Ein Wochenende im Zeichen der Digitalisierung

Leider komme ich erst jetzt zum Berichten, aber besser spät als nie 😉 . Das vorletzte Wochenende stand für mich ganz im Zeichen der Digitalisierung in der Bildung: von der Schule über die Hochschule bis hin zur Weiterbildung – sehr schön wurde sichtbar, dass alle Organisationen sich fragen, welche Perspektiven die Digitalisierung bietet, aber auch welche Herausforderungen auf ‚die Bildung‘ zukommen werden.

Angefangen hat das lange Wochenende mit einer Fortbildung für Schulleitungen. Am Donnerstag und Freitag waren Constanze und ich auf der Comburg, an der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen des Landes Baden-Württemberg. Thema des Tages waren digitale Medien, aber die Zielgruppe diesmal eine andere zu meinen sonstigen Lehrer*innenfortbildung und Vorträgen. Diese bestand nämlich aus Schulleitungen, was nochmals neue Diskussionen über das Themenfeld „Digitalisierung und Schule“ erzeugte. Erfreulicherweise waren fast 1/3 der Anwesenden Schulleitungen von Grundschulen, ansonsten mischte es sich durch alle Schulformen. Diese Tatsache fand ich interessant, hatte ich doch bisher aus Grundschulen eher Zurückhaltung wahrgenommen (z.B. in Diskussionsbeiträgen auf Dienstbesprechungen im Sommer). Wie dem auch sei, ich habe den Eindruck, dass zumindest die Notwendigkeit, sich mit dem Thema „digitale Medien“ auseinander zu setzen, nicht mehr so kritisch ist, wie es auch war. Allerdings – so mein Eindruck – geht der Blick auf das Wesentliche, nämlich die Reflexion von Zielen von Schule, vor lauter Diskussionen eher in den Hintergrund. Es wurde klar, dass sich auch Schulen als Getriebene des Prozesses sehen (seien es nun ökonomische oder politische Treiber). So schätzen die Schulleitungen es aus meiner Perspektive sehr, sich (in den Ferien) einmal in einer gut durchmischten Runde zum einen auszutauschen (es war ja viel Know-How in der Gruppe vertreten), zum anderen aber auch nochmals einen Schritt zurück zu treten und Handlungspraktiken zu reflektieren. Denn das, so ergab das ein oder andere Gespräch, komme im normalen Alltag zu kurz. Für mich war dieser Tag auch nochmals interessant, da wir den Blick nicht primär auf Medien im Unterricht gerichtet haben, sondern dezidiert um Personal- Kooperations- und Organisationsentwicklung in den Austausch kamen sowie die eher großen Fragen und Visionen („Welchen Stellenwert hat Schule in einer von Medien durchdrungenen Gesellschaft“) aus Schulleitungsperspektive Raum einnahmen.

Weiter ging es dann am Freitag mit der Tagung „Universität 4.0“ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE, #uni4 #dgfe). Wir hatten einen Beitrag mit dem You(r) Study Team , in dem wir unsere ersten Ergebnisse des Projekts vorstellten (Beitrag und Zusammenfassung folgt hier). Über die Tagung an sich ist schon an der ein oder anderen Stelle berichtet worden (Gabis Beitrag, Christopher Könitz, oder Markus Deimann), so dass ich  vermutlich gar nicht mehr so viel schreiben brauche. Eine Sache ist mir aber durchaus kritisch in Erinnerung geblieben. Christoph Könitz nannte es „Verwerfungen (die) sich durch die Erziehungswissenschaft ziehen. Wie konservativ und fortschrittlich zugleich die Disziplin in sich ist.“ Mich irritierte in diese Zusammenhang, wie wenig kritisch sich die Community an den – wie ich finde – relevanten Stellen ist (und dabei ging es nicht um Open Access und Co oder die „Durchlöcherung des Stammhirns durch Facebook und Twitter“, so ein Zitat der Podiumsdiskussion). Am Beispiel des Beitrags der Goethe-Uni wurde es für mich offensichtlich: Berichtet wurde über die Entwicklung der VR-Lernumgebung Clasivir (Classroom Virtual Simulator in Virtual Reality). Hier werden Schüler*innen „modelliert“ und Studierenden dann mit einer VR-Brille ausgestattet, um das „Theorie-Praxis-Problem“ in der Lehrer*innenbildung zu verringern. Dabei: „… bemüht sich Clasivir um eine gänzlich computergesteuerte Modellierung von Schülerinnen und Schülern.“ Ich war (und gebe zu, bin es immer noch) irritiert bezüglich des dahinterliegenden Menschenbildes – und dass gerade auf einer Tagung der Erziehungswissenschaft kaum Fragen dazu aufkamen. Von daher bleibe ich in der Tat ein wenig ratlos zurück, denn zumindest in der Diskussion genau dieser – auch kritischen – Perspektiven der Digitalisierung  hatte ich mir zumindest mehr von der Tagung erwartet außer Polemik bezüglich unseres Stammhirns. So bleibe ich bei meinem Fazit der Tagung:

Am Montag war ich dann eingeladen beim Fachforum Distance Learning. Hier ging es insbesondere um digitale Medien in der Weiterbildung. Neben Jürgen Handke, der mit Nao anreiste, gestaltete Anja Wagner den Tag mit mir – und öffnete dem ein oder der anderen nochmals die Augen für die Veränderungen, welche die Digitalisierung gerade in der Bildung mit sich bringt: sie stellt alles auf den Kopf, auch die Marktlogik passt da (leider).

Zusammenfassend bleiben mir verschiedene Dinge in Erinnerung, am eindrücklichsten allerdings das gleichzeitige Nachdenken der (Bildungs-)Institutionen bzw. –organisationen. Man merkt deutlich, dass sich alle Bereich der Bildung Gedanken machen, wie sie mit ‚der Digitalisierung’ – was auch immer das für den oder die einzelne bedeutet – umgehen muss, kann und sollte. Oftmals, so mein Eindruck, wird das Phänomen allerdings unterschätzt: Es geht nicht um die Frage der Integration einzelner digitaler Medien in bisherige Organisationsformen (z.B. Whiteboards oder Tablets in den Unterricht, LMS in die klassische Lehre, Social Media in die Weiterbildung) oder nur um die Frage, ob man nun OpenAccess publiziert oder nicht. Das alles sind Folgen der Digitalisierung. Denn digitale, insbesondere soziale Medien als sozio-kulturelle Praxis und die damit verbundenen Einflüsse z.B. von Ökonomisierung verändern sowohl Organisationen und als auch unser Verhältnis zu Welt (Stichwort Fake, Echokammer, aber auch KI). Gerade die Notwendigkeit, sich auf allen Ebenen (in Schule, Hochschule und Weiterbildung) auch kritisch (nicht im Sinne von Ablehnung per se, sondern im Sinne einer  Unterscheidung) damit auseinander zu setzen, fehlte mir in mancherlei Diskussion.

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