Neues Forschungsprojekt:  All is data. Die (gem-)einsame Suche nach Erkenntnis in einer digitalisierten Datenwelt (Aid)

Wir sehen in den letzten Wochen, dass unter den Bedingungen von COVID-19 alle Bildungsbereiche vor massiven Veränderungen stehen und nicht mehr das zu sein scheinen, was sie einmal waren. Selbst die als sonst als eher resistent beschriebene Schule (Böhme, 2005) ist nun gezwungen, neue Formen von Lehren und Lernen zu entwickeln. Während die letzten Wochen dabei vor allem davon geprägt waren, überhaupt unter den neuen Bedingungen handlungsfähig zu werden, geht es nun darum zu überlegen, wie es weitergehen kann. Eine Sache eint(e) aber alle Schulen: Die Überbrückung von Distanz wird in vielen Fällen durch digitale Medien versucht, zudem haben viele Anbietende ihre Produkte für Schulen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Gefahr besteht, dass nun sowohl hinsichtlich der zugrundeliegenden Software als auch deren Einfluss auf die Schule Dinge festgeschrieben werden könnten, die uns vermutlich noch lange beschäftigen.

Uns freut es daher besonders, dass wir einige dieser Perspektiven in einem neuen Forschungsprojekt näher untersuchen dürfen (siehe hier, hier oder hier) – nämlich die Fragen, wie Daten den pädagogischen Alltag prägen, wie mit diesen umgegangen wird und welche Implikationen dies für (pädagogisches) Handeln hat. Denn es werden aktuell in Schule eine Vielzahl von Daten  erzeugt, verknüpft und verwendet. Und diese datengestützte Entscheidungen stellen (nicht nur) pädagogisch Handelnde vor neue Herausforderungen: Denn sie müssen Daten-Bildung gestalten und sich selbst auch zur zunehmenden Datafizierung positionieren. Offen bleibt jedoch meist, was das Vorhandensein von Daten – zum Beispiel aus virtuellen Lernumgebungen oder aus Informations- und Leistungsdatensystemen in der Schule – für das Lehren und Lernen bedeutet und wie es Bildungsprozesse gestalten kann. Hier setzt unser Verbundprojekt an und fragt danach, wie Pädagoginnen und Pädagogen im schulischen Alltag (wie auch immer dieser in den nächsten Wochen und Monaten aussehen wird) mit den vielfältig anfallenden Daten umgehen: Wie prägen Daten den pädagogischen Alltag? Wie werden Daten in das Lernen in der Schule eingebettet? Wie verstehen und konstruieren multiprofessionelle Teams Daten-Bildung und wie übersetzen sie dies in fächerübergreifendes (medien-)pädagogisches Handeln?

Zusammen mit Sandra Hofhues und Andreas Breiter – und damit im Zusammenspiel von (Medien-)Pädagogik und Informatik – wollen wir im Team rekonstruieren, wie Pädagoginnen und Pädagogen im Schulalltag mit Daten umgehen. Wir  nehmen dabei auch in den Blick, welche organisatorischen Besonderheiten unterrichtsübergreifende Bildungsangebote mit sich bringen. Darauf aufbauend wollen wir Bildungskonzepte entwickeln und deren Umsetzung in der schulischen Praxis begleiten.

Das Akronym „Aid – All is data“ haben wir aus einer doppelten Perspektive heraus gewählt: Mit „All is Data” rekurrieren wir bewusst auf Barney Glaser, wonach Alles Daten sind und diese damit ein Teil soziokultureller Kontexte werden, zum anderen erscheint aber Datenbildung z.T. als so neu für die Schule, dass sich der ein oder die andere durchaus ein wenig Aid – also Hilfe brauchen könnte – unsere zu entwickelnden Konzepte sollen u.a. dies leisten. Wir freuen uns auf die nächsten 3,5 Jahre 🙂

Literatur:

Böhme, J. (2005). Schule am Ende der Buchkultur. Medientheoretische Begründungen schulischer Bildungsarchitekturen. Habilitationsschrift. Köln/Halle.

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