Kaiserslautern! – Digitale Stadt?

Kaiserslautern als Digitale Stadt

Kaiserslautern eine digitale Stadt? Dieser Gedanke kommt einen sicherlich nicht gleich in den Sinn, wenn man an die Pfalzmetropole denkt. Und dennoch hat es diese Stadt unter die fünf Finalisten des BITKOM-Wettbewerbs Digitale Stadt geschafft  – und das zu Recht. Ob es nun gleich das deutsche Silicon Valley ist, kann man sicherlich unterschiedlich beurteilen, aber das diese Stadt eine beeindruckende Entwicklung in den letzten Jahren (und Jahrzehnten) genommen hat, steht außer Frage. Gleichzeitig gibt es noch viel zu tun, den Wandel von der einstigen Industriestadt zu einem modernen Wissenschafts- und IT-Standort voranzutreiben und insbesondere die breite Bevölkerung in der Region mitzunehmen. Wenn Kaiserslautern diesen Wettbewerb gewinnen würde, wäre das ein großer Anschub in diese Richtung.

Während der Fussball allgegenwärtig ist, ist vielen nicht bekannt, wie digital Kaiserslautern schon ist. Neben vielen IT-Unternehmen und einer sehr aktiven Gründerszene ist es vor allem die Forschung an der Universität und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen  (z.B. Fraunhofer und DfKI) die hier zu nennen wäre. Aber auch darüber hinaus gibt es viele Initiativen und Einzelpersonen, die die digitale Stadt Kaiserslautern prägen und sich im Rahmen unserer Initiative „Unser Lautern – Herzlich Digital“ engagieren. Uns hat es selbst überrascht, wie groß das Engagement bereits ist.

Auch wir beschäftigen uns seit vielen Jahren – hier an der TU-Kaiserslautern, aber auch darüber hinaus – mit digitalen Medien, wie unter anderen immer mal wieder hier in diesem Blog nachzulesen ist. Zusammen decken wir dabei fast alle Bereiche Lebenslangen Lernens – von der Schule, über die berufliche Bildung, die Hochschul- und Weiterbildung in Forschung und Lehre ab:

Darüber hinaus ist die Integration digitaler Medien im Rahmen des grundständigen und weiterbildenden Studiums an der TU-Kaiserslautern ein Feld, welches uns immer wieder am Herzen liegt.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr für Kaiserlautern als digitale Stadt votet und damit der Stadt und der Region helft.

Vom Trainer zum Teaching Robot?

Vom Trainer zum Teaching Robot?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Thema der „Teaching Robots“ auf der Tagesordnung der bildungstechnologischen Diskussion auftaucht. Checkpoint E-Learning und Jochen Robes haben bereits darauf hingewiesen, dass es auf der Online Educa „Die große OEB-Roboter-Debatte“ geben wird. Ist das der neue Megatrend?

Erpenbeck und Sauter (2013) haben bereits futuristische Szenarien des Lernens skizziert, in denen Computer als persönliche Lerncoaches fungieren. Dabei wurde aber die Rolle der Roboter noch nicht berücksichtigt. Die aktuelle Debatte um cyberphysische Systeme (Industrie 4.0) macht aber deutlich, dass es nicht nur die Digitalisierung ist, die unser zukünftiges Leben verändern werden, sondern auch Roboter. Dabei übernehmen sie nicht nur Aufgaben in der Industrie, sondern auch im Service. Sie werden zu „Kolleginnen“ und „Kollegen“, mit denen wir nicht nur zusammen Arbeiten, sondern auch zusammen Lernen werden. Damit liegt es auch nahe, ihre Aufgaben in der Personalentwicklung genauer zu diskutieren, wie ich es im letzten Jahr auf der Zukunft Personal thematisiert habe. In diesem Zusammenhang, so meine damalige These, erfolgt die Personalentwicklung in Verbindung von Mensch und Technik für die Verbindung von Mensch und Technik. Personalentwickler_innen entwickeln sich in der Folge zu Human-Technology Developer, d.h. sie müssen zukünftig Menschen und Technik stärker zusammen denken und als symbiotische Systeme entwickeln.

Auch für die Lehrenden stellt sich die Frage, wie sich zukünftig das Zusammenspiel zwischen Mensch (Lehrenden) und Technik gestaltet, d.h. welche Aufgaben „Maschinen“ (sinnvoll) übernehmen und wo die besonderen Qualitäten einer „menschlichen“ Begleitung von Lernprozessen liegt. Diese Debatte wird in Zukunft stärker geführt werden und sicherlich zu einer emotionalen, hoffentlich aber auch tiefgreifenden fachlichen Auseinandersetzung mit der Digitalisierung und Automatisierung im Bildungsbereich führen. Vor diesem Hintergrund habe ich auf der diesjährigen Fachtagung des Forum DistancE-Learning einen Vortrag zur Rolle der Lehrenden und damit verbundenen Kompetenzanforderungen gehalten. Bei näherer Beschäftigung mit dem Thema zeigt sich, dass lehrende Tätigkeiten zukünftig  vermutlich verstärkt von Programmen und Roboter übernommen werden. Dafür sprechen die aktuellen Entwicklungen, in der digitale Medien nicht mehr nur traditionelle Lehre kopieren, sondern ihre spezifischen Potenziale entfalten. Diese liegen vor allem im Umgang mit Daten, d.h. deren Beschaffung, Analyse und Nutzung bzw. (personalisierte) Präsentation. All das ist bekannt und wird bereits intensiv und auch kontrovers diskutiert (Stichwort „Lernfabriken 4.0“ – pro und kontra).

Bisher weniger im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle Roboter dabei einnehmen können, wobei die geschichtlichen Vorläufer von „Lehrmaschinen“ sehr weit zurückreichen. Sharkey (2016) unterscheidet vier Typen von Teaching Robots:

a) Robot as Classroom Teacher (Beispiel)

b) Robot as Companion and Peer (Beispel)

c) Telepresence Robot Teacher (Beispiel)

d) Robot as Care-eliciting Companion (Beispiel, bzw. Hood, Lemaignan & Dillenbourg 2015).

Die angeführten Beispiele wirken auf der einen Seite noch alle ein wenig „kindisch“ oder „unreif“, auf der anderen Seite zeigt es die enormen Potenziale; ob als Ersatz für Lehrende oder als als Co-Teacher (Beispiel). Insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Bereich von Androiden (Beispiel) wird deutlich, dass Roboter zukünftig auch sehr viel „menschlicher“ auftreten können und werden.

Wirklich interessant wird es, wenn Roboter nicht auf der Basis vorgegebener Programmen reagieren, sondern selbständig lernen und die so gesammelten Erfahrungen untereinander austauschen (siehe hier). Waren für die Programmierung (z.B. adaptiver Lernsysteme) noch Menschen mit fachlichem und (medien)didaktischem Wissen notwendig sind, wird unter diesem Vorzeichen auch diese Aufgabe obsolet.

Damit soll keine Dystopie beschrieben werden. Vielmehr geht es darum, mögliche Folgen der aktuellen Entwicklung auszuloten, Chancen zu erkennen und Grenzen zu bestimmen. Dabei wird wieder einmal deutlich, dass der ethische Dimension hier eine besondere Bedeutung zukommt. Die technischen Möglichkeiten sind vielfältig, ggf. wird auch die eine oder andere Lösung Akzeptanz finden, aber was gemacht werden sollte, muss das Ergebnis eines breiten fachlichen und gesellschaftlichen Diskurses sein.

Literatur

Erpenbeck, J., & Sauter, W. (2013). So werden wir lernen! Kompetenzentwicklung in einer Welt fühlender Computer, kluger Wolken und sinnsuchender Netze. Wiesbaden: Springer Gabler.

Hood, D., Lemaignan, S. v., & Dillenbourg, P. (2015). When Children Teach a Robot to Write: An Autonomous Teachable Humanoid Which Uses Simulated Handwriting. HRI ’15 Proceedings of the Tenth Annual ACM/IEEE International Conference on Human-Robot Interaction, 83-90 doi:10.1145/2701973.2702091

Sharkey, A. J. C. (2016). Should we welcome robot teachers? Ethics and Information Technology. doi:10.1007/s10676-016-9387-z

 

Blogparade: Können zeigen, Können erkennen – können wir das?

Blogparade: Können zeigen, Können erkennen – können wir das?

Nadine Pollmeier von der Bertelsmann-Stiftung hat zu einer Blogparade zum Thema „Können zeigen, Können erkennen – können wir das?“ eingeladen und ich komme diesem Wunsch gerne nach, einige Gedanken dazu beizutragen.

Während meiner Zeit in der Ausbildung bei der Deutschen Telekom haben wir uns immer wieder mit der Frage beschäftigt, wie eine kompetenzorientierte Ausbildung gelingen kann. Der dabei verfolgte Ansatz war (und ist), das Lernen im Arbeitsprozess zu fördern und durch eine Lernprozessbegleitung zu unterstützen. Durch die individuelle Begleitung sollten die Selbstlernkompetenzen der Auszubildenden gestärkt werden, um sie auf die Anforderungen der betrieblichen Praxis (lebenslanges Lernen) vorzubereiten. Teil dessen ist es auch, den jeweiligen Lernstand zu erfassen. Dazu wurden Kompetenzmatrizen für einzelne berufliche Handlungsfelder entwickelt, mit denen auch die Kompetenzen zur Ausübung der Ausbildungsberufe abgebildet werden können (Becker, Karges & Rohs 2012). Die Erfassung erfolgt dabei durch Selbst- und Fremdeinschätzung. Die Matrizen werden als digitale Portfolios abgebildet, so dass nicht nur die individuellen Kompetenzniveaus dargestellt werden, sondern auch mit individuellen Nachweisen (z.B. Projektberichte) hinterlegt werden können. Dadurch ist es möglich, den Auszubildenden nicht nur einen allgemeinen Abschluss, sondern einen Nachweis ihrer persönlichen Kompetenzen zu bestätigen (Rohs & Feeder 2012).

Dieses Beispiel macht deutlich, dass sich Unternehmen durchaus Gedanken machen, wie individuelle Kompetenzen erfasst werden können. Nicht jedes Unternehmen ist aber in der Lage, den damit verbundenen Aufwand zu betreiben; und auch die Anforderungen und Rahmenbedingungen sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, so dass es m.E. zwei grundsätzlicher Voraussetzungen für die Umsetzung der Kompetenzerfassung braucht (wobei ich nicht zwischen der Erfassung formal, informell oder non-formell erworbener Kompetenzen unterscheiden würde):

a) Qualitätsstandards für die Erfassung von Kompetenzen und

b) eine Möglichkeit, unterschiedliche Kompetenzbeschreibungen (sowohl technisch als auch sprachlich) zu transferieren.

Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass die Dokumentation der persönlichen Kompetenzen nur in einen persönlichen Portfolio erfolgen kann (und sollte). Wenn sich die Erfassung von Kompetenzen durchsetzt (wovon ich überzeugt bin) und dies, je nachdem in welchem (Lern-)Kontext man sich befindet (Unternehmen, Universität, MOOCs u.a.) in unterschiedlicher Art erfolgt, kann der einzige Kristallisationspunkte aus pragmatischen und rechtlichen Gründen nur ein individuelles, persönliches Portfolio sein, zu dem ich anderen partielle Einblick gebe: Um Zugang zu Bildungsmöglichkeiten zu erhalten, Beratung  oder die Begleitung von Lernprozessen zu unterstützen, Lernempfehlungen zu erhaltenoder aber auch, um Berechtigungen für die Ausführung von Tätigkeiten zu bekommen.

Jede/r müsste also ein Portfolio erhalten und gestalten, in dem alle persönlichen Kompetenzen dokumentiert sind. Dass es sich dabei um ein E-Portfolio handelt, ist selbstredend – schon aus dem Grund, die Fülle an Kompetenzen und Nachweisen zu managen und unterschiedliche Zugänge dazu zu gewähren. Dieses Portfolio müsste (zumindest in der Grundversion) ein kostenloses Portfolio sein, das allen Menschen zur Verfügung gestellt wird. Alternativ wären auch andere Lösungen denkbar, wesentlich ist aber, dass der Zugang zur persönlichen Kompetenzdokumentation nur! von jedem selbst verwaltet wird.

E-Portfolios werden also aus meiner Sicht eine noch eine große Bedeutung bekommen, was auch Grund dafür ist, dass ich mich im German Chapter des Europortfolio-Projekts engagiere. In diesem Rahmen haben wir aktuell eine Datenbank aufgesetzt, um Beispiele für E-Portfolios in Deutschland zu sammeln. Alle sind recht herzlich eingeladen sich daran zu beteiligen: E-Portfolio-Atlas

Spannend bleiben die technologischen Möglichkeiten bei der Erfassung, Dokumentation, Verifizierung und dem Management von Kompetenzen. Insbesondere Peer-to-Peer-Lösungen scheinen dabei perspektivisch eine große Rolle zu spielen (Peer-to-Peer Verification in Online-Netzwerken, Badges, Blockchain usw.). Perspektivisch wird es auch Formen der Automatisierung in diesem Bereich geben.  Im Rahmen unserer Forschungsgruppe diskutieren wir aktuell die Frage, inwiefern die sensorbasierte Erfassung von Kontextfaktoren bei der Beschreibung von Kompetenzen unterstützen kann. Dies erscheint uns sinnvoll, da Kompetenzen situationsspezifisch sind und damit die Situation, in der Kompetenzen gezeigt werden, auch relevant für die Kompetenzausprägung ist (Van de Water 2016).

Abschließen möchte ich meine Gedanken mit einem Aspekt, auf den man in der gesamten Diskussion immer wieder stößt: die Ethik pädagogischen Handelns. Sie wird gerade im Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Medien m.E. noch zu wenig thematisiert (Moore & Ellsworth 2014). Denn: Nicht alles was erfasst werden kann, sollte auch erfasst werden!

Quellen

Becker, M.; Karges, T.; Rohs, M. (2012) : Selbstgesteuerte Kompetenzerfassung und -entwicklung in der IT-Ausbildung. In: berufsbildung. Paderborn: EUSL, Heft 138, S. 8-10.

Moore, S. L., & Ellsworth, J. B. (2014). Ethics of Educational Technology. In J. M. Spector, D. M. Merrill, J. Elen, & M. J. Bishop (Eds.), Handbook of Research on Educationsl Communications and Technology (4 ed., pp. 113-127). New York: Springer.

Rohs, M. & Feeder, M. (2012). Selbstgesteuerte Kompetenzerfassung und partizipative Wissensarbeit mit digitalen Kompetenzmatrizen. In Hoppe, H.U., Kienle, A., Krämer, N., Martens, A., Plötzner, R., Schümmer, T. & Malzahn, N. (Hrsg.), Workshop zu Web2.0 in der beruflichen Weiterbildung im Rahmen der DeLFI 2012 (S. 25-31.) Hagen

Van de Water, David (2016). Situation criteria as a component of the judgement of human competence. In TU-Nachwuchsring und Innovationszentrum Applied System Modeling for Computational Engineering (Hrsg.), Young Researchers Symposium 201614th-15th April – Fraunhofer-Zentrum Kaiserslautern. Proceedings. Fraunhofer-Zentrum Kaiserslautern, 14.-15.04.2016. Stuttgart: Fraunhofer Verlag, S. 151–153.