{"id":1188,"date":"2010-01-10T21:11:13","date_gmt":"2010-01-10T20:11:13","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=1188"},"modified":"2010-01-10T21:18:57","modified_gmt":"2010-01-10T20:18:57","slug":"katerstimmung-im-web-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/katerstimmung-im-web-2-0\/","title":{"rendered":"Katerstimmung im Web 2.0?"},"content":{"rendered":"<p>Liegt es an den Neujahrsvors\u00c3\u00a4tzen, am Zeitgeist, oder an meiner Perspektive: ich habe das Gef\u00c3\u00bchl, es ist ganz sch\u00c3\u00b6ne Katerstimmung im Web 2.0. Die ersten k\u00c3\u00bcndigen ihren Web 2.0 Selbstmord mit der <a href=\"http:\/\/suicidemachine.org\/\">Web 2.0 Suicide Maschine<\/a> an, die Websiten und Berichte von <a href=\"http:\/\/www.ausgestiegen.com\/\" target=\"_blank\">Aussteigern<\/a> vermehren sich, ich bekomme Mail von Personen, die mir wieder ihre &#8222;richtige&#8220; Mailadresse ank\u00c3\u00bcndigen, da sie demn\u00c3\u00a4chst nicht mehr im Web 2.0 verf\u00c3\u00bcgbar sind, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bwInjLLZZJw\" target=\"_blank\">Videos<\/a> wie dieses entstehen ebenso wie das <a href=\"http:\/\/www.slow-media.net\/manifest\/\" target=\"_blank\">Slow-Media Manifest<\/a> , die ZEIT ruft die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/01\/Die-Wiederentdeckung-des-Nichtstuns\" target=\"_blank\">Mu\u00c3\u0178e<\/a> wieder ins Bewusstsein- und selbst ich habe meinen Twitter Account und Netnewswire entr\u00c3\u00bcmpelt. Was ist los? Haben alle wie ich den <a href=\"http:\/\/books.google.ch\/books?id=HViPQAAACAAJ&amp;dq=inauthor:Frank+inauthor:Schirrmacher+payback&amp;lr=&amp;cd=1\" target=\"_blank\">Schirrmacher<\/a> \u00c3\u00bcber die Feiertage gelesen? Oder ist der Peak erreicht, und es kann nur noch nach unten gehen?Kommt nach dem Hype nun die Depression? Nachdem einige Studien bescheinigt haben, dass die aktive Beteiligung im Web 2.0 doch eher die Minderheit ist &#8211; l\u00c3\u00b6schen jetzt alle passiven ihren Account? Mitnichten, denn was ich bisher mitkriege, sind es durchaus Leute, die vorher sehr aktiv waren. Ist Web 2.0 nun als gescheiterter Versuch anzusehen, partizipativ Dinge zu gestalten?<\/p>\n<p>Fakt ist: Web 2.0 bedeutet Vernetzung, Beschleunigung und Informationsvielfalt. Eigentlich ist es doch ganz klar: viele Personen k\u00c3\u00b6nnen nun schnell und ohne Aufwand Websiten, Blogs, YouTube Videos oder Podcasts erstellen, also steigt auch die Anzahl der Produkte &#8211; die Informationsvielfalt oder auch die Informationsflut sind eigentlich normale Randerscheinungen des Ph\u00c3\u00a4nomens. Und damit w\u00c3\u00a4chst auch das Problem der Beurteilung der Information, was unter Umst\u00c3\u00a4nden viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Doch das Ph\u00c3\u00a4nomen ist nicht neu (auch f\u00c3\u00bcr mich nicht). Ich habe mal kurz recherchiert, wann ich hier schon einmal, wenn auch mit unterschiedlichen Konnotationen das Thema behandelt habe:<\/p>\n<ul>\n<li>am 18.01.2007 war ich im <a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/2007\/01\/internet-stress\/\" target=\"_blank\">Weblog-Stress<\/a><\/li>\n<li>am 14.06.2007 schrieb ich unter dem Titel <a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/2007\/06\/digitale-demenz\/\" target=\"_blank\">digitale Demenz<\/a> \u00c3\u00bcber das Auslagern von Denkleistungen an den Computer<\/li>\n<li>am 23.8.2007 besch\u00c3\u00a4ftigte mit das Thema <a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/2007\/08\/ununterbrochen-unterbrochen-2\/\" target=\"_blank\">Ununterbrochen unterbrochen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun also wieder: alle st\u00c3\u00b6hnen unter der Informationsflut und die Zeit, die das Web 2.0 ihnen klaut (wenn man mal so nachliest, was als Begr\u00c3\u00bcndung f\u00c3\u00bcr den Ausstieg angegeben wird). Gibt es nun also wirklich ein neuer Stress, was vorher der Stress durch Weblogs war, ist nun Stress, ausgel\u00c3\u00b6st durch Facebook und Twitter? Oder betrifft es doch ein grundlegendes Problem?<\/p>\n<p>Nun glaube ich nicht, dass alle pl\u00c3\u00b6tzlich den Schirrmacher gelesen haben, aber ich denke, das Web 2.0 entw\u00c3\u00a4chst seinen Kinderschuhen. War es gestern und heute noch hype und modern, einen Account auf Facebook, Twitter oder sonst wo zu haben, m\u00c3\u00b6glichst viel zu bloggen oder m\u00c3\u00b6glichst viele RSS Abonements zu haben, fangen nun viele Menschen an, ihren Alltag mit Web 2.0 Medien zu reflektieren, vielleicht weil sie auch merken, dass sie weniger Zeit haben, Dinge nicht fertig tun k\u00c3\u00b6nnen und eigentlich immer auf der Suche nach neuer Information sind. Ich muss Schirrmacher zustimmen, es ist ein Leben auf Abruf nach der neuesten, wichtigsten Information, sei es aus dem privaten Netzwerk, sei es aus dem beruflichen Umfeld &#8211; besonders an Universit\u00c3\u00a4ten, wo die erste Idee eigentlich immer noch z\u00c3\u00a4hlt. Auch wenn es bei Schirrmacher an manchen Dingen auch mir zuviel wurde, was ich sch\u00c3\u00a4tze, sind drei Sachen:<\/p>\n<p>Zum einen sein Hinweis darauf, was wir eigentlich schon an routinierten Verhaltensweisen im Netz \u00c3\u00bcbernommen haben, ohne gross dar\u00c3\u00bcber nachzudenken und die Konsequenzen abzusch\u00c3\u00a4tzen. Wie viele Skripts wir eigentlich auch online entwickelt haben, die uns scheinbar unbewusst lenken. Zum Zweiten die Darstellung der engen Verkn\u00c3\u00bcpfung und Verkettung der Maschinen und der Realit\u00c3\u00a4t und die Frage des freien Willens &#8211; ein Thema, das mich immer mehr fasziniert. Ich habe ja schon Latour an dieser Stelle sehr spannend gefunden (siehe <a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/2009\/10\/ekompetenz\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrag<\/a>), und auch bei Schirrmacher erf\u00c3\u00a4hrt man spannende Details.<\/p>\n<p>Und zum Schluss seine Einsch\u00c3\u00a4tzung, dass wir nicht mehr zur\u00c3\u00bcck k\u00c3\u00b6nnen. Was bringt es, Dienste im Web 2.0 zu k\u00c3\u00bcndigen oder Mails nicht mehr zu lesen? Die Medien sind nunmal da und verf\u00c3\u00bcgbar, und oft leisten sie ja auch gute Dienste. Es ist wie mit jedem Medium: der Benefit h\u00c3\u00a4ngt von der Nutzung ab. Und genau diese Nutzung und Kompetenz gilt es, zu erlangen, oder uns wieder darauf zu besinnen. Und von daher finde ich es sehr gelungen, dass Schirrmacher sein Buch mit dem Kapitel &#8222;Die Zukunft der Bildung&#8220; abschliesst. Hier entwickelt er einige Gedanken, wie sich das Bildungssystem \u00c3\u00a4ndern muss, um mit der jetzigen Informationstechnologie Schritt zu halten: zuerst einmal ein anderes Lehren und Lernen, weg von Informationsvermittlung, hin zu Sinn und vor allem dem Lernen von Unsicherheiten und Heuristiken. Computer sind nicht mehr nur Maschinen wie Fernseher, sondern beherbergen eine Informationswelt, die sehr reale Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt hat. Lernen muss mit Bedeutung versehen werden, an Vorwissen angekn\u00c3\u00bcpft werden, usw. &#8211; f\u00c3\u00bcr P\u00c3\u00a4dagogen und Didaktiker keine neuen Erkenntnisse.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Schulen m\u00c3\u00bcssen Computer als Instrumente integrieren, die Sch\u00c3\u00bcler nicht nur benutzen, sondern \u00c3\u00bcber die sie nachdenken m\u00c3\u00bcssen. Sie m\u00c3\u00bcssen erkennen lernen, dass die verf\u00c3\u00bchrerische Sprache der Algorithmen nur Instrmente sind, daf\u00c3\u00bcr da, um Menschen Denken und Kreativit\u00c3\u00a4t zu erm\u00c3\u00b6glichen&#8220; (S. 218)<\/p><\/blockquote>\n<p>Und hier komm ich nochmals auf die Eingangsbeobachtung zur\u00c3\u00bcck: vielleicht haben wir auch bisher die Technologien eher genutzt, als dar\u00c3\u00bcber nachgedacht. Und vielleicht ist die Katerstimmung nur ein Ausdruck des Nachdenkens und der Reflexion des Web 2.0 &#8211; und zu welcher Antwort man f\u00c3\u00bcr sich selber kommt, das bleibt jedem selbst \u00c3\u00bcberlassen. F\u00c3\u00bcr mich jedenfalls gilt: Informationen ausged\u00c3\u00bcnnt, den eigenen Informationsumgang nochmals reflektiert komme ich zu dem Ergebnis: ich steige nicht aus, aus dem Web 2.0, aber versuche, Tools reflektierter zu nutzen, denn Quantit\u00c3\u00a4t bedeutet nicht automatisch Qualit\u00c3\u00a4t ;-).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liegt es an den Neujahrsvors\u00c3\u00a4tzen, am Zeitgeist, oder an meiner Perspektive: ich habe das Gef\u00c3\u00bchl, es ist ganz sch\u00c3\u00b6ne Katerstimmung im Web 2.0. 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