Kick-Off ‘School-IT’: IT- und Medienkompetenz für Schulen der Euregio Rhein-Waal

Heute war es endlich soweit: das neue Projekt School-IT am Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement ist gestartet. Richard Heinen hatte an dieser Stelle schon einmal über die Hauptelemente des Projekts gesprochen:

1) IT-Assistenten
Immer wieder wird betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien um Längen voraus sind. Häufig wird dies aber als Hemmnis für den unterrichtlichen Einsatz gesehen, weil es die Lehrkräfte verunsichert. Wir wollen im Projekt aber das Potential Nutzen, das darin steckt und ausgewählte Jugendlichen bewusst als IT-Assistenten einsetzen, die sowohl ihre Lehrer als auch ihre Mitschüler vor allem bei technischen Fragen zum Einsatz digitaler Medien behilflich sein können. Damit sie diesen Aufgaben gewachsen sind, erhalten die Schüler eine Ausbildung, die auch Aspekte des Jugendmedienschutzes berücksichtigt und die die Schulen in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Unternehmen gestalten.

2) Projektseminare
Eine wichtige Motivation der euregio das Projekt zu unterstützen, ist der Bedarf der Unternehmen in der Region an jungen Nachwuchskräften, die das nötige Rüstzeug mitbringen, in einem von IT durchdrungenen Arbeitsalltag zu bestehen. Daher werden im Projekt “Projektseminare” durchgeführt, in denen ganze Klasse Projektaufgaben bewältigen, die die Lehrer zusammen mit Mitarbeitern aus IT-Unternehmen entwickeln. Die Schüler können dann bei der Bearbeitung auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter bauen.

3) Niederländisch-deutscher Austausch
In einem ersten Schritt arbeiten im Projekt 2 niederländische und 2 deutsche Schulen mit. Schon in der Phase der Projektentwicklung hat sich gezeigt, wie unterschiedliche die Stand der Medienintegration in beiden Ländern ist und wie hoch das Potential ist, voneinander lernen zu können.

4) Bring deinen eigenen Computer mit (BYOD: Bring your own device)
Der letzte Aspekt ist derjenige, der mir persönlich besonders wichtig ist. Wir verzichten im Projekt bewusst auf eine technische Ausstattung der Schüler mit Endgeräten. Projektmaßnahmen beziehen sich auf die Entwicklung einer technischen Infrastruktur, die es den Schüler erlaubt, ihre eigenen Geräte mitzubringen, d.h. die Geräte, über die schon heute verfügen.

(Quelle: Richards Blog)

Nun waren heute morgen alle Projektbeteiligte anwesend und haben begonnen, den Rahmen für eine gemeinsame, länderübergreifende Zusammenarbeit zu erarbeiten. Vor allem in der Diskussion um digitale Medien im Unterricht gab es aus meiner Sicht spannende Unterschiede zwischen den Ländern: Die Niederländer Schulen berichteten von einer selbstverständlichen Integration digitaler Medien in den Unterricht, sei es ein Desktop-PC in jedem Klassenraum, in vom Lehrer Noten oder Fehlzeiten eingetragen werden, sei des das Vorhandensein von whiteboards in vielen Klassenräumen oder die Nutzung von Facebook, durch die Lehrer. 80% der Lehrer seien in seiner Schule bei Facebook angemeldet, berichtete ein niederländischer Lehrer. Sehr beeindruckend aus meiner bisherigen Erfahrung mit digitalen und social media in der Lehrernutzung. Hier gibt es doch einige Unterschiede, und ich bin gespannt, wie sich die Tandems zwischen einer deutschen und einer niederländischen Schule über die Projektlaufzeit entwickeln.

Gefragt habe ich mich, woran es liegt. Sind wir Deutschen wirklich so medienkritisch und sehen immer erst die Gefahren, anstatt uns einfach mal drauf einzulassen? Oder ist es ein systemischer bias, indem digitale Medien sowohl in der Lehrerausbildung als auch in der frühen Schulbildung zu wenig integriert werden? Spannend ist nämlich, dass beide deutschen Schulen berichteten, dass sie in Klasse 5 ein Fach integriert haben, in dem Schülerinnen und Schülern word, excel, powerpoint, aber auch moodle usw. beigebracht werden, die niederländischen Schulen aber antworteten, das hätte man vor 6 Jahren abgeschafft, da es die Schülerinnen und Schüler zumindest bei Eintritt in die weiterführende Schule beherrschen. Dennoch bleibe das Thema des ethischen Umgangs mit Medien, das die Niederländer so schön mit “media wisdom” bezeichnet haben, was aber auch in Richtung kritischer Informations- und Medienkompetenz geht. Ich denke, über das Projekt und vor allem diesen Fokus werde ich sicherlich an dieser Stelle noch öfter berichten. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die spannende Arbeit innerhalb und zwischen den Schulen, die wir mit dem Lehrstuhl und kennisnet auch wissenschaftlich begleiten werden.

Frohe Weihnachten

Wir wünschen allen ein wunderschönes Weihnachtsfest – in Memoriam Loriot, der seiner Zeit auch bezüglich der Geschenkempfehlungen immer einen Schritt voraus war.

Qualifikationsanforderungen für Enterprise 2.0

Für die einen Unternehmen ist Enterprise 2.0 ein alter Hut, für die anderen noch eine Herausforderung. Aber wohl kaum eine Branche kann es sich leisten, diesen Trend zu ignorieren. Eine klare Positionierung auf der Grundlage der Chancen und Risiken ist notwendig, wobei die Grundlagen für diese Bewertung weitgehend fehlen. Auch die Entwicklung von KPIs erweist sich als schwierig, da eine klare Ableitung von Ursache und Wirkung in diesem komplexen Umfeld schwierig ist.  So gibt es abseits der Evangelisten auch eine lebhafte Diskussion darüber, was Enterprise 2.0 überhaupt bringt bzw. an welchen Stellen und mit welchen Zielsetzungen Web 2.0 im Unternehmenskontext genutzt werden soll.  Basiert die Entscheidung für eine strategische Einführung von Web 2.0 in einem Unternehmen daher nicht auf die Überzeugung des Nutzens (“See the light”) ist es entweder das ungute Gefühl, dass die Wettbewerber hier etwas machen, was ihnen einen Vorteil verschaffen würde oder der Druck aus dem Unternehmen, in dem die Web 2.0-Bewegung zahlreiche kaum noch zu kontrollierende Web 2.0-Buschbrände entfacht hat (“Feel the heat”).

Das Ergebnis ist zum einen, dass die oft hohen Erwartungen nicht erfüllt werden oder ein Konflikt zwischen engagierten Web 2.0ern im Unternehmen und grundlegenden Fragen der Datensicherheit und Nutzens für das gesamten Unternehmen. Sicherlich gibt es auch zahlreiche positive Beispiele für den Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen, grundlegende Fragen scheinen aber nach wie vor nicht beantwortet.

Einige dieser Fragen werden im Buch “Web 2.0 – Neue Qualifikationsanforderungen in Unternehmen” untersucht. Dazu gehört beispielsweise die Frage, für welche Unternehmen Web 2.0 geeignet ist. Dabei zeigte sich, dass Web 2.0 eine besondere Relevanz  für die Wirtschaftszweige besitzt, die

(1) eine besondere Nähe zu IT haben,

(2) in hohem Maße mit Forschung und Entwicklung befasst sind,

(3) eine hohe Komplexität in der Produktions- und Dienstleistungsprozessen haben und

(4) wo sich ein hoher Nutzen der Anwendungen zeigt.

Aber nicht nur die Branchen haben Einfluss auf die Bedeutung der Web 2.0-Kompetenzen, sondern auch das Unternehmensprofil. Identifiziert wurden hier Merkmale wie

(1) Internationalität,

(2) Altersstruktur,

(3) Wettbewerbsintensität,

(4) Unternehmenskultur und mit geringem Einfluss die

(5) die Unternehmensgröße.

Im Zentrum der Forschung standen aber die Qualifikationsanforderungen, die im Zusammenhang mit Web 2.0 in Unternehmen stehen. Dabei wird sich nicht auf die Nutzungsebene beschränkt, sondern eine systematische Analyse vorgenommen, die folgende Aspekte umfasst:

(1) Kommunikation im virtuellen Raum

(2) Kooperationsfähigkeit in virtuellen Arbeitswelten

(3) Umgang mit Informationen und Wissen

(4) Datenschutz, rechtliche Aspekte und Vertraulichkeitsanforderungen

(5) Eigenverantwortliches Lernen und parallele Aufgabenbearbeitung sowie

(6) IT-Kompetenzen

Die Ergebnisse stellen dabei nicht nur eine Momentaufnahme dar, sondern prognostizieren auch die Entwicklung der Relevanz dieser Kompetenzfacetten für 2015 und stellen damit eine wichtige Grundlage für die Planung und Umsetzung der Personalentwicklung in diesem Bereich dar.

Quelle:

Berhard Schmidt-Hertha, Helmut Kuwan, Gerd Gidion, Yves Waschbüchen,  Claudia Strobel (Hrsg.): Web 2.0 – Neue Qualifikationsanforderungen in Unternehmen. Bielefeld: W. Bertelsmann

Rezension auch unter http://www.socialnet.de/rezensionen/12664.php

Vortrag: Implementationsforschung als Aufgabe der Empirischen Bildungsforschung

Heute sprach im Kontext der Veranstaltungsreihe „Naturwissenschaftlicher Unterricht“ der Forschergruppe & Graduiertenkolleg und Zentrum für empirische Bildungsforschung der Universität Duisburg-Essen“ Prof. Dr. Cornelia Gräsel aus Wuppertal zum für mich spannenden Thema der Implementation und Implementationsforschung. Unter dem Titel „Implementation und Implementationsforschung als Aufgaben der Empirischen Bildungsforschung“ gab sie einen guten Einblick in das Themenfeld der Verbreitung von Innovationen in pädagogischen Kontexten. Sie verstand ihr Referat dabei als Positionsreferat mit der Perspektive auf die Implementation empirischer Bildungsforschung. Im Folgenden versuche ich mal eine Zusammenfassung.

Nach einem kurzen Vergleich zwischen Transfer und Implementation kam sie darauf zu sprechen, dass die Verbreitung von Innovation im Schulbereich kein neues Thema sind, Berichte dazu gibt es schon aus den 1930er Jahren. Seit dieser Zeit wird auch immer wieder auf die Innovationsträgheit im Bildungswesen hingewiesen (Rogers & Shoemaker, 1971). Als Gründe zitierte Frau Gräsel die Gründe, die auch Spiel, Lösel & Wittman in ihrer ihrem Beitrag (Transfer psychologischer Erkenntnisse in Gesellschaft und Politik) angaben:

  • Mangel an „change agents“
  • Fehlen von ökonomischen Anreizen
  • Ansehen der Anwendungsforschung
  • Wissenschaftsferne pädagogische Professionen

Dabei kommt dem Begriff der Anwendung, der auch in der Frage der Implementation steckt, eine besondere Stellung im Bereich der Empirischen Bildungswissenschaft dar, denn dieser wird nicht einheitlich gebraucht: So gibt es in der empirischen Bildungsforschung, die als Forschungsfeld und nicht disziplinär zu verstehen ist, aufgrund dieser Heterogenität der Bezugsdisziplinen und Fachkontexte unterschiedliche Begrifflichkeiten und Bewertungen von „Anwendung“ und „Implementation“, die Grundlagendefinitionen und Forschungsideen erschweren.

Ebenso verhindert die Tradition der „Modellversuche“ mit ihren kleinen Gruppen, Einzelfällen und oft schwammigen Zielen und Aussagen bzw. der „Entwicklungsforschung“ in Deutschland die Beschäftigung mit Implementationen. Ein wenig später führte sie ihre Kritik an Modellversuchen aus: Schulen hatten in vielen Projekten (zu)viel Spielraum zur Realisierung der Projekte, es gab multidimensionale und unterdefinierte Zielstellungen sowie wenige und schwammig formulierte Outputziele. Viele empirische Studien, die post-hoc angefertigt wurden, untersuchen dann auch nicht den Implementationserfolg. Dennoch kann man oft sagen, dass eine Verbreitung von Innovation weniger stattfindet als geplant und bei unterrichtsnahen Variablen Veränderungen in der Regel geringer sind als bei unterrichtsdistalen Variable.

Ebenso werden mit der Forderung nach Anwendung oft auch außerwissenschaftliche Ansprüche an die Bildungsforschung, z.B. Politik (Qualitätsverbesserung), Administration („Steuerungswissen“), Praxis („Nutzen für die Schule“) herangetragen. Diese Aspekte führen zu einer Schwierigkeit bei der Frage nach der Implementation, die auch immer wieder gefordert wird (hier rekurrierte sie auf die Arbeiten von Gabi Reinmann und sowie Euler/Sloane).

Zur Bewertung einzelner Forschungen stellte sie nochmals die Typologie von Strokes dar:

  Praxisnutzen  
Erkenntnis Nein Ja
Ja Typ 1: reine Grundlagenforschung Typ II nutzeninspirierte Grundlagenforschung
Nein Typ IV keine Forschung Typ II reine Anwendungsforschung (Evaluationsforschung)

Die Schwierigkeit, vor allem des Typs II, um der es ihr ging, besteht in einer angemessenen Balance halten zwischen Wissenschaft/Theorie und Praxis

Nach dieser Einführung und Erklärungsmuster für die mangelnde Betrachtung von Anwendung in der Bildungsforschung kam Cornelia Gräsel auf die Beurteilung von Implementation zu sprechen: Was ist eigentlich eine „gelungene“ Implementation? Zählen hier quantitative Aspekte wie eine möglichst weite Ausbreitung? Oder sind es nicht auch Aspekte wie veränderte Überzeugungen und Handlungsmustern, eine Verankerung von Innovationen an Schulen (Schul- und Unterrichtskultur) oder eine große Identifikation der Beteiligten, auch über den Projektabschluss hinaus? Hier stellte sie dann die Frage, was Implementationen beeinflusst, und fasste zusammen:

1. Merkmale der Innovation selbst (Rogers, 2003)

  • relativer Vorteil gegenüber der bestehenden Praxis
  • Kohärenz/Kompatibilität
  • Geringe Komplexität, einfache Umsetzung
  • Reversibilität (” schwierig bei Medien!!)
  • Schnelle Sichtbarkeit der Vorteile

2. Ebene der professionell Tätigen: Die Wichtigkeit der Lehrperson als Faktor der Innovation, vor allem die eingeschätzte subjektive Bedeutung der Innovation  ist eine wichtige Variable
3. Unterstützung der Schulleitung und Kooperationsstruktur an Schulen wichtig

Den Schluss ihres Vortrags bildete die Forderung nach mehrschrittigen Wirkungsstudien:

  1. Allgemeine Wirksamkeit: – experimentelle Studien: Bsp.: Über alle Lernenden hinweg ist die Sprachförderung von Maßnahme 1 signitikant besser als die von Maßnahme 2
  2. ATI-Effekte: Replikationen im Feld (Interventionsforschung), Replikation von Fördermaßnahmen auf andere Felder: Hinweise auf differenzielle Wirkungen: Kinder mit guten Leistungen und hoher Motivation profitieren mehr von Maßnahme 2 als von Maßnahme 1
  3. Kontexteinflüsse: Implementationsstudien in die Breite: Maßnahme 1 wird in der Praxis unvollständig realisiert. Maßnahme 2 kann einfacher in die Praxi integriert werden. In den Ergebnissen ist Maßnahme 2 deutlich überlegen

Dabei sprach sie sich für eine evidenzbasierte Implementationsforschung aus., die sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • klare Festlegung der Ziele (möglichst quantifiziert: Test x um 30 Punkte)
  • Realisierung der zuvor empirisch untersuchten Maßnahmen (z.B. Trainings)
  • Messung der Wirkungen (Pre-Post-Design)
  • Rückmeldung der Ergebnisse an die Beteiligte

Dabei geht es ihr vor allem um eine Stärkung der Evidenzorientierung bei allen professionell Tätigen im Bildungsbereich (Lehrende, Forschende, Administration).

Die Diskussion im Anschluss drehte sich vor allem darum, warum es nicht gelingt, pädagogische Forschung in die Schule zu tragen. Erklärungsmuster wurden gesucht in der Wissenschaftsferne von Lehrerinnen und Lehrern, in der grossen Diskrepanz zwischen Themen, die für Forscher wichtig sind und denen, die von Lehrenden als wichtig eingesetzt werden. Ebenso ist das Spannungsfeld zwischen Praktikabilität und Forschungshintergrund wichtig, Zitat aus dem Publikum: „man muss sich auch mal die Finger schmutzig machen“.

Was ist für mich nun besonders spannend an dieser Veranstaltung? Ich finde die Forschungsbereiche, die sich auch der Integration und Verbindung von und mit Praxis nähern bzw. nach den gegenseitigen Befruchtungen von Wissenschaft und Praxis, wie beispielsweise die Entwicklungsorientierte Bildungsforschung (Reinmann & Sesink) oder die Gestaltungsorientierte Mediendidaktik (Kerres) sehr spannend, also Ansätze, die auch nach einem Anwendung für die Bildungsforschung fragen. Und da bot mir der Vortrag von Cornelia Gräsel nochmals eine andere Perspektive. Der Themenkomplex der Implementationsforschung ist auch für die Erforschung von Medien und deren Auswirkungen zentral, schließlich geht es in meinem Bereich immer auch um die Implementation von Innovation in Form von digitalen Medien in schulische Settings. Obwohl die Fragestellungen hier z.T. anders gelagert sind, gibt es dennoch einige Bezüge. Womit ich meine Schwierigkeiten habe, ist die Forderung nach experimenteller Forschung als Ausgangspunkt von pädagogischen Implementationsprozessen. Ich frage, ob es hier nicht andere Bezüge gäbe. Wenn ich an die Integration von digitalen Medien in Lehr-Lernprozesse denke, so macht man ja meist wenig experimentelle Studien, bevor man diese im Klassenzimmer einsetzt. Es gibt Experimentalforschung hinsichtlich der Frage der Text-, Audio- und Videogestaltung beispielsweise, aber diese ist doch meist zu eng, wenn man die Auswirkungen des Laptops im Schulunterricht untersuchen will. Ebenso erscheint mir der Ansatz insofern verkürzt, weil er sich vor allem der Implementation pädagogischer Trainings, so mein Eindruck, verschrieben hat. Es geht nicht um die auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen geschehende Gestaltung von Unterrichtspraxis, sondern meist um die Frage nach der Implementation von Trainings und Programmen. Nichts desto trotz bot mir der Vortrag vertiefte Erkenntnisse und vor allem Reflexionsmöglichkeiten des eigenen Handelns und der eigenen Forschungspraxis.

Statusseminar “eQualification”

Das diesjährige Statussemiar “eQualification” war für mich eine gelungene Veranstaltung. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass ich viele Leute gesehen habe, die ich lange nicht mehr gesprochen habe oder unbedingt mal sprechen wollte. Aber auch die 50! Projekte (Broschüre aus 2010), die sich hier zum Thema E-Learning in der beruflich-betrieblichen Aus- und Weiterbildung zusammengefunden haben, boten einen guten Überblick über die aktuelle Forschungslandschaft. Aber der Reihe nach:

Entsprechend dem Programm begann die Veranstaltung mit einem Vortrag von Dr. Thomas Greiner, Leiter der Unterabteilung Lebenslanges Lernen, Bildungsforschung.
Anschliessend wurde es aber spannend, mit einem Vortrag von Stephan Bayer, Geschäftsführer von sofatutor – frischer Wind im bekannten Referentinnenportfolio. Ich glaube, dass man sofatutor nicht mal mehr als Start Up bezeichnen kann, mit mehreren Tausend Nutzer. Die Geschäftsidee, Wissen in kleine Videos per “Bildungsflatrate” (argh!) zu vertreiben, scheint auf alle Fälle zu funktionieren. Kostenlose Angebote wie die Khan Academy haben es ja vorgemacht. Allgemein scheint es eine Tendenz in die Richtung Micro Video Teaching zu geben, die mit verschiedenen Serviceangeboten, wie bei sofatutor z.B. mit Chatmöglichkeit zu Lehrern, ergänzt werden. Ein großer Markt dafür ist beispielsweise Asien, wo es ja keine ethischen und moralischen Schranken im Drill der Kinder und Jugendlichen mehr gibt (es sei denn gesetzliche Vorgaben in einzelne Ländern, dass Nachhilfeschulen ab 22 Uhr geschlossen sein müssen.) Ich hoffe sehr, dass es solcher Gesetze nicht auch bald in Deutschland bedarf. Dieser Trend passt aber auch zu dem ganzen Thema Vorlesungsaufzeichnungen. Nein, lasst es bitte nicht soweit kommen. Ich möchte meine Lehrer Dozenten und Trainer, Lernbegleiter und was es sonst noch gibt, nicht nur aus der Konserve erleben, sondern auch noch ab und zu jemanden zu Gesicht bekommen, der mir in der Atmosphäre einer verschworenen Lerngemeinschaft mit Fehlern, Räuspern und spontanen Anmerkungen zum Tagesgeschehen, mal schlechter und mal guter Laune, in sein Fachgebiet einführt. Mag es ineffizient oder konservativ sein, auch hier macht es m.E. sicherlich die Mischung aus, die zum besten Ergebnis führt.
Als zweite Referentin kam Frau Dr. Stefanie Merkenich zu Wort, deren Ausführungen zu den  Herausforderungen bei der Projektumsetzung ich hier nicht wiedergeben kann, weil sie 60 min Inhalt in 30 min vorgestellt hat. Ein Feuerwerk der Erfahrungen – sehr kompetent, ohne Frage.
Dritter Vortrag im bekannten Duo Prof. Sönke Knutzen und Prof. Falk Howe.  Der Vortrag mündete in der Forderung, die Nachhaltigkeit (so dass Thema) durch die frühzeitige  Beteiligung von Bildungsanbietern (Verwerter) zu verbessern. In den öffentlichen Projekten, an denen ich beteiligt war, war dies auch meist gefordert – auch wenn die Ergebnisse sicherlich nicht immer im Zielkorridor waren. Grundlegend liegt das Problem meines Erachtens darin, dass die Projekte nicht ausreichend im Sinne der Verwertungsziele unterstützt und (formativ) evaluiert werden.
Die drei thematischen Schwerpunkte (1) Tendenzen, (2) Herausforderungen in der Projektumsetzung und (3) Nachhaltigkeit/Verwertung wurden anschliessend in drei Workshops wieder aufgegriffen und vertieft. Der Anspruch des Veranstalters (BMBF) war es, mehr Austausch zwischen den Projekten zu ermöglichen. Leider war ich in dem Workshop, der 2,5 Stunden durch ein Frage-Antwort-Spiel mit 60 Teilnehmern gestaltet wurde. Eine semi-optimale Lösung zur Verbesserung der Interaktion. So waren auch die Ergebnisse zum Themenfeld “Innovation/Trendenzen” wenig befriedigend. Zusammengetragen wurde schliesslich ein bunte Mischung an Themen von Web 2.0, Mobile Learning, ePortfolios, über Rahmenbedingungen (?) und Zielgruppen. Irgendwie fehlten mir da klarere Vorgaben, wie denn Innovationen/Tendenzen zu verstehen sind. Die technologischen Innovationsfelder sind bekannt, die didaktischen wurden unter “Methodik/Didaktik” abgehakt und wenn ich mich auf die Ebene der Rahmenbedingungen und Zielgruppen bewege, kann man sicherlich sehr erfinderisch sein. Hm?

Es folgte schliesslich eine Zusammenfassung der Ergebnisse der beiden anderen Workshops (die wohl auch tatsächlich Workshops waren) und auch meines Erachtens interessante Anregungen zum jeweiligen Themenbereich lieferten.
Abschliessend gab es noch einen Vortrag zur Medienkompetenz von Prof. Dr. Heidi Schelhowe (TZI Bremen), der mich zunächst an den Vortrag von Prof. Raúl Rojas zur GMW-Tagung 2009 erinnerte (Technikgeschichte). Dann kam aber doch noch das Thema Medienkompetenz zu sprache, in dem auf  die Ergebnissen der Expertenkommission (Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur) eingegangen wurde.
Die anschliessende Podiumsdiskussion füllte dann noch die Zeit bis zum Mittagessen und Michael Härtel (BIBB) moderierte die Veranstaltung souverän zu Ende. Na dann, bis zum nächsten Jahr. Bin schon sehr auf die Ergebnisse der neuen Projekte gespannt.