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Befragung: Schulleiterinnen und Schulleiter zu digitalen Medien

Gestern bin ich auf eine Umfrage des mmb aufmerksam gemacht worden. Unter dem Titel „Unsere Schüler denken: Ihr wollt uns das nur madig machen“ standen Schulleiterinnen und Schulleiter und ihre Meinung zu digitalen Medien in der Schule im Fokus. Die Umfrage kam zusammenfassend zu folgendem Ergebnis:

Weder begeistert noch ablehnend stehen Schulleiterinnen und Schulleiter in Deutschland dem Einzug digitaler Medien gegenüber. Vielmehr sind sie mehrheitlich positiv eingestellt, wenngleich mit unüberhörbaren kritischen Untertönen. Während die Vorteile digitaler Medien in der besseren Visualisierung, der schnelleren Informationsrecherche und der höheren Motivation der Schüler gesehen werden, wird die häufig naive und unreflektierte Nutzung von Smartphones, Google und Social Media als ernstes Problem bewertet. Auch die Aus- und Weiterbildung der Lehrer in Sachen Digitalisierung wird als vordringliche Aufgabe beschrieben. Bisher findet diese eher informell und nebenbei statt – quasi im „Do-it-yourself“-Modus. Dies sind einige Kernaussagen einer aktuellen qualitativen Expertenbefragung von Schulleiterinnen und Schulleitern (Alter 43 bis 63 Jahre), die das mmb-Institut für Medien- und Kompetenzforschung für die Chemnitzer Konferenz „Digitale.Schule“ in den vergangenen Wochen an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in sieben Bundesländern durchgeführt hat. (mmb Studie, S. 2)

Dabei unterscheiden sich die Aussagen der Schulleitungen wenig von bisherigen Studien unter Lehrpersonen zum Thema digitale Medien. Als Problembereiche werden vor allem Mobbing sowie Naivität im Umgang mit Google und Co genannt, auch fehlende mediendidaktische Konzepte oder eine fehlende Ausbildung. Allerdings wird die Notwendigkeit gesehen, sich mit digitalen Medien auseinander zu setzen.

Was bleibt nun nach diesem „Meinungsblitzlicht“ (S. 5)? Wie dargestellt, unterscheiden sich die Einschätzungen digitaler Medien der Schulleiterinnen und Schulleiter kaum von denen von Lehrerinnen und Lehrern. So werden erstaunlicherweise kaum Aussagen über explizite Schulleitungsaufgaben gemacht: Wie gestaltet sich Schulleitungshandeln in und mit digitalen Medien? Wie gestaltet sich Schulentwicklung, verstanden als Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung unter Bedingungen digitaler Medien? Welche Verantwortungen haben Schulleitungen und welche Rolle spielen digitale Medien darin? Hierzu sind leider kaum Aussagen zu finden. Dabei sind doch auch Schulleitungen wesentlich für die Qualität und Wirksamkeit von pädagogischen Einrichtungen. Hier gilt es in der nächsten Zeit, genauer hinzuschauen, ebenso wie auf die Frage der Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleiterinnen und Schulleitern.

4 Kommentare

  1. Besten Dank für diesen Hinweis.
    Wir machen uns ebenfalls Gedanken welchen Einfluss digitale Medien auf das Leiten bzw. die Führung von Schulen hat. Wird Schulführung z.B. verändert durch all die Möglichkeiten bei Kommunikation und Kooperation, welche digitale Medien heute bieten?

    Mein These ist: An den Grundsätzen von Schulführung ändert sich nichts.
    Zu den Führungsaufgaben von Schulleiter/innen gehören z.B. folgende: Gemeinsame Ziele definieren, Neuerungen/Innovationen anregen, Entscheidungen fällen, Kooperationen organisieren und Team entwickeln (Teamführung), Qualität beurteilen/verbessern, (Selbst-)Entwicklung der Personen unterstützen und fördern

    Daran ändert sich nichts. Allerdings kommen neue Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten hinzu, die berücksichtigt werden wollen, z.B. weil sie Arbeit erleichtern oder einfach weil sie zeitgemäss sind. Digitale Medien spielen zudem als «neues» Thema in Fragen der Unterrichtsentwicklung eine Rolle. Und es ist auch Aufgabe der SL in diesem Bereich Neuerungen/Veränderung anzuregen (vielleicht auch durchzusetzen) und einen Blick auf Unterrichtsqualität zu werfen. Kommunikationskanäle zwischen Schule und Eltern verändern. Auch hier muss SL genau hinschauen.

    Also keine neue Führung, aber neue Kommunikations-/Kooperationskanäle und neue Themen für den Unterricht.
    (Für Unternehmen würde ich übrigens etwas anders argumentieren. Da stimmt die These m.E. dann nicht mehr.)

  2. Lieber Herr Stierli, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. In vielen Teilen stimme ich Ihnen bei: Kernaufgaben von Schulleiterinnen und Schulleitern bleiben gleich, aber die Rahmenbedingungen des Handelns verschieben sich, ganz zu schweigen von den veränderten Kommunikationsformen. Ich denke aber auch, dass digitale Medien Auswirkungen auf Organisations- und Personalentwicklung haben; also Aufgaben, die auch zu Führungshandeln an der Schule gehören. Hierfür Räume zu schaffen und Anstösse zur Reflexion und Gestaltung von (Medienbildungs-)Räumen zu geben, wird in Zukunft vermutlich eine Hauptaufgabe von Schulleitungshandeln werden. Daher war ich so enttäuscht, dass sich in der Umfrage vor allem auf Unterrichtsentwicklung bezogen wird. Vermutlich ist dies der Punkt, in dem der Einfluss digitaler Medien am virulentesten erscheint. Aber gerade Personalentwicklung und Professionalisierung im Kontext von Medien über den Unterricht ist ein Feld, das bisher aus meiner Perspektive recht wenig berücksichtigt wird. Welcher Erfahrungen haben Sie denn in Zürich bisher gesammelt?
    Herzliche Grüße
    Mandy Rohs

  3. Digitale Medien haben auf alle Fälle einen Einfluss auf die Organisationsentwicklung (bzw. Schulentwicklung) und Personalentwicklung. Und die Rahmenbedingungen des Schulleitungshandelns ändern sich. Das widerspricht meiner These überhaupt nicht, sondern ist explizit darin eingeschlossen. «Anstösse zur Reflexion und Gestaltung von Räumen» zu geben, war ja bisher bereits Aufgabe von SL. Neu kommen aber andere digitale Kommunikationskanäle und neue virtuelle Kooperationsräume dazu.

    Bis vor kurzem fokussierten Schulen bei Fragen rund um Medien/ICT auf Unterricht bzw. Unterrichtsentwicklung. Eigentlich immer noch.
    Zur Differenzierung erwähne ich noch, dass ich mich hier auf Schulen der obligatorischen Schulzeit (Kindergarten bis 9. Klasse) beziehe.

    Im Kontakt mit Schulen ist es mir immer wichtig aufzuzeigen, dass das Thema auch auf Kommunikation/Kooperation (im Lehrerteam, bei der Elternarbeit, Öffentlichkeitsarbeit etc.) und auch auf Themen wie Wissensmanagement im Schulteam einen grossen Einfluss haben. Das muss berücksichtigt werden bei der Schulentwicklung (u.a. mit der Schaffung von geeigneten Org-Strukturen und bei der Definition von Kommunikationsprozessen) und hat auch einen Einfluss auf die PE, weil hier ein neues Handlungsfeld entsteht.

    Wir sind uns einig, dass hier ein grosser Handlungsbedarf besteht, denke ich. Schulen sind sehr, sehr unterschiedlich weit in ihrem Bewusstsein für das Thema.

    Grüsse aus Zürich
    Thomas

  4. Wir sind uns sehr einig 🙂 – bleibt die Frage, wie man Schulen in der „Bewusstseinserweiterung“ unterstützen kann. Denn ich mache die Erfahrung, dass das Thema „Medien“ dann an ein oder zwei Kolleg_innen delegiert wird und man so in der Diskussion oft gar nicht zum wirklichen „Kern“ kommt. Ebenso ist für mich die gesamte Frage der angemessenen Professionalisierung von Schulleitungen eben gerade auch in diesem Bereich offen. Es bleibt spannend.
    Liebe Grüße
    Mandy

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