Medienpädagogische Kompetenz in der Erwachsenenbildung

Letzte Woche war ich auf der Sektionstagung Erwachsenenbildung der DGfE in Magdeburg und habe einen Vortrag zur medienpädagogischen Kompetenz in der Erwachsenenbildung gehalten. Das Thema scheint seit vielen Jahren verwaist, zumindest habe ich kaum aktuelle Untersuchungen und Auseinandersetzungen zu diesem Thema vor dem Hintergrund/im Kontext der Erwachsenenbildung finden können. Diese Tatsache ist doch erstaunlich, da dieses Thema  allgemein – z.B .in der Lehrerbildung – sehr intensiv diskutiert wird. Zwar gibt es einige Untersuchungen, die sich mit der Medienkompetenz und medienpädagogischen Kompetenz von Erwachsenen auseinandersetzen, aber bezogen auf  Professionalisierung der Erwachsenen-/Weiterbildner/innen gibt es doch erstaunlich wenig Angebote. Recherchiert man beispielsweise in der QUALIDAT Weiterbildungsdatenbank für Weiterbildner/innen, so beschäftigen sich weniger als 2% der Kurse mit digitalen Medien. Ist medienpädagogische Kompetenz also kein Thema mehr für Erwachsenen-/Weiterbildner/innen? Diese Frage lässt sich schwer beantworten, da auch zum Bedarf keine aktuellen Untersuchungsergebnisse vorliegen. Die Gegenargumente verweisen oft auf den „inhärenten Charakter“ der Medien, die Tatsache, dass Medien ja wie selbstverständlich dazugehören und schon allein deswegen keiner besonderen Betonung mehr benötigen. Dass dem nicht so ist, brauche ich wohl nicht näher auszuführen. Gerade die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen die hohe Dynamik des Feldes und die Notwendigkeit einer fortgesetzten Auseinandersetzung – zumal selbst die theoretische Fundierung einer medienpädagogischen Kompetenz für die Erwachsenen- und Weiterbildung noch in weiten Teilen offen ist.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass in den verschiedenen Curricula und Kompetenzprofilen der Erwachsenenbildung die Medien nur sehr rudimentär auftreten, in den meisten Fällen als Aufzählungselement. Eine etwas prominentere Stellung haben die Medien allein in den „Key competences for adult learning Professionals“ (Buiskool et al. 2010). Aber auch hier geht es vor allem um die Mediennutzung. Weitere Aspekte einer medienpädagogischen Kompetenz (z.B. in Anlehnung an Blömeke 2001) werden kaum erwähnt. Diese Situation ist kaum befriedigend. Wer bearbeitet nun die „Unbestellten Bildungsfelder der Erwachsenen- und Weiterbildung“ auf die Benjamin Jörissen (2013) in einem aktuellen Artikel hinweist?

Zumindest scheint die Erwachsenenbildung diesem Thema wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn die Einschätzung der Relevanz dieses Themas sicherlich gespalten ist. So wird auch im Editorial in der DIE-Zeitschrift „Erwachsenenbildung 2.0“ (Schrader 2013) mit Bezug auf die Thematik des Heftes die Vermutung geäußert: „einige von ihnen werden sagen, es sei überfällig, andere werden die Relevanz vielleicht noch immer anzweifeln.“ (S.3).

Dass der Bedarf an einer Auseinandersetzung mit der Thematik da ist, zeigt sich nicht zuletzt an der aktuellen Initiative eines VHS MOOC, der sich dem Thema medienpädagogische Kompetenz und der Rolle von E-Learning-Angeboten der Volkshochschulen widmet. Ob der Versuch „Wecke den Riesen auf!“ (so der Titel des MOOC) tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten. Dass der MOOC und die Thematik mit fast 700 Teilnehmenden auf eine große Resonanz stößt, kann aber nicht bestritten werden.

Was bleibt ist viel Arbeit in der Praxis als auch in der theoretischen Auseinandersetzung. Let’s do it!

Literatur

Blömeke, S. (2001). Analyse von Konzepten zum Erwerb medienpädagogischer Kompetenz. In B. Bachmeier, S. Spanhel & C.De Witt (Hrsg.), Jahrbuch Medienpädagogik 2 (S. 27-37). Leske + Budrich: Opladen

Buiskool, B.J., Broek, S.D., Lakerveld, J.A. van & Zarifis, G.K. (2010). Key Competences for Adult Learning Professionals. Online: http://ec.europa.eu/education/more-information/doc/2010/keycomp.pdf (25.09.2013)

Jörissen, B. (2013). Unbestellte Bildungsfelder: Wo bleiben die neuen Formate der Erwachsenen- und Weiterbildung?. In: forum Erwachsenenbildung, 2/2013, S. 16-21 Online: http://de.slideshare.net/joerissen/jorissen-forum-eb-preprint (25.09.2013)

Schrader, J. (2013) (Hrsg.): Erwachsenenbildung 2.0, DIE-Zeitschrift. Bielefeld:W. Bertelsmann

3 thoughts on “Medienpädagogische Kompetenz in der Erwachsenenbildung”

  1. Hufer hat untersucht, welche Kompetenzen Politische Erwachsenenbildner benötigen. Praktisch arbeiten wir in Hattingen in diesem Feld. Allerdings bleibt das Thema Medienkompetenz bei Erwachsenen unterbelichtet, da gebe ich dir recht.

  2. Vielen Dank für den Hinweis und auch die Einschätzung zum Thema. Diese Rückmeldung bekomme ich auch immer wieder – auch wenn es viele sehr spannende Initiativen in diesem Feld gibt, die (leider) kaum das Licht der Öffentlichkeit erreichen.
    Wenn digitale Medien in Kompetenzbeschreibungen für Erwachsenenbildner/innen erwähnt werden, ist es häufig aber nur sehr besgrenzt auf die Nutzungseben und dann auch Fokussiert auf den Unterricht. Ich denke, dass das Thema sehr viel umfassender in alle Richtungen betrachtet werden muss, sowohl bezüglich der in der Erwachsenenbildung tätigen, als auch bezüglich der unterschiedlichen Facetten die medienpädagogischen Kompetenz ausmachen.

  3. Ich versuche mich gerade in meinem Dissertationsvorhaben an der Uni Augsburg diesem Feld zu nähern und bin sehr dankbar für diesen Blogbeitrag!
    Er bestätigt mich nicht nur in meinem Vorhaben (medienpädagogische Professionalisierung von ErwachsenenbildnerInnen) sondern macht auch die Relevanz der Auseinandersetzung mit dem Thema medienpädagogischer Kompetenzen in der Erwachsenenbildung deutlich. Ein wahrer Motivations-Kick 😉

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