Vom Trainer zum Teaching Robot?

Vom Trainer zum Teaching Robot?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Thema der „Teaching Robots“ auf der Tagesordnung der bildungstechnologischen Diskussion auftaucht. Checkpoint E-Learning und Jochen Robes haben bereits darauf hingewiesen, dass es auf der Online Educa „Die große OEB-Roboter-Debatte“ geben wird. Ist das der neue Megatrend?

Erpenbeck und Sauter (2013) haben bereits futuristische Szenarien des Lernens skizziert, in denen Computer als persönliche Lerncoaches fungieren. Dabei wurde aber die Rolle der Roboter noch nicht berücksichtigt. Die aktuelle Debatte um cyberphysische Systeme (Industrie 4.0) macht aber deutlich, dass es nicht nur die Digitalisierung ist, die unser zukünftiges Leben verändern werden, sondern auch Roboter. Dabei übernehmen sie nicht nur Aufgaben in der Industrie, sondern auch im Service. Sie werden zu „Kolleginnen“ und „Kollegen“, mit denen wir nicht nur zusammen Arbeiten, sondern auch zusammen Lernen werden. Damit liegt es auch nahe, ihre Aufgaben in der Personalentwicklung genauer zu diskutieren, wie ich es im letzten Jahr auf der Zukunft Personal thematisiert habe. In diesem Zusammenhang, so meine damalige These, erfolgt die Personalentwicklung in Verbindung von Mensch und Technik für die Verbindung von Mensch und Technik. Personalentwickler_innen entwickeln sich in der Folge zu Human-Technology Developer, d.h. sie müssen zukünftig Menschen und Technik stärker zusammen denken und als symbiotische Systeme entwickeln.

Auch für die Lehrenden stellt sich die Frage, wie sich zukünftig das Zusammenspiel zwischen Mensch (Lehrenden) und Technik gestaltet, d.h. welche Aufgaben „Maschinen“ (sinnvoll) übernehmen und wo die besonderen Qualitäten einer „menschlichen“ Begleitung von Lernprozessen liegt. Diese Debatte wird in Zukunft stärker geführt werden und sicherlich zu einer emotionalen, hoffentlich aber auch tiefgreifenden fachlichen Auseinandersetzung mit der Digitalisierung und Automatisierung im Bildungsbereich führen. Vor diesem Hintergrund habe ich auf der diesjährigen Fachtagung des Forum DistancE-Learning einen Vortrag zur Rolle der Lehrenden und damit verbundenen Kompetenzanforderungen gehalten. Bei näherer Beschäftigung mit dem Thema zeigt sich, dass lehrende Tätigkeiten zukünftig  vermutlich verstärkt von Programmen und Roboter übernommen werden. Dafür sprechen die aktuellen Entwicklungen, in der digitale Medien nicht mehr nur traditionelle Lehre kopieren, sondern ihre spezifischen Potenziale entfalten. Diese liegen vor allem im Umgang mit Daten, d.h. deren Beschaffung, Analyse und Nutzung bzw. (personalisierte) Präsentation. All das ist bekannt und wird bereits intensiv und auch kontrovers diskutiert (Stichwort „Lernfabriken 4.0“ – pro und kontra).

Bisher weniger im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle Roboter dabei einnehmen können, wobei die geschichtlichen Vorläufer von „Lehrmaschinen“ sehr weit zurückreichen. Sharkey (2016) unterscheidet vier Typen von Teaching Robots:

a) Robot as Classroom Teacher (Beispiel)

b) Robot as Companion and Peer (Beispel)

c) Telepresence Robot Teacher (Beispiel)

d) Robot as Care-eliciting Companion (Beispiel, bzw. Hood, Lemaignan & Dillenbourg 2015).

Die angeführten Beispiele wirken auf der einen Seite noch alle ein wenig „kindisch“ oder „unreif“, auf der anderen Seite zeigt es die enormen Potenziale; ob als Ersatz für Lehrende oder als als Co-Teacher (Beispiel). Insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Bereich von Androiden (Beispiel) wird deutlich, dass Roboter zukünftig auch sehr viel „menschlicher“ auftreten können und werden.

Wirklich interessant wird es, wenn Roboter nicht auf der Basis vorgegebener Programmen reagieren, sondern selbständig lernen und die so gesammelten Erfahrungen untereinander austauschen (siehe hier). Waren für die Programmierung (z.B. adaptiver Lernsysteme) noch Menschen mit fachlichem und (medien)didaktischem Wissen notwendig sind, wird unter diesem Vorzeichen auch diese Aufgabe obsolet.

Damit soll keine Dystopie beschrieben werden. Vielmehr geht es darum, mögliche Folgen der aktuellen Entwicklung auszuloten, Chancen zu erkennen und Grenzen zu bestimmen. Dabei wird wieder einmal deutlich, dass der ethische Dimension hier eine besondere Bedeutung zukommt. Die technischen Möglichkeiten sind vielfältig, ggf. wird auch die eine oder andere Lösung Akzeptanz finden, aber was gemacht werden sollte, muss das Ergebnis eines breiten fachlichen und gesellschaftlichen Diskurses sein.

Literatur

Erpenbeck, J., & Sauter, W. (2013). So werden wir lernen! Kompetenzentwicklung in einer Welt fühlender Computer, kluger Wolken und sinnsuchender Netze. Wiesbaden: Springer Gabler.

Hood, D., Lemaignan, S. v., & Dillenbourg, P. (2015). When Children Teach a Robot to Write: An Autonomous Teachable Humanoid Which Uses Simulated Handwriting. HRI ’15 Proceedings of the Tenth Annual ACM/IEEE International Conference on Human-Robot Interaction, 83-90 doi:10.1145/2701973.2702091

Sharkey, A. J. C. (2016). Should we welcome robot teachers? Ethics and Information Technology. doi:10.1007/s10676-016-9387-z

 

Blockchain for education … the „next big thing“?

Blockchain for education ... the "next big thing"?

Es gibt einen neuen Hype, der die Technologiewelt begeistert und – möglicherweise – auch den Bildungsbereich erfassen wird, ohne dass er in den meisten Trendberichten zu aktueller Bildungstechnologie je Erwähnung gefunden hat (Ausnahmen gibt es natürlich immer, siehe hier): Blockchain (Erklärung z.B. hier, hier).

Es zeigt, dass Prognosen in der heutigen Zeit schwierig sind und der Bildungsbereich (mehr und mehr) von technologischen Entwicklungen getrieben ist. Dabei stellt sich zwar auch die Frage der pädagogischen Relevanz, viel entscheidender ist mittlerweile aber die Frage, welche Durchdringung die Technologie (im Bildungsbereich) erreichen wird und welche Aus- und Wechselwirkungen sich dadurch für das System formaler (staatlicher) und non-formaler Bildung (insb. Weiterbildung) ergeben werden. Dabei sind sowohl mögliche Innovationspotenziale gemeint, aber auch mögliche Gefahren und Risiken.

Die Beantwortung dieser Fragen ist angesichts des frühen Entwicklungsstatus schwierig, gleichzeitig werden aktuell, so scheint es, die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Bedeutung von Blockchain ergibt sich dabei vor allem aufgrund der prognostizierten wirtschaftlichen Bedeutung. Vor allem große Banken und IT-Unternehmen, allen voran IBM, beschäftigen sich mit der Technologie und entwickeln mögliche Geschäftsmodelle. Es wäre naiv zu glauben, dass hier altruistische Motive ausschlaggebend sind, um revolutionäre Ideen zu unterstützen. Es geht um die Frage, wie auf mögliche technologiegetriebene Veränderungen in der Finanzwelt, aber auch im Gesundheits-, Energie-, Versicherungs- und auch Bildungsbereich (Branchenbeispiele z.B. hier) reagiert werden kann, um die eigenen Marktposition zu verbessern und für die kommenden Entwicklungen gewappnet zu sein. Dabei ist es zunächst irrelevant, ob die Technologie so bedeutsam ist, dass sich „die Großen“ damit beschäftigen, oder die Technologie so bedeutsam wird, weil sich „die Großen“ damit beschäftigen. Trotz allem ist die Zukunft nicht vorhersehbar und die Feststellung  „Blockchain is clearly more than just hype.“ (Quelle) bewegt sich wohl eher irgendwo zwischen Hoffnung und Fazit.

Für den Bildungsbereich ist Blockchain für die Frage der Dokumentation und Validierung von Kompetenzen/Qualifikationen/Abschlüssen von Bedeutung (siehe hier), also einem Thema, welches von aktueller Relevanz ist (siehe hier). Wie weit die Entwicklungen bereits sind, zeigen folgende Beispiele:

  1. Das MIT Media Lab hat Zertifikate für die Media Lab Community eingeführt und diese mit der Blockchain-Technologie als Plattform verbunden (siehe hier).
  2. Die Holberton School hat in Partnerschaft mit  Bitproof Blockchain eingeführt, um ihre Abschlüsse zugänglich zu machen und nachzuweisen (siehe hier). Auch die University of Nicosia bietet diese Möglichkeit an (siehe hier) und die Open University arbeitet mit APPII an der Entwicklung entsprechender Lösungen (siehe hier).
  3. Die Open Badges Community beschäftigt sich mit der Verbindung von Badges und Blockchain (siehe hier).
  4. Sony Global Education entwickelt eine Bildungsinfrastruktur auf Basis von Blockchain, um (akademische) Abschlüsse zu teilen und nachzuweisen.

Es gibt noch viele weitere Beispiele. Donald Clark hat eine Übersicht über grundlegende Einsatzmöglichkeiten zusammengestellt (siehe hier) und auch Knowledgework gibt eine Übersicht über mögliche Anwendungsfelder und damit verbundene Veränderungen für den Bildungsbereich (siehe hier). Auf den Seiten der Open University gibt es auch einige Anwendungsbeispiele zu sehen (hier).

Am Ende bleiben für mich vor allem viele Fragen. Wird Blockchain (wie erhofft) zur Demokratisierung der Bildung beitragen? Welche Auswirkungen wird die Einführung von Blockchain für das das Bildungssystem haben? Deutet sich hier eine Lösung für die Dokumentation und den Nachweis von Kompetenzen an?  Wer wird die Lösungen anbieten? Wie werden sich solche Systeme finanzieren? Welche Geschäftsmodelle werden (ergänzend) entwickelt? Und warum wird in Deutschland darüber so wenig diskutiert?

Ergebnisse zur Evaluation des Management 2.0 MOOC

Ergebnisse zur Evaluation des Management 2.0 MOOC

Im Spätsommer des letzten Jahres habe ich davon erfahren, dass COGNEON einen MOOC zum Thema Management 2.0 plant. Da ich dem ganzen Hype um MOOCs eher skeptisch gegenüberstehe, war es eine gute Möglichkeit durch eine Evaluation etwas tiefer in die Materie einzutauchen. Dank der schnellen Zusage von Simon  Dückert konnte ich dann auch – mit Enthusiasmus aber begrenzten Ressourcen – das Thema angehen.

Zwei Online-Befragungen (eine am Anfang und eine am Ende) haben das notwendige Datenmaterial für den nun vorliegenden Evaluationsbericht bereitgestellt. Darin sind zunächst nur die deskriptiven Daten dargestellt, für weitere Auswertungen sowie die Analyse der Social Media Daten war dann leider keine Zeit mehr. Aber wie ich erfahren habe, könnte es sein, dass Interessierte auch im neuen Buch „Vernetzte Organisation“ von Alexander Richter  etwas mehr erfahren, der ja auch selbst am Management 2.0 MOOC beteiligt war (Buch hier oder beim Händler um die Ecke vorbestellen).

Den Evaluationsbericht gibt es  schon jetzt und kostenlos, aber was bringt er denn für Erkenntnisse an den Tag? Vielleicht solche wie diese: Der/die durchschnittliche Teilnehmende des Management MOOC war 42,6 Jahre, männlich, lebt in Deutschland und arbeitet in einem Unternehmen in der Aus- und Weiterbildung. Er verfügt über einen akademischen Abschluss und schätzt seine eigene Medienkompetenz als hoch bis sehr hoch ein. Und, fühlen Sie sich erkannt? Das ist natürlich nicht alles, aber ein wenig Neugier soll schon noch für das Lesen bleiben.

Meine eigene Skepsis gegenüber MOOCs ist übrigens nicht verschwunden, aber mein Interesse wurde geweckt. Sollten Sie also selbst einen MOOC planen, stelle ich Ihnen gerne die Fragebögen zur Verfügung.

Ich danke noch mal den Organisatoren und allen, die sich an der Evaluation beteiligt haben und wünsche viel Spass beim Lesen.

Quelle:
Rohs, M. & Giehl, C. (2014). Evaluationsbericht zum Management 2.0 MOOC, Beiträge zur Erwachsenenbildung, Heft 1, Technische Universität Kaiserslautern

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