{"id":508,"date":"2007-08-13T22:48:28","date_gmt":"2007-08-13T20:48:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/archives\/1001"},"modified":"2007-08-13T22:48:28","modified_gmt":"2007-08-13T20:48:28","slug":"rien-ne-vas-plus-wissen-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/rien-ne-vas-plus-wissen-20\/","title":{"rendered":"Rien ne vas plus &#8211; Wissen 2.0"},"content":{"rendered":"<p>Einen interessanten Artikel habe ich bei <a href=\"http:\/\/www.sciencegarden.de\/\">sciencegarden<\/a> gelesen: <a href=\"http:\/\/www.sciencegarden.de\/meinung\/200702\/wissen20\/wissen20.php\">Wissen 2.0<\/a>. Christian Dries schildert die Auswirkungen des Internet auf die Universit\u00c3\u00a4t und ihr Bildung. Das Internet und vor allem die Entwicklungen von Social Software ver\u00c3\u00a4ndern auch Universit\u00c3\u00a4ten. Er geht davon aus, dass vor allem durch die technischen Entwicklungen eine neue Universit\u00c3\u00a4t entsteht:<\/p>\n<blockquote><p>Dort werden wir uns nur noch dann zurechtfinden, wenn wir uns von den ur-alteurop\u00c3\u00a4ischen Idealen der Humboldtschen Volluniversit\u00c3\u00a4t und des diskursiv-linearen Denkens verabschieden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch die Wissenschaft kann sich nicht mehr vor den Ver\u00c3\u00a4nderungen im Web 2.0 verschliessen, die Frage ist nur, a) was diese Entwicklungen auf die Produktion von Wissen bedeuten, immerhin eine Hauptaufgabe von Universit\u00c3\u00a4ten, und b) wie man erfolgreich damit umgeht, denn Negieren. Eine Tendenz ist es, dass die Wissensproduktion an Universit\u00c3\u00a4ten immer schneller geschehen muss, Projekte haben die Tendenz, f\u00c3\u00bcr immer k\u00c3\u00bcrzere Zeitr\u00c3\u00a4ume bewilligt zu werden, Finanzmittel sind knapp. Also gilt es, in m\u00c3\u00b6glichst kurzer Zeit so viel wie m\u00c3\u00b6glich zu machen, am besten alles gleichzeitig:<\/p>\n<blockquote><p>Deshalb gelte es im Internetzeitalter zuallererst einmal, m\u00c3\u00b6glichst viele Kommunikationsanforderungen abzuwehren und jede \u00c3\u00bcberfl\u00c3\u00bcssige Information zu vermeiden,[&#8230;]. Zum Beispiel durch kursorisches, oberfl\u00c3\u00a4chliches Lesen (neudeutsch: Browsing) oder Multitasking: W\u00c3\u00a4hrend man rasch eine E-Mail an die Kollegin in Kalifornien tippt, telefoniert man mit dem Institutsleiter und \u00c3\u00bcberfliegt nebenbei noch einen Abstract. Diese kurzen Zusammenfassungen, einst als \u00c3\u0153berblick und Einstieg in einen l\u00c3\u00a4ngeren Text gedacht, erfreuen sich \u00c3\u00bcbrigens zunehmender Beliebtheit als Totalersatz f\u00c3\u00bcr die eigentliche Lekt\u00c3\u00bcre. Ebenso beliebt sind schlanke Einf\u00c3\u00bchrungsb\u00c3\u00bccher anstelle wuchtiger Originale. Oder Online-Enzyklop\u00c3\u00a4dien, aus denen man mit ein paar Mausklicks den ein oder anderen Absatz \u00e2\u20ac\u201c leicht ver\u00c3\u00a4ndert \u00e2\u20ac\u201c im Copy &amp; Paste-Verfahren \u00c3\u00bcbernehmen kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Studierenden kreiden wir dieses Verhalten an, doch unter Dozierenden oder Professoren wird es kleingeschwiegen oder negiert, wie es der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/jobundberuf\/0,1518,482278,00.html\">Fall<\/a>  in Berlin deutlich zeigte. Doch was heisst dies f\u00c3\u00bcr Wissen und dessen Produktion?<\/p>\n<blockquote><p>F\u00c3\u00bcr die Produktion gehaltvollen wissenschaftlichen Wissens taugen diese Strategien nur sehr bedingt. Schlie\u00c3\u0178lich ist gute Wissenschaft immer noch gleichzusetzen mit der relativen Verschwendung von Lebenszeit. Bleibt davon immer weniger f\u00c3\u00bcr die urspr\u00c3\u00bcngliche wissenschaftliche Arbeit \u00c3\u00bcbrig, z.B. die aufw\u00c3\u00a4ndige Lekt\u00c3\u00bcre von Klassikern und die m\u00c3\u00bchselige Suche nach treffenden Formulierungen, leidet zwangsl\u00c3\u00a4ufig die Qualit\u00c3\u00a4t \u00e2\u20ac\u201c oder aber der Mensch, der sie unter Hochdruck produzieren muss.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies h\u00c3\u00b6rt sich immer sehr sch\u00c3\u00b6n an, und viele w\u00c3\u00bcrden es direkt unterschreiben, doch ist jeder an der Hochschule genau in diesem Rad gefangen. Einen Ausweg scheint es nicht zu geben, auch wenn Initiativen wie der freiwillige Verzicht, den Gabi Reinmann <a href=\"http:\/\/medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de\/denkarium\/?p=163\">hier<\/a> angedeutet hat, durchaus lohnenswert erscheinen. Doch so lange Berufungen immer noch von der Quantit\u00c3\u00a4t der Ver\u00c3\u00b6ffentlichungen abh\u00c3\u00a4ngig sind, wird sich so schnell nichts \u00c3\u00a4ndern. Hier gibt nicht unbedingt das Internet oder die neuen technologischen M\u00c3\u00b6glichkeiten die Marschrichtung vor, sondern die Universit\u00c3\u00a4ten selber konstruieren sich so den Druck.<\/p>\n<blockquote><p> Was bedeutet das f\u00c3\u00bcr die Universit\u00c3\u00a4t von morgen? In der alten, analogen Welt lagen Produktion und Distribution des Wissens in der Hand einer kleinen, \u00c3\u00bcberschaubaren Experten-Elite. Wissen wurde individuell hergestellt und war linear-systematisch beziehungsweise hierarchisch klar gegliedert. Zwischen Wissenschaftlern und Laien gab es eine eindeutige Grenze. All das gilt im fortgeschrittenen Internetzeitalter nicht mehr.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nSo wird Fachwissen zunehmend von Metawissen verdr\u00c3\u00a4ngt. Die alten Kriterien der Darstellung und Weiterverarbeitung des Wissens l\u00c3\u00b6sen sich auf, Grenzen verschwimmen \u00e2\u20ac\u201c zwischen n\u00c3\u00bcchternen Fakten, Essay und Multimediashow, zwischen lebensweltlichem Wissen und Fachwissen, Deskription und Fiktion, aber auch: zwischen den einzelnen Disziplinen, zwischen Arch\u00c3\u00a4ologie, Metallkunde und Biologie zum Beispiel, zwischen Wissenschaft und Kunst, Wissenschaft und Journalismus. Alles wird im Netz und durch das Netz vermittelbar und kombinierbar.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nMagazine und Internet-Dienste wie Spiegel Online, sciencegarden, Wikipedia, Google Book Search und Co. weisen darauf hin, dass sich die neu entstehenden Wissenslandschaften zunehmend zerkl\u00c3\u00bcften, heterogener und un\u00c3\u00bcbersichtlicher werden. Mix it, Baby, lautet die Devise. Am Ende kommt etwas Neues dabei heraus: Wissen 2.0.<\/p><\/blockquote>\n<p>Oder wie schon Walter Zimmerli sagte:<\/p>\n<blockquote><p>Das Problem der so genannten Wissensgesellschaft aber ist nicht, dass wir zu viel intern gespeichertes Wissen h\u00c3\u00a4tten, sondern dass wir zu viele und viel zu komplizierte Zugangsm\u00c3\u00b6glichkeiten zu allzu viel extern gespeichertem Wissen haben. Wir wissen zu wenig \u00c3\u00bcber das Viele, das wir nicht wissen; wir wissen aber zu viel \u00c3\u00bcber das Wenige, das wir wissen. (Zimmerli, 2006, S. 37)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies hat auch Auswirkungen f\u00c3\u00bcr die Mitglieder an Universit\u00c3\u00a4ten, die erstens mit dem verschiedenen Wissen umgehen m\u00c3\u00bcssen und zweitens zwischen den verschiedenen Anforderungen fast zerrissen werden. Spontan f\u00c3\u00a4llt mir da das Bild des Hamsters im Laufrad ein:<\/p>\n<blockquote><p>Wer in der Wissenschaft in Zukunft noch mitreden, wer vor allem erfolgreich sein will, muss die Quadratur des Kreises schaffen: Er oder sie muss virtuos auf der Klaviatur des Netzes und seiner M\u00c3\u00b6glichkeiten spielen, tagt\u00c3\u00a4glich den darwinistisch anmutenden Kampf um digitale Anerkennung in der Aufmerksamkeits\u00c3\u00b6konomie ausfechten, und sich zugleich so weit wie m\u00c3\u00b6glich aus all diesem hektischen Treiben heraushalten. Letzteres d\u00c3\u00bcrfte nur wenigen verg\u00c3\u00b6nnt sein.<br \/>\nDenn die Universit\u00c3\u00a4t der Zukunft wird vermutlich zerfallen: In eine h\u00c3\u00b6here Schule mit modularisierten, gestrafften Studienpl\u00c3\u00a4nen auf der einen Seite, in der den breiten Massen ausreichend Metawissen vermittelt wird, um den st\u00c3\u00a4ndig wechselnden Anforderungen der au\u00c3\u0178erakademischen Arbeitswelt zu trotzen. Und in eine elit\u00c3\u00a4re Spitzenuniversit\u00c3\u00a4t auf der anderen Seite, an der es noch vereinzelte \u00e2\u20ac\u201c anachronistisch-analoge \u00e2\u20ac\u201c Oasen der Wissensproduktion gibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist das wirklich die Zukunft der Universit\u00c3\u00a4ten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen interessanten Artikel habe ich bei sciencegarden gelesen: Wissen 2.0. Christian Dries schildert die Auswirkungen des Internet auf die Universit\u00c3\u00a4t und ihr Bildung. 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