{"id":1507,"date":"2010-11-04T21:23:43","date_gmt":"2010-11-04T21:23:43","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=1507"},"modified":"2010-11-04T21:30:07","modified_gmt":"2010-11-04T21:30:07","slug":"tagung-medienbildung-im-spannungsfeld-medienpaedagogischer-leitbegriffe-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/tagung-medienbildung-im-spannungsfeld-medienpaedagogischer-leitbegriffe-teil-i\/","title":{"rendered":"Tagung \u00c2\u00abMedienbildung im Spannungsfeld medienp\u00c3\u00a4dagogischer Leitbegriffe\u00c2\u00bb, Teil I"},"content":{"rendered":"<p>Heute war der erste Tag der Herbsttagung der Sektion Medienp\u00c3\u00a4dagogik der DGfE hier in Z\u00c3\u00bcrich. Diese Tagung steht ganz unter dem Motto \u00c2\u00abMedienbildung im Spannungsfeld medienp\u00c3\u00a4dagogischer Leitbegriffe\u00c2\u00bb und hat sich zum Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Begriffe im Bereich Medienp\u00c3\u00a4dagogik zu sch\u00c3\u00a4rfen.<\/p>\n<blockquote><p>An der Tagung stehen Fragen im Zentrum wie:<br \/>\nWie stehen die Leitbegriffe der Medienkompetenz, Medienerziehung und Medienbildung zueinander?<br \/>\nIn welchem Verh\u00c3\u00a4ltnis zu den beiden genannten Begriffen steht das im anglo-amerikanischen Raum favorisierte Konzept der \u00c2\u00abMedia literacy\u00c2\u00bb?<br \/>\nWie weit ist es sinnvoll den Bildungsbegriff der erziehungswissenschaftlichen Tradition in die medienp\u00c3\u00a4dagogische Diskussion aufzunehmen?<br \/>\nWelche Bedeutung hat der Begriff der Medienbildung in den verschiedenen \u00e2\u20ac\u201c schulischen und ausserschulischen \u00e2\u20ac\u201c medienp\u00c3\u00a4dagogischen Feldern?<br \/>\nIn welchem Verh\u00c3\u00a4ltnis stehen Medienbildung und Medienerziehung zueinander?<br \/>\nWie weit kann der Begriff der Medienbildung auch f\u00c3\u00bcr die Bereiche ICT in den Schulen und f\u00c3\u00bcr eLearning eine Leitperspektive darstellen?<br \/>\nWie kann Medienbildung in den Curricula der Schulen nachhaltig verankert und im Rahmen vom Unterrichtsprojekten umgesetzt werden?<br \/>\nWie ist das Verh\u00c3\u00a4ltnis von Medienbildung und Mediendidaktik zu konzipieren?<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun ist der erste Tag zu Ende, und ich versuche, ein kurzes Res\u00c3\u00bcmee f\u00c3\u00bcr mich zu ziehen. Begonnen hat die Tagung mit einem Doktoranden-Workshop, den ich zusammen mit Petra Grell und Franco Rau moderiert habe. Da die Einreichungen nicht so zahlreich waren, haben wir den zweiten Teil offen gestaltet, um Diskussionsw\u00c3\u00bcnsche der Doktoranden einen Raum zu geben. So haben wir einen Vortrag und ein Poster zu geplanten Dissertationen besprechen k\u00c3\u00b6nnen. Von den Doktoranden kamen vor allem Fragen zur Legitimation p\u00c3\u00a4dagogischer Interventionen im Feld, zur Eingrenzung der Forschungsfragen, zu Fragen der Methodologie und Fragen zur Bew\u00c3\u00a4ltigung der Datenflut (vor allem bei qualitativen Arbeiten). Wie es bei offenen Formaten so ist, konnten leider nicht alle Dinge besprochen werden, aber zwei Botschaften habe ich mitgenommen: zum ersten geht es darum, nochmals den Austausch unter den Doktoranden anzustossen, denn wir haben schon im Kolloquium gemerkt, dass es mehrere Personen gibt, die an sehr \u00c3\u00a4hnlichen Themen sitzen. Hier k\u00c3\u00b6nnen Synergien geschafft werden. Eine erste Form des Austauschs ist dabei unsere gemeinsame <a href=\"http:\/\/medienpaedagogik.mixxt.de\/\" target=\"_blank\">Plattform<\/a>, zu der ich auch hier nochmals interessierte Doktoranden aus dem Bereich Medienp\u00c3\u00a4dagogik einladen m\u00c3\u00b6chte. Zweitens nehme ich mit, dass ein Austausch \u00c3\u00bcber Methodische Zug\u00c3\u00a4nge sehr von Bedeutung ist, vielleicht gelingt es ja das n\u00c3\u00a4chste Jahr, hier etwas f\u00c3\u00bcr Doktoranden zu organisieren und den Kreis zu \u00c3\u00b6ffnen, denn ich denke, auch Nachbarcommunities sitzen an \u00c3\u00a4hnlichen Fragestellungen.<\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen ging es dann an die Begriffsarbeit. Die Paper mit den zugrundeliegenden Statements konnten vorab gelesen werden (und befinden sich f\u00c3\u00bcr alle, die nicht dabei sind, <a href=\"http:\/\/www.phzh.ch\/content-n1359-r2897-sD.html\" target=\"_blank\">hier<\/a> am Ende der Seite). Die Autorinnen und Autoren der drei Best Papers fassten ihre Position nochmals in 15 Minuten zusammen, anschliessend erhielten Bernd Schorb und Dieter Spanhel die Gelegenheit, aufbauend auf den Positionen ihre eigenen Beitr\u00c3\u00a4ge zu akzentuieren. Und ich muss sagen, es war ein spannender Nachmittag, der nochmals sch\u00c3\u00b6n sichtbar machte, was Begriffsarbeit in der Wissenschaft bedeutet: Thesen aufstellen, Pr\u00c3\u00bcfen, Begriffe sch\u00c3\u00a4rfen, Repliken entwerfen, usw. Das zugrundeliegende Begriffspaar Medienkompetenz und Medienbildung gaben genug Raum zur Darlegung verschiedenster Postionen. Dabei m\u00c3\u00b6chte ich im Folgenden nicht die einzelnen Positionen referieren, sondern festhalten, was f\u00c3\u00bcr mich wichtig war:<\/p>\n<p>Wichtig (uns schwierig) in der Diskussion rund um Medienbildung und -kompetenz ist, dass beide Begriffe auf Begriffsnetzwerke bezogen sind, Medienkompetenz verweist auf kommunikative Kompetenz, media literacy z.B. auf die Cultural Studies. Ebenso darf die Historizit\u00c3\u00a4t von Begriffen nicht aus den Augen verloren werden, wie Heinz Moser f\u00c3\u00bcr den Partizipationsbegriff verdeutlichte.<\/p>\n<p>Benjamin J\u00c3\u00b6rissen wies darauf hin, dass es unterschiedliche Diskurse von Bildung gibt, die auch Auswirkungen auf die Definition von Medienbildung haben. Er unterschied dabei nochmals in einen \u00c3\u00b6ffentlichen Gebrauch von Medienkompetenz\/Medienbildung und einen wissenschaftlichen Gebrauch. Die Schwierigkeit, die die Erziehungswissenschaft n\u00c3\u00a4mlich hat, besteht darin, dass all ihre Begriffe zugleich auch Alltagsbegriffe sind. Dies macht einen \u00c3\u00b6ffentlichen Diskurs einfacher, erschwert aber den wissenschaftlichen, da jeder meint, zu wissen, was man der andere sagt. F\u00c3\u00bcr den \u00c3\u00b6ffentlichen Diskurs ist es egal, ob von Medienkompetenz oder -bildung gesprochen wird, solange es &#8222;um die Sache&#8220; gehe. Wichtig ist nur, dass beide Ebenen, also die \u00c3\u00b6ffentliche und wissenschaftliche Verwendung der Begriffe getrennt wird.<\/p>\n<p>Isabel Zorn fokussierte\u00c2\u00a0vor allem die digitalen Medien strich heraus, dass Medien nicht mehr nur Mittler und Tr\u00c3\u00a4ger sind, sondern in ersten Teilen auch zum Gestalter von Sinn werden. Dabei denke ich aber, dass diese Beziehungen, von denen sie spricht, zwar von programmierten Medien generiert werden, dass es aber dennoch die Interpretationsleistung des Menschen braucht.<\/p>\n<p>Bernd Schorb pl\u00c3\u00a4dierte daf\u00c3\u00bcr, den &#8222;agogen&#8220; im P\u00c3\u00a4dagen wieder zu betonen, d.h. das Handeln nicht aus den Augen zu verlieren. Hier schloss Dieter Spanhel an, indem er das Handeln als komplexe Muster darstellt, das eng mit Medialit\u00c3\u00a4t verkn\u00c3\u00bcpft ist. F\u00c3\u00bcr ihn ist Medienbildung dann die Organisation des menschlichen Handelns.<\/p>\n<p>Auffallend ist, dass alle Beitr\u00c3\u00a4ge sich um Orientierung bzw. Orientierungswissen drehten. Ebenso wurde der Begriff des Medium kritisch be\u00c3\u00a4ugt (auch ich hatte mich ja <a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/2010\/09\/gefangen-im-medium\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> kurz damit besch\u00c3\u00a4ftigt), Diskutanten wie Dieter Spanhel gingen \u00c3\u00bcber, statt von Medien von Medialit\u00c3\u00a4t zu sprechen. Ein dritter Punkt, der immer wieder zur Diskussion kam, war die Differenz (oder besser das Kontinuum) zwischen Theorie und Praxis \u00c2\u00a0mit der Frage, was eigentlich Praktiker von dieser Diskussion h\u00c3\u00a4tten, oder ob es sich nicht nur um ein wissenschaftliches Glasperlenspiel handele.<\/p>\n<p>Was bleibt vom ersten Tag? Auf jeden Fall ein brummender Sch\u00c3\u00a4del, um all die Eindr\u00c3\u00bccke, Statements und Denkanker, die ich oben nur angedeutet habe, zu verarbeiten. Zum zweiten nat\u00c3\u00bcrlich viel Literatur, auf die Bezug genommen wurde, und die der ersten Sichtung nach lohnt, weiter zu bearbeiten. Und zu aller Letzt nat\u00c3\u00bcrlich Freude auf morgen, denn dann wird die Diskussion erweitert, zum einen um neue Begriffe (wie media literacy, Mediendidaktik und Medienerziehung) zum anderen auch mit neuen Diskutanten. Ich bin gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war der erste Tag der Herbsttagung der Sektion Medienp\u00c3\u00a4dagogik der DGfE hier in Z\u00c3\u00bcrich. Diese Tagung steht ganz unter dem Motto \u00c2\u00abMedienbildung im Spannungsfeld medienp\u00c3\u00a4dagogischer Leitbegriffe\u00c2\u00bb und hat sich zum Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Begriffe im Bereich Medienp\u00c3\u00a4dagogik zu sch\u00c3\u00a4rfen. 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