Lesetipp | Schwerpunktheft «Lehren»

Lesetipp | Schwerpunktheft «Lehren»

Jahresendstimmung … Zeit, auch die Stapel vom Schreibtisch abzuarbeiten. Dabei habe ich heute das Jahresheft des Friedrich Verlags (wieder) entdeckt. Und bevor das Jahr nun mit großen Schritten auf das Ende zugeht, wird es Zeit, dieses zumindest noch kurz hervorzuheben. Einen Hinweis ist das Themenheft auf jeden Fall wert, denn es stellt das „Lehren“ in den Vordergrund. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Lehren nicht gerade en vogue ist … So bemerkt die Redaktion dazu:

In der didaktischen Diskussion um die so genannte Neue Lernkultur ist es still geworden um den Begriff „Lehren“, der doch die Tätigkeiten eines ganzen Berufsstands beschreibt. Beschworen wird das Bild des Lernbegleiters, Coaches und Ermöglichers – das Lehren verblasst hinter diesen neuen Zuschreibungen. Was steckt dahinter? Ist Lehren kein Thema mehr?

Lehren ist nach wie vor ein Kernthema, besonders seit der Hattie-Studie. Denn: Trotz der Hinwendung zum Lernen – den Lernbüros, der Kompetenzraster, des Outcome – wird tagtäglich in den Klassenräumen gelehrt. Lehren findet tagein, tagaus an deutschen Schulen statt – mal gut eingebettet in eine Unterrichtsdramaturgie, oft aber auch als „Mono-Lehr-Kultur“. Lehren ist nach wie vor zentraler Teil der pädagogischen Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern. Es umfasst ein spezifisches Handlungsrepertoire, das den Lernerfolg der Schüler entscheidend beeinflusst. Mit diesem Thema setzt das Friedrich Jahresheft einen neuen Akzent, der die Bedeutung des Lehrens in der Diskussion um guten Unterricht und Professionalität klärt.“ (Quelle)

Diese Fokussierung auf Lehren gelingt in diesem Jahresheft durch  Vielschichtigkeit (siehe Inhaltsverzeichnis). Es zeigt gut die unterschiedlichen Perspektiven, die man gewinnt, wendet man den Blick vom Lernen auch zum Lehren als Kerngeschäft von Lehrerinnen und Lehrern. So ist es ja beispielsweise immer wieder erstaunlich, dass wir so viele Begrifflichkeiten dafür haben, die alle aber etwas anderes meinen, worauf Matthias Trautmann und Beate Wischer in ihrem Text mit Bezug auf Koller (2012, S. 5) hinweisen:

„Informieren, Instruieren, Unterrichten, Unterweisen, An-, Hin- und Einführen, Lenken, Wecken, Auffordern, Appellieren und Anregen (…) sowie Darbieten und Darstellen, Präsentieren, Erzählen, Berichten und Schildern, schließlich auch Vergleichen und Unterscheiden, Begründen, Beweisen, Klären, klarstellen, Erklären und Aufklären“ (Trautmann & Wischer, 2016, S. 5)

Was also macht den Unterschied aus und wie verhält sich Lehren zu anderen Aufgaben von Schule, aber auch von Lehrenden? Diesen Fragen widmet sich das Themenheft. Denn: Meist haben wir ein sehr enges Bild von Lehren im Kopf, man ist schon fast geneigt, hier die „bösen“ Worte der Pädagogik nach Reichenbach zu bemühen. Dass Lehren aber durchaus relevante Kategorie von Schule ist, zeigt das Themenheft facetten- und abwechlsungsreich. Eine klare Leseempfehlung, falls an Weihnachten kein Buch unter dem Baum liegt 😉

Informelle Bildung gestalten

Informelle Bildung gestalten

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Gerne mache ich an dieser Stelle auf das neu erschienene Buch „Informelle Bildung – Natur- und Kulturerbe freizeitorientiert vermitteln“ von Dr. Lars Wohlers aufmerksam. Das Buch geht der Frage nach, wie informelle Bildung in Tiergärten, Großschutzgebieten, Museen, Botanischen Gärten und historischen Orten gestaltet werden kann. Die umfangreichen Erfahrungen des Autors und die wissenschaftliche Fundierung der praktischen Tipps sind sicherlich für alle die in diesen Bereichen arbeiten interessant und wertvoll.

Eine Leseprobe finden Sie hier.

Wohlers, Lars (2016): Informelle Bildung – Natur- und Kulturerbe freizeitorientiert vermitteln. Heiligenthal: Eigenverlag. (Kap. 1+2)

Handbuch Informelles Lernen

Handbuch Informelles Lernen

Handbuch_Informelles_LernenDiese Woche lag es nun auf meinem Schreibtisch: das „Handbuch Informelles Lernen“. Wenn ich meine Unterlagen durchschaue, liegen die ersten Entwürfe dazu schon ungefähr 10 Jahre zurück. Angesichts der schnellleben Wissenschaft und thematischen Konjunkturen eine Ewigkeit. Daher hatte ich das Vorhaben schon vor ca. 5 Jahren  ad acta gelegt, da das Interesse an dem Thema nachzulassen schien. Mit meinem Wiedereinstieg in die Wissenschaft und der Tatsache, dass das Thema nach wie vor breit diskutiert wurde, habe ich das Buchprojekt dann wieder in Angriff genommen und mit dem Springer-Verlag einen Partner für die Umsetzung gefunden.

Mein Anliegen mit diesem Handbuch liegt darin, einen Überblick über die breite Diskussion zu dem Thema zu geben und damit nicht nur den Einstieg in das Feld des informellen Lernens zu geben, sondern auch denjenigen, die sich schon länger mit diesem Forschungsbereich bewegen, neue Zugänge und Sichtweisen zu eröffnen. Die breiten und fundierten Darstellungen in den einzelnen Artikeln erfüllen diesen Anspruch m.E. in vortrefflicher Weise und gehen dabei oft über eine Synthese des aktuellen Forschungsstands hinaus. Das Handbuch besitzt damit durchaus auch das Potenzial, die aktuelle Diskussion zum informellen Lernen weiter zu befruchten.

Das Handbuch ist in folgende Themenbereich aufgeteilt:

  1. Genese, Begriff und Beteiligung
    • Diese Kapitel zeigt die Breite der Definitionsansätze (Werquin) und die Begriffsgeschichte (Rohs) auf und gibt einen aktuellen Überblick über die Beteiligung (Kaufmann).
  2. Pädagogische Handlungsfelder und Diskurse
    • In diesem Kapitel wird eine Übersicht zum Diskussionstand in verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern gegeben, wie z.B. Berufsbildung (Molzberger), Erwachsenen-/Weiterbildung (Gnahs), Medienpädagogik (Pietraß) und Freizeitpädagogik (Brinkmann & Freericks).
  3. Andere disziplinäre Zugänge
    • Interessant für die pädagogische bzw. erziehungswissenschaftliche Diskussion zum informellen Lernen sind auch die Sichtweisen andere Disziplinen auf das Thema, die die Auseinandersetzung immer mit geprägt, haben, wie  z.B.: die Philosophie (Ladenthin), die Psychologie (Röhr-Sendlmeier & Käser) sowie die Wirtschaftswissenschaften (Becker).
  4. Informelles Lernen in verschiedenen Lebensphasen
    • Informelles Lernen ist Teil lebenslangen Lernens. In diesem Kapitel wird die Bedeutung des informellens Lernens für verschiedenen Lebensphasen wie Jugendalter (Düx & Rauschenbach), die Familie (Schmidt-Wenzel) sowie älterer Menschen (Schmidt-Hertha & Thalhammer) näher betrachtet.
  5. Kontexte informellen Lernens
    • Immer wieder wird das informelle Lernen auch für verschiedene Kontext näher betrachtet. Dabei wird das Verständnis vertreten, dass sich informelles Lernen nicht nur in betrieblichen Zusammenhängen (Dehnbostel), im Rahmen freiwilligen Engagements (Düx & Sass) oder in Museen und Science Centern (Schwan), sondern auch in Schulen (Coelen, Gusinde, Lieske & Trautmann) vollzieht.
  6. Inhalte informellen Lernens
    • Beispielhaft wird in diesem Handbuch auch das informelle Lernen in Bezug auf verschiedenen Themenfelder wie das der politischen Bildung (Overwien), des Sports (Hansen), der nachhaltigen Entwicklung (Adomßent) oder der ökonomischen Bildung (Schuhen & Kunde) dargestellt.
  7. Förderung des informellen Lernens
    • Informelles Lernen kann nicht verordnet, aber gefördert werden. Dabei spielen die Arbeitsgestaltung (Frieling & Schäfer), die Didaktik (Arnold) aber auch Raum und Architektur (Herrmann) eine wichtige Rolle.
  8. Informelles Lernen mit digitalen Medien
    • Digitale Medien haben das informelle Lernen in den letzten Jahren stark befördert und spielen daher in der Schule (Aßmann), der Hochschule (Hofhues) und in Unternehmen (Seufert & Meier) eine wichtige Rolle. Es zeigt sich aber auch, dass durch diese Möglichkeiten nicht alle Menschen gleich profitieren, sondern auch die Gefahr einer digitalen Spaltung besteht (Iske, Klein & Verständig).
  9. Anerkennung informell erworbener Kompetenzen
    • Die Erfassung (Neß) und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen (Münchhausen & Seidel) sind seit mehr als 20 Jahre  zentrale bildungspolitische Themen und werden diesen Status auch in den kommenden Jahren nicht verlieren.
  10. Forschungsmethodische Zugänge
    • Bisher zu wenig thematisiert sind die Forschungsmethoden zum informellen Lernen. Sowohl die statische Erfassung (Bilger) als auch die quantitativen Methoden (Moskaliuk & Cress) müssen für die zukünftige Forschung weiter optimiert werden.

Trotz dieser Breite an Themen zeigen sich aber auch noch viel Leerstellen, die in den kommenden Monaten angegangen werden sollen. Mit diesen Beiträgen liegt jedoch ein solider Grundstock (674 Seiten) zum Thema vor, der m.E. in keiner Bibliothek mehr fehlen sollte 🙂

Mein Dank gilt auch an dieser Stelle allen Autorinnen und Autoren!

Rohs, M. (Hrsg.) (2016). Handbuch Informelles Lernen. Wiesbaden: Springer.

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