Rückblick: Intensivtage – Forschungswerkstatt Schulentwicklung

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen der Schulentwicklung. Im Projekt „Forschungswerkstatt Schulentwicklung“, gefördert vom Hochschulsonderprogramm Wissen schafft Zukunft – Schnittstelle Schule/Hochschule des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, stand eine erneute Durchführung an.

Diesmal haben wir die Forschungswerkstatt nicht wie sonst über ein Semester gezogen, sondern eine Intensivwoche an der Bettina von Arnim IGS Otterberg geplant, um zusammen mit Schüler_innen der 11. Klasse zu forschen. Nach einer Einführung in Fragen von Schulentwicklung haben sich Schüler_innen die Themen gesucht, die ihnen bezogen auf ihre Schule am Herzen lagen. Folgende Forschungsprojekte wurden letztendlich bearbeitet:

  • Ausgehend von Nainas Blogpost (Reaktionen auch hier und hier) hat sich eine Gruppe mit der Frage der Notwendigkeit der Integration eines Faches „Lebenskompetenz“ in den Unterricht beschäftigt. Hierzu haben Sie Interviews mit Schüler_innen der 13.Klasse, Referendaren und Lehrer_innen der Schule geführt.
  • Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Schulraumgestaltung und ging der Frage nach, warum die pädagogische Gestaltung, die einst im Gründungskonzept der Schule festgelegt wurde, nur noch an wenigen Stellen sichtbar ist und durch „klassische“ Raumkonzepte ersetzt wurde (z.B. Bankreihen statt Sitzgruppen). Hierzu analysierten sie vor allem Fotos der Schulraumgestaltung im historischen Verlauf.
  • Gruppe 3 hat sich das Thema der Leistungsbeurteilung von Lehrpersonen angenommen und wollte herausfinden, inwieweit die Lehrpersonen ihrer Schule Schülereigenschaften mit Vornamen in Verbindung bringen. Grundlage hierfür waren Studien um den Pygmalion-Effekt sowie verschiedene Vornamen-Studie (hier und hier).
  • Die nächste Gruppe widmete sich der Frage, wie groß die Akzeptanz des Zentralabiturs an der Schule wäre und befragte die Abiturienten zu eingeschätzten Vor- und Nachteilen.
  • Und die letzte Gruppe widmete sich dem Thema digitale Medien und befragte Lehrer_innen nach Hemmnissen des Einsatzes digitaler Medien in ihrer Schule.

Somit standen die Themen für den Recherchentag in der Universitätsbibliothek fest. Nach einer wunderbar zielgruppenspezifischen Bibliotheksführung stürzten sich die Schüler_innen auf Bücher, E-Books und Datenbanken, bevor sie dann die Entwicklung/Adaption von Erhebungsinstrumenten, das Sammeln von Daten und die Auswertung  in Angriff nahmen sowie die Ergebnisse aufbereiteten. Beendet wurde die Forscherwoche mit einer Posterpräsentation, in denen die Schüler_innen ihre Forschungsergebnisse ihren Mitschüler_innen einer Parallelklasse präsentierten. Eine weitere Präsentation wird im März vor der Gesamtkonferenz der Schule stattfinden. Hier ein paar visuelle Einblicke, die Poster werde ich auf der Projektseite hinterlegen, die sich in der nächsten Zeit noch mit Material füllen wird.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden von der Forschungswerkstatt (gespannt bin ich natürlich auch, ob die Schüler_innen das ebenso sehen, die Auswertungen laufen noch). Es ist immer wieder erstaunlich, wie offene Formate in der Schule wirken. Zusammen sind wir durch alle Höhen und Tiefen eines Forschungsprozesses gegangen, und gefreut hat mich vor allem die Entwicklung der Schüler_innen während der Woche. So haben alle am Ende eine gelungene Posterpräsentation umgesetzt, die sich kaum von Studierenden unterschied. Hier sah man nochmals das Potenzial, welches Schüler_innen entwickeln, wenn man ihnen auch was zutraut.

Reflektiert man das Konzept, so zeigt es aus meiner Perspektive die Notwendigkeit, Schulentwicklung nicht nur als Schulleitungsaufgabe zu begreifen, sondern Akteure der ganzen Schule einzubinden. Bisher ist das Konzept der partizipativen Schulentwicklung bisher eher marginal beachtet worden (vgl. z.B. Müller, 2002 Kalthoff, 2008). Dabei ergänzt es m.E. bisherige Ansätze von Schulentwicklung um ein wichtiges Element, nämlich um die Schüler_innen (im Dialog mit Lehrer_innen), die  Akteure von Schulentwicklung werden und (wenn man dies in der Schule wertschätzt und anerkennt) auch eigene Schwerpunkte auf die Schulentwicklungsagenda setzen können. So sind im Projekt z.B. Schüler_innen einer gesamten Klasse, und nicht nur Klassensprecher_innen mit Lehrer_innen und der Schulleitung über die Gestaltung von Schule in Kontakt gekommen. Herausfordernd ist allerdings die Nachhaltigkeit derartiger Formen. Im vorliegenden Fall wird es neben der Vorstellung in der Gesamtkonferenz zumindest auch im Unterricht durch die Lehrerin weitergeführt. Ich bin aber gespannt, welche weiteren Kreise der Stein darüber hinaus zieht, den wir in der Intensivwoche ins Wasser geworfen haben. So haben sich bereits einige kleinere Massnahmen am Horizont angedeutet (u.a. die Entwicklung einer Schüler_innen-Lehrer_innen-Fortbildung im Bereich der digitalen Medien oder die Frage nach der (Schul-)Raumgestaltung).

Quellen:

Althoff, M. (2008). Partizipation , Steuerung und Verständigung – Schulentwicklung als dialogischer Prozess. In T. Rihm (Hrsg.), Teilhaben an Schule (S. 121-132). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Müller, S. (2002). Partizipation von Schülerinnen und Schülern in Schulentwicklungsprozessen. In T. Bohl, W. Helsper, H. G. Holtappels & C. Schelle (Hrsg.), Handbuch Schulentwicklung. (S. 273-276). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

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