HEAD.Z | Blog

Bewusstseinsänderungen an Hochschulen: prominente Stimmen zu einer neuen Lehrkultur

Lehre dient meist nicht der Darstellung des renommé von Professoren, umso mehr verwundert es, dass sich für den Podcast des Stifertverbandes zu „Instrumente einer neuen Lehrkultur“ innerhalb der Themenreihe“ Wie entsteht Exzellenz in der Lehre?“ hochrangige Professoren gerade zu Lehre an Universitäten äußern.

Heinz-Elmar Tenorth (HU Berlin) zum Thema Hochschullehre …
* Lehre hatte immer den Beigeschmack einer lästigen Nebenpflicht. Das gehört zur Tradition der Universität. Aber es wird allmählich besser.
* Früher war Lehre nicht besser als heute. Früher fehlte das Bewusstsein für die schlechte Qualität der Lehre.
* Der Beginn des Studiums ist für jeden Abiturienten ein radikaler Bruch. Zwischen den Fächern des Gymnasiums und den Disziplinen an der Universität gibt es keinerlei Kontinuität. Das verlangt eine eigene Initiation in das Fach.
* Es hilft nichts, wenn die Professoren die Betreuung und Beratung an die Mitarbeiter delegieren und sie selbst nicht erreichbar sind.
* Bei den Berufungsverfahren erwartet man jetzt wie selbstverständlich, dass die Lehrenden ein Lehrkonzept haben. Ich bin noch nicht so ganz optimistisch, ob die, die sich bei der Bewerbung engagiert zeigen, auch danach dauerhaft engagiert bleiben.
* Es muss öffentlich sichtbar werden, welchen Wert die Qualität der Lehre hat.
* Meine Erfahrung ist: Man muss alle Medien nutzen, aber alle Lehre beruht nur auf Interaktion, sonst taugt sie nichts.
Zum Video

Dabei fand ich vor allem die These zu den Medien im Studium spannend, die am Schluss des Videos kommen.

Hans Weiler (Prof. em. für Vergleichende Politik- und Bildungswissenschaft, Stanford University) zum Thema Hochschullehre …
* Lehre macht sich am Selbstverständnis der Institutionen wie auch der Professoren fest.
* Der Wettbewerb exzellente Lehre hat dafür gesorgt, dass die Frage der Lehre an den Hochschulen wie in der Öffentlichkeit einen anderen Stellenwert gefunden hat.
* Zwei Arten von Projekten aus dem Wettbewerb sind spannend: diejenigen, die die Freiräume für die Lehre schaffen (zum Beispiel Freisemester für die Lehre analog zum Forschungssemester), und die zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Lehre.
* Wir brauchen neue Hochschulzentren für exzellente Lehre. Sie wären auf der Ebene der einzelnen Universität der Ort der institutionellen Sicherung der Qualität der Lehre, mit hochschuldidaktischem Sachverstand.
* Gute Lehre muss man integral in die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses einbeziehen – schon bei den Doktoranden. Wenn sie mal Professoren sind, ist es oft schon zu spät.
Zum Video

Erstaunt hat mich, dass sich Professoren z.B. für hochschuldidaktische Ausbildung von Doktoranden mit entsprechenden hochschuldidaktischen Zentren als stark machen, wie Prof. Weiler. Spannend vor allem, dass sich diese hochschuldidaktischen Zentren auch mit Forschungsarbeiten zu Lehren und Lernen an Universitäten beschäftigen sollten – ein Punkt, um den hochschuldidaktische Einrichtungen immer wieder kämpfen – und sich dann doch den fakultären und disziplinären Strukturen innerhalb einer Universität geschlagen geben müssen.

Thomas Grünewald (Uni Potsdam) zum Thema Hochschullehre …
* Jeder Lehrende an einer Universität hat ein eigenes Forschungsprogramm und speist daraus seine Lehre. Das bleibt ein sehr großer Vorteil des deutschen Systems.
* Wir brauchen schlicht mehr Lehrende. Unter diesen Umständen würde keine amerikanische Hochschule auch nur einen Tag arbeiten können.
* Wir möchten, dass es nicht länger dem Zufall überlassen bleibt, ob unsere Nachwuchswissenschaftler professionelle Lehrende werden.
* Professionalität im Einsatz digitaler Medien in der Lehre muss gelernt werden. Das ist eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Hochschuldidaktik, die sein muss.
* Die forschungsaktiven Persönlichkeiten sind in aller Regel auch die guten Hochschullehrer. Das ist eine Frage des Ethos, und dieses Ethos ist unteilbar.
* Reputation in der Lehre sollte messbar werden, in quantitativen Parametern.
zum Video

Ein Blick in die Interviews lohnt sich 🙂 – Danke an Sandra Hofhues für den Tipp.

Ein Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.