E-Learning und/oder Digitalisierung? Hype und/oder Mythos?

In den letzten Monaten ist in Schule und Hochschule intensiv über Digitalisierung diskutiert worden, an der ein oder anderen Stelle allerdings so, als wäre es ein brandneues Thema. Die langjährigen Erfahrungen aus dem E-Learning sind dabei oft nicht wahrgenommen worden. Umso mehr freue ich mich, dass nun der Herausgeberband der GMW erschienen ist, der diese Geschichtsvergessenheit aufarbeitet. Unter dem Titel Vom E-Learning zur Digitalisierung –Mythen, Realitäten, Perspektiven haben wir als Herausgeber*innenteam (Reinhard Bauer, Jörg Hafer, Sandra Hofhues, Mandy Schiefner-Rohs, Anne Thillosen, Benno Volk, Klaus Wannemacher) einen Raum gegeben, das Verhältnis von E-Learning und Digitalisierung zu bearbeiten.

Der Begriff „Digitalisierung“ ist in aller Munde und häufig werden vor allem Anforderungen formuliert, die „digitale Transformation“ in allen Bereichen der Gesellschaft mitzugestalten. In diesem Zusammenhang wird insbesondere von Hochschulen als Forschungs- und Bildungsinstitutionen erwartet, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.

Der Begriff „Digitalisierung“ erscheint einerseits als Heilsversprechen, andererseits ruft er auch Skepsis und Ängste hervor. Zugleich fällt auf, dass „Digitalisierung“ selten konkret definiert wird – vielmehr wird meist unhinterfragt vorausgesetzt, es gäbe einen Konsens, was im jeweiligen Kontext damit gemeint ist. Daher erscheint es besonders interessant, einschlägige Narrative im Zusammenhang mit dem Digitalisierungsbegriff offenzulegen und zu diskutieren sowie aus einer wissenschaftlichen und praktischen Sicht kritisch zu hinterfragen.

Im Band werden deswegen die Mythen und öffentlichen Vorstellungen rund um Medien und E-Learning in den Blick genommen. Hochschule bietet dazu den wesentlichen Referenzrahmen. Darüber hinaus wird nach Realitäten und Perspektiven in diesem unbestimmten Feld gesucht. In Zusammenhang mit dem Band hat die Fachgesellschaft GMW ganz unterschiedliche Personen und Akteure direkt sowie in einem Call dazu eingeladen, sich an der Diskussion um den Status quo im Bereich der Nutzung und Bedeutung von Medien in der Wissenschaft zu beteiligen. Dieser Band bildet damit sowohl den aktuellen Stand der Diskussion alsauch ihre fachlich-inhaltlichen, methodischen und konzeptionellen Facetten ab.

Entstanden ist ein Band, der sich unter den Kapiteln Mythen, Realitäten und Perspektiven ganz unterschiedliche Sichtweisen rund um E-Learning und Digitalisierung reflektiert. Auch Sandra und ich haben unsere nun doch schon langjährige Erfahrung reflektiert:

(…) Anlass für den Beitrag bietet die mindestens zwei Jahrzehnte andauernde Diskussion über den Umgang mit Medien, E-Learning und jüngst Digitalisierung, innerhalb derer sich viele Geschichten über organisationalen Wandel halten und verfestigen. In der systematischen Reflexion dieser Debatten auch im zeitlichen Verlauf wird deutlich, dass in Hochschulen eher Geschichten über die innovative Kraft technologischer Entwicklungen oder über neue Anforderungen an hochschulische Akteure erzählt werden, als dass Spezifika der Bildungsorganisation Hochschule reflektiert oder hinter tiefergehende Strukturen technologischer Trends geblickt wird. Dadurch, so lautet unsere grundlegende Annahme, werden bestehende Muster, Vorstellungen und Handlungsstrategien hinsichtlich Lehren und Lernen in der Hochschule sowohl eingeschränkt betrachtet als auch oft unhinterfragt übernommen. Ziel des Beitrags ist es daher, Geschichten, Perspektiven und nicht zuletzt Reproduktionsmechanismen in der Hochschulbildung zwischen Subjekt, Medien und Hochschule offenzulegen und kritisch einzuordnen.

Hofhues, S. & Schiefner-Rohs, M. (i.Dr.). Vom E-Learning zur Digitalisierung: Geschichte(n) eines erhofften Wandels in der Hochschulbildung. In Bauer, R., Hafer, J., Hofhues, S., Schiefner-Rohs, M., Thillosen, A., Volk,B. & Wannemacher, K. (Hrsg.), Vom E-Learning zur Digitalisierung –Mythen, Realitäten, Perspektiven (S. 23-36). Münster: Waxmann.

 

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