{"id":1031,"date":"2009-09-22T23:15:42","date_gmt":"2009-09-22T21:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=1031"},"modified":"2009-09-22T23:18:37","modified_gmt":"2009-09-22T21:18:37","slug":"dgwf-ein-blick-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/dgwf-ein-blick-zurueck\/","title":{"rendered":"DGWF &#8211; ein Blick zur\u00c3\u00bcck"},"content":{"rendered":"<p>Meine Tagungswoche war mit der GMW noch nicht zuende. Direkt im Anschluss bin ich an die TU Berlin gefahren, um dort die Jahrestagung der <a href=\"http:\/\/www.dgwf.net\" target=\"_blank\">Deutschen Gesellschaft f\u00c3\u00bcr wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium eV (<em>DGWF<\/em>)<\/a> zu besuchen. Diese fand unter dem Motto <a href=\"http:\/\/www.dgwf.net\/tagungen\/2009\/jahrestagung.htm\" target=\"_blank\">&#8222;Wissenschaftliche Weiterbildung: Zehn Jahre nach Bologna \u00e2\u20ac\u201c Alter Wein in neuen Schl\u00c3\u00a4uchen oder Paradigmenwechsel?&#8220;<\/a> statt.<\/p>\n<p>Mit dieser Tagung habe ich mich zum Teil auf ein neues Terrain bewegt. W\u00c3\u00a4hrend ich an der GMW immer wieder auf &#8222;alte&#8220; Bekannte und Themen stiess, die mich schon seit Jahren besch\u00c3\u00a4ftigen, waren die Themen der wissenschaftlichen Weiterbildung an einigen Stellen neuer f\u00c3\u00bcr mich.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Tagung habe ich unser neues Angebot <a href=\"http:\/\/www.afh.uzh.ch\/\/zielgruppen\/Weiterbildung.html\" target=\"_blank\">Didaktik der universit\u00c3\u00a4ren Weiterbildung<\/a> vorgestellt und mit den Teilnehmenden kritisch diskutiert (hier meine <a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/DGWF.pdf\">Kurzzusammenfassung<\/a> des Beitrages). Hier bin ich zum ersten Mal auf kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz (in Bezug auf die Organisation und Bedeutung der universit\u00c3\u00a4ren resp. wissenschaftlichen Weiterbildung) gestossen und war dementsprechend \u00c3\u00bcberrascht. Zum einen war es f\u00c3\u00bcr die Teilnehmenden unverst\u00c3\u00a4ndlich, warum wir \u00c3\u00bcberhaupt von einer &#8222;Didaktik universit\u00c3\u00a4rer Weiterbildung&#8220;\u00c2\u00a0 sprechen. Im Rahmen der Teilnehmerorientierung w\u00c3\u00a4re dies doch schon implizit mitgedacht. Weiterhin fiel mir in der Reflexion auf, dass wir wohl auf unterschiedlichen Ebenen diskutierten. Es gibt unterschiedliche Sichtweisen, Hochschuldidaktik zu verorten. W\u00c3\u00a4hrend ich in Diskussionen auf die Ansicht traf, Hochschuldidaktik ist Teil wissenschaftlicher Weiterbildung (und damit eine mehr oder weniger spezielle Didaktik der universit\u00c3\u00a4ren Weiterbildung obsolet wird), sehen wir Hochschuldidaktik und universit\u00c3\u00a4re Weiterbildung st\u00c3\u00a4rker als zwei unterschiedliche Bereiche an: Hochschuldidaktik als didaktische Weiterbildung von Personen innerhalb der Universit\u00c3\u00a4ten, universit\u00c3\u00a4re Weiterbildung als Weiterbildung von Personen, die schon \u00c3\u00bcber einen Studienabschluss verf\u00c3\u00bcgen. Und im Rahmen der universit\u00c3\u00a4ren Weiterbildung sind (im Gegensatz zur Hochschuldidaktik) die Dozierenden nicht immer didaktisch ausgebildet und zum Teil nicht unmittelbar in das Universit\u00c3\u00a4tsleben integriert &#8211; aus unserer Sicht ein Grund, mit unserem Angebot nicht nur didaktisches Wissen, sondern auch orientierendes Kontextwissen \u00c3\u00bcber die Universit\u00c3\u00a4ten als Bildungseinrichtung zu erwerben. Kl\u00c3\u00a4rungsbedarf bestand weiterhin auch im &#8222;wording&#8220;: w\u00c3\u00a4hrend in Deutschland von wissenschaftlicher Weiterbildung die Rede ist, die ein Merkmal von Weiterbildung (Wissenschaftlichkeit) in den Fokus stellt, spricht man in der Schweiz von universit\u00c3\u00a4rer Weiterbildung, die eher den Ort in den Fokus bringt. So hatten wir auf unterschiedlichen Ebenen Diskussionsbedarf &#8211; bis hin zur Frage, ob nun Portfolioarbeit zu einer Zertifizierung f\u00c3\u00bchrt oder nicht.<\/p>\n<p>Doch auch andere Vortr\u00c3\u00a4ge wurden diskutiert. Spannend waren f\u00c3\u00bcr mich vor allem zwei Vortr\u00c3\u00a4ge. Direkt vor mir in der Session sprach <a href=\"http:\/\/www.uni-trier.de\/index.php?id=15465\" target=\"_blank\">Dr. Eva Eirmbter-Stolbrink<\/a>, Universit\u00c3\u00a4t Trier, \u00c3\u00bcber &#8222;<strong>Die Wahrung    wissenschaftlichen Wissens als Merkmal wissenschaftlicher Weiterbildung&#8220;<\/strong>. Sie betonte nochmals den grossen Verlust, w\u00c3\u00bcrde wissenschaftliche Weiterbildung nur aus Marktbed\u00c3\u00bcrfnissen heraus geplant und konzipiert. Sie kam von einer Kritik an der Wissensgesellschaft (Wissen f\u00c3\u00bchrt nicht unbedingt zu Reflexionen) zum Schluss, dass vor allem das \u00c3\u00b6konomische Paradigma den Diskurs pr\u00c3\u00a4gt und sich Universit\u00c3\u00a4ten (auch im Zuge der Employability im Rahmen von Bologna) dem Anpassen. Die Merkmale des wissenschaftlichen Wissens (z.B. die Frageorientierung und die Suche nach der &#8222;Wahrheit&#8220;) seien im Rahmen der \u00c3\u2013konomie nicht mehr gefragt. Ihre These:<\/p>\n<blockquote><p>Mit der politischen Implementierung des Bologna-Prozesses ist die Universit\u00c3\u00a4t als Ort der Generierung und Distribution wissenschaftlichen Wissens in Frage gestellt. F\u00c3\u00bcr die wissenschaftliche Weiterbildung ergibt sich damit das Problem ihrer generellen M\u00c3\u00b6glichkeit: Verlieren die Universit\u00c3\u00a4ten ihre Wissenschaftsorientierung zugunsten der Ausbildungsfunktionen, verlieren sie gleicherma\u00c3\u0178en ihre Chance zur Realisation Wissenschaftlicher Weiterbildung (Quelle: Eirmbter-Stolbrink, Tagungsband)<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie bezog sich auf Mittelstrass, der sagt, dass im Informationsgehalt Wissen und Meinen ununterscheidbar seien &#8211; und f\u00c3\u00bcgte hier gleich eine Kritik am Web 2.0 ein, wenn dies als &#8222;Wissenschaft&#8220; verstanden wird: Web 2.0 ist\u00c2\u00a0 vor allem der Austausch von Meinungen und Befindlichkeiten, und darf nicht gleichgesetzt werden mit Wissenschaft. Wissenschaftliches Wissen ist an der Abstraktheit orientiert und dadurch eine riskante Form des Wissens, das auf Offenheit angelegt ist &#8211; im Gegensatz zur Ideologie (siehe Wissensformen nach Walter B\u00c3\u00bchl, 1984). Im wissenschaftlichen Wissen geht es um die prinzipielle Revidierbarkeit der Elemente des Wissens &#8211; hier klingt ganz klar Poppers kritischer Rationalismus an, dem sich die Referentin verpflichtet f\u00c3\u00bchlt.<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Weiterbildung hat demnach unter der starken Betonung der Wissenschaftlichkeit die Funktion, Distanz zum Gegenstand zu schaffen und Neugier zu bef\u00c3\u00b6rdern. Aus diesem Grund sollten sich Themen f\u00c3\u00bcr die wiss. Weiterbildung nur aus der Wissenschaft selbst (und nicht aus Praxis- oder Marktbed\u00c3\u00bcrfnissen heraus) generieren\u00c2\u00a0 &#8211; Wissenschaftliche Weiterbildung wird verstanden als Freiraum f\u00c3\u00bcr das Denken.<\/p>\n<p>Man kann sich ausmalen, dass dieser Beitrag viel Diskussionen ausl\u00c3\u00b6ste, vor allem auch um das Verh\u00c3\u00a4ltnis Universit\u00c3\u00a4ten und Fachhochschulen.<\/p>\n<p>Besonders spannend fand ich dabei ihren Hinweis auf Nake und seine These der &#8222;Maschinisierung der Kopfarbeit&#8220; (dem ich auch noch nachgehen werde): Dabei gehe es<\/p>\n<blockquote><p>um die \u00c3\u0153bertragung geistiger Momente der Arbeit an den Computer (Nake, 1992, S. 81; zitiert nach Schelhowe, 2007, Technologie, Imagination und Lernen, S. 42)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein zweiter spannender Beitrag war der Beitrag von PD Dr. Johannes Erdmann, Universit\u00c3\u00a4t der K\u00c3\u00bcnste Berlin zum Thema <strong>&#8222;Generations\u00c3\u00bcbergreifendes    forschendes Lernen im Lehramt-BA&#8220;<\/strong>. Hier gestaltet er mit Seniorenstudierenden und Bachelorstudierenden Prozesse des forschendes Lernen in der Lehrerausbildung &#8211; und setzt verschiedene Medienformen daf\u00c3\u00bcr ein (ein Beispiel f\u00c3\u00bcr eine Seminarkonzeption findet sich <a href=\"http:\/\/www.oase.udk-berlin.de\/~erdmann\/lehr\/09ssem\/index.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>). (Anmerkung: Auch hier gibt es kulturelle Unterschiede: w\u00c3\u00a4hrend in Deutschland Senorinnen und Senioren an den regul\u00c3\u00a4ren Studienveranstaltungen teilhaben k\u00c3\u00b6nnen, gibt es in der Schweiz extra Veranstaltungen f\u00c3\u00bcr Senioren). Spannend war f\u00c3\u00bcr mich vor allem seine Definition des sog. &#8222;Neuen Forschenden Lernens&#8220;: das &#8222;neue&#8220; forschende Lernen intergriert nach Erdmann die Bedingugnen des Netzes und der Medien und generiert so neue Gespr\u00c3\u00a4chspartner und Diskursr\u00c3\u00a4ume &#8211; war forschendes Lernen bis dato auf den Seminarkontext beschr\u00c3\u00a4nkt, wird es nun \u00c3\u00b6ffentlich &#8211; und er\u00c3\u00b6ffnet so neue M\u00c3\u00b6glichkeiten. Mich hat diese &#8222;Neuigkeit&#8220; nicht sehr \u00c3\u00bcberzeugt, aber man sieht, dass forschende Lernen ist immer noch in aller Munde (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.afh.uzh.ch\/HochschuldidaktikAZ.html#ForschendesLernen\" target=\"_blank\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/?p=1310\" target=\"_blank\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Alles in allem bot mir die Tagung vielf\u00c3\u00a4ltige Reflexionanl\u00c3\u00a4sse, sowohl hinsichtlich spannender Themen als auch der Verortung der eigenen Arbeit und Institution &#8211; und nicht zuletzt habe ich auch hier ein paar wenige bekannte Gesichter getroffen &#8211; ein Gruss an <a href=\"http:\/\/www.koma-medien.de\/elearning\/blog\/\" target=\"_blank\">KOMA<\/a> und nach <a href=\"http:\/\/www.sq-brandenburg.de\/\" target=\"_blank\">Potsdam<\/a> \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Noch eine organisatorische Anmerkung zum Schluss: Was der Tagung besser gelang als der GMW, ist die Anregung von Diskussionen in den einzelnen Veranstaltungen. Die Referenten wurden sehr angenehm schon vor der Tagung betreut und sollten ihren Vortrag mit einer Folie mit ein oder zwei Fragen beenden. Diese Fragen dienten dann als Sprung in die Diskussion &#8211; und der hat zumindest bei allen Vortr\u00c3\u00a4gen, die ich besucht habe, geklappt.<\/p>\n<p>Doch nun geht es ans Verarbeiten der zahlreichen Inputs \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Tagungswoche war mit der GMW noch nicht zuende. Direkt im Anschluss bin ich an die TU Berlin gefahren, um dort die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f\u00c3\u00bcr wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium eV (DGWF) zu besuchen. Diese fand unter dem Motto &#8222;Wissenschaftliche Weiterbildung: Zehn Jahre nach Bologna \u00e2\u20ac\u201c Alter Wein in neuen Schl\u00c3\u00a4uchen oder Paradigmenwechsel?&#8220; statt. 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