{"id":2948,"date":"2014-09-23T18:33:43","date_gmt":"2014-09-23T18:33:43","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=2948"},"modified":"2014-09-23T08:59:36","modified_gmt":"2014-09-23T08:59:36","slug":"herausforderung-forschenden-lernens-was-ist-eigentlich-forschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/herausforderung-forschenden-lernens-was-ist-eigentlich-forschung\/","title":{"rendered":"Herausforderungen forschenden Lernens: z.B. Was ist eigentlich Forschung?"},"content":{"rendered":"<p>Ich sitze auch an der Vorbereitung f\u00c3\u00bcr ein neues Seminar zur Schul- und Unterrichtsforschung, in dem die Studierenden auch eigene Forschungsanteile haben. Aus dem letzten Semester habe ich in Erinnerung, dass es den Studierenden schwer fiel, eine Forschungsfrage zu finden &#8211; vermeintlich alles war doch schon erforscht, so die Meinung im Seminar.<\/p>\n<p>Nun\u00c2\u00a0bin ich auf einen Artikel von Hans-J\u00c3\u00b6rg Rheinberger gesto\u00c3\u0178en. Unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.cogitofoundation.ch\/pdf\/2006\/061025DieKunst_dasUnbekannte.pdf\" target=\"_blank\">&#8222;\u00c3\u0153ber die Kunst, das Unbekannte zu erforschen&#8220;<\/a> widmet er sich genau dieser Problematik, der Suche nach Neuem in der Wissenschaft und dem darin innewohnenden Moment des Handelns unter\u00c2\u00a0(scheinbarer) Zielfreiheit.<\/p>\n<p>Er beginnt seinen Text mit einem Zitat aus der Kunstgeschichte:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Jeder K\u00c3\u00bcnstler arbeitet im Dunkeln\u00c2\u00a0und wird nur von den Tunnels und Sch\u00c3\u00a4chten fr\u00c3\u00bcherer Werke geleitet, w\u00c3\u00a4hrend er einer Ader folgt in der Hoffnung, auf eine Goldgrube zu sto\u00c3\u0178en. Zeitgleich aber \u00c2\u00a0muss er f\u00c3\u00bcrchten, dass die Ader schon morgen ausgesch\u00c3\u00b6pft sein kann&#8220; \u00c2\u00a0(S. 1)<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8211; f\u00c3\u00bcr ihn, und ebenso f\u00c3\u00bcr mich, ein Sinnbild auch wissenschaftlichen Handelns. Denn:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Man kann das Forschen also als eine Suchbewegung charakterisieren, die sich aufs er Grenze zwischen Wissen und dem Nichtwissen bewegt. Das Grundproblem besteht darin, das man nicht genau wei\u00c3\u0178, was man nicht wei\u00c3\u0178&#8220; (S. 3).<\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl er sich sehr auf die Biologie und damit auf die Naturwissenschaften bezieht, sind doch einige Hinweise auch gerade f\u00c3\u00bcr die Sozialwissenschaften relevant, so beispielsweise die Beschr\u00c3\u00a4nkung des Abstraktionsradius und die Notwendigkeit der Fokussierung auf einen Ausschnitt des Geschehens (S. 2). Interessant ist die Frage dann auch nach dem Experiment, das er als &#8222;\u00c3\u0153berraschungsgenerator&#8220; oder als &#8222;Maschine zur Herstellung von Zukunft&#8220; beschreibt.\u00c2\u00a0W\u00c3\u00a4hrend hier der ein oder andere an quasi-experimentelle Designs in der Bildungswissenschaft denkt, ist aber aus meiner Perspektive auch das Design der Design-Based Research Forschung hier gut ankn\u00c3\u00bcpfbar.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das: Am Ende des Artikels bezieht er sich auch auf das Schreiben als wissenschaftlichem Suchprozess, denn er behauptet,<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das Schreiben (&#8230;) ist selbst ein Experimentalstem. Es ist eine Versuchsanordnung. Es ist nicht nur ein Aufzeichnen von Daten, Tatbest\u00c3\u00a4nden oder Ideen. Es ist auch nicht einfach der billige Ersatz f\u00c3\u00bcr die lebendige Rede. Es ist nicht einfach das transparente Medium der Gedanken. Es gibt ihnen eine materielle Verfassung und zwar eine, die da Entstehen von Neuem erm\u00c3\u00b6glicht.&#8220; (S. 5).<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier sind zum einen\u00c2\u00a0auch &#8222;die anderen&#8220; Wissenschaften gut ankn\u00c3\u00bcpfbar, und das Schreiben erh\u00c3\u00a4lt im Forschungsprozess eine eigene Dignit\u00c3\u00a4t und l\u00c3\u00b6st sich vom Gedanken des &#8222;nur noch schnell zusammenschreibens&#8220;.<\/p>\n<p>Alles in allem also ein kurzer Text, der aber sehr pr\u00c3\u00a4gnant einige Perspektiven auf die Forschungst\u00c3\u00a4tigkeit liefert &#8211; ich bin gespannt, wie die Auseinandersetzung damit im Wintersemester gelingt.<\/p>\n<p>&#8211;<\/p>\n<p>Quelle: Rheinberger, H.-J. (2006).\u00c2\u00a0<a href=\"http:\/\/www.cogitofoundation.ch\/pdf\/2006\/061025DieKunst_dasUnbekannte.pdf\" target=\"_blank\">&#8222;\u00c3\u0153ber die Kunst, das Unbekannte zu erforschen&#8220;<\/a>. Vortrag anl\u00c3\u00a4sslich der\u00c2\u00a0Preisverleihung der cogito foundation, Z\u00c3\u00bcrich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze auch an der Vorbereitung f\u00c3\u00bcr ein neues Seminar zur Schul- und Unterrichtsforschung, in dem die Studierenden auch eigene Forschungsanteile haben. Aus dem letzten Semester habe ich in Erinnerung, dass es den Studierenden schwer fiel, eine Forschungsfrage zu finden &#8211; vermeintlich alles war doch schon erforscht, so die Meinung im Seminar. 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