Publikationshinweis | Forschungsorientierung und Schulpraktika in der Lehrer*innenbildung

Publikationshinweis | Forschungsorientierung und Schulpraktika in der Lehrer*innenbildung

Im Projekt FideS bearbeiten wir den Schwerpunkt der Lehrer*innenbildung. Hierzu haben wir Ende des letzten Jahres einen vertieften Blick in die Umsetzung von Forschungsorientierung in Schulpraktika geworfen. Daher freuen wir uns nun, dass unser Artikel zur Gestaltung forschender Schulpraktika im Herausgeberband von Urban Fraefel und Andrea Seel mit dem Titel „Konzeptionelle Perspektiven Schulpraktischer Studien“ erschienen ist.

Im Klappentext des Buches heißt es:

„Die schul- bzw. berufspraktischen Studien befinden sich in einem Transformationsprozess. Sie verstehen sich heute nicht mehr als jene Instanz, die das Anwenden theoretischer Modelle und Konzepte sowie das Einüben bevorzugter Praktiken sicherzustellen hat; sie definieren sich vielmehr als jene Disziplin an der Schnittstelle der akademischen und beruflichen Welt, die dafür sorgt, dass multiple Perspektiven und Wissensressourcen zu einem zukunftsfähigen Professionswissen von Lehrpersonen verschmelzen. Neue konzeptionelle Perspektiven wie die Partnerschaftsmodelle mit Schulen, der Aufschwung von Langzeitpraktika oder die grundlegenden Umbauten ganzer Praxisphasen zeigen, dass „Lernen in der Praxis“ im Rahmen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung eine überaus große Dynamik entwickelt hat. Dies ist Anlass genug, um diesen Band schwerpunktmäßig konzeptionellen Fragen der schul- bzw. berufspraktischen Studien zu widmen.“

Wir haben uns – ausgehend von unserem Projekt FideS – damit beschäftigt, wie Schulpraktika im Modus forschenden Lernens gestaltet werden. Anhand einer Fallbetrachtung wurden aus den formalen Gestaltungskonzepten einzelner Hochschulen Rückschlüsse auf die Relationierung von Wissenschaft und Praxis in der Lehrpersonenbildung gezogen. Von diesen Ergebnissen ableitend diskutieren wir Gestaltungsformen und weisen auf Desiderate in der Gestaltung und Erforschung forschenden Lernens im Kontext schulpraktischer Studien der Lehrpersonenbildung hin.

Quelle: Favella, G.; Hermann, A.-C., Schiefner-Rohs, M. (2017). Zur Gestaltung forschender Schulpraktika im Spannungsfeld zwischen Wissenschafts- und Berufsorientierung. Empirische Erkundungen bildungspolitischer Direktive. In: U. Fraefel & A. Seel (Hrsg.), Schulpraktische Professionalisierung: Konzeptionelle Perspektiven. Buchreihe Schulpraktischer Professionalisierung (S. 119-134). Waxmann Verlag (Link)

Rückblick | Forschungsorientierung in der Lehrer*innenbildung

Rückblick | Forschungsorientierung in der Lehrer*innenbildung

Auch dieses Semester haben wir an der TU Kaiserslautern eine Vortragsreihe zum Forschenden Lernen angeboten. Nach dem Thema der „Forschungsperspektiven auf forschendes Lernen“ standen dieses Semester  Modelle forschenden Lernens in der Lehrer*innenbildung im Fokus. Neu wurde die Vortragsreihe auch mit einem Seminar in der Lehrer*innenbildung verknüpft. Ziel war es, Studierende, insbesondere des Lehramts, über Forschungsorientierung in ihrem Studium ins Gespräch zu bringen. Wir konnten daher im vergangenen Semester eine Vielzahl interessanter Perspektiven auf Modelle Forschenden Lernens hören:

  • Dr. Nora Katenbrink (Universität Bielefeld) sprach über die Osnabrücker Forschungswerkstatt Schulentwicklung: Ein Angebot zur Reflexion?!
  • Prof. Dr. Caroline Kramer & Angelika Hoppe (Karlsruher Institut für Technologie) widmeten sich dem Thema Projektorientierte Lehre als Wendepunkt im Lernprozess
  •  Dr. Ilse Bartosch (Universität Wien) stellte die für alle interessante Frage: Warum sollen Lehrerinnen forschen? – ein Blick aus fachdidaktisch-pädagogischer Perspektive und
  • Herr Dr. Udo Gerheim (Universität Oldenburg) fasste eigentlich die gesamte Reihe unter dem Titel „Ideal und Ambivalenz – Herausforderungen für Lehrende und Studierende im Prozess des Forschenden Lehrens und Lernens“ zusammen.

Die Vorträge gaben dabei alle einen Einblick in die Gestaltung forschungsorientierten Lehrens und Lernens an unterschiedlichen Universitäten. Während insbesondere der erste Beitrag polarisierte, weil der die Verbindung von Studium und Berufspraxis adressierte, machten die Beiträge insgesamt aus meiner Perspektive nochmals die Unterschiedlichkeiten zwischen der Thematisierung in den Bildungswissenschaften und in den Fachdidaktiken deutlich. Letztere argumentierten beispielsweise viel häufiger mit der Notwendigkeit, forschendes Lernen im Hochschulstudium umzusetzen, um es dann auch mit Schüler*innen im Unterricht einsetzen zu können. Am Schluss der Reihe machte Udo Gerheim nochmals schön auf die impliziten Annahmen aufmerksam, die forschendem Lernen ausgesetzt sind, aber kaum thematisiert werden: es gibt ein hohes Vertrauen in Methode, ein hohes Vertrauen in die Produktivität von Studierenden und in die Lehrkompetenz der Lehrenden – Vertrauen wohlgemerkt, das auch „schief“ gehen kann.

Die Studierenden waren nun in Kleingruppen angehalten, Tagungsphänographien anzufertigen und  in den Sitzungen dazwischen die einzelnen Vorträge einzuordnen und zu reflektieren. Im Ergebnis führte dies dazu, dass wir sehr intensiv das Thema „Was bedeutet es, zu studieren?“ diskutiert haben – an einigen Stellen durchaus auch kontrovers, was Ziele und Haltungen angeht. Während einzelne Studierende von Über-Forderungen durch Forschendes Lernen berichteten, bot das Seminar anderen die Möglichkeit der Reflexion über das eigene Studium – eine Perspektive, die aus meiner Sicht im Master deutlich zu spät kommt. So verwundert es auch nicht, dass die Studierenden dieses offene Seminar durchaus schätzten, wenn es auch nicht ganz konfliktfrei war. Interessant und herausfordernd bleibt für mich, den (Lehramts-)Studierenden eine Breite davon zu mit auf den Weg zu geben, was „Forschung“ heißt (denn hier gibt es ein sehr eingeschränktes Bild der vorwiegend quantitativ geprägten Bildungsforschung). Dieses führte immer wieder dazu, dass Forschungsorientierung allgemein zur Disposition stand und dementsprechend Irritationen verursachte. Nun bin ich auf alle Phänographien gespannt, die ersten sind schon eingetrudelt und versprechen interessante Lektüre.

Tagungsrückblick | Programmkongress Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Tagungsrückblick | Programmkongress Qualitätsoffensive Lehrerbildung

cue536yxyaawyoLetzte Woche fand in Berlin der 1. Programmkongress der Qualitätsoffensive Lehrerbildung statt. Alle vom BMBF geförderten Projekte stellten sich in Berlin gegenseitig und der Öffentlichkeit vor. In den Keynotes präsentierten sowohl Ewald Terhart als auch Mareike Runter Perspektiven und Forschungsergebnisse zur Lehrerbildung. Während Ewald Terhart vor allem darauf hinwies, dass Lehrerbildung schon per se immer in der Kritik steht – Dauerkritik und Dauerreform waren seine Themen (Folien), präsentierte Mareike Kunter Ergebnisse, die auch mit Mythen der Lehrerbildung aufräumten, z.B. zum berühmt-berüchtigten Praxisschock nach der Universität in der Lehrerbildung (Folien hier). Ihr Fazit: Wir brauchen nicht mehr, sondern bessere Studien zur Erforschung der Lehrerbildung. Dem kann man sich eigentlich nur anschliessen, auch wenn die Definition dessen, was „bessere“ Studien sind, aus meiner Perspektive eher einseitig im Sinne des aktuellen Paradigmas (eher quantitativer) empirischer Bildungsforschung interpretiert wurde.

Besonders gefreut habe ich mich, dass auch das Thema der digitalen Medien adressiert wurde, und das nicht nur in der Eröffnung durch Frau Wanka. Am zweiten Tag gab es unter Moderation von Sven Kommer in einem sog. Schaufenster Digitale Bildung und Medienpädagogik Einblicke in Projekte, die digitale Medien adressierten. Ich habe hier (m)ein Teilprojekt aus der TU Kaiserslauterer Initiative „U.EDU – Medienbildung entlang der Lehrerbildungskette“ vorgestellt: Im Projekt „Connect2Reflect“ zielen wir darauf, Medien­bildung als Quer­schnitts- und Längs­schnitt­thema in der Lehrer­bildung zu ver­ankern. Hierzu wird die Ver­knüpfung von profes­sionel­lem Lehrer­handeln und digi­talen Medien unter­sucht und hoch­schul­didaktische Kon­zepte ent­wickelt und er­probt. Lehramts­studierende sollen hier­bei die Ent­wicklung und den Ein­satz von digitalen Lehr­materialien erkunden, aber auch ihr Medien­handeln reflektieren. In der Begleit­unter­suchung wird vor al­lem der Bei­trag der Maß­nahmen für die Profes­sional­isierung von Lehramts­studierenden er­uiert. Besonderes Augenmerk liegt in der Verbindung der Phasen: So lernen Lehramts- und Fernstudierende in einem Online-Kurs zusammen und tauschen sich über digitale Medien in Schule und Hochschule aus. Interessant war, dass die anschliessende Diskussion mit Nachfragen vor allem zum geplanten E-Portfolio vor allem die digitalen Medien adressierte, der Kern des Projekts aus unserer Perspektive, Reflexion und Medienhandeln von Lehrenden und Studierenden, war eher Randthema.

Holger Horz und Stefan Aufenanger präsentierten im Anschluss daran die Frankfurter und Mainzer Perspektive, während der Blick sich dann eher in Richtung Schule drehte. Alles in allem ist aus meiner Perspektive im Bereich digitaler Medien noch Entwicklungsbedarf insofern, als dass es stärker zum Thema gemacht werden kann. Denn für mich wurde sehr deutlich, dass vor allem durch Projekte mit Videographie digitale Medien genutzt werden (z.B. durch das Bereitstellen der Videos inkl. Reflexionsaufgaben in Learning Management Systemen), aber die Fragen, wie diese auch zum Unterrichten oder in der Schule gebraucht werden, nicht thematisiert werden. Somit erleben Lehramtsstudierende wie alle anderen auch den Einsatz digitaler Medien, haben aber die Besonderheit, dass es bei ihnen nicht nur hochschuldidaktische Fragestellungen sind, sondern auch Auswirkungen auf ihr Handeln haben. In der Verbindung von E-Learning und Medienpädagogik, so mein Fazit des Kongresses, liegen Potenziale, die es zu betrachten lohnt.