Eine Woche digitale Medien in der (Lehrer-)Bildung

Eine Woche digitale Medien in der (Lehrer-)Bildung

Die letzte Woche stand voll und ganz unter dem Motto digitale Medien in Hochschule und Lehrerbildung – wie ein roter Faden zog sich dieses Thema durch ganz unterschiedliche Veranstaltungen.

Gestartet ist sie mit dem E-Learning Tag Rheinland-Pfalz, der dieses Jahr in Koblenz stattfand. Unter dem Motto „Bildung in der digitalen Welt“ wurde vor allem die Rolle digitaler Medien in der Hochschule angesprochen.

Neben strategischen und kulturellen Fragen habe ich das einen Blick auf das Thema Medienkompetenz geworfen, hier aber bewusst mehr Fragen gestellt als schon fertige Antworten geliefert (Folien). Mein Ziel war es, den Blick auf die Diskussion um Medienkompetenz an der Hochschule zu weiten und damit unterschiedliche Diskurse zum einen wahrzunehmen, zum anderen aber auch zu verbinden. Medienkompetenz ist für mich Teil einer Hochschulbildung aller Fächer und Maßnahmen der Förderung müssen immer auch Forschung und Lehre adressieren; und Medienkompetenzförderung an der Hochschule dabei Aufgabe vieler. Zentral ist es dabei, Medienkompetenz an der Hochschule als Teil einer Bildung durch Wissenschaft in einer digitalen Welt zu sehen mit der Notwendigkeit Urteilsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstreflexion und Kritik zu entwickeln. Die Herausforderung besteht allerdings darin, nicht nur in Werkzeugen zu denken, sondern die Arbeit an (inneren) Bildern und Haltungen zu adressieren. Dabei sind insbesondere institutionelle Bedingungen zu reflektieren. Geendet habe ich mit einem Ausblick auf die lebenslange Aufgabe der Auseinandersetzung mit Medienkompetenz, von der Schule bis zur Erwachsenenbildung.

In der von mir moderierten Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Dietrich Holz
(Vizepräsident der Hochschule Koblenz), Prof. Dr. Michael Jäckel (Präsident der Uni Trier), Prof. Dr. Harald v. Korflesch Prof. Dr. Harald v. Korflesch (Uni Koblenz-Landau) sowie Dr. Malte Persike (Uni Mainz) standen dann vor allem hochschulstrategische Fragen im Vordergrund: Brauchen wir eine intensivere Diskussion über die Gestaltung von Bildung in einer digitalen Welt und wie können wir diese initiieren und befördern? Ist der tiefgreifende digitale Wandel und seine Möglichkeiten und Konsequenzen derzeit in Lehre, Studium und der Organisation von Bildung ausreichend im Fokus? Oder gilt es einer Strategie der Digitalisierung in Bildungsorganisationen eine höhere Priorität einzuräumen? Es war interessant zu sehen, dass sich die Perspektiven der Diskutanten kaum unterschieden: Digitale Medien, so unisono der Tenor, gehören einfach dazu. Unterschiede kamen dann allerdings dort auf, wo es um konkrete Maßnahmen ging: Aufnahme in Zielvereinbarungen oder doch lieber freiwillige Angebote? Mehr finanzielle Mittel oder eher eine zeitliche Freistellung zur Förderung von Innovationen? Oder müssen die Hochschulen das Thema noch viel stärker in die Hochschulentwicklung aufnehmen und auch neue Angebote der Weiterbildung mit denken?

Ein Projekt, welches die ganze Hochschule betrifft, bestimmte dann am Dienstag meine Agenda: Es fiel der offizielle Startschuss für das Projekt „U.EDU – Medienbildung entlang der Lehrerbildungskette“, das Projekt, mit dem sich die TU erfolgreich an der Qualitätsoffensive Lehrerbildung beteiligte und dezidiert die Weiter­entwicklung der Lehrer­bildung durch ein auf alle Phasen zielendes Professionalisierungskonzept zum Lehren und Lernen mit digitalen Medien fokussiert. Dabei wurde am Dienstag ein Einblick in die Arbeitsfelder und deren Maßnahmen gegeben, in denen vor allem Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Lehrerbildung im Vordergrund steht. Als Sprecherin des Arbeitsfeldes Hochschuldidaktik habe ich die Projekte vorgestellt, die explizit die erste Phase der Lehrerbildung adressieren.

Am Mittwoch stand dann die zweite Phase der Lehrerbildung im Fokus: Fachleiterinnen und Fachleiter kam an die Uni, um genau diesen Punkt der digitalen Medien zu vertiefen. An diesem Studientag wurden sowohl einzelne Projekte aus U.EDU weiter vorgestellt, als auch Schlaglichter auf aktuelle Entwicklungen (Reflexionstools, Videographie, Portfolios) gegeben. Besonders gefreut hat mich, dass ich den zweiten Teil des Studientages zusammen mit Studierenden der ersten Phase gestalten konnte: Die Studierenden des Seminars „Didaktik des eLearning“ haben sich Gedanken gemacht, was für Fachleiter_innen im Bereich Lehren und Lernen mit digitaler Medien spannend sein konnte und im Rahmen des Seminars eine kleine Blended Learning Einheit aufbereitet – eine wirkliche Vernetzung der Phasen der Lehrerbildung, ich hoffe, das gelingt weiter.

Doch damit nicht genug, auch der Freitag rückte nochmals digitale Medien in der Lehrerbildung in den Fokus. Wir haben einen großen Teil des Tag damit verbracht, im Arbeitsfeld Hochschuldidaktik gemeinsame Handlungsfelder zu identifizieren, um das Thema digitale Medien in der Lehrerbildung weiter voranzutreiben, um damit die Projekte der einzelnen Fakultäten und Bereiche miteinander zu verbinden und Synergien deutlich zu machen.

Sabine hat das Motto des Tages sehr schön zusammengefasst: „Digitale Medien als Flagge, unter der wir alle segeln“. Nach einer intensiven Woche voller digitaler Medien bin ich gespannt, wie uns diese Reise hinführt: Wo müssen wir die Segel nochmals hissen, wo Anker werfen? Und an welche Ufer werden wir wohl treiben?

Plädoyer für eine lebensumfassende Strategie „Digitalen Lernens“

Plädoyer für eine lebensumfassende Strategie "Digitalen Lernens"

Die Bundesregierung hat in ihrer Digitalen Agenda angekündigt,

„gemeinsam mit den Ländern und weiteren Akteuren aus allen Bildungsbereichen eine Strategie „Digitales Lernen“ [zu] entwickeln, die die Chancen der digitalen Medien für gute Bildung entschlossen nutzt, weiterentwickelt und umsetzt.“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium des Innern & Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 2014, S. 27)

Die Betonung auf den „gesamten Lebenslauf“ (ebd. über dem Zitat) weckt die Hoffnung, dass der Bereich der Erwachsenenbildung stärker als bisher Berücksichtigung findet. Es wäre fatal anzunehmen, dass es allein darauf ankommt, in der Schule und Ausbildung digitale Medien einzusetzen und hier die Medienkompetenz zu stärken. Gerade angesichts der dynamischen Entwicklung ist es zwar grundlegend, in den frühen Lebensjahren diese Kompetenz aufzubauen, genauso wichtig ist es aber diese Kompetenzen fortwährend zu fördern und weiterzuentwickeln. Die bisherige Fokussierung der Diskussion auf Schule, Hochschule und berufliche Ausbildung erweckt den Eindruck, als ob Erwachsene keinen Weiterbildungsbedarf in diesem Bereich hätten, sich grundlegende  Medienkompetenz entweder selbstverantwortlich beibringen müssen oder sich das Problem mit den „Digital Immigrants“  über die Zeit von allein löst.

Die aktuelle Anfrage von Bündnis90/die Grünen mit Bezug zur ICILS-Studie (via Bildungsklick) weckt bei mir wieder die Befürchtung, dass die Digitale Strategie vor allem die Schule fokussieren wird. Dabei zeigt die PIAAC-Studie, dass auch bei der Erwachsenenbevölkerung durchaus noch Luft nach oben ist:

„Einheitlich über alle Länder weist der größte Anteil an Personen eine niedrige Kompetenz (Stufe I oder darunter) in technologiebasiertem Problemlösen auf, von 27 % in Japan bis zu 49 % in England/Nordirland (GB) sowie den Vereinigten Staaten. In Deutschland entspricht dieser Anteil 45 %, im OECD-Durchschnitt liegt er bei 42 %. Personen auf diesen Stufen können mit Hilfe einer vertrauten technologischen Anwendung und ohne Kenntnis spezieller Werkzeuge nur einfache und klar definierte Probleme bearbeiten, die lediglich wenige Lösungsschritte erfordern.“ (Rammstedt 2013, S. 71)

Angesichts dieser Zahlen liegt es auf der Hand, dass die Entwicklung von Kompetenzen im Umgang mit digtalen Medien in allen Alterstufen gefördert werden muss. Dafür braucht es letztendlich eine umfassende, leben- und bildungsphasenübergreifende Strategie, die gemeinsam gedacht werden muss.

Positionspapier Medienkompetenz in der Lehrerbildung

Positionspapier Medienkompetenz in der Lehrerbildung

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat ein Positionspapier zur Medienkompetenz in der Lehrerbildung herausgegeben. Unter dem Titel „Bildung für ein Leben und Arbeiten im digitalisierten 21. Jahrhundert“ werden hier Anforderungen an eine Lehrerbildung gestellt, um angemessen mit dem Prozess der Digitalisierung umzugehen. Nun kann man über solche Grundsatzpapiere eine geteilte Meinung haben, aber drei Bereiche gefallen mir speziell an diesem Papier besonders gut:

Erstens bezieht sich die Forderungen auf den gesamten Prozess der Lehrerbildung und damit wird z.B. auch das Referendariat als Stufe der Auseinandersetzung mit digitalen Medien einbezogen. Zu oft scheint in dieser sensiblen Phase der Fokus auf traditionellem Unterricht zu liegen, weil er vermeintlich besser durch die Fachleiter beurteilt wird (wie mir Referendare immer wieder berichten).

Zweitens wird Medienkompetenz als  Teil der Hochschule fächerübergreifend platziert,

Im Einzelnen ist Medienkompetenz in folgenden Feldern verbindlich zu implementieren:
– Fachdidaktik, im Hinblick auf die Bedeutung von Medien in der Gestaltung von Lern- und Lehrprozessen;
– allgemeinen Erziehungswissenschaften, im Hinblick auf Bildungstheorien sowie die historische und systematische Pädagogik;
– Schulpädagogik mit der allgemeinen Didaktik, Organisations- und Lerntheorie;
– Psychologie mit der Bedeutung von Medien in der Entwicklungs- und Lernpsychologie;
– Soziologie im Hinblick auf die Bedeutung von Medien in der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen, Grundlagen der Mediensoziologie;
– Rechtliche Kenntnisse im Hinblick auf die Mediennutzung, insbesondere Fragen des Datenschutzes, Urheberrechtes und Jugendmedienschutzes.

Anknüpfbar wäre hier auch die Diskussion um medienpädagogische Kompetenz, die ja auch eine Weitung der Auseinandersetzung über didaktische Herausforderungen hinaus fordert ebenso wie die Diskussionen um Kompetenzen der Lehrerbildner und damit (auch) hochschuldidaktische Fragestellungen.

Und drittens wird vor allem die forschende Auseinandersetzung von Lehramtsstudierenden im Themenfeld digitaler Medien und Schule aufgenommen. So wird gefordert:

Lehramtsstudenten und Lehramtsstudentinnen werden in Forschungsvorhaben einbezogen, um so theoretische und praktische Erfahrungen zu sammeln und ihre Analysefähigkeit für sich verändernde pädagogische Herausforderungen zu stärken;

Ich halte gerade diesen Zugang auch für die Lehrerbildung als relevant, denn es reicht aus meiner Perspektive nicht aus, „nur“ Medien im Schulalltag zu nutzen bzw. diesen Fokus in der Lehrerbildung zu setzen. Zum einen verändert sich die Landschaft an digitalen Geräten zu schnell, zum anderen versperrt diese Einschränkung die Sicht auf die in meinen Augen wirklich relevanten Fragestellungen für Schule in einer mediatisierten Gesellschaft. Gerade der Aufbau eines forschenden Habitus (der idealerweise über das Hochschulstudium hinaus erhalten bleibt) ist für eine lebenslange Auseinandersetzung mit digitalen Medien essentiell. Von daher freut es mich auch, dass sich immer wieder (auch) Lehramtsstudierenden auf eigene Forschungsprojekte in und mit digitalen Medien einlassen, sei es in meiner grundständigen Lehre als auch in der Lehrerfort- und -weiterbildung.