{"id":635,"date":"2008-04-01T21:29:48","date_gmt":"2008-04-01T19:29:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/archives\/1192"},"modified":"2008-04-01T21:29:48","modified_gmt":"2008-04-01T19:29:48","slug":"thesen-zur-universitat-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/thesen-zur-universitat-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Thesen zur Universit&#228;t der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Birger P. Priddat (Pr\u00c3\u00a4sident der Universit\u00c3\u00a4t Witten\/Herdecke) hat <a href=\"http:\/\/www.sciencegarden.de\/content\/2008-03\/freiheit-als-herausforderung-\u00e2\u20ac\u201c-zw\u00c3\u00b6lf-thesen-zur-universit\u00c3\u00a4t-der-zukunft\" target=\"_blank\">hier<\/a> zw\u00c3\u00b6lf Thesen zur Zukunft von Universit\u00c3\u00a4ten aufgestellt, die ich sofort unterschreiben w\u00c3\u00bcrde, deren Umsetzung in der heutigen Universit\u00c3\u00a4tslandschaft mit einem Studiensystem, das prim\u00c3\u00a4r auf das Sammeln von Credit Points reduziert wird, mir aber im Moment ein wenig Bauchweh macht (Hervorhebung M.S.):<\/p>\n<blockquote>\n<ol>\n<li> Universit\u00c3\u00a4ten sind Ort des l\u00c3\u00a4ngeren Gedankenspiels: die einzigen oft in einer Gesellschaft.<\/li>\n<li>Das w\u00c3\u00a4re eine Qualit\u00c3\u00a4t als Ma\u00c3\u0178 f\u00c3\u00bcr die Universit\u00c3\u00a4tsentwicklung: nicht gr\u00c3\u00b6sser werden, sondern konzentrierter, fokussierter, gedankenvoll.<\/li>\n<li>Organisatorisch folgt dem dies: Zerf\u00c3\u00a4llung aller grossen Universit\u00c3\u00a4ten in viele kleine. Jedes Seminar hat sein eigenes Geb\u00c3\u00a4ude innerhalb der Stadt, in urbaner Umgebung (niemals wieder out-of-area-universities. Oder abgeschottete campi).<\/li>\n<li>Die Architektur und die Organisation sind mindestens so entscheidend wie die inhaltliche Textur. Universit\u00c3\u00a4tsgeb\u00c3\u00a4ude sollen architektonisch so gestaltet sein, da\u00c3\u0178 man erhabenen Hauptes eintreten und sich in ihnen bewegen kann.<\/li>\n<li>Der Rest ist Qualit\u00c3\u00a4t: <strong>des Denkens. Nicht lehren (im blinden Weitergeben), sondern ins Denken bringen w\u00c3\u00a4re ihre Aufgabe<\/strong>. Der Denkstuhl denkt \u00c3\u00bcber die Art und Weise nach, wie er Denken erzeugen kann: als Induktionsph\u00c3\u00a4nomen.<\/li>\n<li> Da\u00c3\u0178 man Denken lernt, ist nur ein Teil der Kompetenz, sich gleichzeitig mit anderen, die es ebenfalls lernen, auseinanderzusetzen. Denken, lehrt eine Universit\u00c3\u00a4t en passant, ist ein modus collectivus, kein geniehafter Autismus. Also Kommunikation.<\/li>\n<li> Da\u00c3\u0178 man zusammen lernt, ist eine Pr\u00c3\u00a4gung\/Investition f\u00c3\u00bcrs Leben: ein Netzwerkmodus, wenn er verstanden wird. Universit\u00c3\u00a4ten sind sich er\u00c3\u00b6ffnende Netzwerke von potentiellen Denkern und Entscheidern.<\/li>\n<li> Nicht dass Wissenschaft betrieben wird, zeichnet eine Universit\u00c3\u00a4t aus, sondern dass sie das im Kontext von jungen Studenten tut, die jeweils in die Wissenssch\u00c3\u00bcbe hinein genommen werden. Universit\u00c3\u00a4re Wissenschaft ist Wissenschaft + Attraktion (junger Geister f\u00c3\u00bcr Wissenschaft bzw. f\u00c3\u00bcr Freiheit im Denken als Herausforderung).<\/li>\n<li> Wissenschaft kann v\u00c3\u00b6llig unabh\u00c3\u00a4ngig von Universit\u00c3\u00a4ten geschehen; aber es ist den Universit\u00c3\u00a4ten abtr\u00c3\u00a4glich, wenn die Kollegen nicht mehr die Studenten wie selbstverst\u00c3\u00a4ndlich in ihr elaboriertes Gespr\u00c3\u00a4ch einbeziehen.<\/li>\n<li> Universit\u00c3\u00a4t ist das Gespr\u00c3\u00a4ch der Wissenschaftler im Gespr\u00c3\u00a4ch mit den Studenten. Beide Foren interferieren: jedenfalls dann, wenn Universit\u00c3\u00a4ten Universit\u00c3\u00a4ten sind \/ oder bleiben.<\/li>\n<li> Alles andere ist das Erlangen von Zertifikaten f\u00c3\u00bcr beglaubigten sozialen Aufstieg. Universit\u00c3\u00a4ten hingegen lehren nicht, sondern lassen die jungen Leute Forscher begleiten: im Denken, im Nach-Denken, im Laborieren, im sonstigen Forschen.<\/li>\n<li> Die Universit\u00c3\u00a4ten des 21. Jahrhunderts (des 3. Jahrtausends) kultivieren das, was in Gesellschaften knapp ist: gelassener Geist, lange Gespr\u00c3\u00a4che und Freude am Denken. Alles andere folgt daraus. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sciencegarden.de\/content\/2008-03\/freiheit-als-herausforderung-\u00e2\u20ac\u201c-zw\u00c3\u00b6lf-thesen-zur-universit\u00c3\u00a4t-der-zukunft\" target=\"_blank\">sciencegarden<\/a>)<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<p>Bleibt zu hoffen, dass die Universit\u00c3\u00a4ten trotz Bologna-Druck den Mut aufbringen werden, dies auch umsetzen. Bisher sehe ich in einer immer weiter durch&#8220;gemanagten&#8220; Universit\u00c3\u00a4tslandschaft keinen Streif am Horizont. Vor allem Denkr\u00c3\u00a4ume und Muse werden rationalisiert und die Studierenden &#8222;arbeitsmarktf\u00c3\u00a4hig&#8220; gemacht &#8230; denkf\u00c3\u00a4hig w\u00c3\u00a4re m. E. in vielen Bereichen das erkl\u00c3\u00a4rte Bildungsziel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Birger P. Priddat (Pr\u00c3\u00a4sident der Universit\u00c3\u00a4t Witten\/Herdecke) hat hier zw\u00c3\u00b6lf Thesen zur Zukunft von Universit\u00c3\u00a4ten aufgestellt, die ich sofort unterschreiben w\u00c3\u00bcrde, deren Umsetzung in der heutigen Universit\u00c3\u00a4tslandschaft mit einem Studiensystem, das prim\u00c3\u00a4r auf das Sammeln von Credit Points reduziert wird, mir aber im Moment ein wenig Bauchweh macht (Hervorhebung M.S.): Universit\u00c3\u00a4ten sind Ort des l\u00c3\u00a4ngeren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mandyschiefner"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=635"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}