Rückblick auf das Sommersemester 2014: Forschungswerkstatt Schulentwicklung

Rückblick auf das Sommersemester 2014: Forschungswerkstatt Schulentwicklung

Mit den heutigen mündlichen Prüfungen ist für mich nun das Sommersemester 2014 – zumindest in der Präsenzeit – fast vorbei. Zeit, ein wenig zurück zu schauen. Das letzte Semester stand dabei vor allem im Zeichen von Schulentwicklung und forschendem Lernen, und dies auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Neben Input im Fernstudiengang Schulmanagement zu dieser Thematik hat mich vor allem die Forschungswerkstatt Schulentwicklung beschäftigt, die ich an mein Seminar „Aktuelle Trends und Herausforderungen der Schulentwicklung“ angedockt hatte.Im Gegensatz zu Forschungswerkstätten, die man aus der Lehrerbildung kennt, forschen aber in dieser nicht die Lehramtsstudierenden zu Themen aus dem Bereich Schulentwicklung, sondern die Schülerinnen und Schüler. Zusammenfassen kann man die Idee der Forschungswerkstatt folgendermaßen:

In der „Forschungswerkstatt Schulentwicklung“ erforschen Schülerinnen* in kleinen Forschungsgruppen die eigene schulische Praxis. Die Forschungsgruppen bieten den Schülerinnen Raum, um eigene Fragen zu stellen und Phänomene zu untersuchen. Sie lernen so Methoden der Sozial- und Bildungswissenschaften in der Schule kennen und erwerben dabei propädeutische und forschungsorientierte Kompetenzen. Gleichzeitig werden die Schülerinnenbefähigt, eine reflektierte Haltung gegenüber der Institution Schule zu entwickeln und sie sozialwissenschaftlich zu erforschen, aber auch mit zu gestalten.
Unterstützung erhalten die SchülerInnen durch Masterstudierende des Seminars „Schulentwicklung“. Die Studierenden bieten zunächst Grundlagen zum Einstieg in Schulentwicklung und das Forschen an und stehen während des Forschungsprozesses als Coach für Fragen und Probleme zur Verfügung. Studierenden erhalten so einen Blick in die (Schul-)Praxis und erweitern ihr Wissen sowohl im Bereich Schulentwicklung aber auch hinsichtlich sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden sowie deren Umsetzung.
 Die Funktion als Lernbegleiter ermöglicht es den Studierenden ihr didaktisches Repertoire zu erweitern sowie bisherige Methoden und Kompetenzen weiterzuentwickeln und zu festigen.

Da die Pilotschule des ersten Durchgangs in Landau war, musste das Coaching auf elektronischem Wege geschehen, was sich als nicht ganz einfach herausstellte. Es war doch mehr Einarbeitung nötig als erwartet. Gespannt war ich vor allem, welche Themenbereiche Schülerinnen untersuchen wollten. Folgende Themen haben sich die einzelnen Schülergruppen dann ausgesucht: Mittel und Methoden zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls am Beispiel von Schulkleidung, Auswirkungen von Mitbestimmung im Unterricht auf das Klassenklima, Fragen zur Integration von Allgemeinwissen in den Unterricht, Fragen zur Überlastung im Unterricht sowie Fragen zur Motivation von Schülerinnen im Unterricht. Zu den einzelnen Themen planten die Schülerinnen dann Umfragen an der Schule, die sie im Anschluss mit Studierenden auswerteten. Ich freue mich schon, wenn die Schülerinnen ihre Ergebnisse dann auf der Tagung im Oktober auch mit der Öffentlichkeit teilen. Ebenso bin ich gespannt, welche Auswirkungen die Forschungswerkstatt an der Pilotschule hat, dazu vielleicht später mehr. Doch wie ist dieses Format eingeschätzt worden?

Die Rückmeldungen der Schülerinnen zur Forschungswerkstatt waren durchaus ambivalent: So haben viele auf der einen Seite das Forschen an eigenen Themenstellungen genossen. Auf der anderen Seite gestaltete sich aber neben der Forschungstätigkeit  die Zusammenarbeit mit den Studierenden als herausfordernd, angefangen von Austauschzeiten bis hin zur Kommunikationsform. Die unterschiedlichen Schul- und Unilogiken waren dabei auf vielen Ebenen spürbar.

Aber auch die Studierenden erlebten das Seminar als Herausforderung, brach es doch mit Vorstellungen und bisherigen Erfahrungen universitärer Lehre, die die Studierenden in der gemeinsamen Nachbesprechung als „Referate-Absitzen“ bezeichneten. In diesem Seminar mussten sie Verantwortung sowohl für die inhaltliche Ausgestaltung als auch für Schülerinnen übernehmen und waren konfrontiert mit einem Projekt, in dem nicht immer alles rundlief. Umso erfreulicher eine Rückmeldung aus dem Seminarbogen: „Im Seminar habe ich gelernt, wie man mit Problemen umgeht”.

Und nicht zuletzt für mich war das Seminar eine Herausforderung, zum einen im Handeln an der Schnittstelle zwischen Schule und Hochschule, zum anderen war ich auch immer wieder hin- und hergerissen zwischen Offenheit und Kontrolle, zwischen Laufenlassen und Einfangen – ein Balanceakt, der aber auch nochmals die Chance bot, mit den Studierenden, immerhin angehenden Lehrpersonen, quasi am Modell zu reflektieren.

Umso mehr freue ich mich daher, dass ich die Forschungswerkstatt im Wintersemester fortsetzen werde und die Anregungen zu Verbesserung von Schülern und Studierenden mitnehmen und umsetzen kann – mit einer neuen Gruppe Schülerinnen und Schüler, neuen Lehrpersonen und neuen Studierenden. Die Vorbereitungen laufen so langsam an.

*Es war in der Tat eine reine Mädchenklasse – auch eine neue Erfahrung für mich.

Nachtrag 3.8.2014:

Eine Schülerin hat für die lokale Tagespresse einen Artikel zum Projekt verfasst :) :

Forschungsprojekt_KL_Rheinpfalz

15 Jahre JIM Studie

15 Jahre JIM Studie

Jedes Jahr aufs neue erscheint die JIM Studie, in der Jugendliche zum Besitz und zum Umgang Medien befragt werden. Sie liefert damit einen  aktueller Blick auf den Medienumgang von Heranwachsenden. Nun hat der Medienpädagogische Forschungsverbund die Daten der letzten Jahre in der Broschüre “15 Jahre JIM Studie” zusammengestellt bzw. die Daten der einzelnen Jahre zueinander in Beziehung gesetzt und damit sehr plastisch die Entwicklungen vor allem im Medienbereich der letzten Jahre darstellt.  Sowohl in der Gegenüberstellung der Daten einzelner Jahre als auch in der kontinuierlichen Entwicklung einzelner Medienangebote zeigen sich hier interessante Entwicklungen. Während sich bei bonmedialen Freizeitaktivitäten keinerlei Veränderungen zeigen (Freunde treffen und Sport machen sind immer noch an der Spitze) zeigen sich Veränderungen in anderen Bereichen sehr deutlich, beispielsweise im Radio hören oder bei der Zunahme der Mediennutzung vielfältiger Art über das Internet (Online Angebote von Tageszeitungen, Computerspiele, Fernsehen oder Computerspielen). So kommt der Bericht auf S 22 zur Feststellung:

Der Zugang zum Internet ist mittlerweile jederzeit gewährleistet.

Deutlich sieht man auch, dass Jugendliche immer häufiger auf eigene Geräte zugreifen können (z.B. mp3-Player, feste oder tragbare Spielekonsolen, …) und sich auch die mobile Nutzung digitaler Medien durch Smartphones stark verbreitet hat.

Wenn man allerdings auf die Nutzung schaut, steht konstant “Kommunikation” an erster Stelle – wobei mir die Unterscheidung in einzelne Bereiche der Nutzung immer weniger plausibel erscheint, denn wann ist eine Handlungspraxis reine Unterhaltung oder Kommunikation? Diese holzschnittartige Darstellung von Mediennutzung müsste vermutlich in den nächsten Jahren differenziert werden bzw. durch andere Verfahren, die vielleicht nicht so sehr das Medium fokussieren, ergänzt werden.

Was mir allerdings am gesamten Bericht gut gefällt ist die grafische Aufbereitung der Ergebnisse. So wird beispielsweise die “Abwanderung” der Jugendlichen von schülerVZ auf Facebook visuell gelungen dargestellt – und ich bin sicher, die ein oder andere Abbildung wird man in verschiedenen Präsentationen wieder über den Weg laufen ;-).

Lehrerbildung im Hochschulbildungsreport 2020

Lehrerbildung im Hochschulbildungsreport 2020

In der letzten Woche ist die Lehrerbildung medial in aller Munde gewesen. „Schuld“ daran war nicht etwa die anstehende Tagung in Kaiserslautern ;-) , sondern der Hochschulbildungsreport 2020 des Stifterverbandes. Darin werden vor allem der Lehrerbildung in Deutschland (mal wieder) Mängel bescheinigt: So sei diese u.a. immer noch zu wenig praxisnah und zu wenig im Fokus der einzelnen Fächer. Aber auch Lehramtsstudierende scheinen nicht die Besten für den Beruf zu sein: Fachliche Fähigkeiten und ein Mangel an Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft verfügen (Hochschulbildungsreport, S. 7). Darüber hinaus ist der Lehrerberuf für viele Studierende nicht attraktiv, da er zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten böte. Aber auch die Lehrerfortbildung ist in der Kritik, da hier zu wenig systematische Personalentwicklung betrieben würde. Alles in allem ein Bild, welches kontinuierlich die Diskussion um die Lehrerbildung der letzten Jahrzehnte beherrschte. So ruft der Teil der Lehrerbildung bei mir ambivalente Gedanken hervor: Zum einen bin ich froh, dass wir zumindest an unserer Hochschule den Studierenden doch einiges an Praxiserfahrung, vor allem auch im MINT-Bereich ermöglichen können. So fand letzte Woche das erste Treffen der Netzwerkschulen statt, die mit der Hochschule ein Kooperationsbündnis eingegangen sind und auf die wir als Hochschule in der Lehrerbildung als praxisnahen Partner zurückgreifen können. In vielfältigen Formaten haben die Studierenden hier die Möglichkeit, mit „echten“ Schülerinnen und Schülern zu arbeiten – und dies im Vergleich zu Campusschulen in unterschiedlichen Schulformen. Zum anderen wirft der Bericht auch einige Fragen bei mir auf.  So finde ich es erstaunlich, dass die (mangelnde) Praxisorientierung wieder so stark herausgehoben wurde, obwohl sich doch hier durchaus Verbesserungen zeigen (vgl. S. 23). Warum also noch mehr Praxis? Oder geht es nicht eher um die Frage, wie mit Praxis umgegangen wird, neben der im Bericht auf S. 30 geforderten wichtigen Verknüpfung mit der Theorie. Aber ich beobachte auch in der Praxis, dass Studierende oftmals auf dem schnellsten Weg ins hart umkämpfte Referendariat wollen, und so werden immer häufiger Praxisphasen mit „pädagogischer Tätigkeit“ vor dem Studium verrechnet (z.B. Arbeit im Sportverein). Und so ist Praxisorientierung zwar vorhanden, aber ob es wirklich diejenige ist, die zur Professionalisierung der eigenen Tätigkeit beiträgt, ist fraglich. Aber es stellt sich für mich auch die Frage nach der Struktur der Lehrerbildung, denn gestolpert bin ich über folgende Passage des Berichts:

„Allerdings wirkt sich der zunehmende Berufs-/Praxisbezug der Lehrveranstaltungen nach Ansicht der Studierenden nicht positiv auf die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit der Lehramtsstudierenden aus“ (S. 24)

Hier frage ich mich, was mit der Beschäftigungsfähigkeit gemeint ist. Es ist doch eigentlich nicht Sinn einer dreiphasigen Lehrerausbildung, am Ende der universitären Phase schon voll und ganz beschäftigungsfähig zu sein – gerade dafür kommen ja noch zwei Phasen, die einen deutlich anderen Fokus haben. Die Lehrerbildung findet nicht nur an der Hochschule statt, gleichwohl werden Hochschulen immer wieder in die Verantwortung für den gesamten Prozess genommen. So liegt ein Problem aus meiner Perspektive noch woanders, nämlich im Zusammenspiel aller Phasen der Lehrerbildung. Die Lehrerbildung an der Hochschule kann noch so praxisnah oder noch so innovativ sein, wenn man dann an einen konservative Seminarleitung gerät, wird dieses zum Norm der Handlung, werden doch dort Noten vergeben. Ich denke, hier müsste man stärker über Sinn und Ziele einzelner Phasen und deren (frühzeitigen) Zusammenspiel und der Verzahnung nachdenken, gerade diese Diskussion scheint mir fruchtbar zu sein – und eben nicht nur einschätzbar von Studierenden, sondern auch von Referendarinnen und Referendaren. Und so bleibt am Schluss mal wieder die immer währende Frage: Woran liegt es, dass sich so wenig in der Lehrerbildung ändert? Diskussionen um die oben genannten Punkte können ja schon bis in die 1960er Jahre zurückverfolgt werden, und jedesmal ist die Reaktion in den Medien erst groß, und dann geschieht scheinbar weniger/nix. Wo müssen Hebel (neben der obligatorischen Forderung nach mehr Finanzierung) ansetzen? Wen müssen wir zusammen ins Gespräch bringen? Hier gibt es noch einige Entwicklungs- und Forschungsarbeit.

Nachtrag 22.06.2014: Soeben bin ich auf die Broschüre “Lehrerbildung heute – Impulse für Studium und Lehre” der HRK gestoßen. Hierin finden sich verschiedene Modelle der Gestaltung des Lehramtsstudiums – ein Blick hinein lohnt sich.

Tagung Lehrer.Bildung.Medien | Programm online

Tagung Lehrer.Bildung.Medien | Programm online

Das Programm der Tagung Lehrer.Bildung.Medien am 1. Oktober an der TU Kaiserslautern ist nun online. Aufgrund der zahlreichen Einreichungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen haben wir die Anzahl der Tracks erhöht und sind gespannt auf vielfältige Inputs und Diskussionen. Ich und das Zentrum für Lehrerbildung freuen uns sehr, so viele am Thema Interessierte in Kaiserslautern begrüßen zu dürfen. Die Stände rund um die Tagung sowie die Themen der Posterpräsentationen sind auf der Website aufgeführt, so dass man dann einen guten Überblick über den gesamten Tag erhält. Mehr Informationen und Anmeldungen unter: http://www.uni-kl.de/lbm/

P.S. für alle Lehrer und Lehrerinnen: Die Tagung erhält auch eine Fortbildungsnummer für Rheinland-Pfalz und das Saarland.

 

Publikation(en) vhsMOOC

Publikation(en) vhsMOOC

Endlich ist Sie da; die angekündigte Publikation zum VHS-MOOC “Wecke den Riesen auf” ist nun beim W. Bertelsmann als Open-Access erschienen:

E. Klotmann, C. Köck, M. Lindner,  N.Oberländern, J. Sucker  & B. Winkler, B. (Hrsg.): Der vhsMOOC 2013: Wecke den Riesen auf. Bielefeld: W. Bertelsmann Download

Das Buch versammelt über 40 Artikel, die zumeist von den Herausgebern/Gastgebern des Buchs/MOOCs selbst geschrieben wurden. Dabei werden die Erwartungen der Gastgeber (Kap. 1) sowie die eingesetzten Tools (Kap. 2) vorgestellt, es wird der aktuelle Status des Weblernens mit Bezug auf die Praxis der Volkshochschulen diskutiert (Kap. 3) sowie Perspektiven als Ergebnis der Arbeitsgruppen im MOOC vorgestellt (Kap. 4). Schließlich gibt es im Ausblick auf die Aktivitäten des Weblernens im VHS-Umfeld, die sich teilweise auch aus dem MOOC ergeben haben (Kap. 5) sowie Daten zur  Evaluation des MOOC (Kap. 6).

Der VHS-MOOC ist aus verschiedenen Perspektiven interessant; Zum einen weist die Offenheit von Bildungsangeboten auf die ursprüngliche Motivation der Volkshochschulen, Bildung dem Volk zugänglich zu machen. MOOCs sind damit eine  Angebotsform, die sehr gut zum Ansatz der Volkshochschulen passen (vgl. Beitrag von Rolf Arnold in der April/Mai-Ausgabe der Zeitschrift Weiterbildung). Zum anderen ist die Thematisierung der Medienkompetenz der Lehrenden in der Erwachsenenbildung ein Thema, dass in der wissenschaftlichen und praktischen Auseinandersetzung zur Professionalisierung bisher zu wenig thematisiert wurde. Vor diesem Hintergrund hat das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung auch die Evaluation des VHS-MOOC “Wecke den Riesen auf” unterstützt. Die Ergebnisse sind frei zugänglich und bieten einen Einblick in die Teilnehmervoraussetzungen als auch die Nutzung des MOOC durch die Teilnehmenden.

Rohs, M. & Giehl, C. (2014). Evaluationsbericht zum VHS-MOOC “Wecke den Riesen auf”, Beiträge zur Erwachsenenbildung, Heft 2, Technische Universität Kaiserslautern Download

Eine Ergebniszusammenfassung findet sich in dem oben erwähnten Buch:

Rohs, M. (2014). Ergebniszusammenfassung zur Evaluation des vhsMOOCs, In: Klotmann, E., Köck, C., Lindner, M. Oberländern, N., Sucker, J. & Winkler, B. (Hrsg.), Der vhsMOOC 2013: Wecke den Riesen auf (S. 81-83). Bielefeld: W. Bertelsmann