Handbuch Informelles Lernen

Handbuch_Informelles_LernenDiese Woche lag es nun auf meinem Schreibtisch: das „Handbuch Informelles Lernen“. Wenn ich meine Unterlagen durchschaue, liegen die ersten Entwürfe dazu schon ungefähr 10 Jahre zurück. Angesichts der schnellleben Wissenschaft und thematischen Konjunkturen eine Ewigkeit. Daher hatte ich das Vorhaben schon vor ca. 5 Jahren  ad acta gelegt, da das Interesse an dem Thema nachzulassen schien. Mit meinem Wiedereinstieg in die Wissenschaft und der Tatsache, dass das Thema nach wie vor breit diskutiert wurde, habe ich das Buchprojekt dann wieder in Angriff genommen und mit dem Springer-Verlag einen Partner für die Umsetzung gefunden.

Mein Anliegen mit diesem Handbuch liegt darin, einen Überblick über die breite Diskussion zu dem Thema zu geben und damit nicht nur den Einstieg in das Feld des informellen Lernens zu geben, sondern auch denjenigen, die sich schon länger mit diesem Forschungsbereich bewegen, neue Zugänge und Sichtweisen zu eröffnen. Die breiten und fundierten Darstellungen in den einzelnen Artikeln erfüllen diesen Anspruch m.E. in vortrefflicher Weise und gehen dabei oft über eine Synthese des aktuellen Forschungsstands hinaus. Das Handbuch besitzt damit durchaus auch das Potenzial, die aktuelle Diskussion zum informellen Lernen weiter zu befruchten.

Das Handbuch ist in folgende Themenbereich aufgeteilt:

  1. Genese, Begriff und Beteiligung
    • Diese Kapitel zeigt die Breite der Definitionsansätze (Werquin) und die Begriffsgeschichte (Rohs) auf und gibt einen aktuellen Überblick über die Beteiligung (Kaufmann).
  2. Pädagogische Handlungsfelder und Diskurse
    • In diesem Kapitel wird eine Übersicht zum Diskussionstand in verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern gegeben, wie z.B. Berufsbildung (Molzberger), Erwachsenen-/Weiterbildung (Gnahs), Medienpädagogik (Pietraß) und Freizeitpädagogik (Brinkmann & Freericks).
  3. Andere disziplinäre Zugänge
    • Interessant für die pädagogische bzw. erziehungswissenschaftliche Diskussion zum informellen Lernen sind auch die Sichtweisen andere Disziplinen auf das Thema, die die Auseinandersetzung immer mit geprägt, haben, wie  z.B.: die Philosophie (Ladenthin), die Psychologie (Röhr-Sendlmeier & Käser) sowie die Wirtschaftswissenschaften (Becker).
  4. Informelles Lernen in verschiedenen Lebensphasen
    • Informelles Lernen ist Teil lebenslangen Lernens. In diesem Kapitel wird die Bedeutung des informellens Lernens für verschiedenen Lebensphasen wie Jugendalter (Düx & Rauschenbach), die Familie (Schmidt-Wenzel) sowie älterer Menschen (Schmidt-Hertha & Thalhammer) näher betrachtet.
  5. Kontexte informellen Lernens
    • Immer wieder wird das informelle Lernen auch für verschiedene Kontext näher betrachtet. Dabei wird das Verständnis vertreten, dass sich informelles Lernen nicht nur in betrieblichen Zusammenhängen (Dehnbostel), im Rahmen freiwilligen Engagements (Düx & Sass) oder in Museen und Science Centern (Schwan), sondern auch in Schulen (Coelen, Gusinde, Lieske & Trautmann) vollzieht.
  6. Inhalte informellen Lernens
    • Beispielhaft wird in diesem Handbuch auch das informelle Lernen in Bezug auf verschiedenen Themenfelder wie das der politischen Bildung (Overwien), des Sports (Hansen), der nachhaltigen Entwicklung (Adomßent) oder der ökonomischen Bildung (Schuhen & Kunde) dargestellt.
  7. Förderung des informellen Lernens
    • Informelles Lernen kann nicht verordnet, aber gefördert werden. Dabei spielen die Arbeitsgestaltung (Frieling & Schäfer), die Didaktik (Arnold) aber auch Raum und Architektur (Herrmann) eine wichtige Rolle.
  8. Informelles Lernen mit digitalen Medien
    • Digitale Medien haben das informelle Lernen in den letzten Jahren stark befördert und spielen daher in der Schule (Aßmann), der Hochschule (Hofhues) und in Unternehmen (Seufert & Meier) eine wichtige Rolle. Es zeigt sich aber auch, dass durch diese Möglichkeiten nicht alle Menschen gleich profitieren, sondern auch die Gefahr einer digitalen Spaltung besteht (Iske, Klein & Verständig).
  9. Anerkennung informell erworbener Kompetenzen
    • Die Erfassung (Neß) und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen (Münchhausen & Seidel) sind seit mehr als 20 Jahre  zentrale bildungspolitische Themen und werden diesen Status auch in den kommenden Jahren nicht verlieren.
  10. Forschungsmethodische Zugänge
    • Bisher zu wenig thematisiert sind die Forschungsmethoden zum informellen Lernen. Sowohl die statische Erfassung (Bilger) als auch die quantitativen Methoden (Moskaliuk & Cress) müssen für die zukünftige Forschung weiter optimiert werden.

Trotz dieser Breite an Themen zeigen sich aber auch noch viel Leerstellen, die in den kommenden Monaten angegangen werden sollen. Mit diesen Beiträgen liegt jedoch ein solider Grundstock (674 Seiten) zum Thema vor, der m.E. in keiner Bibliothek mehr fehlen sollte 🙂

Mein Dank gilt auch an dieser Stelle allen Autorinnen und Autoren!

Rohs, M. (Hrsg.) (2016). Handbuch Informelles Lernen. Wiesbaden: Springer.

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