekdotisch – eine Teilnehmerin nannte es NDR-Talkshow 2.0. Erst gegen Ende kamen dann die Diskussionen auf, interessanterweise rund um den Begriff der Generation – nicht im klassischen Sinne festgemacht am Alter oder einer anderen Variable wie Technikaffinität. Ich denke, es gibt Gegensätze, die gerade am Gegensatzpaar Klassische Konferenz vs. EduCamp sichtbar werden. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass man auf offenen, partizipativen und interdisziplinären Treffen ein Kommunikationsproblem hat: man braucht (scheinbar) die gleichen Begriffe, meint aber (aus seinem Erfahrungs- und Wissenschaftshintergrund) etwas anderes. Somit laufen viele Diskussionen zwar zum gleichen Thema, aber dennoch aneinander vorbei. Und gerade die Medien, die wie Joachim zu Recht meinte, ja durchaus das Potenzial haben, dieses Manko zu lösen (indem man z.B. auf die Begriffsbedeutung verlinkt) machen uns einen Strich durch die Rechnung, da sie vermeintliche Gleichheit vorgaukeln und Unterschiede (vielleicht auch bedingt durch die Schnelligkeit und die damit evtl. Verbundene “Flapsigkeit”) nivellieren. Und ich muss sagen: diesen Gedanken wurde ich auch während des gesamten EduCamps nicht los: sprechen wir eigentlich von dem Gleichen, wenn wir miteinander reden? Muss eigentlich alles neu, trendy und hype sein? Sind wir alle jetzt cool, nur weil wir auf ein EduCamp gehen? Ich dachte, der Inhalt, nämlich die Bildung steht im Vordergrund. Und: wo bleibt die kritische Reflexion von Thesen und Aussagen – ein Punkt, der mich sehr irritierte, wie auch die Art und Weise, wie im Vorfeld Diskussionen geführt werden: mit Experten-Bashing und Hypes und Personenkult kommen wir nicht weiter, es braucht beides: Innovation und Reflexion – in gesundem Masse. Und die Reflexion kam m.E. nach an einigen Stellen heute zu kurz.

Mein zweites Einsatzgebiet war die Session Bildungsforschung 2.0 – Anspruch und Wirklichkeit , die ich zusammen mit Tamara, Silvia, Tobias und Alex vorbereitet habe. Hier ging es uns darum,

… am Entwurf einer , innovativen (Bildungs-)Forschung arbeiten, die beiden Ansprüchen − dem einer methodisch etablierten Forschung und dem der Integration innovativer Medien und Methoden in die Bildungspraxis − gerecht werden kann. Dies erfordert aber auch, die gängige Praxis der klassischen Bildungsforschung aufzubrechen und (vorhandene) Alternativen zu diskutieren bzw. als Zukunftsszenarien zu entwickeln.

Ziel war es, eine Art Forschungslandkarte zu generieren, auf der beide Lager zusammenkommen. Dieses Ziel haben wir eigentlich verfehlt, aber es gab einige spannende Diskussionspunkte, die ich gerne aufgreifen und zur weiteren Diskussion zur Verfügung stellen möchte. Ein wichtiger Punkt, weswegen es vielleicht gar nicht möglich ist, eine solche Landkarte zu erstellen, ist die Forschungsfrage. Je nach Frage habe ich andere Designs und demnach andere Methoden. Somit würde es also auch darum gehen, innovative Fragen zu stellen, die dann mit traditionellen und/oder innovativen Designs und Methoden beantwortet werden können. Und hier ist die Frage, wie man zu innovativen Fragen kommt (denn ich habe schon hier davon berichtet, wie schnell man in einer vergleichenden Fragestellung ist). Wie offen ist man bei Forschungsfragen, oder gibt es irgendwo eine innere Zensur? Und: wo lernt man eigentlich gutes Fragen und die Ableitung von Untersuchungsdesigns? Methodenbücher sind meist nicht die beste Alternative zum Erwerb von “Fragekompetenz und Designauswahl”. Und Studiengänge bieten in den Methodenveranstaltung ein ähnlich reduziertes Repertoire. Wo lernt man die Breite der möglichen Fragestellungen, Designs und Methoden in der Bildungswissenschaft?

Ein weiterer Punkt betrifft das “2.0″, das wir gewählt hatten – denn es wurde schnell klar, dass dies anderes aufgefasst wurde, als wir dachten: Während wir das “2.0″ als Versionsbeschreibung eines ‘anderen’ Bildungswissenschaftsverständnis als Arbeitsbegriff brauchen wollten, fingen die Teilnehmer an, Elemente des 2.0 aus dem Web auch auf die Wissenschaft zu übertragen: Kollaboration, Partizipation, gemeinsam an etwas arbeiten. Hier begaben wir uns in ein spannendes Feld (auch wenn das von uns nicht unbedingt geplant war): Warum arbeiten Wissenschaftler denn nicht auch schon bei der Ideengenerierung und Datenerhebung zusammen? Dieses Zusammenarbeiten müsste dann nicht zwangsläufig ganz öffentlich sein, man kann ja durchaus ein Kontinuum an Öffentlichkeit anstreben (nur Freunde, nur die Peers, nur … ). Warum nicht viel mehr Personen beteiligen, z.B. in der Schulbegleitforschung auch Lehrpersonen und Schüler als Forschende zu integrieren? Dennoch werden solche Möglichkeiten bisher wenig genutzt. Schnell kamen wir auch zur Frage, was denn eigentlich “gute” Forschung auszeichnet bzw. wann man wirklich ein Forscher ist. Wann hat man eigentlich “genügend” Kompetenz.

Spannenderweise haben wir uns wenig den Fragen genähert bzw. an manchen Stellen nur an der Oberfläche berührt (z.B. die Frage nach der Norm und damit im Zusammenhang deskriptiver und präskriptiver Forschung), die z.B. hier diskutiert wurden und die wir eigentlich für uns ins Zentrum gerückt hätten. Diese Fragen sind durchaus weiterhin offen, jedoch hat aus meiner Sicht die Diskussion in der Heterogenität durchaus auch andere Sichtweisen und Blickwinkel eröffnet.

Was ist zusammenfassend mein Fazit vom EduCamp: Es war toll, alle Leute (wieder) offline zu treffen, die man sonst eher online sieht, und es hat Spass gemacht, miteinander gemeinsam an Fragestellungen zu arbeiten. Für die nächsten EduCamps wünsche ich mir, dass man sich nicht mehr in Lagern bewegt (siehe meine Einschätzung zur Diskussionskultur oben), sondern gemeinsam die Bildung unter dem Blickwinkel der Innovation und Reflexion in den Vordergrund stellt, denn das ist das Thema, was uns alle verbindet.

PS: Mein Motto für das EduCamp: Offline ist das neue Online :-) : zum ersten Mal ohne Laptop da, und ich habe doch tatsächlich auf dem EduCamp Visitenkarten getauscht. Der Poken hat sich nicht wirklich durchgesetzt.

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Einsatz und Evaluation von Podcasts und Vorlesungsaufzeichnungen an Hochschulen

Vorlesungsaufzeichnungen und Podcasts erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der Hochschule. Vorlesungsaufzeichnungen und Podcast hier zusammenzufassen ist sicherlich nicht korrekt, stellen Vorlesungsaufzeichnungen doch (lediglich) ein Mitschnitt dar, dessen Mehrwert vor allem organisatorisch zu sehen ist. Podcast hingegen bedeuten einen oft nicht unerheblichen Mehraufwand für die Lehrenden in der Produktion, aber auch in der Entwicklung geeigneter didaktischer Einsatzszenarien. Ein schönes Beispiel dafür ist die Podcast-Vorlesung von Gabi Reinmann. Vorlesungsaufzeichnungen damit aus der mediendidaktischen Diskussion auszuschliessen, halte ich jedoch für wenig sinnvoll. Angesichts der Beliebtheit dieses Angebots gilt es vielmehr, sich didaktisch sinnvolle Einsatzszenarien zu überlegen und Dozierende zu beraten und zu unterstützen.

Grundlage für eine gute Beratung und Entwicklung von Einsatzszenarien sind Erfahrungen, oder noch besser Evaluationsergebnisse. Diese liegen für Podasts und Vorlesungsaufzeichnungen zahlreich vor. Dies war auch Auslöser der Idee, über eine Metaanalyse die Ergebnisse zu verdichten. Gemeinsam mit Roland Streule haben wir dazu ein Paper bei der DeLFI 2009 eingereicht und präsentiert. (Noch) nicht publiziert ist eine Liste der von uns betrachteten Evaluationen, die aber vielleicht auch für andere interessant sein könnte. Diese Auswahl ist sicherlich nicht vollständig, deckt aber einen Grossteil der publizierten! quantitativen Studien zum Einsatz von Podcasts/Vorlesungsaufzeichnungen an Hochschulen ab, die didaktisch relevante Fragestellungen behandeln. Unberücksichtigt blieben theoretische Beiträge sowie Untersuchungen, die sich auf technische Aspekte fokussierten oder rein qualitativ ausgerichtet waren. Auch wenn darauf geschaut wurde Studien auszuwählen, die ein Mindestmass an Dokumentation des Vorgehens und Anwendung wissenschaftlicher Methoden aufweisen, ist die Qualität doch sehr unterschiedlich. Dies rührt auch teilweise daher, dass solche Studien auch von Supporteinrichtungen durchgeführt worden sind, bei denen der wissenschaftliche Anspruch nicht leitend war. Aktuell zu ergänzen sind vielleicht noch diese beiden Studien, auf die ich gerade aufmerksam gemacht wurde (Fietze sowie Fietze und Matiaske). Ansonsten würde wir uns über Ergänzungen als Kommentar sehr freuen.

Evaluationsstudien zum Einsatz von Podcasts und Vorlesungsaufzeichnungen an Hochschulen

C. Acharya:  NUSCast Survey: Instructor PerspectiveCDTL, Monograph Series, Issue No. 4.
Centre for Development of Teaching and Learning National University of Singapore. Online:
http://www.google.ch/url?q=https://team.nus.edu.sg/cdtl/staff/Research/CDTLMS
No_4.pdf
(15.06.2009)

J. Brotherton und G.D. Abowd: Lessons learned from eClass: Assessing automated capture and
access in the classroom. ACM Transactions on Computer-Human Interaction (TOCHI). (11) 2,
121 – 155.

F. Breuer & M.H. Breitner: „Aufzeichnung und Podcasting  akademischer Veranstaltungen in
der  Region D-A-CH“: Ausgewählte Ergebnisse und Benchmark einer Expertenbefragung. IWI
Discussion Paper Series 26, Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität Hannover.

S. Brittain, P. Glowacki, J. Van Ittersum and L. Johnson: Podcasting lectures: Formative
evaluation strategies helped identify a solution to a learning dilemma. Educause Quarterly 2006;
29: 24-31. Online: http://www.educause.edu/EDUCAUSE+Quarterly/EDUCAUSE
QuarterlyMagazineVolum/PodcastingLectures/157413
(10.06.2009)

D. Boehringer, A. Mangler und B. Burr: Vorlesungsaufzeichnungen an der Universität
Stuttgart, In Holger Horz, Wolfgang Hürst, Thomas Ottmann, Christoph Rensing und Stephan
Trahasch (Hrsg.), eLectures – Einsatzmöglichkeiten, Herausforderungen und
Forschungsperspektiven (S. 13-18). Workshop im Rahmen der GMW und DeLFI Jahrestagung,
13. September 2005 in Rostock. Online: http://delfi2005.electures.info/eLectures2005.pdf
(10.06.2009)

Computer Lab Management UC Davis: Digital Lecture Recording and Distribution at UC
Davis. Online: http://podcasting.ucdavis.edu/2005-06_DLRP_report.pdf (11.06.2009)

K. M. Cramer, K. R. Collins, D. Snider und  G. Fawcett: The virtual lecture hall: utilisation,
effectiveness and student perceptions, British Journal of Educational Technology, Vol 38 No 1,
106–115.

Chee Yam San: NUSCast Survey: Instructor Perspective CDTL, Monograph Series, Issue No.
1. Centre for Development of Teaching and Learning National University of Singapore. Online:
https://team.nus.edu.sg/cdtl/staff/Research/CDTLMSNo_1.pdf (15.06.2009)

J. Day und J. Foley: Evaluating web lectures: a case study from HCI. Conference on Human
Factors in Computing Systems. 195 – 200. Online:
http://portal.acm.org/ft_gateway.cfm?id=1125493&type=pdf&coll=GUIDE&dl=GUIDE&CFI
D=39959099&CFTOKEN=82299715
(10.06.2009)

S. Demetriadis und A. Pombortsis:. e-Lectures for Fle1ible Learning: a Study on their Learning
Efficiency. Educational Technology & Society, 10 (2), 147-157.

H. Witt, K. Nilsson und H. Will: Nutzung und Akzeptanz von „eLectures“ in hoch frequentierten Vorlesungen der Universität Hamburg. Online: http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/einrichtungen/elearning/lecture2go_Evaluation_2008sose.pdf (11.02.2010)

eTeaching Service Center, Technische Universität Kaiserslautern: Evaluation der Nutzung und
Akzeptanz von Vorlesungsaufzeichnungen bei Studierenden am FB Biologie. Online:
http://www.uni-kl.de/wcms/fileadmin/etsc/Evaluation.pdf (15.06.2009)

eTeaching Service Center Universität Karlsruhe: Evaluation der Nutzung und Akzeptanz von
Vorlesungsaufzeichnungen bei Studierenden am FB Biologie. Online: www.aifb.uni-
karlsruhe.de/Lehre/Winter2004-05/Info2/download/NetEval-Informatik-II-WiSe0405-virtuelle-
hoerer.pdf
(10.06.2009)

P. J. Giabbanelli: Why having in-person lectures when e-learning and podcasts are available?
Proceedings of the 14th Western Canadian Conference on Computing Education, Technical
Symposium on Computer Science Education, Simon Fraser University, Burnaby  B.C., 42-44.

D. Harley, J. Henke, S. Lawrence, F. McMartin, M. Maher, M. Gawlik, und P. Muller: Costs,
Culture, and Comple1ity: An Analysis of Technology Enhancements in a Large Lecture Course
at UC Berkeley, Center for Studies in Higher Education. Online:
http://repositories.cdlib.org/cgi/viewcontent.cgi?article=1003&conte1t=cshe (10.06.2009)

M. Hallermayer, S. Hartinger und S. Schipfel (2009). Gute Einschaltquoten für
Vorlesungsmitschnitt. Evaluation der AV-Mediendienste. w.e.b.Square. 03/2009. URL:
http://websquare.imb-uni-augsburg.de/2009-03/7 (16.06.2009)

C. Hermann, T. Lauer und S.  Trahasch: Eine lernerzentrierte Evaluation des Einsatzes von
Vorlesungsaufzeichnungen zur Unterstützung der Präsenzlehre. Tagungsband der 4. e-Learning
Fachtagung Informatik (DeLFI 2006), Darmstadt. Online: http://ad.informatik.uni-
freiburg.de/centrep/data/files/delfi06-eval.pdf
(10.06.2009)

W. Hürst, M. Welte und S. Jung: An evaluation of the mobile usage of e-lecture podcasts.
Proceedings of the 4th international conference on mobile technology, applications, and systems
and the 1st international symposium on Computer human interaction in mobile technology. 16-
23.

Insitut für Medizinische Lehre, Universität Bern. Bericht zum Pilotversuch Podcasting im
dritten Studienjahr Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät Bern. Online:
http://www.id.unibe.ch/unibe/verwaltungsdirektion/informatikdienste/content/e5911/e11464/e1
1465/e11528/linkliste11530/Podcast_Bericht.pdf
(10.06.2009)

Institut für Wissensmedien/Universität Koblenz-Landau: Evaluationsbericht zu den
Vorlesungsaufzeichungen der Veranstaltung „Fallorientierte Einführung in die BWL“ von PD
Dr. von Kortzfleisch im WS05/06 an der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz.
Online: http://www.uni-koblenz-landau.de/koblenz/iwm/service/eval/vorlaufzeich
_kortzfleisch_05-06
(10.06.2009)

J. Japes: Einführung in die Erstellung von multimedialen Vorlesungsaufzeichnungen mit dem
Tool Lecturnity an der TU-Darmstadt. Online: www.e-learning.tu-
darmstadt.de/media/elc/lehren/beratung/download/lecturnity_einfuehrung.pdf
(10.06.2009)

C. Lane: UW Podcasting: Evaluation of Year One. Online: http://catalyst.washington.edu/
research_development/papers/2006/podcasting_year1.pdf
(10.06.2009)

Malcolm Andrew. Student Evaluation of Video Podcats to Augument Live Lectures in
Pharmaceutical Microbiology. Third International Blended Learning Conference “Enhancing
the Student Experience”. University of Hertfordshire. Online: http://www.herts.ac.uk/fms/
documents/teaching-and-learning/blu/conference2008/Malcolm-Andrew-2008.pdf
(15.06.2009)

W. A. McKenzie:  Where are audio recordings of lectures in the new educational technology
landscape? In Hello! Where are you in the landscape of educational technology? Proceedings
ascilite Melbourne 2008. Online: http://www.ascilite.org.au/conferences/melbourne08/procs/
mckenzie-w.pdf
(09.06.2009)

D. McKinney, J. L. Dyck und E. S. Luber: iTunes University and the classroom: Can podcasts
replace Professors? Computers & Education, 52 (3), 617-623

J. E. Stephenson, C. Brown und D. K. Griffin:  Electronic delivery of lectures in the university
environment: An empirical comparison of three delivery styles. In Computers & Education,
Vol. 50, No. 3. (April 2008), S. 640-651.

C. Süße und U. Glowalla: Evaluation der E-Lecture “E1perimentalphysik für Human-,
Veterinär- und Zahnmediziner”. Online: www.physik.uni-
giessen.de/dueren/EvaluationElectureDueren.pdf
(10.06.2009)

L. Schulze, M. Ketterl, C. Gruber und K.-C. Hamborg: Gibt es mobiles Lernen mit Podcasts? –
Wie Vorlesungsaufzeichnungen genutzt werden. Proceedings DeLFI 2007:5. e-Learning
FachtagungInformatik der Gesellschaft für Informatik e.V. Online:
http://subs.emis.de/LNI/Proceedings/Proceedings111/gi-proc-111-020.pdf (10.06.2009)

T. Traphagan: Class Lecture Webcasting, Fall 2004 and Spring 2005: A Case Study. Program
Evaluation Report. Online: http://www.ute1as.edu/academic/diia/research/reports/
webcasteval_report_fl04-spr05.pdf
(10.06.2009)

M. Toro-Troconis et al.: Clinical e-lecture programmes at Imperial College London. The
Academy Subject Centre for Medicine, Dentistry and Veterinary Medicine Newsletter 01, Nr.
16, Frühjahr 2008, S. 14-15. Online:
http://www.medev.ac.uk/e1ternal_files/pdfs/01_newsletter/0116_lo_res.pdf (15.06.2009)

J. Williams, J. und F. Michael: Perpetual Connectivity: Lecture Recordings and Portable Media
Players. In C. Montgomerie und J. Seale (Hrsg.), Proceedings of World Conference on
Educational Multimedia, Hypermedia and Telecommunications 2007 (S. 3083-3091).
Chesapeake, VA: AACE.

E. Whitney und M.A. Pessina: Does Availability of Audio Podcasts Enhance the Classroom
E1perience for First Year Dental Students? International Journal of Instructional Technology &
Distance Learning. (8) 5, Online: http://itdl.org/Journal/Aug_08/article03.htm (11.06.2009)

B. Zupancic und H. Horz: Lecture Recording and Its Use in a Traditional  University Course.
Proceedings of the 7th annual conference on Innovation and technology in computer science
education. 24 – 28.

Quelle

Rohs, M. & Streule, R. (2009). Untersuchungen zum Einsatz von eLectures an Hochschulen – Sichtung eines Forschungsfeldes. In A. Schwill & N. Apostolopoulos (Hrsg.), Lernen im Digitalen Zeitalter – Workshop-Band DeLFI2009 (S. 189-196). Berlin: Logos Verlag.

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