{"id":1313,"date":"2010-05-04T17:59:30","date_gmt":"2010-05-04T17:59:30","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=1313"},"modified":"2010-05-04T17:59:30","modified_gmt":"2010-05-04T17:59:30","slug":"revidiertes-inventar-zur-computerbildung-incobi-r","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/revidiertes-inventar-zur-computerbildung-incobi-r\/","title":{"rendered":"revidiertes Inventar zur Computerbildung (INCOBI-R)"},"content":{"rendered":"<p>Nun gibt es eine \u00c3\u00bcberarbeitet Version des INCOBIs, einem Inventar zur Computerbildung, das ich an der ein oder anderen Stelle schon eingesetzt habe. Im ersten Moment habe ich mich sehr gefreut, denn es mangelte meines Erachtens nach an validen Messinstrumenten f\u00c3\u00bcr diesen Bereich,  und eine revidierte Fassung, so dachte ich, nimmt doch bestimmt aktuelle Entwicklungen (Web 2.0, usw.) sicherlich mit auf. Doch leider war meine Freude zu fr\u00c3\u00bch. Doch worum geht es eigentlich beim INCOBI-R? Im Abstract heisst es:<\/p>\n<blockquote><p>Das INCOBI-R ist eine \u00c3\u00bcberarbeitete Form eines bereits eingef\u00c3\u00bchrten Instruments zur Erfassung von praktischem und theoretischem Computerwissen, Computer\u00c3\u00a4ngstlichkeit und computerbezogenen Einstellungen (vgl. Richter, Naumann &amp; Groeben, 2001). Computerbezogene Einstellungen werden dabei \u00c3\u00bcber 8 Einstellungsskalen operationalisiert, die inhaltlich nach evaluativem Fokus (pers\u00c3\u00b6nliche Erfahrung vs. gesellschaftliche Folgen), Nutzungsdom\u00c3\u00a4nen (Lernen und Arbeiten vs. Unterhaltung und Kommunikation) und Valenz (positive vs. negative Einstellungskomponenten) unterschieden sind. In einer Untersuchung mit 444 Universit\u00c3\u00a4tsstudierenden wurden Aspekte der Konstrukt- und Kriteriumsvalidit\u00c3\u00a4t des INCOBI-R \u00c3\u00bcberpr\u00c3\u00bcft. Alle Skalen erwiesen sich als intern konsistent. Im Sinne der Konstruktvalidit\u00c3\u00a4t des Instruments zeigten sich h\u00c3\u00b6here Korrelationen f\u00c3\u00bcr Skalen, die konzeptuell zusammenh\u00c3\u00a4ngende Konstrukte erfassen. Die Testitems der Computerwissenstests zeigten eine gute Passung mit dem 1PL-Modell (Rasch-Modell) der Item-Response-Theorie. Zudem hatte ein zweidimensionales Modell, in dem praktisches und theoretisches Computerwissen getrennte Faktoren sind, eine bessere Passung als ein eindimensionales Modell. Mit geschachtelten konfirmatorischen Faktorenmodellen konnte die angenommene inhaltlich differenzierte Struktur computerbezogener Einstellungen belegt werden. Im Sinne der Kriteriumsvalidit\u00c3\u00a4t zeigten die Skalen des INCOBI-R inhaltlich gut interpretierbare Zusammenh\u00c3\u00a4nge mit Ma\u00c3\u0178en der tats\u00c3\u00a4chlichen Computernutzung. Reliabilit\u00c3\u00a4tssch\u00c3\u00a4tzer und Kovarianzstruktur der Skalen des INCOBI-R konnten anhand der Daten einer zweiten Stichprobe mit 87 Universit\u00c3\u00a4ts- und Fachhochschulstudierenden repliziert werden. (Quelle: Zeitschrift f\u00c3\u00bcr P\u00c3\u00a4dagogische Psychologie, http:\/\/www.psycontent.com\/content\/r4h683n12p331263\/?p=869ce29e33ae4611a9617bd6811edf18&amp;pi=1)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wichtig finde ich die Unterscheidungen, die Richter et al. in die \u00c3\u0153berarbeitung integriert haben:<\/p>\n<blockquote><p>1. Die erste Unterscheidung betrifft den <em>evaluativen Fokus<\/em> der Einstellungsitems, wobei zwischen dem Computer als Gegenstand pers\u00c3\u00b6nlicher Erfahrungen und den gesellschaftlichen Folgen der Computertechnologie differenziert wird. Damit sollen beispielsweise kulturoptimistische und -pessimistische Positionen gegenu\u00cc\u02c6ber der Computertechnologie diagnostizierbar sein, auch wenn sie mit einer anders gearteten Bewertung des Computers im allt\u00c3\u00a4glichen Leben einhergehen.<br \/>\n2. Daneben werden mit dem Computer als Lern- und Arbeitsmittel auf der einen und dem Computer als Unterhaltungs- und Kommunikationsmittel auf der anderen Seite zwei u\u00cc\u02c6bergreifende <em>Nutzungsdom\u00c3\u00a4nen<\/em> des Computers unterschieden.<br \/>\n3. Schlie\u00c3\u0178lich wird die aus der Literatur zu computerbezogenen Einstellungen gel\u00c3\u00a4ufige Unterscheidung zwischen <em>positiven Einstellungskomponenten<\/em> (Computer als nu\u00cc\u02c6tzlichesWerkzeug\/nu\u00cc\u02c6tzliche Technologie) und <em>negativen Einstellungskomponenten<\/em> (Computer als unbeeinflussbare Maschine\/unbeeinflussbare Technik) u\u00cc\u02c6bernommen (vgl. Brock &amp; Sulsky, 1994). Computerbezogene Einstellungen werden im INCOBI-R also als<br \/>\nbipolare Einstellungen (Pratkanis, 1989) verstanden und messbar gemacht. Damit ist gemeint, dass Individuen den Computer z. B. als nu\u00cc\u02c6tzliches Werkzeug fu\u00cc\u02c6r Lernund Arbeitszwecke sch\u00c3\u00a4tzen, aber zugleich auch als unbeeinflussbare Maschine wahrnehmen k\u00c3\u00b6nnen. (Richter et. al, 2010, S. 26).<\/p><\/blockquote>\n<p>Dennoch fokussiert die Reviesion meiner Meinung nach zu sehr noch auf den Computer als Maschine und technische Aspekte. Durch den Fokus auf den Computer als Maschine bleibt auch v\u00c3\u00b6llig offen, welche Anwendungen denn im Fokus stehen: word, Internet oder Ballerspiele &#8211; hat doch erhebliche Konsequenzen, zum Beispiel, ob ich den Computer n\u00c3\u00bctzlich finde oder nicht (n\u00c3\u00bctzliches Werkzeug). Ebenso finde ich den Begriff der Computerbildung, der sich nach den Autoren zusammensetzt aus &#8222;Computer Literacy (theoretisches und praktisches Computerwissen, Abwesenheit von Computer\u00c3\u00a4ngstlichkeit)&#8220; sowie einer kognitiven und emotionalen Haltung zusammensetzt, nicht ganz passend. Im Bereich der Computerbildung fehlt meines Erachtens nach vor allem die reflexive Dimension.<\/p>\n<p>Doch die Autoren selber gehen auf eventuelle Schwachstellen ein:<\/p>\n<blockquote><p>Wie bei jedem diagnostischen Instrument konzentrieren sich die Skalen des INCOBI-R nur auf bestimmte Aspekte des Kompetenzbereichs bzw. der Einstellungsdom\u00c3\u00a4ne, w\u00c3\u00a4hrend andere Aspekte nicht aufgegriffen werden. So erfassen die beiden Computerwissenstests PRACOWI und TECOWI technologische Aspekte der Computer Literacy, w\u00c3\u00a4hrend weitergehende Komponenten einer computerbezogenen Medienkompetenz nicht beru\u00cc\u02c6cksichtigt werden (z. B. Kompetenzen in der Bewertung der Qualit\u00c3\u00a4t und Glaubwu\u00cc\u02c6rdigkeit vonWeb-Informationen oder das konzeptuelle Verst\u00c3\u00a4ndnis fu\u00cc\u02c6r Anwendungen aus dem SocialWeb).<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Gegenu\u00cc\u02c6ber der weiter gefassten Konzeption bietet der Fokus des INCOBI-R auf technologische Basiskompetenzen den Vorteil einer breiteren Anwendbarkeit, da die erfassten F\u00c3\u00a4higkeiten fu\u00cc\u02c6r eine gro\u00c3\u0178e<br \/>\nBandbreite von Nutzungsweisen des Computers relevant sind (z. B. als Lern- und Informationsmedium, fu\u00cc\u02c6r Kommunikations-und Unterhaltungszwecke und fu\u00cc\u02c6r arbeitsbezogene Anwendungen aller Art). (S. 35)<\/p><\/blockquote>\n<p>Schade eigentlich, denn genau hier gibt es aus meiner Sicht noch erheblichen Bedarf, die technischen Fragen werden nach und nach eher in den Hintergrund treten. Dennoch das Fazit:<\/p>\n<blockquote><p>Damit empfiehlt sich das INCOBI-R \u00c3\u00a4hnlich wie die Vorg\u00c3\u00a4ngerversion des INCOBI vor allem fu\u00cc\u02c6r den Einsatz in Untersuchungen zum Lernen mit computergestu\u00cc\u02c6tzten Lernmedien, in denen der Einfluss von Computerwissen, Computer\u00c3\u00a4ngstlichkeit oder computerbezogenen Einstellungen der Probanden\/innen untersucht bzw. kontrolliert werden soll. Auch fu\u00cc\u02c6r den Einsatz in populationsbeschreibenden Untersuchungen du\u00cc\u02c6rfte das Instrument gut geeignet sein. (S. 35)<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: Richter, T.; Naumann, J.; Horz, H. (2010). Eine revidierte Fassung des Inventars zur Computerbildung. <em>Zeitschrift f\u00c3\u00bcr P\u00c3\u00a4dagogische Psychologie, 24<\/em> (1), 23-37.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun gibt es eine \u00c3\u00bcberarbeitet Version des INCOBIs, einem Inventar zur Computerbildung, das ich an der ein oder anderen Stelle schon eingesetzt habe. Im ersten Moment habe ich mich sehr gefreut, denn es mangelte meines Erachtens nach an validen Messinstrumenten f\u00c3\u00bcr diesen Bereich, und eine revidierte Fassung, so dachte ich, nimmt doch bestimmt aktuelle Entwicklungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[78,40,1,24],"tags":[],"class_list":["post-1313","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-forschung","category-literatur","category-mandyschiefner","category-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1313","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1313"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1319,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1313\/revisions\/1319"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}