{"id":1769,"date":"2011-07-06T12:06:30","date_gmt":"2011-07-06T12:06:30","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=1769"},"modified":"2011-07-06T12:12:24","modified_gmt":"2011-07-06T12:12:24","slug":"medienkompetenz-und-virales-marketing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/medienkompetenz-und-virales-marketing\/","title":{"rendered":"Medienkompetenz und virales Marketing"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; ist f\u00c3\u00bcr mich eine neue Verbindung &#8211; aber der Reihe nach: Nun liegt es seit Ende Juni vor, ein erster Entwurf der <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/internetenquete\/Elfte_Sitzung_Enquetekommission\/index.jsp\" target=\"_blank\"><strong>Projektgruppe Medienkompetenz der Enquete-Kommission \u00e2\u20ac\u017eInternet und digitale Gesellschaft\u00e2\u20ac\u0153<\/strong> <\/a>der Bundesregierung zum Thema \u00e2\u20ac\u017eMedienkompetenz\u00e2\u20ac\u0153 und endlich habe ich es geschafft, dieses <a href=\"http:\/\/www.n-21.de\/pics\/medien\/1_1308906585\/Medienkompetenz_Internet-Enquete2011.pdf\" target=\"_blank\">Papier<\/a> ganz zu lesen.<br \/>\n<strong> <\/strong><br \/>\nUnd was soll ich sagen: es ist nochmals der Versuch, Medienkompetenz a) zu fassen und b) Massnahmen und Zielgruppen f\u00c3\u00bcr die F\u00c3\u00b6rderung von Medienkompetenz zu identifizieren. Ich finde aber, beides gelingt nicht richtig. Nach Definitionsversuchen und einer Bestandesaufnahmen zum Bereich Medienkompetenz folgen Leitfragen und Zielvorstellungen von Medienkompetenz in der Gesellschaft. Danach schlie\u00c3\u0178t sich ein Kapitel zum Jugendschutz an, bevor die Zielgruppen der Ma\u00c3\u0178nahmen von Medienkompetenz sowie Handlungsempfehlungen gegeben werden. Alles in allem ein 90-Seiten Bericht, der sich gar nicht so einfach liest.<br \/>\nInhaltlich muss ich sagen bin ich ein wenig entt\u00c3\u00a4uscht (aber vielleicht darf man sich von politischen Papieren da auch nicht zu viel erwarten). Ziel von Medienkompetenz ist nach dem Bericht der Kommission eine <em>digitale Selbstst\u00c3\u00a4ndigkeit<\/em>. Diese beinhaltet dann folgende Ziele:<\/p>\n<blockquote><p>* technische Fertigkeiten (Umgang mit Hard- und Software, Grundverst\u00c3\u00a4ndnis vom Aufbau der Internets, Grundkenntnisse im Programmieren etc.), die vor allem auf das Verstehen von Zusammenh\u00c3\u00a4ngen und der Bef\u00c3\u00a4higung zum Selbstlernen abzielen;<br \/>\n* kritisches Hinterfragen von Inhalten (Quellen einsch\u00c3\u00a4tzen, Absichten von Sendern erkennen, Sensibilisierung f\u00c3\u00bcr Werbebotschaften etc. Das ist ebenso f\u00c3\u00bcr den Umgang mit &#8222;klassischen Medien&#8220; wichtig \u00e2\u20ac\u201c zum Beispiel Zeitungsprojekte, die auch f\u00c3\u00bcr den Umgang mit Online-Inhalten positive Effekte haben k\u00c3\u00b6nnen.);<br \/>\n* kompetenter Umgang mit der Informationsflut (Grundverst\u00c3\u00a4ndnis der Funktionsweise von Suchmaschinen; vermeiden von einseitiger Informationsauswahl, statt dessen sinnvolle Nutzung der Meinungsvielfalt im Netz);<br \/>\n* Risikobewusstsein (Kostenfallen, Datenschutz, Betrug, Missbrauch)<br \/>\n* Kreativit\u00c3\u00a4t beim Umgang mit und Schaffen von Inhalten, aber auch Grunds\u00c3\u00a4tzliches wie Werte und soziale Kompetenz (Problembewusstsein f\u00c3\u00bcr Cyberbullying, sich verantwortungsvoll bewegen in einem mehr oder weniger anonymen Raum etc.);<br \/>\n* Grundlagenkenntnis: beherrschen der Kulturtechniken Schreiben und Lesen,<br \/>\n* Informationskompetenz, also die F\u00c3\u00a4higkeit, Informationen zu bewerten und zu nutzen, Unbedeutendes auszusortieren sowie einsch\u00c3\u00a4tzen zu k\u00c3\u00b6nnen, wie viel Informationen situationsbezogen angegeben werden m\u00c3\u00bcssen\/k\u00c3\u00b6nnen;<br \/>\n* Bef\u00c3\u00a4higung zum Erstellen eigener Inhalte (Webseite, Blog, Film, Musik, eventl. Software- Entwicklung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Anhand dieser Ziele kann man zweierlei feststellen: W\u00c3\u00a4hrend am Anfang Sozialkompetenz beispielsweise zur Medienkompetenz gez\u00c3\u00a4hlt wurde (S. 13), findet sich diese hier kaum wieder. Selbst der Report identifiziert auf S. 12 Trends wie Mobilit\u00c3\u00a4t, Aktivit\u00c3\u00a4t und community-Orientierung. Jedoch tauchen diese Aspekte in den Zielen weniger auf. Ebenfalls sind die einzelnen Aspekte f\u00c3\u00bcr mich zu stark oft aus einer defizit\u00c3\u00a4ren und kritischen Sicht gepr\u00c3\u00a4gt, also zu negativ konnotiert. Warum geht es eigentlich bei Medienkompetenz immer nur um die Gefahren, und nie um Potenziale, die diese bieten? Warum nicht auch positive F\u00c3\u00a4higkeiten und Fertigkeiten unter Medienkompetenz fassen? Wichtig ist doch die Reflexion des eigenen Tuns, un dies in beide Richtungen.<br \/>\nZum anderen sieht man, dass sich in Definitionsveruschen immer mehr Medienkompetenz und Informationskompetenz ann\u00c3\u00a4hern, ein Moment, das ich in meiner Diss auch betont habe.<br \/>\nEs gibt mehrere Passagen, die spannend sind,\u00c2\u00a0 aber was mich am meisten erstaunt hat, ist die Verbindung von Medienkompetenzf\u00c3\u00b6rderung mit viralem Marketing. Im ersten Moment dachte ich, ich habe mich verlesen. Doch es wird wirklich virales Marketing als eine M\u00c3\u00b6glichkeit dargestellt, Medienkompetenz zu f\u00c3\u00b6rdern:<\/p>\n<blockquote><p>\u00e2\u20ac\u017eEin weiterer Ansatz zur verbesserten Medienkompetenzarbeit mit Sch\u00c3\u00bclern k\u00c3\u00b6nnte auch der gezielte Einsatz des so genannten viralen Marketings sein. Hierbei handelt es sich um eine Marketingform, die vor allem soziale Netzwerke und Medien nutzen, um mit aufmerksamkeitswirksamen Nachrichten auf ein Produkt, ein Ereignis oder \u00c3\u00a4hnliches hinzuweisen. Gef\u00c3\u00a4llt dies den Nutzerinnen und Nutzern, senden sie es beispielsweise an Freunde und Bekannte weiter. Auf diese Weise kann z.B. f\u00c3\u00bcr eine ein Kampagne maximaler Erfolg bei minimalem finanziellen Aufwand erzielt werden. Insofern kann virales Marketing \u00e2\u20ac\u201c entsprechend vorbereitet und eingesetzt \u00e2\u20ac\u201c ein wirksames Instrument zur Verbesserung der Medienkompetenz sein. Zumal nach dem Treffen mit Freunden die Internetnutzung die Freizeitbesch\u00c3\u00a4ftigung deutscher Kinder und Jugendlicher zwischen zehn und 18 Jahren ist (&#8230;)Die Besonderheit des viralen Marketings ist, dass hier nicht vordergr\u00c3\u00bcndig mit Ma\u00c3\u0178nahmen der Vermittlung von Medienkompetenz geworben wird. So k\u00c3\u00b6nnen beispielsweise im Zusammenhang mit Informationen zum Datenschutz in sozialen Netzwerken interaktive Grafiken, Spiele oder Wettbewerbe zur Beteiligung der Nutzer eingesetzt werden. Diese Ma\u00c3\u0178nahmen sind geeignet, ein Nachdenken \u00c3\u00bcber das eigene Verhalten im Internet anzuregen, dass dann auch auf andere Anwendungsbereiche \u00c3\u00bcbergreift \u00e2\u20ac\u0153<\/p><\/blockquote>\n<p>Virales Marketing als Methode der Medienkompetenzf\u00c3\u00b6rderung???? Klar, sollte man informelle Lernprozesse st\u00c3\u00a4rker in den Fokus nehmen, aber virales Marketing als Medienkompetenz? Wenn \u00c3\u00bcberhaupt, kann m.E. dadurch nur eine Informationsvermittlung geschehen, aber\u00c2\u00a0 Aufbau von aktiver und reflexiver Medienkompetenz ben\u00c3\u00b6tigt m.E. mehr als das einfache Anschauen eines \u00c3\u00bcber Facebook verbreiteten YouTube Filmchen oder netter Infographiken. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren, wenn mir jemand (vielleicht auch der Expertenkommission) dies n\u00c3\u00a4her erl\u00c3\u00a4utern kann. So lange finde ich es, na, sagen wir mal, &#8222;grenzwertig&#8220;.<\/p>\n<p>Und noch ein Detail geht mir durch den Kopf: Inwieweit ist es denn eigentlich noch gerechtfertigt, von Medienkompetenz zu sprechen? Wie differenziert und aussagekr\u00c3\u00a4ftig ist das Schlagwort eigentlich noch, wenn man Kompetenzen beschreiben m\u00c3\u00b6chte, die allt\u00c3\u00a4glich sind und die nicht mehr vom Medium ausgehen, das als als virtuell Gegenteil vom realen Leben aufgefasst wird, sondern genau so real ist, wie es die Welt nun mal ist. Das ubiquit\u00c3\u00a4r und \u00c3\u00bcberall einen Zugang in den Alltag bietet? Lenkt einen Medienkompetenz nicht immer gleich auf eine falsche F\u00c3\u00a4hrte, die zudem auch noch stark vom eigenen Medienbegriff abh\u00c3\u00a4ngig ist? Was w\u00c3\u00a4ren aber Alternativen? Dazu bei Gelegenheit an gleicher Stelle aber mehr \ud83d\ude42<\/p>\n<p>PS: Ein kleines, aber lustiges Detail von S. 82: Die AG Internet unter der Federf\u00c3\u00bchrung der Landesmedienanstalt des Saarlandes hat keinen Internetauftritt J Vielleicht ist das auch symptomatisch f\u00c3\u00bcr Medienkompetenz \u00e2\u20ac\u201c viele programmatische Forderungen, wenig Umsetzung.<\/p>\n<p>PPS: Spannend auch die Passagen, wo sich unterschiedliche Parteien nicht in der Formulierung und\/oder Aufnahme in den Bericht entscheiden konnten \ud83d\ude42<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>UPDATE<\/p>\n<p>Gut dazu passt auch folgendes Schmankerl aus meiner Twitter-Line: <a href=\"http:\/\/blog.zdf.de\/hyperland\/2011\/07\/medienkompetenz-wtf\/\" target=\"_blank\">&#8222;Medienkompetenz? WTF??&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist f\u00c3\u00bcr mich eine neue Verbindung &#8211; aber der Reihe nach: Nun liegt es seit Ende Juni vor, ein erster Entwurf der Projektgruppe Medienkompetenz der Enquete-Kommission \u00e2\u20ac\u017eInternet und digitale Gesellschaft\u00e2\u20ac\u0153 der Bundesregierung zum Thema \u00e2\u20ac\u017eMedienkompetenz\u00e2\u20ac\u0153 und endlich habe ich es geschafft, dieses Papier ganz zu lesen. Und was soll ich sagen: es ist nochmals [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,24,56,57],"tags":[],"class_list":["post-1769","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mandyschiefner","category-medien","category-medienkompetenz","category-reflexion"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1769","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1769"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1785,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1769\/revisions\/1785"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}