{"id":2104,"date":"2012-06-14T18:59:59","date_gmt":"2012-06-14T18:59:59","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=2104"},"modified":"2012-06-14T18:59:59","modified_gmt":"2012-06-14T18:59:59","slug":"transparenz-und-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/transparenz-und-bildung\/","title":{"rendered":"Transparenz und Bildung"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben in einer Transparenzgesellschaft &#8211; alles wird sichtbar, nichts bleibt mehr im Geheimen und Verborgenen. Ob Wiki Leaks, Transparency International oder die Piraten Partei \u00e2\u20ac\u201c durch mehr Transparenz soll sichtbar werden, was bisher als Information nicht zug\u00c3\u00a4nglich war. Damit verbunden sind Hoffnungen, die man ad hoc vielleicht als Aufdeckung von Missst\u00c3\u00a4nden, Ungerechtigkeiten oder sogar Verbotenem bezeichnen k\u00c3\u00b6nnte. Transparenz hat in diesem Sinne einen aufkl\u00c3\u00a4renden Anspruch. Transparenz kann aber auch bedeuten, \u00c3\u2013ffentlichkeit dort zu erzeugen, wo bisher keine oder nur eine eingeschr\u00c3\u00a4nkte \u00c3\u2013ffentlichkeit war.\u00c2\u00a0 Transparenz hat viele Gesichter. In jedem Fall ist Transparenz positiv konnotiert.<\/p>\n<p>Transparenz hat aber auch eine andere Seite, dann, wenn es um die Transparenz von Personen, um Fragen des Datenschutzes geht. Im Mittelpunkt stehen dabei die Daten im Netz, die freiwillig hinterlassen werden oder die sich als individuelle Spur im Web verfolgen, sammeln und verwerten lassen. Der (gl\u00c3\u00a4serne) B\u00c3\u00bcrger hinterl\u00c3\u00a4sst eine Transparenz, die nicht erw\u00c3\u00bcnscht ist. Der zun\u00c3\u00a4chst positive Blick auf die Transparenz bekommt damit auch eine negative Seite.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Ambivalenz stellt sich die Frage, wie sich die &#8222;Transparenzgesellschaft&#8220; (Byung Chul Han) im Bildungsbereich niederschl\u00c3\u00a4gt. Zun\u00c3\u00a4chst sind mir eine Reihe von Beispielen eingefallen: Chronologisch betrachtet l\u00c3\u00a4sst sich bereits im Kindergarten anfangen: \u00e2\u20ac\u017e\u00c3\u0153ber das Internet k\u00c3\u00b6nnen Eltern jederzeit durch die schwarz\u00c3\u00a4ugigen Objektive linsen und schauen, wie die Betreuerinnen die lieben Kleinen behandeln.\u00e2\u20ac\u0153 (<a href=\"http:\/\/www.fink-brandenburg.de\/detailce39.html?artikelid=1625\">Link<\/a>). Auf der n\u00c3\u00a4chsten Sprosse der Bildungsleiter zeigt sich, dass man das Kindergartensystem auch umdrehen kann. Nicht die Eltern beobachten die Kinder in im Kindergarten, sondern die Lehrer die Sch\u00c3\u00bcler &#8211; wobei der interessante Punkt ist, dass sie die Sch\u00c3\u00bcler zu Hause beobachten (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2010-02\/schule-spionage-webcam\">Link<\/a>). Im Hochschulbereich werden seit einigen Jahren verst\u00c3\u00a4rkt Vorlesungsaufzeichnungen eingesetzt \u00e2\u20ac\u201c teilweise \u00e2\u20ac\u017efl\u00c3\u00a4chendeckend\u00e2\u20ac\u0153, z.B. f\u00c3\u00bcr alle Vorlesungen eines Fachbereichs. Fortsetzen lassen sich diese Beispiele \u00c3\u00bcber eher indirekte Formen der Transparenz, wie z.B. die Offenlegung von Evaluationsergebnisse von Bildungseinrichtungen, Rankings oder \u00c3\u00b6ffentliche Bewertungen von Lehrenden durch Sch\u00c3\u00bcler und Studierende. Auf einer dritten Ebene geht es schlie\u00c3\u0178lich um die Transparenz von Abschl\u00c3\u00bcssen und Kompetenzen. Ob im europ\u00c3\u00a4ischen Ma\u00c3\u0178stab oder in Unternehmen; Es soll transparent werden, was wer kann und welcher Abschluss was Wert ist.<\/p>\n<p>Die Beispiele repr\u00c3\u00a4sentieren sehr unterschiedliche Sichtweisen auf Transparenz, wobei ich hier keine Bewertung vornehmen m\u00c3\u00b6chte. Die Absicht mag dabei in allen F\u00c3\u00a4llen gut (begr\u00c3\u00bcndet) sein. Die Frage ist, was ein angemessener Umgang mit Transparenz ist, was f\u00c3\u00bcr wen transparent sein sollte und schlie\u00c3\u0178lich wie mit Transparenz im Bildungsbereich umgegangen wird und werden soll? Was die Ursachen und Folgen der Transparenzforderung? Und angesichts der postiven Konnotierung von Transparenz stellt sich die Frage, was negative Folgen der Transparenz im Bildungsbereich sein k\u00c3\u00b6nnen. Ver\u00c3\u00a4ndert sich dadurch das Verhalten von Erziehenden, Lehrenden und Lernenden? Gibt es noch Freir\u00c3\u00a4ume, gesch\u00c3\u00bctzte R\u00c3\u00a4ume f\u00c3\u00bcr Fehler und fehlerhaftes (=lernenden) Verhalten? Man muss sich auch vor Augen f\u00c3\u00bchren, dass es bei der Transparenz von Organisationen nicht nur um Prozesse geht, sondern auch um Menschen, die in diesen Organisationen t\u00c3\u00a4tig sind.<\/p>\n<p>Ein mehr an Informationen, so wie sie die Transparenz bietet, muss dabei nicht immer ein mehr an Qualit\u00c3\u00a4t und Sicherheit bedeuten. Transparenz kann auch nur eine Illusion sein, gerade wenn\u00c2\u00a0 Transparenz erzeugt werden soll. Ohne Vertrauen wird es nicht gehen &#8211; auch oder vielleicht gerade im Bildungsbereich. Eine Reflexion \u00c3\u00bcber Transparenz im Bildungsbereich erscheint mir daher zunehmend notwendig.<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Byung-Chul Han (2012): Transparenzgesellschaft. Matthes &amp; Seitz: Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in einer Transparenzgesellschaft &#8211; alles wird sichtbar, nichts bleibt mehr im Geheimen und Verborgenen. 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