Forschendes Lernen im Bachelor-Studium?

Experiment beendet. Nun ist sie vorbei, meine Lehrveranstaltung zum Thema «Öffentliche Wissenschaft – Wissenschaft 2.0» – Zeit, einen Rückblick zu geben und Fazit zu ziehen. Denn auch für mich war das Seminar eine neue Herausforderung – und dies lag am Settinar, das man mit folgenden Tags bezeichnen kann: Blockseminar, Bachelor-Studierende, forschendes Lernen, Integration von Web 2.0 Medien. Also jede Menge Herausforderungen und Wagnisse.

Inhaltlich haben wir uns im Rahmen des Seminars mit Wissenschaft und die veränderte Öffentlichkeit mit Web 2.0 auseinandergesetzt. Nach einigen inhaltlichen und forschungsmethodischen Anmerkungen meinerseits wurden die Studierenden dann ins sprichwörtlich kalte Wasser geworfen: Ziel war eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema durch das Durchführen einer eigenen Studie: inklusive der Formulierung einer Forschungsfrage mit Untersuchungsdesign – und das im Bachelor-Studium bei wenig Vorkenntnissen im Bereich Forschungsdesign. Also eigentlich nicht so ganz einfach. Obwohl ich vielerlei Bedenken hatte, haben die Studierenden die Herausforderung angenommen. So gab es insgesamt drei Gruppen mit einem eigenen Untersuchungsdesign, das in einer Studie mündet (aufgrund der Freigabe kann ich bisher nur von zwei Studien berichten): Bettina Reim und Annette Robbins untersuchten unter dem Titel „Im Dienst der Wissenschaft – Eine empirische Untersuchung am Beispiel Twitter“ die Nutzung von Twitter durch wissenschaftliche Organisationen. Ihre Forschungsfragen lauteten daher: „Welche Kommunikationsziele verfolgen die wissenschaftlichen Organisationen mit der Nutzung von Twitter? und Welche Ähnlichkeiten oder Unterschiede innerhalb der untersuchten Organisationen ergeben sich aus der Analyse der Kommunikationsziele?“ Kevin Krause und Julia Schuhwerk widmeten sich der Analyse populärwissenschaftliche Print-Magazine im Web 2.0 und untersuchten, wie Printmagazine Web 2.0 Technologien nutzen.
Herausgekommen sind im ganzen drei unterschiedliche, aber jeweils für sich spannende Untersuchungen, die die Studierenden eigenverantwortlich und selbstständig durchgeführt haben. Die Ergebnisse sind sehr spannend und zeigen die Vielfalt auf, die der Themenbereich bietet. Aber das Vorgehen und die Arbeiten selbst zeigten auch Schwierigkeiten, die im Rahmen von eigenen, selbst durchgeführten Studien lauern. Dies haben alle Teilnehmenden am eigenen Leib erfahren müssen, beispielsweise durch mangelnde Teilnahme an Fragebögen, wenig Rückmeldung, nachträgliche Anpassungen des Forschungsdesigns usw. Hier war es meine Aufgabe, Studierende zu begleiten und auch immer wieder mit ihnen zusammen an Alternativen zu denken. Ich hoffe, dass diese Prozesse jedoch von den Studierenden nicht als Scheitern, sondern vor allem auch als Lernchance begriffen wurden: Sie hatten in dem Seminar Gelegenheit, forschend zu lernen – mit allen seinen Höhen und Tiefen. Und daher macht es auch nichts, wenn es z.T. nicht unbedingt Ergebnisse gibt – denn auch keine Ergebnisse sind Ergebnisse, worauf Christian im Rahmen der Diskussion um Signifikanz letztens in einem schönen Blogbeitrag nochmals aufmerksam machte.

Medial begleitet wurde die Lehrveranstaltung durch die Möglichkeit, zusammen einen Blog zu führen, zum Beispiel, um sich gegenseitig vom Vorgehen zu berichten, dieses zu reflektieren oder sich gegenseitig auszutauschen. Diese Möglichkeit wurde allerdings wenig bis gar nicht genutzt, was Fragen meinerseits aufwarf: Warum bloggen Studierende nicht? Liegt es am didaktischen Setting? Liegt es an den Fähigkeiten? Fragen über Fragen, die mich während des Semesters beschäftigen (und auch Anlass für einige Reflexionen waren, beispielsweise mit Sandra Hofhues zum Thema der digitalen Leistungsnachweise). Auch in der Lehre funktioniert nicht alles, also habe auch ich – ähnlich wie die Studierenden in ihren Untersuchungen – einige Schrauben drehen müssen und die Aufgabe des Bloggens in eine Reflexionsaufgabe abgewandelt mit der Arbeitsaufgabe, das Seminar oder das Bloggen zu reflektieren. Und das funktionierte, die Studierenden berichteten theoretisch von verschiedenen Szenarien des Bloggens. Hier klafft eine grosse Lücke zwischen der theoretischen Auseinandersetzung und der praktischen Anwendung. Studierende konnten sehr wohl Vorteile des Bloggens auch für das Lernen (theoretisch) darlegen, haben davon aber praktisch wenig Gebrauch gemacht.

Mein erstes Fazit: Das Seminar war für mich herausfordernd und spannend in zwei Richtungen: Zum einen in der konsequenten Umsetzung des forschenden Lernens mit Bachelor-Studierenden und zum anderen in der Auseinandersetzung mit Web 2.0 Tools in der Lehre – die immer wieder auch für Ãœberraschungen sorgen 😉

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