{"id":356,"date":"2006-12-14T20:30:44","date_gmt":"2006-12-14T19:30:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/?p=500"},"modified":"2006-12-14T20:30:44","modified_gmt":"2006-12-14T19:30:44","slug":"500","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/500\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Ich habe gerade Max Webers \u00c2\u00abWissenschaft als Beruf\u00c2\u00bb gelesen und habe meine Lieblingsstelle gefunden:<br \/>\n\u00c2\u00abJeder junge Mann, der sich zum Gelehrten berufen f\u00c3\u00bchlt, muss sich vielmehr klarmachen, dass die Aufgabe, die ihn erwartet, ein Doppelgesicht hat. Er soll qualifiziert sein als Gelehrter nicht nur, sondern auch: als Lehrer. Und beides f\u00c3\u00a4llt ganz und gar nicht zusammen. Es kann jemand ein ganz hervorragender Gelehrter und ein geradezu entsetzlich schlechter Lehrer sein.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nWenn es von einem Dozenten heisst: er ist ein schlechter Lehrer, so ist das f\u00c3\u00bcr ihn meist das akademische Todesurteil, mag er der allererste Gelehrte der Welt sein. Die Frage aber: ob einer ein guter oder ein schlechter Lehrer ist, wird beantwortet durch die Frequenz, mit der ihn die Herren Studierenden beehren. Nun ist es aber eine Tatsache, dass der Umstand, dass die Studenten einem Lehrer zustr\u00c3\u00b6men, in weitestgehendem Masse von reinen \u00c3\u201eusserlichkeiten bestimmt ist: Temperament, sogar Stimmfall -, in einem Grade, wie man es nicht f\u00c3\u00bcr m\u00c3\u00b6glich halten sollte.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nNun ist es freilich andererseits wahr: die Darlegung wissenschaftlicher Probleme so, dass ein ungeschulter, aber aufnamef\u00c3\u00a4higer Kopf sie versteht, und dass er &#8211; was f\u00c3\u00bcr uns das allein Entscheidende ist &#8211; zum selbstst\u00c3\u00a4ndigen Denken dar\u00c3\u00bcber gelangt, ist vielleicht die p\u00c3\u00a4dagogisch schwierigste Aufgabe von allen. Und &#8211; um wieder auf unser Thema zu kommen &#8211; eben diese Kunst ist eine pers\u00c3\u00b6nliche Gabe und f\u00c3\u00a4llt mit den wissenschaftlichen Qualit\u00c3\u00a4ten eines Gelehrten ganz und dar nicht zusammen. Im Gegensatz zu Frankreich aber haben wir keine K\u00c3\u00b6rperschaft der *Unsterblichen&#8220; der Wissenschaft, sondern es sollen unserer Tradition gem\u00c3\u00a4ss die Universit\u00c3\u00a4ten beiden Anforderungen: der Forschung und der Lehre, gerecht werden. Ob die F\u00c3\u00a4higkeiten dazu sich aber in einem Menschen zusammenfinden, ist absoluter Zufall.\u00c2\u00bb (Max Weber, 2002, S. 9-10)<\/p>\n<p>Was ist hier nicht alles enthalten \ud83d\ude42<br \/>\nHinweise zur Lehrevaluation, das immer gespaltene Verh\u00c3\u00a4ltnis zwischen Forschung und Lehre an Universit\u00c3\u00a4ten und bei der T\u00c3\u00a4tigkeit der Professoren,  das Ziel der Lehre als selbstst\u00c3\u00a4ndiges, kritisches Denken, usw. Wenn man sich \u00c3\u00bcberlegt, dass dieser Vortrag  schon fast 90 Jahre alt ist, dann frage ich mich:<br \/>\nHaben wir in \u00c3\u00bcber 90 Jahren nichts hinzugelernt, oder sind die Themen so evident, dass sie sich statisch durch die Universit\u00c3\u00a4tsentwicklung hindurchziehen, ohne wirkliche Ver\u00c3\u00a4nderung hinsichtlich der Kluft zwischen Forschung und Lehre zu erfahren?<br \/>\nAuch der Vergleich zwischen deutschen und amerikanischen Universit\u00c3\u00a4ten ist m.E. zum Teil immer noch aktuell.<\/p>\n<p>Wer den Text nachlesen m\u00c3\u00b6chte (was ich empfehlen kann \ud83d\ude09 ) kann das offline bei Reclam oder online <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.textlog.de\/weber_wissen_beruf.html\">hier<\/a> tun.<\/p>\n<p>\u00c3\u0153brigens: Eine Erkenntnis Webers: \u00c2\u00abZufall spielt in der akademischen Laufbahn eine grosse Rolle.\u00c2\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gerade Max Webers \u00c2\u00abWissenschaft als Beruf\u00c2\u00bb gelesen und habe meine Lieblingsstelle gefunden: \u00c2\u00abJeder junge Mann, der sich zum Gelehrten berufen f\u00c3\u00bchlt, muss sich vielmehr klarmachen, dass die Aufgabe, die ihn erwartet, ein Doppelgesicht hat. Er soll qualifiziert sein als Gelehrter nicht nur, sondern auch: als Lehrer. Und beides f\u00c3\u00a4llt ganz und gar nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-356","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mandyschiefner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/356","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=356"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/356\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}