Vortrag “Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung”

Vortrag “Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung”

Heute vertritt dankenswerterweise Sandra Gabi und mich auf der Tagung
Teaching Trends 2014: Offen für neue Wege – Digitale Medien in der Hochschule an der Universität Oldenburg. Dort stellt sie ein Paper vor, welches uns drei Mitte des Jahres beschäftigte und das Medienhandeln im Format der Forschung als Thema hatte:

Das Interesse am forschenden Lernen und an der theoretisch-konzeptionellen wie auch empirisch basierten Weiterentwicklung dieses Konzepts ist im deutschsprachigen Raum groß. Der Bologna-Prozess könnte dieses bis dahin vor allem normativ geprägte Interesse befördert haben, da er die Verbindung von Lehre und Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Prüfstand stellt. Bringt man noch die digitalen Medien in die Diskussion zum forschenden Lernen ein, eröffnen sich mindestens drei Zugänge: (a) Man kann das Lernen im Format der Forschung in Verbindung mit Medien näher betrachten. (b) Man kann Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien innerhalb verschiedener Konzepte forschenden Lernens prüfen. (c) Man kann die Frage nach dem Forschungsverständnis, einer Disziplin oder eines Fachs in den Mittelpunkt stellen und dessen Einfluss auf individuelle Haltungen und die Gestaltung von Lehr-Lernszenarien und Medien beleuchten. Der Beitrag zielt darauf ab, die Nutzung digitaler Medien beim forschenden Lernen breiter zu betrachten als bisher üblich und mehrere Sichtweisen einzunehmen: eine hochschul- und mediendidaktische ebenso wie eine medientheoretische und -soziologische. Entsprechend wird der Kontext von Lernen, Medienhandeln und Bildung (durch Wissenschaft) erweitert, in der Erwartung, dass damit auch interdisziplinäre Forschungsfragen mit theoretischer, empirischer und praktischer Relevanz möglich werden. (Beitrag bei Sandra als preprint)

Ich bin gespannt, welche Diskussionspunkte sich aus dem Vortrag (Folien hier) ergeben und wie sich die anderen Beiträge dem Tagungsthema nähern. Wer den ein oder anderen weiteren Vortrag nachlesen möchte, für den gibt es das gesamte Buch auch schon vor der Tagung hier.

Hofhues, S., Reinmann, G. & Schiefner-Rohs, M. (2014). Lernen und Medienhandeln im Format der Forschung. In O. Zawacki-Richter, D. Kergel, N. Kleinefeld, P. Muckel, J. Stöter, J. & K. Brinkmann (Hrsg.), Teaching Trends14Offen für neue Wege: Digitale Medien in der Hochschule (S. 19-36). Münster: Waxmann.

Horizon Report Europe 2014 Schools Edition: Von Social Media und Lehrerbildung zum Wandel von Schule

Horizon Report Europe 2014 Schools Edition: Von Social Media und Lehrerbildung zum Wandel von Schule

Der Horizon Report ist zumindest in der (Medien-)Hochschullandschaft ein Begriff. Neu herausgekommen ist nun der Horizon Report Europe mit dem Fokus auf Schule. Auf Basis einer Delphi-Befragung liefert der Bericht einen Einblick in zukünftige Entwicklungen, die auf Schulen zukommen und klassifiziert diese in lösbare Herausforderungen, schwierige Herausforderungen und starke Herausforderungen:  Lösbare Herausforderungen sind nach Einschätzungen der Experten die Integration von ICT in die Lehrerbildung und die geringen digitalen Kompetenzen von Schüler_innen. Schwierige Herausforderungen liegen in der Gestaltung authentischer Lernangebote sowie in der Verbindung von formellem und informellem Lernen. Starke Herausforderungen werden dann in der Unterstützung von komplexem Denken und Kommunikation sowie darin gesehen, dass Schüler_innen Co-Designer_innen der Lehr-Lerngestaltung werden:

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Ich bin überrascht, dass gerade Social Media in der Schule und die Integration digitaler Medien in der Lehrerbildung als “lösbare Aufgaben” beschrieben werden. Gerade die Praxis zeigt, dass dies doch erheblich schwieriger ist, als gemeinhin angenommen – und die Frage, wie wir mit den anderen Herausforderungen umgehen, ist dann durchaus berechtigt. Aber auch sonst bietet der Bericht wertvolle Impulse, von der Frage des Erwerbs kritischer Informations- und Medienkompetenz für Schüler_innen, über die Frage der Partizipation von Schüler_innen an der Gestaltung von Schule bis hin zur Verbindung von formellem und informellem Lernen mit Medien im Schulalltag. Besonders hervorheben möchte ich aber den ganzheitlichen Blick auf Schule und innovative pädagogische Handlungspraxen, den der Bericht in einer Grafik zusammenbringt:

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Es geht eben nicht “nur” um die Integration digitaler Medien in den Unterricht, sondern um den Wandel von Schule mit all ihren verschiedenen Facetten, angefangen von Bildungsinhalten und Curricula über Lehr-Lernpraxen, die Frage des Assessments ebenso wie die der Organisation, Infrastruktur und Führung.

(Kurz-)Rückblick: Lehrer.Bildung.Medien 2014

(Kurz-)Rückblick: Lehrer.Bildung.Medien 2014

Nun liegt die Tagung Lehrer.Bildung.Medien schon einige Tage zurück. Nachdem nun die Aufräumarbeiten so langsam abgeschlossen sind, bleibt ein wenig Zeit, die Tagung nochmals kurz Revue passieren zu lassen. Geplant war die Tagung als ein Zusammentreffen von Personen, an der Lehrerbildung und dem Feld der (digitalen) Medien interessiert sind, und dementsprechend heterogen war das Publikum: Rund 160 Wissenschaftler_innen, Mitarbeiter_innen aus Zentren für Lehrerbildung, Lehrerfortbildner_innen sowie Lehrer_innen hatten sich in Kaiserslautern eingefunden, um das Thema der digitalen Medien in der Lehrerbildung zu diskutieren. Dementsprechend heterogen und facettenreich waren die Beiträge, wie ich aus eigener (Moderations-)Erfahrung sagen kann und wie mir berichtet wurde. Gerade dieses Zusammenspiel der unterschiedlichen Erfahrungen machte für mich den Reiz aus, kamen hier doch alle zu Wort und man sprach nicht nur übereinander („die erste Phase müsste mal, ….“ ), sondern kam miteinander ins Gespräch – und dies sowohl im Vorfeld der Tagung als auch an der Tagung selber.

Sobald man Funktionen an Tagungen hat, kommt der inhaltliche Austausch an der ein oder anderen Stelle zu kurz, aber ich habe mein bestes versucht ;-) . Und so kann ich zumindest einige Aspekte berichten, die mir hängen blieben: Neben der Frage der Tagungsorganisation als Fortbildung haben ich auch mit unterschiedlichen Personen die Rolle von Vorbildern im Medienhandeln diskutiert, die dann nämlich auch hochschuldidaktisches Medienhandeln betreffen oder die Frage nach der Integration von Medien in Universitäts- und Schulalltag. Im Kern der verschiedenen Beiträge stand natürlich das Verhältnis von Medien zu Pädagogik, bezogen vor allem auf die Lehrer_innenbildung. Diskutiert wurde daher vor allem die Gestaltung von medialen Bildungsräumen in Schule, Hochschule und Lehrer_innenweiterbildung: Angefangen von Fragen hinsichtlich der Professionalisierung von Lehrpersonen in, mit und über Medien, angemessener Konzepte für Lehreraus-, -fort- und Weiterbildung bis hin zu Fragen von Schulentwicklung und die Rolle der Schulleitungen. Theoretische Beiträge standen dann neben empirischen oder praxisorientierten Blickwinkeln (Beiträge und Abstracts sind nach und nach hier zu finden).

Alles in allem gab die Tagung ein facettenreicher Einblick in aktuelle mediale Schul- und Forschungsprojekte und ich freue mich sehr über den Anstoß zum Austausch, den wir an der ein oder anderen Stelle legen konnten. Nun läuft auch die Vorbereitung zur Publikation der Tagung langsam an. Nähere Informationen dazu erhält man dann über die gewohnten Kanäle. Und wie immer gilt: Nach der Tagung ist vor der Tagung – und gerade der Bereich der Lehrer_innenbildung mit, über und in Medien bleibt ein weites und breites Aufgabenfeld, wie heute Abend auch nochmals am 15. Forum Medienkompetenz von verschiedenen Akteuren hervorgehoben wurde.

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PS: Vielen Dank auch an die vielen netten Rückmeldungen, die ich im Nachgang zur Tagung aus verschiedenen Richtungen erhielt.

Herausforderungen forschenden Lernens: z.B. Was ist eigentlich Forschung?

Herausforderungen forschenden Lernens: z.B. Was ist eigentlich Forschung?

Ich sitze auch an der Vorbereitung für ein neues Seminar zur Schul- und Unterrichtsforschung, in dem die Studierenden auch eigene Forschungsanteile haben. Aus dem letzten Semester habe ich in Erinnerung, dass es den Studierenden schwer fiel, eine Forschungsfrage zu finden – vermeintlich alles war doch schon erforscht, so die Meinung im Seminar.

Nun bin ich auf einen Artikel von Hans-Jörg Rheinberger gestoßen. Unter dem Titel “Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen” widmet er sich genau dieser Problematik, der Suche nach Neuem in der Wissenschaft und dem darin innewohnenden Moment des Handelns unter (scheinbarer) Zielfreiheit.

Er beginnt seinen Text mit einem Zitat aus der Kunstgeschichte:

“Jeder Künstler arbeitet im Dunkeln und wird nur von den Tunnels und Schächten früherer Werke geleitet, während er einer Ader folgt in der Hoffnung, auf eine Goldgrube zu stoßen. Zeitgleich aber  muss er fürchten, dass die Ader schon morgen ausgeschöpft sein kann”  (S. 1)

– für ihn, und ebenso für mich, ein Sinnbild auch wissenschaftlichen Handelns. Denn:

“Man kann das Forschen also als eine Suchbewegung charakterisieren, die sich aufs er Grenze zwischen Wissen und dem Nichtwissen bewegt. Das Grundproblem besteht darin, das man nicht genau weiß, was man nicht weiß” (S. 3).

Obwohl er sich sehr auf die Biologie und damit auf die Naturwissenschaften bezieht, sind doch einige Hinweise auch gerade für die Sozialwissenschaften relevant, so beispielsweise die Beschränkung des Abstraktionsradius und die Notwendigkeit der Fokussierung auf einen Ausschnitt des Geschehens (S. 2). Interessant ist die Frage dann auch nach dem Experiment, das er als “Überraschungsgenerator” oder als “Maschine zur Herstellung von Zukunft” beschreibt. Während hier der ein oder andere an quasi-experimentelle Designs in der Bildungswissenschaft denkt, ist aber aus meiner Perspektive auch das Design der Design-Based Research Forschung hier gut anknüpfbar.

Aber nicht nur das: Am Ende des Artikels bezieht er sich auch auf das Schreiben als wissenschaftlichem Suchprozess, denn er behauptet,

“Das Schreiben (…) ist selbst ein Experimentalstem. Es ist eine Versuchsanordnung. Es ist nicht nur ein Aufzeichnen von Daten, Tatbeständen oder Ideen. Es ist auch nicht einfach der billige Ersatz für die lebendige Rede. Es ist nicht einfach das transparente Medium der Gedanken. Es gibt ihnen eine materielle Verfassung und zwar eine, die da Entstehen von Neuem ermöglicht.” (S. 5).

Hier sind zum einen auch “die anderen” Wissenschaften gut anknüpfbar, und das Schreiben erhält im Forschungsprozess eine eigene Dignität und löst sich vom Gedanken des “nur noch schnell zusammenschreibens”.

Alles in allem also ein kurzer Text, der aber sehr prägnant einige Perspektiven auf die Forschungstätigkeit liefert – ich bin gespannt, wie die Auseinandersetzung damit im Wintersemester gelingt.

Quelle: Rheinberger, H.-J. (2006). “Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen”. Vortrag anlässlich der Preisverleihung der cogito foundation, Zürich.

Vortrag: Inquiry-based learning and research-based teaching with (social) media

Vortrag: Inquiry-based learning and research-based teaching with (social) media

Sandra Hofhues, Ulrike Lucke und Gabi Reinmann und mich beschäftigt das Forschende Lernen schon seit einiger Zeit, und jede von uns aus einer leicht anderen Perspektive. Umso schöner war es, diese Perspektiven nun einmal zusammenzutragen und unter dem Titel “Inquiry-based learning and research-based teaching with (social) media” im Rahmen der SMART Konferenz den Teilnehmenden virtuell zugänglich zu machen:

Mehr Informationen dazu finden sich bei Sandra