{"id":387,"date":"2007-01-28T17:22:57","date_gmt":"2007-01-28T16:22:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/?p=565"},"modified":"2007-01-28T17:22:57","modified_gmt":"2007-01-28T16:22:57","slug":"weblogs-psychohygiene-oder-meinungsmacher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/weblogs-psychohygiene-oder-meinungsmacher\/","title":{"rendered":"Weblogs: Psychohygiene oder Meinungsmacher"},"content":{"rendered":"<p>In der zs (der Zeitung f\u00c3\u00bcr Z\u00c3\u00bcrichs Studierende)  gab es in der Dezemberausgabe einen Schwerpunkt mit dem Titel \u00c2\u00abWeblogs: Psychohygiene oder Meinungsmacher\u00c2\u00bb. Zwei Artikel waren abgedruckt, zum einen von Andreas Eberhard &#8222;Weblogs &#8211; eine journalistische Plage&#8220; und zum anderen Florian Frey &#8222;Psychohygiene in der anonymen \u00c3\u2013ffentlichkeit&#8220;.<\/p>\n<p>Es gab einige interessante Punkte, die ich hier gerne hervorheben m\u00c3\u00b6chte. Joseph Trappel vom Institut f\u00c3\u00bcr Publizistikwissenschaft der Universit\u00c3\u00a4t Z\u00c3\u00bcrich betrachtet die Weblogs oft gesagte unbegrenzte M\u00c3\u00b6glichkeit der freien Meinungs\u00c3\u00a4usserung (sog. \u00c2\u00abGraswurzeljournalismus\u00c2\u00bb) durchaus als gescheitert. Blogs, die eine wirkliche Auswirkung auf die \u00c3\u00b6ffentliche Meinung h\u00c3\u00a4tten, k\u00c3\u00a4men meist aus den Medienkonzernen selber, der einzelne Blogger hat nicht den Einfluss.<\/p>\n<p>Die Volkskundlerin Waltraut Bellwald hat sich von einer anderen Seite, n\u00c3\u00a4mlich der der Kulturwissenschaft den Weblogs gen\u00c3\u00a4hert. In einer teilnehmenden Beobachtung (sie hat selber einen Weblog betrieben) kommt sie zu folgender Einsicht:<\/p>\n<blockquote><p>Im Gegensatz zu anderen Formen der Kommunikation ist im Rahmen eines Blogs aufgrund seiner Form fast alles m\u00c3\u00b6glich. Es besteht auch ein gr\u00c3\u00b6sserer Reiz, sich auf diese Art mitzuteilen, weil potenziell ein gr\u00c3\u00b6sseres Publikum ansprechbar ist (das ganze world wide web). Und: Der Autor kann sich in der Anonymit\u00c3\u00a4t vermummen. Manche Bemerkung oder Meldung w\u00c3\u00bcrde man im \u00c3\u00b6ffentlichen oder privaten Gespr\u00c3\u00a4ch nicht \u00c3\u00a4ussern. Man kann sie aber getrost anonym in seinem Blog kundtun &#8211; und hat sich so etwas von der Seele geschrieben, das man sonst belastend mit sich herumgetragen h\u00c3\u00a4tte. Der Blog als Art Psychohygiene sozusagen. (Quelle: Frey, F. (2006). Psychohygiene in der anonymen \u00c3\u2013ffentlichkeit. zs, nr. .4\/85, dezember 2006, S. 9)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich denke, dies ist vor allem abh\u00c3\u00a4ngig davon, welche Art von Weblog man betreibt. Diese These ist nur f\u00c3\u00bcr einen Teil der Blogger richtig, n\u00c3\u00a4mlich diejenigen, die das Weblog als pers\u00c3\u00b6nliches oder intimes Tagebuch nutzen. Es gibt jedoch eine Anzahl von Typen und Ver\u00c3\u00b6ffentlichungsformen, die diese These nicht unterst\u00c3\u00bctzen. Oft bloggt man gar nicht anonym, sondern unter seinem eigenen Namen. In meiner Blogroll befindet sich kein anonymer Weblog, vielleicht aber auch daher, da wir ein mehr oder weniger festgestetztes Thema haben, \u00c3\u00bcber das wir bloggen. Ein Tagebuch ist das Weblog aus meinem Bekanntenkreis f\u00c3\u00bcr wenige. Ein Wissensmanagement- oder Kontaktsystem schon eher. Und da hat Psychohygiene nichts zu suchen. Man sieht also, dass man eigentlich nicht von DEN Blogs sprechen kann. Es gibt sehr unterschiedliche Formen, die auch jedes f\u00c3\u00bcr sich andere Aussagen zu lassen. Es gibt Weblogs, die als pers\u00c3\u00b6nliches Wissensmanagement dienen, es gibt Weblogs, die der Reflexion \u00c3\u00bcber eine Dissertation oder \u00c3\u00a4hnliches dienen, es gibt Weblogs, die aus dem beruflichen Alltags des einzelnen berichten, usw. Hier gibt es eine F\u00c3\u00bclle von Anwendungs- und somit Unterscheidungskriterien.  Dies l\u00c3\u00a4sst sich auch sch\u00c3\u00b6n mit einer Aussage belegen, die Frey ein wenig sp\u00c3\u00a4ter bringt:<\/p>\n<blockquote><p>Schwieger ist in Anbetracht des raschen Wandels und der riesigen Vielfalt der Versuch einer Typisierung von Blogs. Versucht hat das beispielsweise die amerikanische Forscherin Susan Herring (2004). Aufgrund ihrer Forschung teilt sie Blogs ein in pers\u00c3\u00b6nliche Journale mit internem (also eigenem) Inhalt, sogenante \u00c2\u00abFilter\u00c2\u00bb mit externem Inhalt (vor allem Linksammlungen), \u00c2\u00abknowledge-logs\u00c2\u00bb mit informativen bis wissenschaftlichen Inhalten, Mischungen dieser drei Arten oder andere wie zum Beispiel literatirsche Blogs. (Quelle: Frey, F. (2006). Psychohygiene in der anonymen \u00c3\u2013ffentlichkeit. zs, nr. .4\/85, dezember 2006, S. 9)<\/p><\/blockquote>\n<p>Interessant ist der Einsatz von Weblogs neben dem pers\u00c3\u00b6nlichen Bereich meines Erachtens nach in der Wissenschaft und beim Lehren und Lernen. Einen guten Abschnitt findet man bez\u00c3\u00bcglich Blogs in der Wissenschaft auch bei Frey:<\/p>\n<blockquote><p>Interessant ist Bellwalds Hinweis auf die Rolle der Weblogs in der Wissenschaft. Als Forschungsobjekt wird er von den verschiedenen Fachrichtungen unterschiedlich untersucht. Hingegen scheint er bisher <strong>kaum als Werkzeug f\u00c3\u00bcr wissenschaftliche Forschung<\/strong> eingesetzt worden zu sein. Vor allem die Geisteswissenschaft scheinen hier Ber\u00c3\u00bchrungs\u00c3\u00a4ngste zu haben, obwohl der Blog als Medium sich nahezu aufdr\u00c3\u00a4ngt, genutzt zu werden. Das Desinteresse der Geisteswissenschaft mag davon herr\u00c3\u00bchren, dass sie ihre Publikationen bisher als exklusiv f\u00c3\u00bcr ihr Fachpublikum verstanden wissen wollte. Hingegen k\u00c3\u00b6nnte es gerade hier interessant sein, \u00c3\u00bcber Blogs ganze Gedankeng\u00c3\u00a4nge zu pr\u00c3\u00a4sentieren, und seine Forschungsfrage permanent der Reflexion mehrerer Fachleute auszusetzen. (Quelle: Frey, F. (2006). Psychohygiene in der anonymen \u00c3\u2013ffentlichkeit. zs, nr. .4\/85, dezember 2006, S. 9)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die These der geisteswissenschaftlichen Abstinenz beim Bloggen und als Werkzeug f\u00c3\u00bcr die eigene wissenschaftliche Forschung ist f\u00c3\u00bcr mich \u00c3\u00bcberraschend, denn ich kenne vorwiegend \u00c2\u00abgeisteswissenschaftliche\u00c2\u00bb Weblogs. Ein gutes Beispiel stellt der <a href=\"http:\/\/www.elearning2null.de\" target=\"_blank\">Web 2.0 Blog<\/a> dar. Hier berichten Marcel Kirchner und  Thomas Bernhardt \u00c3\u00bcber ihre Diplomarbeit. Sie stellen ihre Thesen zur Diskussion und berichten \u00c3\u00bcber ihre Fortschritte.<\/p>\n<p>Die Entwicklung und der Diskurs \u00c3\u00bcber einen l\u00c3\u00a4ngeren Gedanken zusammen mit anderen Experten, vor allem Professoren, finde ich ein spannendes Einsatzfeld, das jedoch meines Erachtens nach in der Praxis nicht immer funktionieren wird. Zwar l\u00c3\u00a4sst sich mit einem Weblog eine gute Community aufbauen (Gr\u00c3\u00bcsse an alle Leser des Weblogs \ud83d\ude09 ), dennoch denke ich nicht, dass es Professoren gibt (ausser vielleicht Herrn Kerres und Herrn Wedekind), die den inhaltlichen Austausch mit Fachleuten \u00c3\u00bcber Weblogs praktizieren w\u00c3\u00bcrden. Neben der hinzukommenden Generationenfrage (Ausnahmen best\u00c3\u00a4tigen hier wie immer die Regel) wird kein Professor oder Forscher seine Gedanken, die er noch nicht in einer Publikation untergebracht hat, zur freien Diskussion ins Internet stellen. Meist werden fertige Artikel zur Diskussion gestellt. Einen wirklichen Gedankenaufbau mit verschiedenen reflexiven Schleifen und Sackgassen findet man im Weblog eher selten. Usus ist selten das gemeinsame Entwickeln von Gedanken, sondern eher das nachtr\u00c3\u00a4gliche Kommentieren bereits mehr oder weniger fertiger Artikel. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den paar bloggenden Professoren, die ich kenne, meist um Menschen handelt, deren berufliches Umfeld schon sehr E-Learning affin ist. Hier hat man also nicht den \u00c2\u00abDurchschnittsprofessor\u00c2\u00bb. Wenn man dies bedenkt, ist Bellwalds These fast schon wieder nachvollziehbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der zs (der Zeitung f\u00c3\u00bcr Z\u00c3\u00bcrichs Studierende) gab es in der Dezemberausgabe einen Schwerpunkt mit dem Titel \u00c2\u00abWeblogs: Psychohygiene oder Meinungsmacher\u00c2\u00bb. Zwei Artikel waren abgedruckt, zum einen von Andreas Eberhard &#8222;Weblogs &#8211; eine journalistische Plage&#8220; und zum anderen Florian Frey &#8222;Psychohygiene in der anonymen \u00c3\u2013ffentlichkeit&#8220;. 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