{"id":655,"date":"2008-05-28T13:43:53","date_gmt":"2008-05-28T11:43:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/archives\/1222"},"modified":"2008-05-28T13:43:53","modified_gmt":"2008-05-28T11:43:53","slug":"informelles-e-learning","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2headz.ch\/blog\/informelles-e-learning\/","title":{"rendered":"Informelles E-Learning"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag abend war ich auf einer Veranstaltung vom E-Learning Center der Universit\u00c3\u00a4t mit dem Titel \u00c2\u00abInformelles E-Learning\u00c2\u00bb.  Dazu hiess es in der Einladung:<\/p>\n<blockquote><p> Informelles Lernen beschreibt Lernprozesse ausserhalb organisierten Lernens. Das Internet spielt dabei eine besondere Rolle, da es nicht nur eine un\u00c3\u00bcberschaubare F\u00c3\u00bclle von Informationen bereith\u00c3\u00a4lt, sondern auch die vielf\u00c3\u00a4ltigsten Kontaktm\u00c3\u00b6glichkeiten bietet.<\/p>\n<p>Studierende nutzen das Internet in vielf\u00c3\u00a4ltiger Weise als \u00e2\u20ac\u017eLernraum\u00e2\u20ac\u0153, zur Informationsbeschaffung (f\u00c3\u00bcr Vortr\u00c3\u00a4ge), Informationsverbreitung (www.hausarbeiten.de), zum Austausch (z. B. www.studivz.net), und zur Bewertung von Lehrveranstaltungen (z. B. www.meinprof.ch). Es stellt sich daher die Frage, ob sich im Internet neben dem Studium &#8211; unbeeindruckt von hochschulpolitischen Entscheidungen und didaktischen Gestaltungsanspr\u00c3\u00bcchen &#8211; eine zweite Lernwelt<br \/>\netabliert hat.<\/p>\n<p>In dieser Topic-Veranstaltung wollen wir einen \u00c3\u0153berblick \u00c3\u00bcber das Thema \u00e2\u20ac\u017eInformelles E-Learning\u00e2\u20ac\u0153 geben und der Frage nachgehen, welche Bedeutung das informelle E-Learning f\u00c3\u00bcr das Lehren und Lernen an der Universit\u00c3\u00a4t<br \/>\nhat und welche Gestaltungs- und Einflussm\u00c3\u00b6glichkeiten bestehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu dieser Veranstaltung waren unterschiedliche Experten geladen, die ihre Sicht auf das informelle Lernen dargelegt haben. Einen ersten Aufschlag machte <a href=\"http:\/\/www.igb.uzh.ch\/institut\/personen\/lehrstuhlgonon\/philippgonon.html\">Prof. Dr. Gonon<\/a>, der \u00c3\u00bcber den historischen Blick auf das informelle Lernen referierte. Hier die Gliederung seines Referates:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/p1050903.gif\" alt=\"p1050903.gif\" height=\"359\" width=\"268\" \/><\/p>\n<p>Dabei ging er stark auf den Wandel des Lernbegriffs im Laufe der Geschichte ein: w\u00c3\u00a4hrend Lernen historisch gesehen lebensweltich eingegrenzt war, verfliessen diese Grenzen durch ganz unterschiedliche Entwicklungen: Globalisierung, Technologien usw. Heute tritt viel mehr die selbstorganisierte Aneignung von Wissen und damit die Selbstorganisationsdisposition der Individuen in den Vordergrund, die  nun formell oder informell geschehen kann.<\/p>\n<p>Spannend war f\u00c3\u00bcr mich, dass Prof. Gonon dem Bologna-Prozess auch gute Seiten f\u00c3\u00bcr das informelle Lernen abgewinnen kann (das h\u00c3\u00a4tte ich so nicht erwartet): er sieht den Bologna Prozess an Universit\u00c3\u00a4ten von zwei Seiten: einmal kann es zu einer Taylorisierung des Lernens und zum bef\u00c3\u00bcrchteten Punktesammeln kommen, auf der anderen Seite ist f\u00c3\u00bcr das informelle Lernen aber gerade der Bezug zum Workload und die Employability als Zielpunkt neue Chancen f\u00c3\u00bcr informelle Lernprozesse.<\/p>\n<p>Auch hier durfte der Begriff der Net Generation nicht fehlen, der aber im Laufe des Seminars  noch mehrmals kritisch eingeordnet wurde. Gonon betonte, das es j\u00c3\u00bcngeren Studierenden oft einfacher falle, Wissen zu mobilisieren, wirksames nachhaltiges Lernen ben\u00c3\u00b6tige aber einen reflexiven Zugang, und dieser sei immer noch sehr traditionell (sich vertiefen in eine Lekt\u00c3\u00bcre, selbst Gedanken machen, usw.). Dies sollte an den Universit\u00c3\u00a4ten verst\u00c3\u00a4rkt werden.<\/p>\n<p>Zur Verdeutlichung zeigte er folgende Folie:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/p1050904.gif\" title=\"p1050904.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/p1050904.gif\" alt=\"p1050904.gif\" height=\"424\" width=\"424\" \/><\/a><br \/>\n(zum Verg\u00c3\u00b6ssern anklicken)<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach braucht es zu eine Verbindung von informellem und formellem Lernen (rechte Spalte): der aktiv erkundende Lerner, der selbstst\u00c3\u00a4ndige Forscher und das explorative Lernen sollten Ziele einer Hochschulbildung sein. Bei diesem Punkt, n\u00c3\u00a4mlich explorativem Lernen entbrannte dann auch die Diskussion um Zertifizierung und Pr\u00c3\u00bcfung, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung zog.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sandra.schaffert.ws\/\" target=\"_blank\">Sandra Schaffert <\/a>referierte \u00c3\u00bcber informelles E-Learning. Dazu stellte sie 6 (virtuelle) Studierende vor, die alle informell mit Medien lernen. Somit lernte man ganz nebenbei  noch ein paar Web 2.0-Anwendungen kennen. Spannend fand ich folgende Auflistung:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/p1050907.gif\" title=\"p1050907.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.mandyschiefner.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/p1050907.gif\" alt=\"p1050907.gif\" height=\"232\" width=\"429\" \/><\/a><\/p>\n<p>(zum Vergr\u00c3\u00b6ssern anklicken)<\/p>\n<p>Schnell kam man hier auch wieder auf die Net Generation und das gesamte B\u00c3\u00bcndel der &#8222;Informationskompetenz&#8220; zu sprechen. Sandra Schaffert r\u00c3\u00a4umte am Schluss nochmals mit  Mythen auf: Sind Studierende, die verschiedene Web 2.0 Applikationen zum informellen Lernen einsetzen, wirklich medienkompenter? Dies widerlegte sie mit der Ver\u00c3\u00b6ffentlichung von Rolf Schulmeister (<a href=\"http:\/\/www.zhw.uni-hamburg.de\/pdfs\/Schulmeister_Netzgeneration.pdf\">hier<\/a>). Diese Haben diese andere Anforderungen an die Lehre? Hier zitierte sie unter anderem eine Studie von Franklin &amp; van Harmelem, 2007: Studierenden ist das Medium in der Lehre relativ egal, sie wollen vor allem gute Lehre und somit auch Lernerfolge.<\/p>\n<p>Wichtig, um informelles Lernen in Hochschulen zu f\u00c3\u00b6rdern, sei vor allem die Entwicklung von Lernkompetenz, die Ber\u00c3\u00bccksichtigung der Lebenswelt bzw. -realit\u00c3\u00a4t und die Partizipation bzw. Kollaboration. Hier entbrannte die Diskussion, inwieweit Universit\u00c3\u00a4ten wirklich f\u00c3\u00bcr die Entwicklung von Lernkompetenzen f\u00c3\u00bcr das informelle Lernen  (z.B. Informationsrecherche) zust\u00c3\u00a4ndig sind. Sollten Studierende dies nicht besser informell lernen? Die Vermittlung von Lernkompetenzen (z.B. Selbstorganisationsf\u00c3\u00a4higkeit, die wichtig ist f\u00c3\u00bcr informelles Lernen) sei nicht die Aufgabe von Universit\u00c3\u00a4ten. Wenn sie schon nicht mehr in die Vorlesung gingen, sei dies auch eine Aufgabe, die sie selbstst\u00c3\u00a4ndig im Hochschulstudium erwerben sollten, so die Meinung der einen H\u00c3\u00a4lfte. Die andere H\u00c3\u00a4lfte hielt nat\u00c3\u00bcrlich dagegen, vor allem z.B. Informationskompetenz sollte vermittelt werden, diese entwickle sich nicht einfach von selbst. Hier kamen die Diskutanten auch zu keinem einheitlichen Schluss (vielleicht entwickelt sich ja hier die Diskussion noch weiter \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p>Doch wie kann man nun informelles Lernen an Universit\u00c3\u00a4ten f\u00c3\u00b6rdern? Ziel einer Universit\u00c3\u00a4t, die informelles Lernen f\u00c3\u00b6rdern m\u00c3\u00b6chte, sollte nach Ansicht der Referenten das Erm\u00c3\u00b6glichen von unterschiedlichen Lernprozessen sein. Studierende m\u00c3\u00bcssen erfahrungsgeleitet und situativ lernen k\u00c3\u00b6nnen, diese Lernformen m\u00c3\u00bcssen durch Studierende erfahren werden. Nur aus dieser Erfahrung kann man Lernen. Dabei geht es nicht um ein &#8222;Lernbuffet mit Wellness-Charakter&#8220;, wie es Prof. Gonon so sch\u00c3\u00b6n ausdr\u00c3\u00bcckte, sondern um vielf\u00c3\u00a4lige Lernm\u00c3\u00b6glichkeiten, nicht nur Vorlesung und Seminar.<\/p>\n<p>Mein Fazit der Veranstaltung: Ich fand es eine sehr gelungene Veranstaltung, die viel Platz f\u00c3\u00bcr Diskussion liess. Somit wurde das informelle Lernen, das an Hochschulen stattfindet, auch sichtbar. Spannend waren f\u00c3\u00bcr mich die unterschiedlichen Meinungen der Teilnehmenden \u00c3\u00bcber das Thema, sei es nun informelles Lernen mit Medien oder Meinungen zur Informationskompetenz und deren Auswirkungen auf Schulen und Hochschulen. Die Frage ist f\u00c3\u00bcr mich immer noch, was Lehrende genau tun k\u00c3\u00b6nnen, um auch informelles Lernen zu f\u00c3\u00b6rdern. Denn hier st\u00c3\u00b6sst man schnell auch an die Grenzen, wenn man informelles Lernen zu stark beeinflussen und formalisieren m\u00c3\u00b6chte. Wie Oliver Bendel so sch\u00c3\u00b6n sagte: &#8222;Informelles Lernen beruht auf gegenseitigem Vertrauen&#8220;.  Vielleicht ist die Vertrauensfrage hier die richtige: inwieweit vertrauen Lehrende ihren Lernenden, dass diese sich Dinge auch selbst aneignen. Und inwieweit kann und m\u00c3\u00b6chte man die Lernenden auch eigenverantwortliche Erfahrungen machen lassen? Wie passen solche Konzepte zur eigenen Vorstellung von universit\u00c3\u00a4rer Lehre? Hier gibt es f\u00c3\u00bcr mich noch einige offene Fragen.<\/p>\n<p>Eine Zusammenfassung der Organisatoren erscheint demn\u00c3\u00a4chst <a href=\"http:\/\/www.elc.uzh.ch\/veranstaltungen\/topic.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>. Wer mehr Informationen zum informellen Lernen in unterschiedlichsten Bereichen erfahren m\u00c3\u00b6chte, dem sei die Website <a href=\"http:\/\/www.informelles-lernen.de\" target=\"_blank\">www.informelles-lernen.de <\/a>und deren Blog ans Herz gelegt.<\/p>\n<h4>update 29. Mai 2005<\/h4>\n<p>Die Folien von Sandra Schaffert und ihr Res\u00c3\u00bcmee der Verantaltung finden Sie <a href=\"http:\/\/sandra.schaffert.ws\/?p=80\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag abend war ich auf einer Veranstaltung vom E-Learning Center der Universit\u00c3\u00a4t mit dem Titel \u00c2\u00abInformelles E-Learning\u00c2\u00bb. Dazu hiess es in der Einladung: Informelles Lernen beschreibt Lernprozesse ausserhalb organisierten Lernens. Das Internet spielt dabei eine besondere Rolle, da es nicht nur eine un\u00c3\u00bcberschaubare F\u00c3\u00bclle von Informationen bereith\u00c3\u00a4lt, sondern auch die vielf\u00c3\u00a4ltigsten Kontaktm\u00c3\u00b6glichkeiten bietet. 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