{"id":2068,"date":"2012-03-20T20:40:35","date_gmt":"2012-03-20T20:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=2068"},"modified":"2012-03-21T09:44:59","modified_gmt":"2012-03-21T09:44:59","slug":"byod-am-educamp-zwischen-visionen-und-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/byod-am-educamp-zwischen-visionen-und-widerstand\/","title":{"rendered":"BYOD am Educamp: zwischen Visionen und Widerstand?"},"content":{"rendered":"<p>Endlich bin ich dazu gekommen, meine Gedanken zum EduCamp zusammenzufassen: Am Wochenende fand das <a href=\"http:\/\/educamp.mixxt.de\/\" target=\"_blank\">EduCamp in K\u00c3\u00b6ln<\/a> statt. An der Kaiserin-Augusta-Schule diskutierten langj\u00c3\u00a4hrige Educamper vor allem \u00e2\u20ac\u201c aber nicht nur &#8211; mit Lehrerinnen und Lehrern den Medieneinsatz in der Schule. Richard Heinen und ich haben auch eine Session angeboten. Die Ausschreibung unter einer bewusst eher provokativ formulierten \u00c3\u0153berschrift lautete im Detail:<\/p>\n<blockquote><p>iPad-Projekte an Schulen sprie\u00c3\u0178en zur Zeit wie die Krokusse im Fr\u00c3\u00bchling aus dem Boden und zeigen wertvolle neue Nutzungsszenarien digitaler Medien auf. Doch fehlt meist die nachhaltige Sicherung der Finanzierung. Zudem zeigt die Erfahrung: Nach dem iPad kommt das n\u00c3\u00a4chste Device und damit wieder neue Projektrunden.<br \/>\nAuf der anderen Seite haben Jugendliche ihre Ger\u00c3\u00a4te heute schon im Rucksack und in der Hosentasche. Nur nutzen sie diese nicht f\u00c3\u00bcr die Schule. W\u00c3\u00bcrden sie diese jedoch im schulischen Alltag nutzen, damit k\u00c3\u00b6nnten eine Reihe von Problemen gel\u00c3\u00b6st werden<br \/>\n&#8211; Die Schule muss nicht mehr Enger\u00c3\u00a4te bereit halten<br \/>\n&#8211; Jede Sch\u00c3\u00bclergeneration bring ihr eigenes (neues) Ger\u00c3\u00a4t, so dass die schulische Infrastruktur auf dem neuesten Stand ist<br \/>\n&#8211; Neue, vielf\u00c3\u00a4ltige Ger\u00c3\u00a4tetypen wachsen in Schule hinein<br \/>\nGleichzeitig stellte dieses Szenario Schulen aber auch vor Herausforderung:<br \/>\n&#8211; Wie geht man mit einer Vielzahl von Betriebssystem und Anwendungen um?<br \/>\n&#8211; Wie kann privaten Ger\u00c3\u00a4ten Zugang zum schulischen Internet gegeben werden?<br \/>\n&#8211; Wie k\u00c3\u00b6nnen \u00e2\u20ac\u017esoziale H\u00c3\u00a4rten\u00e2\u20ac\u0153 vermieden werden?<br \/>\nIn der Session werden erste Erfahrungen einer Schule berichtet und das Konzept f\u00c3\u00bcr ein deutsch-niederl\u00c3\u00a4ndisches Projekt zur Diskussion gestellt. Gerne m\u00c3\u00b6chten Richard Heinen und ich mit euch Vor- und Nachteile eines solchen partizipativen Konzepts diskutieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Uns war es wichtig, einen Gegenpunkt zu den \u00c3\u00bcberall spriessenden Notebook-Projekten zu setzen. Nicht, weil wir diese nicht toll finden, sondern um zu zeigen, dass es kein Weg f\u00c3\u00bcr alle Schulen sein kann. Jedes neue Ger\u00c3\u00a4t wird euphorisch eingef\u00c3\u00bchrt und (Forschungs)Projekte besch\u00c3\u00a4ftigen sich damit, oft aber ausgehend von einer technologischen Ger\u00c3\u00a4teseite. Klar brauchen wir Erfahrungen, wie wir verschiedene Ger\u00c3\u00a4te zum Lehren und Lernen nutzen k\u00c3\u00b6nnen, aber wichtiger ist doch die Frage: Welches Bildungsproblem m\u00c3\u00b6chten wir eigentlich l\u00c3\u00b6sen, und muss es daf\u00c3\u00bcr unbedingt Ger\u00c3\u00a4t XY sein? Oder geht es beim Einsatz digitaler Medien nicht auch darum, Sch\u00c3\u00bcler und Sch\u00c3\u00bclerinnen mit einer breiten M\u00c3\u00b6glichkeit an Ger\u00c3\u00a4te und damit auch potenziell erwerbbaren Kompetenzen mitzugeben? Dies nur ein kurzer Einblick in die Gedanken, die wir uns so machen und warum uns das Thema so unter den N\u00c3\u00a4geln brennt.<\/p>\n<p>Nun m\u00c3\u00b6chte ich jedoch versuchen, an dieser Stelle die Diskussionsstr\u00c3\u00a4nge zusammenzuf\u00c3\u00bchren und einen Ausblick zu geben. Als Einstimmung soll das Bild von <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/adesigna\/6843370150\/sizes\/m\/in\/photostream\/\">Ralf<\/a> dienen, das er w\u00c3\u00a4hrend der Diskussion (nat\u00c3\u00bcrlich auf dem iPad \ud83d\ude09 ) angefertigt hat:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/adesigna\/6843370150\/sizes\/m\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"BYOD\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7046\/6843370150_fe2ffbbf4c.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gestartet haben wir die Pr\u00c3\u00a4sentation mit Originalzitaten aus einer Fallstudie, in der wir eine Schule systematisch betrachtet haben, die jetzt schon ein BYOD-Konzept eingef\u00c3\u00bchrt hat. Ziemlich gleich drehten sich die Fragen um das Thema Finanzierung und soziale Benachteiligung. K\u00c3\u00b6nnen wir von Eltern erwarten, dass sie den Kindern und Jugendlichen ein Ger\u00c3\u00a4t kaufen? Eine weitere Diskussion ergab sich um den Bereich Standardisierung in der Schule (Richard hat sie <a href=\"http:\/\/appendix-blog.de\/2012\/03\/19\/mein-erstes-mal-oder-von-revolutionaren-sprungen-und-permanentem-wandel\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> zusammengefasst, weswegen ich mich hier nicht mehr drauf beziehe, lediglich der Vergleich von Lisa Rosa zwischen Schuluniformen und Standardger\u00c3\u00a4ten gefiel mir sehr gut).<\/p>\n<p>Mir ist ein Aspekt wichtig, der auch anklang: die Frage, ob sich \u00e2\u20ac\u017edas Problem der digitalen Medien in der Schule\u00e2\u20ac\u0153 von selbst l\u00c3\u00a4uft, ob irgendwann einfach \u00e2\u20ac\u017edie medienaffine\u00e2\u20ac\u0153 Jugend in die Schule und sp\u00c3\u00a4ter in die Lehrerbildung kommt. Je l\u00c3\u00a4nger je mehr m\u00c3\u00b6chte ich dieser These vehement widersprechen. Es ist nicht so, dass man das Problem mit nachwachsenden Generationen l\u00c3\u00b6st, das f\u00c3\u00bchrt sowohl der Schulleiter in unserer Schule an, als auch verschiedene Studien: so wurde beispielsweise in meiner Dissertation verschieden Kulturen der Lehrerausbildung sichtbar, und auch die nachfolgenden Generationen sind nicht homogen in ihrer Mediennutzung, worauf z.B. die Kritik von Rolf Schulmeister abzielt oder auch die Untersuchungen von Antoine van den Beemt hinweisen (hier). Es wird sich nicht einfach \u00e2\u20ac\u017ebiologisch\u00e2\u20ac\u0153 \u00c3\u00a4ndern \u00e2\u20ac\u201c es braucht immer noch Initiative(n) und vor allem eine Hochschul- und Lehrerausbildung, die dieses Thema ernst nimmt, und zwar fl\u00c3\u00a4chendeckend in Deutschland, nicht nur an einigen Hochschulen, in denen Medienp\u00c3\u00a4dagogik als Fachgebiet angesiedelt ist.<\/p>\n<p>Eine weitere Diskussion entbrannte um die Frage der \u00c3\u0153bergabe von Verantwortung durch Sch\u00c3\u00bclerinnen und Sch\u00c3\u00bcler: Durch personifizierte Ger\u00c3\u00a4te sind Sch\u00c3\u00bclerinnen und Sch\u00c3\u00bcler selbstverantwortlich auch daf\u00c3\u00bcr, wenn das Ger\u00c3\u00a4t mal nicht funktioniert. W\u00c3\u00a4hrend einige in den Raum warfen, dass man als Lehrperson nicht mehr kontrollieren kann, was Sch\u00c3\u00bclerinnen und Sch\u00c3\u00bcler machen, warfen andere den Blick auf die Herausforderungen. Folgende Zitate aus dem <a href=\"http:\/\/openetherpad.org\/Cl5JdgwRnX\" target=\"_blank\">etherpad<\/a> veranschaulichen die Standpunkte sehr sch\u00c3\u00b6n:<\/p>\n<blockquote><p>\u00e2\u20ac\u017eWarum k\u00c3\u00b6nnen wir Lehrer hier nicht mal loslassen und Verantwortung abgeben. Vertrauen in die Sch\u00c3\u00bcler ist ein punkt, den ich an ganz vielen Stellen vermisse!!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n\u00e2\u20ac\u017eEinfache Antwort: Zu glauben, dass Sch\u00c3\u00bcler immer so intrinsisch motiviert sind, dass sie den Verlockungen von FB auf dem Smartphone widerstehen k\u00c3\u00b6nnen, ist naiv. Schule ohne Kontrolle ist eine ideologisch verbr\u00c3\u00a4mte Wunschvorstellung, die nicht mit der Realit\u00c3\u00a4t zu tun hat. Mobile Ger\u00c3\u00a4te: Ja! Aber im Unterricht nur, wenn es Sinn macht. Und das kann man nur durch Kontrolle garantieren.\u00e2\u20ac\u0153<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie in jeder Diskussion zum Einsatz digitaler Medien in der Schule kam auch im Diskussionskreis die Frage nach rechtlicher Verantwortung auf, vor allem, wenn die Ger\u00c3\u00a4te pers\u00c3\u00b6nliche Ger\u00c3\u00a4te sind. Was ist mit Internetnutzung, was wenn die Sch\u00c3\u00bcler Ballerspiele auf dem Rechner haben, was machen wir, wenn sie illegal downloaden, wie sieht das mit der Aufsichtspflicht aus usw. \u00e2\u20ac\u201c Ja, was machen wir da? Richards und meine Antwort ist an dieser Stelle: abwarten, mal schauen, was kommt, den Sch\u00c3\u00bclerinnen und Sch\u00c3\u00bclern Autonomie in die Hand geben, und vor allem erstmal die Vorteile sehen, anstatt gleich in gewohnter Manier an die Probleme und H\u00c3\u00bcrden zu denken. Daher auch das Statement einer\/s Unbekannten im Etherpad:<\/p>\n<blockquote><p>\u00e2\u20ac\u017eIch wundere mich, dass hier im Etherpad immer nur Bedenken\/Fragen eingebracht werden. Wo bleiben die Ideen\/Visionen? einfach mal eine Sache ausprobieren!!\u00e2\u20ac\u0153<\/p><\/blockquote>\n<p>Von daher gef\u00c3\u00a4llt mir das Statement einer Schulentwicklerin, nicht nur die \u00e2\u20ac\u017elangen Listen der Formen von Widerstand\u00e2\u20ac\u0153 zu betrachten, sondern den Blick auf Erfolgsmomente zu richten. Wie wurden Widerst\u00c3\u00a4nde bislang \u00c3\u00bcberwunden und neue Medien in den Unterricht eingebunden? Ich denke, hier liefert die Fallstudie zumindest einen Ansatz \ud83d\ude09 &#8211; nun hei\u00c3\u0178t es aber, mit Hochdruck weiter daran arbeiten.<\/p>\n<p>Und um mit einem Bonmot aus dem Etherpad zu schliessen: &#8222;Wer etwas will, sucht nach M\u00c3\u00b6glichkeiten. Wer etwas nicht will, sucht nach Ausreden.&#8220; Quelle unbekannt<\/p>\n<p><strong>NACHTRAG 21.03.2012<\/strong>:<\/p>\n<p>Wer die Session nochmals &#8222;nachh\u00c3\u00b6ren&#8220; will, f\u00c3\u00bcr den gibt es <a href=\"http:\/\/soundcloud.com\/ue_trainer\/byod-bring-your-own-sevice\">hier<\/a> eine Audioaufzeichnung. Herzlichen Dank an dieser Stelle an <a href=\"http:\/\/twitter.com\/#!\/ue_trainer\">Tim Krumk\u00c3\u00bchler<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich bin ich dazu gekommen, meine Gedanken zum EduCamp zusammenzufassen: Am Wochenende fand das EduCamp in K\u00c3\u00b6ln statt. An der Kaiserin-Augusta-Schule diskutierten langj\u00c3\u00a4hrige Educamper vor allem \u00e2\u20ac\u201c aber nicht nur &#8211; mit Lehrerinnen und Lehrern den Medieneinsatz in der Schule. Richard Heinen und ich haben auch eine Session angeboten. 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