{"id":4386,"date":"2021-03-07T16:07:46","date_gmt":"2021-03-07T16:07:46","guid":{"rendered":"http:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=4386"},"modified":"2021-03-07T16:07:46","modified_gmt":"2021-03-07T16:07:46","slug":"online-konsultation-des-bmbf-zu-oer-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/online-konsultation-des-bmbf-zu-oer-strategie\/","title":{"rendered":"Online-Konsultation des BMBF zu OER Strategie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkung<\/strong>: Das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung m\u00f6chte bis Sommer 2021 seine OER-Strategie finalisieren und hat hierzu einen partizipativen Prozess vorgesehen. Ausgangspunkt f\u00fcr die Erarbeitung der Strategie sind wissenschaftliche Erkenntnisse, Empfehlungen der UNESCO sowie Anregungen aus der Community, die sich vorab beteiligen konnte. So sind unterschiedliche Statements (u.a. <a href=\"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/bildungswissenschaft\/mediendidaktik\/docs\/fuenf-fragen-zu-oer_mensch_hofhues-et-al_2021.pdf\">hier<\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"https:\/\/okfn.de\/blog\/2021\/02\/oer-strategie-konsultation-gestartet\/\">hier<\/a>) zur Vorbereitung einer Diskussionsrunde zusammengekommen. Meine Anmerkungen und Anregungen zu f\u00fcnf Fragen im Themenbereich \u201eMensch\u201c finden sich nun hier:<\/p>\n<p><b>Frage: <\/b><b>Wie l\u00e4sst sich der Zugang gestalten?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>OER hat einen der Konsumenten- (Zugang und Nutzung) und der Produzenten-Teil (ver\u00e4ndern, teilen), die beide gleichzeitig in den Blick genommen werden sollten, aber unterschiedliche Fragen der Gestaltung nach sich ziehen. Eine ausschlie\u00dflich auf Nutzung fokussierte Sicht stellt aus p\u00e4dagogischer Sicht eine sehr reduzierte Perspektive auf OER dar, denn offene Bildung impliziert andere Argumentationen, wenn man z.B. in die Capetown Erkl\u00e4rung schaut:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Enthalten sind eher <i>soziale Ideen<\/i>, die sich am kollaborativen, partizipativen, probleml\u00f6senden Lernen orientieren und die Idee eines Lernnetzwerks oder einer Community of Practice fokussieren. Diese Idee zu (re-)aktivieren ist aus meiner Perspektive eine Notwendigkeit, die \u00fcber einen reinen Zugang zu etwas hinausgeht. Notwendig wird Konzept der Kultivierung und Gestaltung, wie wir es aus der CoP Bewegung kennen (Er\u00f6ffnung von Dialog, Stufen der Teilnahme, Schaffung von Begegnungsr\u00e4umen, uvm., vgl. https:\/\/wiki.infowiss.net\/Communities_of_ Practice#Entwicklungsstufen). Denn die Reduzierung der Debatte um Open Education auf OER ignoriert daher die eigentlichen Ver\u00e4nderungen: Ohne eine Gemeinschaft und ein Netzwerk, das nach der Produktion einer OER diese wiederverwendet, \u00fcberarbeitet, remixt und weiterverteilt, funktioniert eine Idee der Offenheit nicht. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Diskussion \u00fcber offene Bildung mit OER statt Zugangsfragen weitere Fragen nach der Rolle von Gemeinschaften, einer sich ver\u00e4ndernden Lernkultur und einem sich ver\u00e4ndernden Blick auf Bildungsinstitutionen wie Schule oder Hochschule aufwirft. Die gemeinsame Erstellung und die Weitergabe\/-verarbeitung von OER in formalen Lern- und Bildungsszenarien ist und bleibt dann die eigentliche \u2013 prozessorientierte \u2013 Herausforderung. Denn ausgehend von meinen praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen in und mit der Lehrer*innenbildung ist die Frage der Sensibilisierung f\u00fcr Partizipation und Kooperation sowie Verantwortungs\u00fcbernahme, sowohl von Lernenden als auch von Lehrenden, offen. Zudem haben viele Kolleg*innen \u2013 insbesondere in den Fachdidaktiken \u2013 gro\u00dfe Vorbehalte gegen\u00fcber OER. Trotz zahlreicher Projekte (siehe BMBF-F\u00f6rderung) gelingt es kaum nachhaltig, hier eine Kulturver\u00e4nderung zu erzielen. (Lehramts-)Studierende und Lehrer*innen, aber auch weitere an Schule beteiligte Akteure setzen sich wenig mit OER und zugeh\u00f6rigen Handlungspraxen auseinander. Ein erster Ansatzpunkt, den Zugang zu verbessern, w\u00e4re eine kontinuierliche Adressierung in Schule und Lehrer*innenbildung (z.B. von Lehrveranstaltungen \u00fcber Curricularen Standards und Studiengangsordnungen bis hin zu Hochschulentwicklungspl\u00e4nen), indem schon dort sowohl auf die Bewertung von OER als auch eine Kultur des Teilens hingewiesen wird, begleitet von (medien-) didaktischen Ma\u00dfnahmen, \u00fcber Elemente des Service Learning, der Sichtbarmachung von Lernergebnissen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Frage: <\/b><b>Wie k\u00f6nnen OER (digitale) Bildungsprozesse verbessern?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Die Frage ist, auf welches Problem OER eine Antwort sein k\u00f6nnen. Bisher wird die Debatte in meiner Wahrnehmung (zu) sehr auf <i>Lehr<\/i>material und dessen Erstellung rekurriert, anstatt die zugrundeliegenden <i>sozialen<\/i> Ver\u00e4nderungen und die Erstellung von <i>Lern<\/i>material zu adressieren. Dieses m\u00fcsste dann vor allem auch gemeinsam (z.B. im Dialog mit Lernenden) gestaltet werden. Notwendig werden hierf\u00fcr aber organisationale Ver\u00e4nderungen und (Schul-)Kulturentwicklung. Mit Blick auf diese Setzungen ginge es dann nicht um die Materialerstellung, sondern um die Gestaltung von (offenen, partizipativen) Lerngelegenheiten und die Begleitung von Lernenden. Gerade die gemeinsame Erstellung von <i>Lern<\/i>material f\u00fchrt zu einer Ver\u00e4nderung der Wahrnehmung von Aufgaben und Rollen von Lehrenden: Bisher ist Lehrhandeln stark auf Vermittlung und Materialerstellung fokussiert und in weiten Teilen noch individuelles Handeln. Rollenver\u00e4nderungen hin zu Lernbegleitung und Kooperation sowohl mit Kolleg*innen als auch mit Lernenden findet kaum statt.<\/p>\n<p>Rekurriert man auf eine Kultur der Digitalit\u00e4t, so ist insbesondere das Teilen und das Re-Mixen von besonderer Bedeutung \u2013 damit soziale Prozesse. Nimmt man diese gemeinsame Erstellung und Ver\u00e4nderung ernst, geraten unter der Frage der Verbesserung von Bildungsprozesse vor allem Praktiken des doing dialogue (siehe z.\u00a0B. https:\/\/de.wikiversity.org\/wiki\/Projekt:OERlabs_Openbook), wie wir das in den vom BMBF gef\u00f6rderten OERlabs Projekts nannten, mit der Perspektive des Empowerments in den Blick.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Anschlussf\u00e4hig ist hier weiterhin die der Medienp\u00e4dagogik g\u00e4ngige Praxis von Handlungs- als auch Gestaltungsorientierung als Teil von medialen Bildungsprozessen. Partizipation und Kollaboration von Lernenden und Lehrenden bis hin zur Selbstorganisation in Medien zu realisieren und so offene Bildungspraktiken <i>gemeinsam<\/i> zu entwickeln, w\u00e4re ein Teil der Auseinandersetzung mit OER, was allerdings (erneut) die Frage nach den Medienkompetenzen von Lehrenden und Lernenden stellt. Bisher \u2013 so die These \u2013 ist das Thema von OER eines, was in sehr privilegierten Kreisen gef\u00fchrt wird und (noch) nicht die Breite der Debatte erreicht hat. Gerade in der Corona-Situation h\u00e4tten OER einen Beitrag leisten k\u00f6nnen, indem Lehrende gemeinsam Unterricht gestalten, Landesinstitute gemeinsam L\u00f6sungen zur Verf\u00fcgung stellen und damit Synergien geschaffen werden k\u00f6nnen. Dies hat allerdings in weiten Teilen sowohl innerhalb von Schulen als auch national zwischen den Bundesl\u00e4ndern kaum stattgefunden, mehr noch: NRW schafft beispielsweise mit Brockhaus online L\u00f6sungen an, die gerade <i>nicht<\/i> geteilt werden k\u00f6nnen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Notwendig w\u00e4re es daf\u00fcr allerdings, OER nicht nur als Aufgabe von Lehrpersonen, sondern auch \u2013 und insbesondere \u2013 als Teil von Schulentwickung zu sehen. Dies bedingt dann auch die Frage, an welchen Stellen sich weiterhin Offenheit und Partizipation zeigt und wie dies Teil der Schulkultur werden kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Frage: <\/b><b>Welche Rahmenbedingungen m\u00fcssen gegeben sein, damit OER auch inklusiv wirken?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Wichtig w\u00e4re es, OER nicht nur unter Perspektive von Digitalisierung und Materialerstellung zu sehen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen bez\u00fcglich Migration und Inklusion aufzunehmen. Dies f\u00fchrt dazu, immer heterogeneren Lern- (und Lehr)gruppen im Sinn zu haben. Bedeutend werden anpassbare, individualisierbare Unterricht\/Lehrangeboten und Materialien und Methoden. OER nicht nur als Material, sondern als Ensemble von Material und Praktik machen dann im Idealfall vielf\u00e4ltige <i>heterogene<\/i> Bildungsr\u00e4ume m\u00f6glich.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dies macht es aber ebenso notwendig, die Debatte um OER mit heterogenen Akteur*innen zu f\u00fchren. Bei einer Erweiterung \u00fcber (hoch)schulische Grenzen hinaus werden dann auch schnell Grenzen (vgl. Gesch\u00e4ftsmodelle, siehe Qualit\u00e4tsentwicklung) sichtbar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Daher kann es aus meiner Perspektive vor allem darum gehen, auf allen Ebenen die Diskussion um Offenheit und Partizipation anzuregen und hierf\u00fcr Rahmenbedingungen (Zertifikate, Anreize) zu schaffen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Frage:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><b> Welche Probleme gibt es dennoch mit Lizenzfragen und welche L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge gibt es?<\/b><\/p>\n<p>OER ist f\u00fcr mich keine Frage der Lizenzen, sondern eine Frage der Haltung und kooperativen Entwicklung von Material, aber auch eine Frage von Organisations-(kultur-)entwicklung. Diese zugrundeliegenden Perspektiven sind in der Praxis sehr viel schwieriger zu l\u00f6sen als die Frage nach geeigneten Lizenzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Idealfall gibt es zust\u00e4ndige (Beratungs-)Stellen, die Lehrende bei Lizenzfragen schnell und unkompliziert ansprechen kann. Die Debatte um Lizenzen w\u00e4re f\u00fcr mich vergleichbar wie die Debatte um Informatik in der Schule: Man muss nicht unbedingt programmieren k\u00f6nnen oder in unserem Fall Jurist*in sein, sollte aber ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis davon besitzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Frage:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><b> Ist eine permanente Qualit\u00e4tssicherung notwendig? Wie kann diese gestaltet werden und wer soll diese durchf\u00fchren?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Auch die Frage der Qualit\u00e4tssicherung fokussiert OER als Produkt. Dies widerspricht allerdings der Logik von OER. Relevanter k\u00f6nnte es sein, hier von Qualit\u00e4tsentwicklung zu sprechen. Bisher \u00fcbernahmen die Qualit\u00e4tssicherung \u2013 zumindest im schulischen Bereich \u2013 vor allem Verlage und Ministerien. Aus meiner Perspektive ist allerdings darauf zu achten, dass es hier nicht zu einer De-Professionalisierung kommt: Die didaktische Aufbereitung von Lehr-Lernmaterial ist eine Aufgabe von Professionellen, die dann auch verg\u00fctet werden muss. Bei Lehrer*innen und Dozierenden ist diese Verg\u00fctung Teil der Anstellung im \u00f6ffentlichen Dienst. Damit haben f\u00fcr mich insbesondere Schulen und Hochschulen hier einen \u00f6ffentlichen Auftrag. Anders gestaltet sich die Situation in der Weiterbildung, da hier meist \u2013 schaut man beispielsweise auf die VHS\u2013 Selbstst\u00e4ndige unterwegs sind, f\u00fcr die Erstellung von Lehrmaterial eine von insgesamt \u00fcberschaubaren wenigen Einnahmequellen ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Eine Qualit\u00e4tsentwicklung m\u00fcsste dann weniger das Material, sondern die Entwicklung kooperativer und offener Arrangements in den Blick nehmen, wie es beispielsweise durch kollegiale Hospitationen oder Peer-Review-Prozesse m\u00f6glich ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich bin gespannt auf die weiteren Diskussionen hierzu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung m\u00f6chte bis Sommer 2021 seine OER-Strategie finalisieren und hat hierzu einen partizipativen Prozess vorgesehen. 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