{"id":237,"date":"2006-07-18T21:14:05","date_gmt":"2006-07-18T19:14:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/?p=340"},"modified":"2006-07-18T21:14:05","modified_gmt":"2006-07-18T19:14:05","slug":"kopiertes-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/kopiertes-wissen\/","title":{"rendered":"Kopiertes Wissen"},"content":{"rendered":"<p>Thorsen Lorenz widmet sich in seinem lesenswertem Artikel einem Medium, das nie in der E-Learning Diskussion beachtet wird &#8211; dem Kopierer.<br \/>\nDabei hat der \u00c2\u00abblinde Fleck\u00c2\u00bb der (Medien)p\u00c3\u00a4dagogik aber enorme Auswirkungen auf Bildungsprozesse. Was f\u00c3\u00bcr mich neu war, war die urspr\u00c3\u00bcngliche Bedeutung von Kopie, denn &#8222;Kopie heisst im pr\u00c3\u00a4zisen Sinne nicht Reproduktion, sondern Zusammenstellung von disparaten Informations-Teilen, Bruchst\u00c3\u00bccken&#8220; (S. 4). Dazu entwickelt er einige interessante Thesen:<\/p>\n<blockquote><p>Mit der Kopie stirbt die Kultur der Exzerpte. Keine Zusammenfassungen, keine Verdingungen, sondern Hervorhebungen. Keine Paraphrasen, sondern Farbunderlays mit Textlinern. Keine Sprachbildung, sondern Textkopien. (S. 6)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das h\u00c3\u00b6rt sich auf den ersten Blick sehr pesimistisch an. Der Artikel schwankt dann auch immer zwischen einer Bildungsdiskussion auf der einen und einer Verdammung von Computertechnik auf der anderen Seite. Allerdings haben die hervorgebrachten Argumente eine Evidenz, die immer wieder aufbricht, sei es bei der Diskussion um Plagiate (z.B. <a href=\"http:\/\/www.kerres.de\/node\/2533\">hier<\/a>), sei es bei der Diskussion um die Erzeugung von Informationen, die kein neues Wissen mehr erhalten, sondern selbstreferentiell durch das Netz geistern. Was jedoch f\u00c3\u00bcr mich die st\u00c3\u00a4rkste Aussage des Artikels ist:<\/p>\n<blockquote><p>Der Essay und sein Herzst\u00c3\u00bcck, die Kritik, stirbt, die modularen Bestandteile werden unsichtbar und autorlos am Bildschirm aneinander gereiht. [&#8230;] Heute werden Sch\u00c3\u00bcler nicht mehr zu Autoren, sondern zu Verarbeitern von Kopien &#8211; ob an Hardcopys oder an Bildschirmen. [&#8230;] Vor dem Bildschirm k\u00c3\u00b6nne man sich nicht mehr kritisch verhalten (S. 7\/8)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich bin nicht der Meinung, dass die Kritikf\u00c3\u00a4higkeit dadurch sinkt. Es sinkt die technische Machbarkeit, und oft siegt m.E. nach die Einfachheit des copy&amp;paste. Aber genau hier muss m.E. nach ein Konzept von Medienkompetenz starten, das auch explizit Medienkritik im Auge hat. Dies h\u00c3\u00a4ngt jedoch auch von den Lehrenden ab. Wenn man Aufgaben erreichen kann, in denen es reicht, einfach gute Aussagen per copy&amp;paste hintereinander zu f\u00c3\u00bcgen, dann stimmt im gesamten Prozess etwas nicht. Immer wichtiger wird die Kompetenz, einen Text auch logisch aufzubauen und argumentativ seine Thesen zu st\u00c3\u00bctzen. Und dieser Punkt ist meines Erachtens im heutigen Bildungssystem noch deutlich unterrepr\u00c3\u00a4sentiert. Was macht eigentlich eine gute Argumentation aus, was zeigt, dass sich der Autor kritisch mit einem Text besch\u00c3\u00a4ftigt resp. einen Text erstellt? Hier muss meines Erachtens nach ein grosser Schritt noch getan werden.Alles in allem bietet der Artikel aber einige Denkans\u00c3\u00a4tze, die in der heutigen Diskussion aktueller denn je erscheinen.<\/p>\n<p><strong>Quelle<\/strong>: Lorenz, T. (2006). <a href=\"http:\/\/www.medienpaed.com\/05-2\/lorenz05-2.pdf\">Kopiertes Wissen: Das Verschwinden der Bildung im Zeitalter von Copy &amp; Paste. Ein Essay<\/a><\/p>\n<blockquote><p><strong>Abstract:<\/strong> Seit einigen Jahren findet ein spannender, aber nicht leicht einsehbarer Machtkampf im Bildungsbereich statt. Etwas vereinfacht gesagt stehen auf der einen Seite die Massen(bildungs)medien mit ihren vermeintlich generalisierten, hochstandardisierten, linearisierten Formen des Lernens. Auf der anderen Seite dr\u00c3\u00a4ngen zunehmend Individualmedien, die man heute lerntheoretisch gerne mit dem Begriff der Selbstorganisation des Lerners assoziiert. Der Mainstream lautet: Die neuen Medien-Technologien unterst\u00c3\u00bctzen Bildungssysteme, gerade weil sie den Lerner, den Lernvorgang, die Wissensaneignung individuell, pers\u00c3\u00b6nlich, emphatisch gesagt human gestalten. Die Kr\u00c3\u00a4nkung, an Massenmedien produktions- und sendetechnisch nicht teilhaben zu d\u00c3\u00bcrfen, wird so elegant kompensiert. Dies geschieht auf janusk\u00c3\u00b6pfige Weise. Massenmedien werden medienp\u00c3\u00a4dagogisch beobachtet, Individualtechnologien aber setzt man ein und versieht sie mit einer Mediendidaktik.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorsen Lorenz widmet sich in seinem lesenswertem Artikel einem Medium, das nie in der E-Learning Diskussion beachtet wird &#8211; dem Kopierer. Dabei hat der \u00c2\u00abblinde Fleck\u00c2\u00bb der (Medien)p\u00c3\u00a4dagogik aber enorme Auswirkungen auf Bildungsprozesse. 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