{"id":4440,"date":"2021-04-11T19:35:27","date_gmt":"2021-04-11T19:35:27","guid":{"rendered":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/?p=4440"},"modified":"2021-04-11T19:41:34","modified_gmt":"2021-04-11T19:41:34","slug":"qualitaetssicherung-von-zertifikatsangeboten-in-der-hochschulischen-weiterbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/qualitaetssicherung-von-zertifikatsangeboten-in-der-hochschulischen-weiterbildung\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tssicherung von Zertifikatsangeboten in der hochschulischen Weiterbildung"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen wird oft mit dem Nachholen eines Masterabschluss assoziiert, dabei sind es Zertifikatsangebote, welche nach Ergebnisse des Hochschulbarometers 2017 den Gro\u00dfteil der Angebote postgradualer Weiterbildung ausmachen &#8211; vor allem an staatlichen Universit\u00e4ten (vgl. Abb. 1). Nach der Definition des Wissenschaftsrats sind hochschulische Zertifikatskurse &#8222;thematisch fokussierte Weiterbildungsangebote unterschiedlichen zeitlichen Umfangs, die nicht zu einem Hochschulabschluss f\u00fchren.&#8220; (WR 2019, S. 47). Die Relevanz von Zertifikaten ist zun\u00e4chst nicht einleuchtend, liegt doch die St\u00e4rke der Hochschulen im Monopol ihrer Abschl\u00fcsse. Eine Erkl\u00e4rung kann zum einem darin gefunden werden, dass die Entwicklung von Studienangeboten f\u00fcr Bachelor- und Masterabschl\u00fcsse nicht nur sehr viel Geld kosten und damit f\u00fcr viele Hochschulen welche im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung noch wenig etabliert sind sowie noch nicht den notwendigen R\u00fcckhalt an ihrer Hochschule haben mitunter ein (zu) wagnisreiches Investment sind. Zertifikate hingegen erfordern nicht die Ressourcen und bieten gleichzeitig die M\u00f6glichkeit M\u00e4rkte und Nachfrage zu sondieren. Wie interessant Zertifikate f\u00fcr die Hochschulen sind, zeigen u.a. die Ergebnisse des Wettbewerbs &#8222;Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschule&#8220;. im Rahmen der dort durchgef\u00fchrten Projekte entstanden\u00a0<strong>94<\/strong> berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge und\u00a0<strong>11<\/strong> duale bzw. triale Studieng\u00e4nge aber<strong>\u00a0208 <\/strong>Zertifikatskurse und \u2013programme!\u00a0(<a href=\"https:\/\/www.wettbewerb-offene-hochschulen-bmbf.de\/ergebnisse\/376-wissenschaftliche-weiterbildungsangebote-in-den-regelbetrieb-ueberfuehrt\">Quelle<\/a>).<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigen Bedarfserhebungen, dass Adressaten wissenschaftlicher Weiterbildung ein verst\u00e4rktes Interesse an Zertifikatsangeboten haben (Reum, Nickel &amp; Schrand 2020), welche zum einen f\u00fcr die Teilnehmenden weniger kosten, als auch ein weniger langfristiges Engagement erfordern.\u00a0So formuliert Sigrun Nickel, Expertin f\u00fcr Hochschulforschung beim CHE \u201e<em>Berufst\u00e4tige, die sich an einer Hochschule weiterqualifizieren m\u00f6chten, ben\u00f6tigen oft keinen kompletten Studiengang mehr, sondern bevorzugen punktuelle Fortbildungen. Das stellt traditionelle Muster akademischer Bildung infrage.&#8220;<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.che.de\/2019\/transparenz-wissenschaftlicher-weiterbildungszertifikate-was-deutsche-hochschulen-von-der-schweiz-lernen-koennen\/\">Quelle<\/a>).\u00a0Als eine Ausnahme k\u00f6nnen hier solche Teilnehmendengruppen angef\u00fchrt werden, welche z.B. aus beruflichen Gr\u00fcnden einen akademischen Abschluss ben\u00f6tigen. Auch eine Befragung bei Unternehmen zeigte, dass kurzl\u00e4ufige Angebote auf besonderes Interesse sto\u00dfe (Steinm\u00fcller &amp; Schwikal 2018). Dabei w\u00e4re auch hier zu vermuten, dass die Gr\u00fcnde in den geringen Kosten, aber auch in einer h\u00f6heren Flexibilit\u00e4t, sprich schnelleren Verf\u00fcgbarkeit sowie besseren Passf\u00e4higkeit liegen k\u00f6nnten, als l\u00e4ngerfristige Bachelor- und Masterangebote. Wobei gerade letztere Formate als Ma\u00dfnahme der Mitarbeiterbindung wiederum interessanter w\u00e4re. Bef\u00fcrchtet wird jedoch, \u00a0dass mit den Zertifikatsangeboten die Grenzen zur au\u00dferhochschulischen Weiterbildung verschwimmen und die Wissenschaftlichkeit der Angebote nicht mehr ausreichend gew\u00e4hrleistet ist.\u201c (Nickel &amp; Reum, 2019, S. 3).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4441 aligncenter\" src=\"http:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart-300x169.png\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart-300x169.png 300w, https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart-1024x577.png 1024w, https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart-768x432.png 768w, https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart-1536x865.png 1536w, https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2016_grafik_20_weiterbildung_abschlussart.png 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/a><\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">Hochschulbarometer 2017 (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.hochschul-barometer.de\/2017\">https:\/\/www.hochschul-barometer.de\/2017<\/a>)<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bedarf an Transparenz und Qualit\u00e4tssicherung von Zertifikatsangeboten wurde bereits 1993 von der HRK formuliert:\u00a0&#8222;Eine restriktive Praxis ist nicht zuletzt zu empfehlen, um einer Inflation von Abschl\u00fcssen in dem bislang kaum strukturierten und noch wenig transparenten Weiterbildungsbereich vorzubeugen. (&#8230;)\u00a0Die in der Weiterbildung erworbenen Bescheinigungen und Zertifikate sollten aussagekr\u00e4ftige Angaben \u00fcber die Inhalte der Veranstaltung, ihre Dauer und die erworbenen Kenntnisse enthalten.&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.hrk.de\/positionen\/beschluss\/detail\/die-wissenschaftliche-weiterbildung-an-den-hochschulen\/\">Quelle<\/a>).\u00a0Jedoch gibt es bisher keine verbindlichen Standards und Qualit\u00e4tskriterien f\u00fcr Angebote unterhalb von Bachelor- und Masterabschl\u00fcsse. Daher wird sich \u2013 quasi aus der Not heraus \u2013 am CAS\/DAS-System aus der Schweiz orientiert, wie z.B. als allgemeine Empfehlung in Baden-W\u00fcrttemberg (<a href=\"https:\/\/dgwf.net\/files\/web\/LG\/lg-baden-wuertemberg\/Transparenzraster-WB-Formate-DGWF-LG-BW.pdf\">Quelle<\/a>)\u00a0oder an der Uni Potsdam ( Projekt-Team QUP 2020). Auch die DGWF empfiehlt die Anlehnung an das CAS\/DAS-System (DGWF 2019).<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat das BMBF im Rahmen des \u00a0Vorhaben \u201eInnovationsunterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen zum Bund\u00adL\u00e4nder\u00adWettbe\u00adrwerb: Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen\u2018\u201c (INNOVUM-\u00adOH) eine Runden Tisch ins Leben gerufen, um Empfehlungen zur Qualit\u00e4tssicherung von Zertifikatsangeboten in der hochschulischen Weiterbildung zu entwickeln. Die Ergebnisse liegen nun als Brosch\u00fcre vor<\/p>\n<p><strong>iit &#8211; Institut f\u00fcr Innovation und Technik (Hrsg.). (2021). <i>Qualit\u00e4tssicherung von Zertifikatsangeboten in der hochschulischen Weiterbildung<\/i>. Berlin: iit.<\/strong> Online unter <a href=\"https:\/\/vdivde-it.de\/sites\/default\/files\/document\/qualitaetssicherung-von-zertifikatsangeboten-in-der-hochschulischen-weiterbildung_0.pdf\">https:\/\/vdivde-it.de\/sites\/default\/files\/document\/qualitaetssicherung-von-zertifikatsangeboten-in-der-hochschulischen-weiterbildung_0.pdf\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Die Mitglieder des Runden Tisches waren Vertreter:innen aus Hochschulen unterschiedlichen Typs und aus unterschiedlichen Bundesl\u00e4ndern. Ich habe meine Rolle vor allem darin gesehen, die Perspektive der Hochschulprofessor:innen zu vertreten. Durch die Zusammensetzung wurde nicht nur viel Sachverstand, sondern auch sehr unterschiedliche Perspektiven in die Diskussion mit eingebracht, was zu konstruktiven aber auch intensiven Auseinandersetzungen gef\u00fchrt hat. Dabei zeigte sich zwar ein gemeinsames Ziel, aber auch sehr unterschiedliche Perspektiven auf die Thematik, die von allen Seiten Kompromisse erforderte. So sehe ich zwar auf der einen Seite auch die Notwendigkeit der Transparenz von Abschl\u00fcssen und Qualit\u00e4tssicherung von Zertifikatsangeboten in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Auf der anderen Seite habe ich aber auch Bedenken zu einer Entwicklung im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung, welche vor allem auf wirtschaftliche Verwertungsbedarfe und funktionale Angebotsformate schaut &#8211; denn das Ende dieser Entwicklung scheint mir mit Verweis auf die Forderungen nach Micro- und Nano-Degrees im Koalitionsvertrag noch nicht abgeschlossen (<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/975226\/847984\/5b8bc23590d4cb2892b31c987ad672b7\/2018-03-14-koalitionsvertrag-data.pdf?download=1\">Quelle<\/a>). Wissenschaftliche Weiterbildung muss auch Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung f\u00f6rdern, muss kritisch gesellschaftliche Entwicklungen hinterfragen und sich von oberfl\u00e4chlichen und schnelllebigen Trends distanzieren. Das bedeutet nicht, sich in einem Elfenbeinturm der Forschung zur\u00fcckzuziehen, sondern gerade das \u00dcberblickswissen zu vermitteln, welches dazu bef\u00e4higt, mit der Dynamik unserer Zeit umzugehen. Wissenschaftliche Weiterbildung muss sich diese Freir\u00e4ume erhalten und auch die Chance, Teilnehmenden neue Perspektiven und Entwicklungshorizonte (jenseits einer beruflichen Verwertbarkeit) zu er\u00f6ffnen. Meines Erachtens sollte darin auch ihr eigentlicher Wert bestehen. Diese Prozesse sind nicht in immer kleinteiligeren Angeboten zu realisieren. Gleichzeitig m\u00f6chte ich die wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen auch nicht in Konkurrenz zu privatwirtschaftlichen Weiterbildungsanbietern sehen, da hier beide Seiten verlieren werden &#8211; die einen an Profil, die anderen an Einnahmen. Lebenslanges Lernen an Hochschulen ist kein Gesch\u00e4ftsmodell. Sie sollte sich an gesellschaftliche Bedarfe orientieren, diese aber gleichzeitig bez\u00fcglich ihres Auftrags und Selbstverst\u00e4ndnisses reflektieren. Lebenslanges Lernen an Hochschulen ist eine notwendige Entwicklung und Hochschulen m\u00fcssen sich daf\u00fcr stark ver\u00e4ndern. Die wissenschaftliche Weiterbildung ist dabei der zentrale Motor dieser Ver\u00e4nderung. Umso wichtiger ist es zu schauen, wohin dieser Motor die Hochschulen zieht.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>DGWF. (2019). Struktur und Transparenz von Angeboten der wissenschaftlichen Weiterbildung an Hochschulen in Deutschland. <i>Zeitschrift Hochschule und Weiterbildung<\/i>(1), 56-57.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0Online unter <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.4119\/zhwb-1572\">https:\/\/doi.org\/10.4119\/zhwb-1572\u00a0<\/a><\/span><\/p>\n<p>iit &#8211; Institut f\u00fcr Innovation und Technik (Hrsg.). (2021). <i>Qualit\u00e4tssicherung von Zertifikatsangeboten in der hochschulischen Weiterbildung<\/i>. Berlin: iit. Online unter <a href=\"https:\/\/vdivde-it.de\/sites\/default\/files\/document\/qualitaetssicherung-von-zertifikatsangeboten-in-der-hochschulischen-weiterbildung_0.pdf\">https:\/\/vdivde-it.de\/sites\/default\/files\/document\/qualitaetssicherung-von-zertifikatsangeboten-in-der-hochschulischen-weiterbildung_0.pdf\u00a0<\/a><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Projekt-Team QUP (2020). Abschlusssystematik in der wissenschaftlichen Weiterbildung an der Universit\u00e4t Potsdam. Verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.uni-potsdam.de\/fileadmin\/projects\/qup\/dokumente\/QUP2_PUB_4_Abschlusssystematik_Weiterbildung.pdf\">https:\/\/www.uni-potsdam.de\/fileadmin\/projects\/qup\/dokumente\/QUP2_PUB_4_Abschlusssystematik_Weiterbildung.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 225\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Nickel, S., &amp; Reum, N. (2019). Im Labyrinth der Zertifikate. <i>duz<\/i>(11), 3-5.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Reum, N., Nickel, S., &amp; Schrand, M. (2020). <i>Trendanalyse zu Kurzformaten in der wissenschaftlichen Weiterbildung<\/i>. Verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.pedocs.de\/volltexte\/2020\/20621\/pdf\/Reum_Nickel_Schrand_2020_Trendanalyse_zu_Kurzformaten.pdf\">https:\/\/www.pedocs.de\/volltexte\/2020\/20621\/pdf\/Reum_Nickel_Schrand_2020_Trendanalyse_zu_Kurzformaten.pdf\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Steinm\u00fcller, B. &amp; Schwikal, A. (2018). Weiterbildungsbedarfe in der Bev\u00f6lkerung der Re- gion Westpfalz (Arbeits- und Forschungsberichte aus dem Projekt E-hoch-B (20)). Online unter <a href=\"https:\/\/kluedo.ub.uni-kl.de\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/5215\/file\/_Steinmueller_Schwikal_2018_Bevoelkerungsbefragung.pdf\">https:\/\/kluedo.ub.uni-kl.de\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/5215\/file\/_Steinmueller_Schwikal_2018_Bevoelkerungsbefragung.pdf\u00a0<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wissenschaftsrat (Hrsg.). (2019). <i>Empfehlungen zu hochschulischer Weiterbildung als Teil lebenslangen Lernens<\/i>. Berlin: Wissenschaftsrat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen wird oft mit dem Nachholen eines Masterabschluss assoziiert, dabei sind es Zertifikatsangebote, welche nach Ergebnisse des Hochschulbarometers 2017 den Gro\u00dfteil der Angebote postgradualer Weiterbildung ausmachen &#8211; vor allem an staatlichen Universit\u00e4ten (vgl. Abb. 1). 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