Call for Paper: 3. Workshop “Lerninfrastruktur an Schulen”

Im Rahmen der diesjährigen Delfi-Tagung 2012 in Hagen (24.- 26.09.2012) planen wir einen neuen Workshop zur Lerninfrastruktur. Wir freuen uns auf Beiträge :-)

Abstract: Kinder und Jugendliche verfügen in zunehmendem Maße über persönliche mobile Geräte, die jedoch aktuell noch kaum in schulischen Kontexten genutzt werden. Gleichzeitig wird der Einsatz von Tablets dort in zunehmendem Maße erprobt. Der Workshop bietet ein Forum, um Chancen, Perspektiven, Herausforderungen und Grenzen der Arbeit mit persönlichen, mobilen Geräten in der Schule zu diskutieren. Im Zentrum der Diskussion sollen pädagogische, didaktische, organisatorische und rechtliche Aspekte stehen.

1 Hintergrund und Ziele des Workshops

Wirft man einen Blick in die Schule und auf die Geräteausstattung von Schülerinnen und Schülern, so sind zwei Tendenzen sichtbar: Zum einen besitzen immer mehr Jugendliche inzwischen Smartphones (vgl. auch JIM-Studie 2011). Mit dem Mobiltelefon im klassischen Sinn haben diese Geräte nur noch insofern eine Gemeinsamkeit, dass man damit auch telefonieren kann. Ansonsten handelt es sich um mobile Kleinstcomputer, die sich prinzipiell auch in Lern- und Lehrkontexten einsetzen lassen. In der Schule fallen solche Geräte aber zumeist noch unter das oft vorherrschende „Handyverbot“. Zum anderen erfreuen sich auch Tablets zunehmender Beliebtheit in schulischen Bildungskontexten. So gibt es beispielsweise immer mehr “iPad-Klassen”, die aber meist in Form von schulisch organisierten Einzelprojekten durchgeführt werden. Es stellt sich die Frage, warum Smartphones, Notebooks, Netbooks, Tablets, Handhelds und andere Geräte, die die Schülerinnen und Schüler schon heute besitzen, nicht systematisch im Unterricht Verwendung finden. Diese Entwicklung wird inzwischen unter dem Titel „Bring your own device“ (BYOD) diskutiert und gewinnt kontinuierlich an Aufmerksamkeit.

Aber auch auf der Seite der Anbieter von schulischen Bildungsangeboten kommt es zu Veränderungen: Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von webbasiertem Content, Bildungs-Apps und künftig wohl auch digitalen Schulbüchern über die Online-Marktplätze der marktführenden Plattformanbieter kommt möglicherweise auch Bewegung in den Schulbuchmarkt mit entsprechend neuen Angeboten, Nutzungs- und Distributionsmodellen. Entwickeln sich Apps, von unterschiedlichen Geräten und Gerätetypen nutzbar, zum kleinsten gemeinsamen Nenner heterogener Lerninfrastrukturen? Die verstärkte Nutzung dieser Medien führt damit auch zu einer neuen Betrachtung der Frage, wie Daten in der Schule zukünftig gespeichert und weiterverarbeitet werden sollen. Verschwinden z.B. serverbasierte dezentrale Infrastrukturen aus den Schulen künftig alle in der so genannten Cloud und welche Rolle spielen klassische Lern-Management-Systeme in diesem Kontext?

Der Workshop bietet ein Forum, um sich fachlich fundiert auf der Basis vorhandener (Praxis-)Erfahrungen über die Perspektiven, Chancen und Grenzen des schulischen Lernens mit privaten, mobilen Geräten auszutauschen und erste Einschätzungen zu wagen, welche pädagogischen, technischen, organisatorischen, didaktischen und rechtlichen Konsequenzen diese Entwicklungen für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Schule haben.

Wir wünschen uns daher neben wissenschaftlich fundierten Beiträgen auch Beiträge, die auf der Basis praktischer und praxisnaher Erfahrungen über absehbare und mögliche Konsequenzen der skizzierten Entwicklungen berichten.

2 Themenschwerpunkte

2.1 Medienausstattung und -nutzung Jugendlicher

Kinder und Jugendliche sind insgesamt gut bis sehr gut mit digitalen Endgeräten ausgestattet. Zu fragen ist aber, ob diese gute Ausstattung auch alle sozialen Gruppen betrifft oder ob es etwa schicht- oder bildungsabhängige Unterschiede gibt. Auch kann hier der Frage nachgegangen werden, in wie weit Jugendliche bereit und / oder in der Lage sind, die privat vorhandene Ausstattung auch in formalen Bildungskontexten der Schule zu nutzen.

2.2 Chancen und Herausforderungen heterogener Umgebungen

Die Nutzung privater Hardware in Schule wirft eine Reihe von Fragen auf, die im Workshop diskutiert werden können: Wie können verschiedene, private Endgeräte sicher in eine schulische Infrastruktur eingebunden werden? Welche Konsequenzen haben unterschiedliche Geräte, Betriebssysteme und Programme für die Gestaltung eines medienbasierten Unterrichts? Wie kann in heterogenen Umgebungen Support geleistet werden, bzw. wie kann Schule davon entlastet werden? Welche rechtlichen Implikationen sind mit der Nutzung privater Hardware verbunden?

2.3 Private Hardware in der Schule – Konsequenzen für digitale Schulbücher und Bildungs-Apps

In heterogenen Umgebungen müssen auch inhaltliche Angebote so gestaltet sein, dass sie unabhängig von Geräten und Betriebsystemen genutzt werden können. Welche Mindeststandards sind daher für digitale Schulbücher und Bildungs-Apps erforderlich? Welche Konsequenzen hat dies auch für die didaktische Konzeption der Angebote?

2.4 Überall verfügbar – Die Cloud in der Schule

Müssen Schulen oder Schulträger in Zukunft noch umfangreiche Serverlösungen für den schulischen IT-Betrieb betreiben oder sind diese zukünftig zu Gunsten so genannter Cloud-Lösungen verzichtbar? Welche Vor- und Nachteile gehen damit einher und wie müssen Cloud-Lösungen gestaltet sein, damit sie an Schulen einsetzbar sind?

3 Einreichung von Beiträgen

Beiträge können in Form von Aufsätzen (ca. 8 Seiten ) eingereicht werden. Ausgewählte Beiträge werden im Workshop –Band der Tagung veröffentlicht. Beiträge im LNI-Format sind bis zum 18.06.2012 einzureichen bei richard.heinen@uni-due.de.

Praxisberichte können in Form von einseitigen Abstracts eingereicht werden. Sie werden als Kurzreferate in den Workshop eingebracht. Abstracts sind bis zum 18.06.2012 einzureichen bei richard.heinen@uni-due.de.

Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 10.07.2012.

Die Endfassung der Beiträge muss für die Veröffentlichung im Online-Tagungsband mit ISSN-Nummer bis zum 15.07.2012vorliegen.

Programmkomitee

Breiter, A.; Döbeli Honegger, B.; Heinen, R.; Herber, E., Kerres, M.; Moser, S.; Schiefner-Rohs, M.; Schulz-Zander, R.; Stolpmann, B.E.; Vaupel, W.; Wedekind, J.; Welling, S.

ZEIT-Konferenz: Schule & Bildung … und die Medien?

Gestern war ich in Berlin zur Zeit-Konferenz „Schule und Bildung“ (Programm). Die Lehrerbildung war ja ein großes Thema in meiner Dissertation, so dass ich interessiert war, welche aktuellen Diskussion zur Lehrerausbildung diskutiert werden. Geladen hatte die Telekomstiftung in Zusammenarbeit mit der ZEIT. In dieser Konferenz stand die Lehrerausbildung im Fokus, und für mich war natürlich neben allgemeinen Lehrerausbildungsfragen besonders der Umgang mit digitalen Medien spannend. Doch eins nach dem anderen ;-)

Trotz Landtagswahlkampf hielt Sylvia Löhrmann das Einstiegsreferat. Sie stellte nochmals die Lehrerausbildung als berufsbiographisches Entwicklungsprojekt in den Fokus und sprach zum einen aus Erfahrungen aus NRW, aber auch deutschlandweit über die Bedeutung, die Lehrerausbildung in Zusammenspiel mit allen Beteiligten, d.h. nicht nur unter der Brille der universitären Ausbildung zu denken. Vertieft hat sie einige Bereiche des KMK Berichts von 2000 (link) vorgestellt. Deutlich wurde in ihrem Vortrag das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit der Hochschulen und der politischen Verantwortung die mit der Prüfung über Staatsexamen verbunden ist. Wie weit soll und vor allem darf sich Politik in die Ausbildung der Lehrpersonen vor Ort an einer Universität „einmischen“, wo liegen Potenziale und wo Grenzen? Diese Gratwanderung zeigte ihr Vortrag an einigen Stellen sehr deutlich. Als herausfordernd für die weitere Beschäftigung mit der Lehrerbildung hob sie neben dem Ganztag vor allem die Förderung der Fachdidaktik sowie die Schulentwicklung mit Einbezug von Inklusion und Diversität hervor.

Klaus Kinkel setzte in seinem Beitrag „Die Lehrerbildung – ein Stiefkind der Bildungspolitik“ das Statement, dass Bildung endlich wieder „Megathema“ werden muss. Die Lehrerbildung ist dabei zentrales Element und sollte seiner Meinung nach nicht als Klotz am Bein der Fachdidaktiken oder der Fakultäten gesehen werden. Er sprach sich klar gegen den Förderalismus im Bildungsbereich, vor allem in der Lehrerausbildung aus und stellte die Initiativen und Förderungsmechanismen der Telekom-Stiftung, der er vorsteht, im Bereich MINT vor. Besonders spannend wird sicherlich der mit dem Stifterverband und dem CHE geplante „Monitor Lehrerbildung“.
Das zu den Impulsreferaten gehörende Plenum bestand aus Cornelia von Ilsemann, Ulrike Kegler, Manfred Prenzel und Ekkehard Winter und diskutierte das Thema „Lehrerbildung auf dem Prüfstand“. Vor allem Ulrike Kegler lieferte engagierte Hinweise auf schulische Praxis (Beziehungsarbeit ist Kerngeschäft des Unterrichts, warum müssen Lehrpersonen eigentlich 2 Fächer studieren, eins würde doch reichen, ….) und forderte dezidiert die Selbstreflexion und das virtuose Agieren nicht in einem, sondern zwischen den Fächern, als wichtige Kompetenz in Rahmen der Lehrerausbildung. Manfred Prenzel stellte die TUM School of Education vor und warnte davor, die Verantwortung der Lehrerausbildung zwischen den Phasen (Universität und Vorbereitungsdienst) hin- und herzuschieben. Er sprach sich für eine hohe Forschungskompetenz und –sichtbarkeit der Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften an Universitäten aus, um so auch die Legitimation und Anerkennung der Lehrerausbildung innerhalb der Universität zu fördern. Als Beispiel diente ihm die Architektur oder die Medizin, die auch „berufsfeldorientierte“ Studiengänge sind, aber deutlich weniger Legitimationsprobleme haben. Ebenso forderte er, das Curriculum der Lehrerausbildung nochmals kritisch zu prüfen hinsichtlich der Frage: Was müssen Studierende wirklich wissen und können, und hier gegebenenfalls Fachwissen zugunsten anderer Bereiche zu streichen. Das große Thema der Heterogenität und des Umgangs mit Diversität in einer ‚multiprofessionellen Schule’, der hier als Beispiel herangezogen wurde, zog sich nicht nur durch das Podium, sondern durch die gesamte Veranstaltung. Spätestens hier hätte ich mir auch eine Diskussion um den Stellenwert von digitalen Medien gewünscht, aber dazu später mehr.

Um nicht nur die Planungsseite zu zeigen, wurden auch Studierende gebeten, ihre Meinung kundzutun. Dies haben Lehramtsstudierende auch getan und folgende Forderungen aufgestellt, die im Anschluss erörtert wurden: 

Ausgehend vom Impulsvortrag von Johannes Mayr zum Thema Einstieg ins Lehramtsstudium spannte sich das nächste Thema der „Eignung für den Lehrerberuf“ auf und wurde auf dem Podium mit Sigrid Blömeke und Norbert Seibert sowie mit dem Publikum heftig diskutiert.

Zum Schluss folgte ein Impulsvortrag von Norbert Pachler zum Thema „LehrerInnenausbildung: Erkenntnisse aus der anglo-amerikanischen Forschung und Praxis“. Hier wurde deutlich der neoliberale Blick des englischen Systems, aber auch Diskussionspunkte, damit umzugehen, sichtbar. Ebenso zeigte sich das Dilemma zwischen Regierung und Wissenschaft hinsichtlich der Frage der Steuerung von Bildung. Auf dem abschließenden Podium mit Michael Schratz und Jürgen Oelkers wurde der Blick der Lehrerausbildung nochmals über Deutschland hinaus geweitet und es boten sich (bestens bekannte ;-) ) Blicke in die Schweiz und nach Österreich – und in unterschiedliche Rollen des Lehrers und deren Auswirkungen auf die Lehrerbildung.

Rückblickend bezogen sich viele Themen des Tages vor allem auf die „klassische“ Lehrerausbildung für die Schule. An einigen Stellen (und da wurde es für mich spannend) tauchten allerdings mit der Frage nach der Ausbildung der Lehrererbildner oder der Hochschuldidaktik an den Universitäten Fragen von Lehrerausbildung auf, die den Lehrberuf weiter fassen als den Lehrer, der in Schulen unterrichtet. Ich denke, genau hier liegt noch einiges Potenzial, das es auszulosten gilt.

Ebenso viel mir auf, dass fast durchgängig alle Redner von der Lehrerausbildung gesprochen haben. Hier scheint es wohl einen „Paradigmenwechsel“ gegeben zu haben, den ich auch schon in meiner Dissertation ansprach:

Lehrerausbildung und Lehrerbildung werden oft nicht genau auseinandergehalten, obwohl beide Termini unterschiedliche Foki bzw. Theorieverständnisse aufweisen: Während Arbeiten zur Lehrerbildung meist auf geisteswissenschaftlich- hermeneutische Theorien zurückgreifen, beziehen sich Arbeiten zum Begriff der Lehrerausbildung auf sozialwissenschaftlich-empirische Theorien der Professions-, Kompetenz- und Expertiseforschung (Blömeke, 2009b, S. 483) und betonen Kompetenzen, die im Rahmen einer Ausbildung professionalisiert werden können. Eine saubere Trennung beider Terminologien hat sich allerdings nicht in allen Arbeiten zur Lehrerbildung durchgesetzt. Dies kann daran liegen kann, dass der Terminus „Ausbildung“ oft mit ökonomischer Verwertbarkeit bzw. Arbeitsmarktorientierung konnotiert ist und somit gerade in der universitätsinternen Diskussion um Bildung kritisch gesehen wird – obwohl die Lehrerausbildung genau diesen Arbeitsmarktbezug aufweist und das Thema Bildung und Ausbildung gerade mit der Bologna-Reform diskutiert wurde (Tenorth, 2009). Für die Lehrerausbildung entsteht hier ein Spannungsfeld zwischen „berufsbefähigendem Ausbildungserfordernis und forschungsbasierter Wissens- und Erkenntnisproduktion“ der universitären Disziplinen (Wissenschaftsrat, 2001, S. 28). (Quelle: Schiefner-Rohs, 2012, S.39)

Doch, was ist nun mit den Medien? Nix, muss ich nach der Veranstaltung feststellen. Es ist außer in einem Satz nicht thematisiert und angesprochen worden; im gesamten Konferenzverlauf nicht (neben der Tatsache, dass ich kaum Laptops gesehen habe und auch die üblicher Tweeterei unterblieb, was sicherlich (auch) damit zu tun hatte, dass es kein kostenfreies WLAN gab). Digitale Medien scheinen zumindest auf der Diskussionsebene vor Ort in der Lehrerausbildung keine Rolle zu spielen, oder sind sie nur ein Thema unter vielen im Bereich der Lehrerbildung? Hat das Thema der Inklusion nun die digitalen Medien abgelöst? Oder sind sie mittlerweile so selbstverständlich in der Lehrerausbildung, dass sie nicht mehr erwähnt werden müssen? Gerade dies wage ich, auch mit Blick auf die Ergebnisse meiner Disseration zu bezweifeln. M.E. nach müssen digitale Medien auch hier eine Rolle spielen. Gerade das Potenzial, das digitale Medien gerade auch in den auf der Konferenz heiß diskutierten Feldern wie Diversität, Umgang mit Heterogenität oder aber auch in ihrer Funktion als Rollen- und Handlungsreflexion, wären m.E. nach Punkte genug, die Medien hier stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Es bleibt noch viel zu tun ;-)

Was ist Web 1.0?

Dieses Semester habe ich den Fokus in meinem Seminar “Konzeption mediengestützter Lernangebote” ein wenig geöffnet und bewusst nicht nur didaktisches Design, sondern auch vermehrt (Web 2.0) Tools aktiv in die Lehrveranstaltung integriert. Im Sinne der Kompetenzorientierung haben die Teilnehmenden als “Leistungsnachweis” die Wahl, ein didaktisches Konzept zu erarbeiten, ein Tool im didaktischen Zusammenhang im Seminar vorzustellen oder begleitend zum Seminar zu bloggen. Mit diesen offenen Formen und vor allem der Wahl habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich freue mich besonders, dass es dieses Jahr zum ersten Mal auch Studierende gibt, die sich an die offenen, digitalen Formen wie Blog herantrauen (Link zum Blog hier, Twitter).

Doch eine Sache viel mir dieses Jahr besonders auf: In jedem Semester frage ich die Studierenden, was ihrer Meinung nach Web 2.0 ist, da mich die dahinterstehenden Konzepte der Studierenden interessieren. Oft erkläre ich dann im Nachgang den Unterschied bzw. den fließenden Übergang von Web 1.0 zu Web 2.0 mit allseits bekannten Grafiken und Bildern. Dieses Jahr habe ich aber zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass Studierende konzeptionell nicht (mehr) oder nur sehr schwer an Web 1.0 anknüpfen können. Für sie ist es keine Neuigkeit, dass man Spiegel online Seiten kommentieren kann und ganz einfach im Netz Seiten erstellt, Bilder hochlädt, Filme produziert und vieles mehr. Ähnlich wie es bei Senioren schwierig ist, an bestehende Bilder oder Vorstellungen anzuknüpfen, wenn man das Internet erklärt, fehlte meinen Studierenden, so hatte ich den Eindruck, die Vorstellung davon, was das Web 1.0 eigentlich war bzw. wie mediales Handeln im Web 1.0 aussah. Somit, so habe ich das Gefühl, wird es immer schwieriger, die “veränderten Nutzungspraktiken des Netzes” zu thematisieren, da dies für Studierende zum Teil „normale“ Nutzungspraktiken, gerade im Bereich der Sozialen Netzwerke sind.

Wie geht es denn anderen Lehrenden so? Und an welche Konzepte docken Sie das Phänomen Web 2.0, das im Alltag kein Phänomen mehr scheint, im Bereich Pädagogik/Didaktik aber immer noch als „neu“ gilt, an, ohne html zu erklären?

BYOD am Educamp: zwischen Visionen und Widerstand?

Endlich bin ich dazu gekommen, meine Gedanken zum EduCamp zusammenzufassen: Am Wochenende fand das EduCamp in Köln statt. An der Kaiserin-Augusta-Schule diskutierten langjährige Educamper vor allem – aber nicht nur – mit Lehrerinnen und Lehrern den Medieneinsatz in der Schule. Richard Heinen und ich haben auch eine Session angeboten. Die Ausschreibung unter einer bewusst eher provokativ formulierten Überschrift lautete im Detail:

iPad-Projekte an Schulen sprießen zur Zeit wie die Krokusse im Frühling aus dem Boden und zeigen wertvolle neue Nutzungsszenarien digitaler Medien auf. Doch fehlt meist die nachhaltige Sicherung der Finanzierung. Zudem zeigt die Erfahrung: Nach dem iPad kommt das nächste Device und damit wieder neue Projektrunden.
Auf der anderen Seite haben Jugendliche ihre Geräte heute schon im Rucksack und in der Hosentasche. Nur nutzen sie diese nicht für die Schule. Würden sie diese jedoch im schulischen Alltag nutzen, damit könnten eine Reihe von Problemen gelöst werden
- Die Schule muss nicht mehr Engeräte bereit halten
- Jede Schülergeneration bring ihr eigenes (neues) Gerät, so dass die schulische Infrastruktur auf dem neuesten Stand ist
- Neue, vielfältige Gerätetypen wachsen in Schule hinein
Gleichzeitig stellte dieses Szenario Schulen aber auch vor Herausforderung:
- Wie geht man mit einer Vielzahl von Betriebssystem und Anwendungen um?
- Wie kann privaten Geräten Zugang zum schulischen Internet gegeben werden?
- Wie können „soziale Härten“ vermieden werden?
In der Session werden erste Erfahrungen einer Schule berichtet und das Konzept für ein deutsch-niederländisches Projekt zur Diskussion gestellt. Gerne möchten Richard Heinen und ich mit euch Vor- und Nachteile eines solchen partizipativen Konzepts diskutieren.

Uns war es wichtig, einen Gegenpunkt zu den überall spriessenden Notebook-Projekten zu setzen. Nicht, weil wir diese nicht toll finden, sondern um zu zeigen, dass es kein Weg für alle Schulen sein kann. Jedes neue Gerät wird euphorisch eingeführt und (Forschungs)Projekte beschäftigen sich damit, oft aber ausgehend von einer technologischen Geräteseite. Klar brauchen wir Erfahrungen, wie wir verschiedene Geräte zum Lehren und Lernen nutzen können, aber wichtiger ist doch die Frage: Welches Bildungsproblem möchten wir eigentlich lösen, und muss es dafür unbedingt Gerät XY sein? Oder geht es beim Einsatz digitaler Medien nicht auch darum, Schüler und Schülerinnen mit einer breiten Möglichkeit an Geräte und damit auch potenziell erwerbbaren Kompetenzen mitzugeben? Dies nur ein kurzer Einblick in die Gedanken, die wir uns so machen und warum uns das Thema so unter den Nägeln brennt.

Nun möchte ich jedoch versuchen, an dieser Stelle die Diskussionsstränge zusammenzuführen und einen Ausblick zu geben. Als Einstimmung soll das Bild von Ralf dienen, das er während der Diskussion (natürlich auf dem iPad ;-) ) angefertigt hat:

Gestartet haben wir die Präsentation mit Originalzitaten aus einer Fallstudie, in der wir eine Schule systematisch betrachtet haben, die jetzt schon ein BYOD-Konzept eingeführt hat. Ziemlich gleich drehten sich die Fragen um das Thema Finanzierung und soziale Benachteiligung. Können wir von Eltern erwarten, dass sie den Kindern und Jugendlichen ein Gerät kaufen? Eine weitere Diskussion ergab sich um den Bereich Standardisierung in der Schule (Richard hat sie hier zusammengefasst, weswegen ich mich hier nicht mehr drauf beziehe, lediglich der Vergleich von Lisa Rosa zwischen Schuluniformen und Standardgeräten gefiel mir sehr gut).

Mir ist ein Aspekt wichtig, der auch anklang: die Frage, ob sich „das Problem der digitalen Medien in der Schule“ von selbst läuft, ob irgendwann einfach „die medienaffine“ Jugend in die Schule und später in die Lehrerbildung kommt. Je länger je mehr möchte ich dieser These vehement widersprechen. Es ist nicht so, dass man das Problem mit nachwachsenden Generationen löst, das führt sowohl der Schulleiter in unserer Schule an, als auch verschiedene Studien: so wurde beispielsweise in meiner Dissertation verschieden Kulturen der Lehrerausbildung sichtbar, und auch die nachfolgenden Generationen sind nicht homogen in ihrer Mediennutzung, worauf z.B. die Kritik von Rolf Schulmeister abzielt oder auch die Untersuchungen von Antoine van den Beemt hinweisen (hier). Es wird sich nicht einfach „biologisch“ ändern – es braucht immer noch Initiative(n) und vor allem eine Hochschul- und Lehrerausbildung, die dieses Thema ernst nimmt, und zwar flächendeckend in Deutschland, nicht nur an einigen Hochschulen, in denen Medienpädagogik als Fachgebiet angesiedelt ist.

Eine weitere Diskussion entbrannte um die Frage der Übergabe von Verantwortung durch Schülerinnen und Schüler: Durch personifizierte Geräte sind Schülerinnen und Schüler selbstverantwortlich auch dafür, wenn das Gerät mal nicht funktioniert. Während einige in den Raum warfen, dass man als Lehrperson nicht mehr kontrollieren kann, was Schülerinnen und Schüler machen, warfen andere den Blick auf die Herausforderungen. Folgende Zitate aus dem etherpad veranschaulichen die Standpunkte sehr schön:

„Warum können wir Lehrer hier nicht mal loslassen und Verantwortung abgeben. Vertrauen in die Schüler ist ein punkt, den ich an ganz vielen Stellen vermisse!!“
„Einfache Antwort: Zu glauben, dass Schüler immer so intrinsisch motiviert sind, dass sie den Verlockungen von FB auf dem Smartphone widerstehen können, ist naiv. Schule ohne Kontrolle ist eine ideologisch verbrämte Wunschvorstellung, die nicht mit der Realität zu tun hat. Mobile Geräte: Ja! Aber im Unterricht nur, wenn es Sinn macht. Und das kann man nur durch Kontrolle garantieren.“

Wie in jeder Diskussion zum Einsatz digitaler Medien in der Schule kam auch im Diskussionskreis die Frage nach rechtlicher Verantwortung auf, vor allem, wenn die Geräte persönliche Geräte sind. Was ist mit Internetnutzung, was wenn die Schüler Ballerspiele auf dem Rechner haben, was machen wir, wenn sie illegal downloaden, wie sieht das mit der Aufsichtspflicht aus usw. – Ja, was machen wir da? Richards und meine Antwort ist an dieser Stelle: abwarten, mal schauen, was kommt, den Schülerinnen und Schülern Autonomie in die Hand geben, und vor allem erstmal die Vorteile sehen, anstatt gleich in gewohnter Manier an die Probleme und Hürden zu denken. Daher auch das Statement einer/s Unbekannten im Etherpad:

„Ich wundere mich, dass hier im Etherpad immer nur Bedenken/Fragen eingebracht werden. Wo bleiben die Ideen/Visionen? einfach mal eine Sache ausprobieren!!“

Von daher gefällt mir das Statement einer Schulentwicklerin, nicht nur die „langen Listen der Formen von Widerstand“ zu betrachten, sondern den Blick auf Erfolgsmomente zu richten. Wie wurden Widerstände bislang überwunden und neue Medien in den Unterricht eingebunden? Ich denke, hier liefert die Fallstudie zumindest einen Ansatz ;-) – nun heißt es aber, mit Hochdruck weiter daran arbeiten.

Und um mit einem Bonmot aus dem Etherpad zu schliessen: “Wer etwas will, sucht nach Möglichkeiten. Wer etwas nicht will, sucht nach Ausreden.” Quelle unbekannt

NACHTRAG 21.03.2012:

Wer die Session nochmals “nachhören” will, für den gibt es hier eine Audioaufzeichnung. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Tim Krumkühler

Qualifizieren für eine global vernetzte Ökonomie

Am 10. Mai 2012 veranstaltet das Projekt GlobePro ein Expertenforum zum Thema „Eine global vernetzte Ökonomie braucht die Menschen. Globalisierung in der IT-Branche” Es werden Forschungsergebnisse und  Praxisberichte zum Thema vorgestellt und diskutiert (Programm_GlobePro_120510). Hinter dem Projekt stecken Andreas Boes und Andrea Baukrowitz, die sich schon seit mehr als 20 Jahren mit der IT-Branche aus verschiedenen Blickwinkeln (insb. dem Lernen) auseinandersetzten.

Für alle die nicht kommen können oder keine Karten mehr bekommen ist das Buch zum Projekt zu empfehlen (Weitere Informationen  hier).

Aus dem Vorwort: “Das Projekt GlobePro hat mit der IT-Branche eine gesellschaftliche Schlüsselbranche ins
Zentrum gestellt. Die IT-Branche ist nicht nur Vorreiter für die Globalisierung von Dienstleistungen, darüber hinaus sind hier professionelle Fachkräfte und eine innovative Aus- und Weiterbildung für Dienstleistungsberufe zentrale Wettbewerbsfaktoren. So können im vorliegenden Buch Bildungsperspektiven für global erfolgreiche Dienstleistungsarbeit anhand konkreter Erfahrungen sowie erprobter Modelle vorgestellt werden. “