{"id":519,"date":"2007-08-31T21:57:39","date_gmt":"2007-08-31T19:57:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/archives\/1021"},"modified":"2007-08-31T21:57:39","modified_gmt":"2007-08-31T19:57:39","slug":"heute-schon-geirrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/heute-schon-geirrt\/","title":{"rendered":"Heute schon geirrt?"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe auf der Heimfahrt einen interessanten Podcast aus der SWR2 Aula geh&ouml;rt: &laquo;<a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swr2\/programm\/sendungen\/wissen\/archiv\/-\/id=660334\/nid=660334\/did=2228342\/6ers3e\/index.html\">Haben Sie sich heute schon geirrt? Von der Belehr- zur Lerngesellschaft<\/a>&raquo; von Reinhard Kahl. Eigentlich ist das Thema nicht neu, aber wir haben es immer noch nicht geschafft, in Bildungsinstitutionen und im Privatleben Fehler als Entwicklungschancen zu sehen. Einige Aussagen im Podcast finde ich richtig gut, so dass ich sie her gerne teilen w&uuml;rde. <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Hast Du heute schon einen Fehler gemacht?&#8220; Die gleiche Frage, nur ganz anders betont, empfehlen Unternehmensberater neuerdings als eine Art Mittagsmeditation. Angefangen hatte es mit diesem Spruch bei Rank Xerox in Kalifornien. Die Frage dient nun einer ganz anders temperierten Selbsterforschung. Habe ich schon etwas gewagt? Die neue Vermutung hei&szlig;t: Wer noch keinen Fehler gemacht hat, der hat vielleicht noch gar nichts gemacht, hat sich zumindest nicht bewegt.<br \/>\nFehler werden im mentalen Pass von Grenzg&auml;ngern nicht mehr als Makel verzeichnet. Im Gegenteil. Wer dort ohne Eintragungen ist, hat schlechte Karten. Der Fehler gilt nicht mehr quasi als S&uuml;nde, die die Angst nach sich zieht, selbst irgendwie falsch, vielleicht sogar durch und durch falsch zu sein &#8211; und nun beim Fehler kommt es heraus. Der Fehler gilt pl&ouml;tzlich als etwas ganz anderes: Er ist ein Hinweis auf einen Vorsprung im Lernprozess. Denn am Fehlversuch geben sich die heute gefragten Grenzg&auml;nger zu erkennen. Wer Neuland betritt, macht Fehler, unweigerlich. Das ist die Quintessenz lernender Organisationen: Der Fehler ist das Salz des Lernens.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Mittagsmeditation als Reflexionsanregung finde ich sehr spannend. Dennoch haben Fehler auch positive Auswirkungen auf kreative Prozesse:<\/p>\n<blockquote><p>\nF&uuml;r Kreativit&auml;t &#8211; oder ganz generell f&uuml;r die M&ouml;glichkeit, dass etwas noch nie da Gewesenes entsteht &#8211; gilt die Paradoxie, dass nur das gelingen kann, was auch schief gehen darf. Nat&uuml;rlich geht es nicht darum, alte dumme Fehler zu wiederholen, sondern neue, intelligente Fehler zu wagen. &#8222;Ich ern&auml;hre mich von meinen Fehlern&ldquo;, sagte Joseph Beuys.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch warum tun wir uns so schwer damit, Fehler als notwendige Prozesse anzuerkennen? Kahl f&uuml;hrt es auf unsere Kultur zur&uuml;ck:<\/p>\n<blockquote><p>\nDazu muss man sich von der Alltagsreligion der Perfektion verabschieden. Und das f&auml;llt den Deutschen so schwer. Tats&auml;chlich waren und sind sie Meister der Perfektion. Damit wurden sie sogar Weltmeister in der Konkurrenz der Industriegesellschaften. Aber die Perfektion hat einen gro&szlig;en Nachteil. Ihr fehlen die L&uuml;cken. In diese L&uuml;cken nistet sich das Neue ein. In japanischer Tradition ist genau das eine Definition von Zukunft: Aus der L&uuml;cke, die man in der Gegenwart l&auml;sst, entspringt Zukunft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Fehler haben auch viel mit Vertrauen zu tun, und um dies ist es in Deutschland auch nicht sehr gut bestellt: <\/p>\n<blockquote><p>\nDas amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup untersuchte in 47 L&auml;ndern, ob dort Vertrauen oder Misstrauen dominiert. Aus einer Liste von 17 Institutionen sollten die Befragten diejenige ausw&auml;hlen, die ihr gr&ouml;&szlig;tes Vertrauen genie&szlig;t. Das Ergebnis nach 36.000 weltweit durchgef&uuml;hrten Interviews: Schulen, Kinderg&auml;rten und Universit&auml;ten stehen an der Spitze. Den Bildungseinrichtungen wird international das meiste Vertrauen gegeben. Das ist eine gute Nachricht. Die schlechte hei&szlig;t, man ahnt es schon, in der deutschen Gef&uuml;hlslandschaft liegt die Bildung im Misstrauenstal deutlich unter Normalnull exakt auf Platz 11 dieser 17 angebotenen M&ouml;glichkeiten. H&ouml;chstes Vertrauen genie&szlig;t bei uns die Polizei. Auf Platz zwei folgt das Milit&auml;r, punktgleich mit der UNO. In einer &auml;hnlichen, auf Deutschland beschr&auml;nkten Befragung steht der ADAC an der Spitze.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Kahl spannt den Bogen im Podcast sogar noch weiter und berichtet &uuml;ber Erfahrungen mit Schulen und spannende Schulprojekte, die eine eigene Art des Umgangs mit Fehlern gefunden haben. Es lohnt sich also, <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swr2\/programm\/sendungen\/wissen\/archiv\/-\/id=660334\/nid=660334\/did=2391842\/pv=mplayer\/vv=big\/hahu5f\/index.html\">weiterzuh&ouml;ren<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe auf der Heimfahrt einen interessanten Podcast aus der SWR2 Aula geh&ouml;rt: &laquo;Haben Sie sich heute schon geirrt? Von der Belehr- zur Lerngesellschaft&raquo; von Reinhard Kahl. Eigentlich ist das Thema nicht neu, aber wir haben es immer noch nicht geschafft, in Bildungsinstitutionen und im Privatleben Fehler als Entwicklungschancen zu sehen. 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